Weltenkrieg 1. Die Rückkehr

Weltenkrieg Band 1, die Rückkehr, Titelbild
Tom Zola

Es gibt einige literarische Fortsetzungen zu  H.G. Wells „Kampf der Welten“.  Selbst Sherlock  Holmes hat in der Geschichte „Sherlock Holmes`War oft he Worlds“ sich an diesem Mythos beteiligt. Stephen Baxter hat eine offizielle Fortsetzung geschrieben und bekannt ist auch eine relativ zeitnah an das Original verfasste Fortsetzung, die vor einigen Jahren im Projekte Verlag erschienen ist.  Gegenwärtig erscheint von Wilko Lennart als E Books noch die Serie „Der zweite Krieg der Welten“.

Tom Zola eröffnet mit „Weltenkrieg“ nicht nur eine neue Reihe, basierend auf der Vorlage, sondern baut die Grundidee einer Rückkehr der Marsianer nach mehr als einhundertzwanzig Jahren solide auf. Zu den großen Schwächen des Autors gehört  leider von Beginn an die Entwicklung von überzeugenden Figuren. Die Soldaten unterhalten sich wie Machos, die sich sklavisch an die Dienstvorschriften  halten.  Die meisten Actionszenen  sind auf dem Papier und in der Theorie packend geschrieben worden, aber dem Autor fehlt das Gefühl für Stimmungen und vor allem eine dynamische Struktur. Vieles wirkt auch durch den Gebrauch von unnötigen, authentisch wirkenden, aber in einem erzählten Roman in dieser Form deplatzierten „Fachbegriffen“ leider tatsächlich wie ein Propagandafilm für die verschiedenen Streitkräfte mit der Bundeswehr bei der Verteidigung des Frankfurter Raums sowie der britisch- deutschen Spezialeinheit mitten drin im Geschehen. Alleine der abschließende, aufgrund des Fortsetzungscharakters nicht abgeschlossene Angriffe einer weiteren Welle marsianischer Kampfmaschinen im Fernen Osten setzt auf das Elemente der Atmosphäre und baut einen soliden Spannungsbogen auf, während der Auftaktsequenz zu statisch beschrieben und der schon erwähnte Verteidigungskampf zu unübersichtlich, zu krampfhaft heroisch  ohne das Gefühl für die richtigen Emotionen verfasst worden ist. 

Mit diesen Schwächen steht sich Tom Zola leider auch teilweise selbst im Wege. Die Grundidee ist, dass vor einhundertzwanzig Jahren die Marsianer ja besiegt worden sind.  Nicht vom Militär, sondern den bekannten Bakterien. Eine Handlungsebene des Romans beschreibt die Verteidigungsbemühungen der britischen Armee in Form eines autobiographischen Romans, der wie der Erzähler klar stellt, aus nicht nachvollziehbaren Gründen weniger populär und bekannt geworden ist als  die Geschichte H.G. Wells, der sich relativ früh nach der Landung der Marsianer und den ersten Angriffen in Sicherheit gebracht hat.  Dieser“ Augenzeugenbericht“ ist eine nette Idee, um vor allem Leser auf den neusten Stand zu bringen, welche sich nicht so gut mit H.G.  Wells Geschichte auskennen. Tom Zola hat versucht, den antiquierten Ton zu treffen und vielleicht sogar es aus der Perspektive eines stolzen  britischen Soldaten zu erzählen, der vor allem Wert darauf legt, anfänglich die eigene militärische Überlegenheit zu beschreiben. Diese Einschübe nehmen sehr viel Raum ein und sind stilistisch auch ermüdend, aber unterstreichen die Intention, über den Rahmen  des bekannten Romans hinaus zu schauen. 

Politisch setzt Tom Zola folgende Prämisse voraus. Die Briten haben die Marsianer besiegt und haben die vorhandene Technik gesichert. Anscheinend haben sie zumindest die Hitzestrahlen nachbauen können, ohne sie zu verstehen. Die Marsianer sind seit einhundertzwanzig Jahren nicht wieder  aufgetaucht, aber immer wieder vor allem in entlegenen Gegenden wie Teheran – ein Zwischenfall, der immer wieder erwähnt, aber nirgends wirklich erläutert wird -  oder wie im Prolog im Gebiet des IS.  Dort  ist ein Miniatur Dreibein im Sand vergraben und wurde von einer eher radikalen Gruppe gehoben.  Eine seit vielen Jahren bestehende Eliteeinheit aus den erwähnten deutsch-  britischen Kräften kämpft sich zu der möglichen Fundstelle durch, um die Authentizität  des Artefakts  zu verifizieren und entsprechend zu bergen.  Es ist eine dynamische Actionszene,  in welcher die „überlegene“ westliche Militärtechnik auf die Macht der IS Kämpfer mit ihren Handfeuerwaffen jeglicher Art trifft. 

