Comic-Nostalgie: Raumagent Alpha - Eine Liebeserklärung

1973 besaß ich mein zweites Lesebuch, Time Tunnel lief nicht mehr, Mondbasis Alpha Eins gab es noch nicht – was blieb einem jungen Menschen mit der Sehnsucht nach den Sternen anderes übrig, als Comics zu lesen? Perry Rhodans Comic-Frauen trugen meist nichts – was den Zeitschriftenhändler zur sicher pädagogisch richtigen Präsentation oberhalb meiner damaligen Sichtmöglichkeit bewog. Im Zack-Magazin gab es nur eine Science Fiction Serie, was allerdings besser als nichts war. Da landete Basteis Raumagent Alpha am Kiosk. Natürlich mit Basteis damals unvermeidlichem Textstern auf dem Titelbild. Okay, als Zweit-Comic gab es Bob Mallard, das Flieger-As – Piloten gingen gerade noch.

Raumagent Alpha war die deutsche Veröffentlichung der französischen Serie „Les Pionniers de l'Espérance“. Die lief von 1945 bis 1973 und ist somit die langlebigste SF-Comicreihe unserer Nachbarn. Als Teil des kommunistischen Magazins „Le jeune Patriot“ zeigt die Serie, das die kommunistische Frau auch in Zukunft eine wichtige Rolle als Unterstützerin des Helden hat. Denn neben - oder meist hinter - dem Helden Alpha stand Ires tapfer ihre Frau. Die Geschichten in den Bastei-Heften waren immer abgeschlossen und immer unterirdisch schlecht produziert. Regelmäßig verschwinden die feinen Linien und die Gesichter sind nur noch am Abstand zwischen Rumpf und Haaren zu erkennen. Die flächigen Farben, die sich zumindest sehr oft an die Begrenzungen der Grafik halten, unterstützen diesen „produziert-für-den-Abfall“ Look des Heftes.


Und dennoch hat die Serie mit ihren 39 Heften seine Fans. Das liegt sicher auch an den vielen Raumschiffen. Unsere Helden Alpha und Ires wechseln pro Geschichte mindestens gefühlte zwei Mal das Transportmittel. Und in den für diesen Text noch mal gelesenen Heften, taucht kein Raumschiff zwei Mal auf. Das war einfach fantastische Abwechslung. Okay, einige Geschichten scheinen bekannt, so wie der Planet mit den Riesen und den unterdrückten Menschen, oder die Geschichte mit den mikroskopisch kleinen Invasoren, deren Raumschiffzentrale glücklicherweise die richtigen Proportion für Alpha und Ihres hat – ein wirklich fantastischer Zufall.

Das Fazit scheint nicht positiv zu werden: Raumagent Alpha ist eine Serie mit durchschnittlichen Geschichten, die Zeichnungen sind gerade so ertragbar, die deutsche Produktion unterirdisch und dennoch habe ich viele von meinen alten, zerlesenen Comics aus Kindertagen durch etwas besser erhaltene Exemplare ersetzt und habe bald alle Hefte in meiner Sammlung. Da darf man sich fragen, warum?


Weil es einer meiner ersten SF-Comics war die ich mir von meinem Taschengeld kaufen konnte, weil es manchmal doch Überraschungen gab, weil es Raumschiffe satt gab und weil die Auflösung der Geschichte dann doch nicht die eben erfundene bessere Waffe als die des Gegners war. Und immer, wenn ich die Hefte aufschlage, weht mir – neben dem fahlen Geruch des sich zersetzenden Papiers – ein Hauch von Kindheit entgegen, von der naiven Faszination des Welltalls, von Wissen über schwarze Löcher und dem Urknall, von dem meine Eltern nichts ahnten. Und immer fange ich zu lesen an, wundere mich über die heute laienhaft wirkenden Texte in den Sprechblasen in Schreibmaschinenschrift und höre ganz schnell mit dem Lesen auf – blättere noch ein wenig und bin irgendwie glücklicher als noch Minuten vorher.

Es bleibt dabei, meine Freunde tragen Raumanzüge.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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