Jerry Cotton 3200- New York darf nicht sterben

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Der Titel des kleinen Jubiläumsbandes 3200 ist melodramatisch: „New York darf nicht sterben“, das Titelbild stammt aus „Remo Williams- Unbewaffnet und gefährlich“. Auch wenn die beiden FBI Agenten quasi nach Hause zurückkehren – in Band 3000 sind sie ja aus New York nach Washington versetzt worden – ist New York weit davon entfernt, wirklich zu sterben. Es gibt zwar einen sehr langen und ausgesprochen spannend dynamischen Auftakt, aber von einem Anschlag in der Dimension des 11. Septembers vielleicht mit chemischen oder nuklearen Waffen ist der Plot weit entfernt.

 Viel mehr geht es um die Mafia. Jerry Cotton und sein Freund Phil Decker sind in das New Yorker Mafianetz eingeschleust worden. Dabei hat Phil Decker die Identität eines aus dem Verkehr gezogenen Mafiosi angenommen. Jerry Cotton ist einer der LKW Fahrer, der einen der Meilensteine eines zum Friedhof überführten ermordeten Mafiapaten durch die Gegend fährt. Es wirkt schon bizarr, was alles dort aufgefahren wird. Neben dem Pferd, das Jerry Cotton transportiert, gibt es Portraits der Ehefrau; Stationen aus dem Leben des Verstorbenen; gigantische fahrbare Projekten, welche Filme über dessen Leben ausstrahlen und noch einiges mehr. Cotton erfährt von Phil, das sich in seinem Wagen eine Bombe befindet. In einer rasanten Fahrt gegen die örtliche Polizei und die neu gewonnenen nichts ahnenden Mafiakollegen muss er die unschuldigen Bürger schützen und den Lastkraftwagen mit der Bombe in ein ungefährliches Gebiet fahren.

 Natürlich ist er erfolgreich. Ab diesem Moment spaltet sich die Handlung quasi auf. Während die Suche nach dem Bombenattentäter und dessen Motiv relativ schnell und im Grunde im Off stattfindet, widmet sich Jerry Cotton mit vollem Körpereinsatz einer attraktiven Mafiosi, die durch den Tod ihres Vaters an Einfluss gewonnen hat. Nur hat ihr geschiedener Mann ein Auge auf die gemeinsame Tochter geworfen und entführt diese. Jerry Cotton muss quasi die Tochter aus den Händen des Exmannes befreien, der schließlich noch einen weiteren Trumpf in Händen hält.

 Ein wenig unrealistisch und fast futuristisch erscheint, dass Jerry Cottons perfekte Maske aus überdurchschnittlich produzierten natürlichen Bestandteilen immerhin die Bombenexplosion bzw. den Sprung aus dem Wagen aushält. Im Krankenhaus hat Jerry Cotton anfänglich keine Stimme, was ihn noch mehr zu einem perfekten Handlanger der Mafia macht, auf der anderen Seite hat er durch seine Heldenaktion seine Position innerhalb der Organisation sehr gut gefestigt. Würde der Autor diesen Handlungsfaden aktiv zu Ende führen, wäre es sogar ein überdurchschnittlicher Jerry Cotton Roman.

 Positiv ist dagegen, dass der Autor auf die modernen Aspekte des Paranoiakinos verzichtet und dem Bombenattentäter ein handfestes Motiv gibt, so dass dessen Vorgehensweise auch glaubwürdig erscheint.

 Stattdessen nimmt die Romanze doch ein wenig mehr Raum ein und die Mafia im Allgemeinen ist relativ früh, einen derartig sich selbst opfernden Helden in ihren Reihen zu wissen. Das die Tochter der Mafiosi so einfach „mitgenommen“ werden kann, erscheint trotz ihres Vaters als Entführer ein wenig zu stark konstruiert und warum dessen Handlanger die Öffentlichkeit scheuen und dadurch der Polizei und Jerry Cotton eine wirklich heiße Spur liefern, bleibt unausgesprochen.

 Am Ende des Handlungsfaden wird ein Cliffhanger präsentiert. Decker und Cotton befinden sich in einer im Grunde unmöglichen Situation zwischen allen Stühlen. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt. Aber trotzdem verfügt der Jubiläumsband über eine Reihe sehr starker und spannender Szenen. Beginnend mit dem rasanten und wirklich spannenden Auftakt und dem nur instinktiv reagierenden Jerry Cotton über eine Schießerei in Italien – die Zusammenhänge werden wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Doppelromans aufgezeigt – bis zum schwierigen Ende durchzieht „New York darf nicht sterben“ ein durchaus hohes Tempo. Als Undercoveragenten haben Cotton und Decker mehr Freiheiten, auch einmal die Regeln zu dehnen und die Starrheit einiger zuletzt ein wenig stereotyper Handlungsverläufe wird durchbrochen. So erfährt der Leser auch erst in der Mitte des Romans vom Umfang Jerry Cottons Auftrag, gleich zu Beginn wird er genauso ins kalte Wasser geworfen wie der FBI Agent.   

 

Bastei Heftroman

64 Seiten

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