Comic-Tipp: Andrax - eine deutsche SF-Trash-Perle

Kommentar:

Wie lange hatte ich auf diesen Comic gewartet und endlich wurde er dann bei Cross Cult komplett veröffentlicht. Hurra! Einfach, mit Robotern, drallen Mädels, Sauriern, Raunschiffen – was will man mehr? Da wird etwas Kritik nicht am Glücksgefühl ändern. Also hier die Kritik: Die Storys sind einfach gestrickt aber ehrlich. Da die Seiten verkleinert wurden, musste der Text angepasst werden. Da griff man auf den Autor Peter Wiechmann persönlich zurück – näher am Original kann man eine Überarbeitung nicht machen. Aber warum müssen heute noch so fremdenfeindliche Texte wie „ketzerische Grüße an den Obermufti“ sein?

Andrax macht trotzdem Spaß. Immerhin erkennt man die Oberbösen nicht an der verschrumpelten Haut, Andrax lehrt uns, dass man die echt Bösen an den Sonnenbrillen im Bunker erkennt.

 

 

Der restliche Text:

Kauka, das sind Fix und Foxi, vielleicht noch Lupo, aber wer verbindet mit dem Namen Kauka noch Action-Comics wie die „Cosmos Crew“ oder „Manos Kelly“? Aber das Thema Kauka mit der einzig wahren wirklich deutschen Asterix-Version Barabas und der Comic-Historie von Autor Peter Wiechmann von Kauka zu Zack und zurück ist für sich alleine spannend und Bücher füllend. Doch nun zu Andrax, der ist Held einer der lange vergessenen Serien bei Kauka und bei Cross Cult komplett zu lesen. Der Hardcover-Band ist klein, handlich und in Schwarz/Weiß. Das erinnert angenehm an die Hellboy-Augabe der Asperger. Band eins der Gesamtausgabe bietet mit 144 Seiten einen fundierten Einstieg in die postapokalyptische Welt in 2000 Jahren und die sieht hier so aus: Wir Leser erkunden von Bestien beherrschte Meere und von Robotern kontrollierte Städte an der Seite des Zehnkämpfers Michael Rush. Der wurde 1976 von einer üppig gebauten Dame entführt und vom verrückten Wissenschaftler Magor für 2000 Jahre auf Eis gelegt.

Dass in der neuen Ausgabe die Farbe fehlt, ist kein Verlust. Die Kolorierung aus den 70ern war grausig. Da muss man sich für die einfarbige Variante bedanken, genauso wie für den Band an sich. Denn Andrax ist trotz der Kritik mit Vergnügen zu lesen. Auch wer die alten Hefte hat, wird sich schnell mit dieser Buchausgabe anfreunden und die Originale nur zu Vergleichszwecken herausholen. Das liegt an der damaligen unregelmäßigen Veröffentlichung als Fortsetzungsgeschichte im Magazin Primo und später den vereinzelten Episoden in der Zack-Box, die sich mit etwas Pech ohnehin aufgrund der fürchterlichen Produktionsqualität schon längst zur Loseblatt-Sammlung mutiert hat. Bei der Cross Cult Ausgabe gibt es den fast authentischen SF-Comic-Pulp-Klassiker Andrax gut gebunden, mit allen Geschichten, neuem und gut aussehendem Lettering in einer tollen Papierqualität, die man hoffentlich auch noch in 30 Jahren gerne in die Hand nimmt.

Auch Band zwei bietet jedes Klischee der Trivial-Unterhaltung und wird mit einer Extraportion Selbstironie übersteigert, d. h. Mädchen haben riesen Titten, die Guten retten die Mädels und die hässlichen Bösen beißen ins Gras. Klingt einfach und funktioniert einfach großartig. Zu Recht wird dieser Comic mit Lob geradezu überschüttet. Da reihen wir uns einfach mal ein und schütten ganz kräftig mit. Ob man mit Band zwei in die Serie einsteigen kann? Klar, es gibt zwar so etwas wie eine zarte Kontinuität, die kann man aber vernachlässigen und sich ganz dem Zauber der einfachen Storys in Schwaz/Weiß hingeben.