Die Invasion hat stattgefunden und die Menschheit im Allgemeinen und die Briten im Besonderen vorsichtig werden lassen. Es ist aber auch der einzige Tom Zolas Welt verändernde Faktor und hier liegt eine weitere Schwäche des Romans. Anstatt aus dieser Invasion zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erkennbare, wenn auch veränderte Welt zu extrapolieren, konzentriert sich der  Autor auf eine  auch militärisch klar erkennbare, im Grunde unveränderte Gegenwart, basierend auf einem deckungsgleichen Verlauf der Geschichte ab dem Beginn des 20.  Jahrhunderts.  Es scheint die Sonden und die Teleskope auf dem gegenwärtigen Stand der NASA Technik gegeben zu haben. Es scheint auch die beiden Weltkriege gegeben zu haben.  Militärisch gibt es keinen großen Unterschied zur Gegenwart und auch die politischen Systeme stehen sich gegenüber.   

Tom Zola impliziert, dass die nachfolgenden Generationen inzwischen nicht mehr an eine Rückkehr der Aggressoren glauben.  Das ist menschlich und nach einem solch langen Zeitraum ohne Spuren auch legitim. Aber im Gegenzug muss hinterfragt werden, warum sich die Menschheit bis auf diese britisch deutsche Spezialeinheit nicht offensiv um eine Verteidigung der Erde gekümmert hat und die Marserforschung als obersten Punkt angegangen ist.  Der  Mond wäre in diesem Fall nur ein Sprungbrett. Beim Beschreiben seiner Welt macht es sich Tom Zola viel zu einfach und kopiert einfach aus der Gegenwart.  Hier wird unglaublich viel Potential in dem Auftaktband einer neuen Reihe verschenkt.

Es kommt aber noch ein weiteres Problem hinzu. Technologisch macht es keine Sinn, dass die Aliens – sofern es sich wirklich um die gleichen Marsianer wie vor einhundertzwanzig Jahren handelt – sich technisch nicht weiter entwickelt haben.  Rechnet der Leser nur die kriegstechnischen Fortschritte auf der Erde der letzten einhundertzwanzig Jahre hoch, dann müsste der Unterschied zwischen den Menschen und den Marsianer viel  größer sein. Taktisch wäre der Angriff mit nur sechs Tripods als Testlauf vielleicht noch zu erklären.  Vielleicht wollten die Fremden nur die militärische Stärke der Menschen herausfordern, da sie ja Stand H.G. Wells nicht wirklich einschätzen können, woran abschließend  die erste Invasion wirklich gescheitert ist.  Es bestünde ja die Möglichkeit, dass nicht „normale“ Bakterien, sondern  eine biologische  Waffe die Invasionstruppen ausgeschaltet hat.  Zusätzlich könnte ja die Gefahr bestehen, dass die Weiterentwicklung von verschiedenen Kampfstoffen beginnend im nach der Invasion stattgefundenen Ersten Weltkrieg  weitere Gefahren darstellen könnte.  Die Marsianer werden zumindest die Menschen im Auge behalten haben.

Hier ergibt sich noch kein Gesamtüberblick hinsichtlich der Invasion und bis dahin wirkt es vor allem im direkten Vergleich mit den Tagebuchnotizen aus der ersten Invasion höflich gesprochen unkoordiniert wie planlos, sowie taktisch altbacken.  Wer Raumschiffe durch das All vom Mars ausschicken kann, könnte – wenn die Fremden  aktiv von den Menschen bzw.  Amerikanern mit ihren Nastostkriegen des 21. Jahrhunderts lernen wollen- auch anfänglich ganze Landstriche bombadieren und technisch  wie zynisch gesprochen für eine Brückenkopflandung reif  schießen.

Tom Zola greift als Autor und damit  manipulierender Erzähler auch an einigen Stellen unglücklich in die Handlung ein. Die Engländer sind bis auf die Kameraden in der Einheit Ausländerfeindlich, arrogant, selbstverliebt und stolz auf den Brexit; die Deutschen müssen mit ihrer Nazivergangenheit leben und die Soldaten sind tapfer, befehlsgewohnt und sprechen schließlich noch wie aus einem Groschenheft.  Vieles  wirkt wie mit einer  Keule geschrieben und unterminiert die bislang solide entwickelte, aber sehr viele Fragen offen lassende Actionhandlung, die an keiner Stelle die interessante Grundidee einer zweiten Invasion 120 Jahre nach dem ersten Angriff wirklich bislang  effektiv wie grundsätzlich überzeugend umsetzt.  

        

Titelbild: Mark Freier
A5 Paperback Atlantis Verlag
ca. 240 Seiten
ISBN 978-3-86402-463-4