Comic-Tipp: Hawkeye – My Life As A Weapon

Witz, Action und Respekt vor der Geschichte des alten Rächers.

Es ist schwer, ohne eine bissige Bemerkung zu Marvel Now zu starten, wenn es um einen der neuen Marvel-Titel geht, aber wenn der Neustart so gut gelungen ist wie hier – Schwamm drüber.

Der Titel verrät es, es geht um den vermeidlich schwächsten der Ruhmreichen Rächer. Ein Flitzebogen, eine Maske mit gewagt spitzer Brille, dumme Sprüche und ein Füllhorn an Spezialpfeilen, das waren seine Waffen gegen Raumschiffe, Herrscher über die Zeit und die Schwarze Witwe.


Heute heißt es Avengers und Black Widow und Falkenauge auch ganz richtig Hawkeye. Und weil ein Neuanfang was Neues sein soll, sieht der erste Teil des Sammelbandes wie ein Klon von Batman Year One in lilablau aus. Und weil bei Marvel immer alles ganz logisch in der Continuity ist – so habe ich es mir mal von einem *hüstel* Fachmann sagen lassen, weiß unser Held, das er sein Geld von den Avengers und ein Sidekick namens Kate hat. Und jetzt reicht es auch mit der Continuity.

Matt Fraction erzählt in zwei Zeitebenen. Jetzt und wie es zum Jetzt gekommen ist. So hat man als Leser immer ein wenig Vorwissen, fragt sich aber auch, wie kam es zur gebrochenen Nase oder zum Sturz aus dem Fenster? Diese Erzähltechnik ist okay, wenn man sie so souverän wie Fraction hier nutzt.

Es ist auch mehr ein Clint Barton- als ein Hawkeye-Comic. T-Shirt, Jeans und Chucks sind Clints Kostüm. Und es fühlt sich an, als hätte der Batman-Year-One-Zeichner David Mazzucchelli einen Die-Hard-Comic mit Bruce Willis mit Haaren und eben Flitzebogen gezeichnet. Das liest sich unglaublich schnell, leicht, lustig, unterhaltend, spannend und einfach gut, woran die Bilder von David Aja einen erheblichen Anteil haben.




Highlight ist der Part über die Gimmick-Pfeile. Alleine für diese 20 Seiten lohnt sich der Sammelband. GRANDIOS!

Schade, dass man bei Marvel Now wieder zu den alten Dreiteilern für einen Serienstart zurückgegangen ist, so hat man – wie auch beim ersten Rächer Trade – keine wirklich runde Sache in den Händen. Bei Hawkeye ändert sich die Stimmung der Erzählung mit dem Wechsel des Zeichners David Aja zu Javier Pulido. Der muss eine Versteigerung im Schurkenmilieu bebildern. Auch da ist Autor Fraction gut, es fehlt der lebhafte Mix aus Action und Witz. Das ist noch Gut, aber im Vergleich zum Start aber eben nur noch gut.

Das letzte Kapitel ist Fraction und Alan Davis. Davis Grafik liebt man, oder man lässt es bleiben, in diesem Band fühlt sie sich wie ein Fremdkörper an. Aber es wird das erste Treffen von Hawkeye und Kate Bishop erzählt und die ist eigentlich der Held dieses Comics und deswegen, auch weil der Autor dieses Textes zu den Davis-Fans gehört, passt auch dieser Teil ganz gut.

Insgesamt ein furioser Auftakt, der ein Tempo und eine Qualität vorlegt, den der Band nicht über die ganze Länge halten kann. Und der Beginn ist so stark, dass man trotzdem vom ganzen Comic erst ein Mal sehr überzeugt ist.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.