Und Andrax hält auch im dritten Band, was er verspricht: Barbaren-Action mit immer noch vollbusigen Schönheiten und diesmal einem ungewohnten Technik-Dino-Mix. Der oft sinnierende Held im schwertbehängten Lendenshorts legt noch eine Schippe drauf: Werwölfe, Amazonen und Robin Hood. Aber was will man einem Mann wie dem Autor Wiechmann vorwerfen? Wer solch schöne Worte wie „unverbrüchlich“ wieder in den Sprachgebrauch bringt, darf auch bedenkenlos in literarischen Vorlagen wildern. Grafisch unterscheidet sich dieser Band von seinen beiden Vorgängern. Waren bisher die Seiten auf das Taschenbuchformat verkleinert, und so Bernets Strich fein und detailliert, so wurden die hier veröffentlichten Geschichten für das kleine Format gemacht und mussten nicht verkleinert werden. Das wirkt gröber, schneller gemacht – ist es aber nicht. Endlich hat man die Gelegenheit zu sehen, wie aus einfachen Linien unterschiedlicher Stärke wie durch Zauberhand Gebirge werden, schwarze Flächen werden zu Roben und Tintenkleckse scheinen Gesichter lebendig zu machen. Und auf der nächsten Seite ist dann die fast identische Ansammlung von Strichen ein verängstigter Zauberer – das ist einen zweiten Blick wert.

Wer nun Bedenken bekommt, im dritten Band weniger Geschichte zu bekommen, darf beruhigt auch zu dieser Pulp-Perle greifen, die freundlichen Menschen bei Cross Cult haben den Umfang einfach erhöht, das macht im Ganzen dann wieder denselben Preis pro Panel wie bisher. Wie machen die das? Aber: Die Story der ersten Geschichte legt durch deren Tour de Force durch beliebte Vorlagen zu viel vor, der zweite Teil des Bandes kann da nicht mithalten. „Das große Wesen“ bietet „nur“ Panzer, ein Riesengehirn, Speere und Krokodile. Das ist schon fast zu zart für den derben Post-Apokalypse-Action Spaß. Wer sich Gedanken machen will, ist hier völlig fehl am Platz. Fragen wie „Was macht Robin Hood in der Zukunft“, „Wer war nun der weiße Wolf“ oder „Warum wirft der Felsen im einen Panel einen Schatten auf Andrax Gesicht und im nächsten nicht mehr“ stören einfach.

Wir überspringen Band vier, weil gewohnt gut, und nehmen nun den Abschlussband zur Hand: Wiechmann klaut völlig unverfroren beim Western Cowboys und Indianer, bei Barks die Liebe für das Viereckige und bei den Klassikern Frankensteins Monster. Und mittendrin sind Andrax und sein kräftiger Freund Holermes. Die Abschlussgeschichte gibt es als Bonus zusammengefasst im redaktionellen Teil des Bandes. Die ist aber nicht von Wiechmann und konnte wohl aus Urheberrechtsgründen nicht komplett in den Band.

Andrax ist klasse, und der Verleger äußerte völlig zu Recht „Wenn man auf 70er Jahre Fantasy-SF-Pulp steht, ist die Serie genau das Richtige. Alle, die eine völlig logische und originäre Story mit modernem Erzählstil erwarten, sollten aber lieber die Finger davon lassen.“ – wobei das mit dem „die Finger davon lassen“ ist zu hart, Andrax ist eben solider Trash und macht als solcher ordentlich Spaß, sicher auch Literatur-Fans mit SF-Faible auf Intellektualitäts-Urlaub.

Für Fans von Primo, ungenierter Klauerei und Jordi Bernets lebendiger Bilder.

Leseprobe

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