Gespenster Krimi 9 "Das Sanatorium"

Curd Cornelius & D. J. Franzen

Der dritte Roman der „Schattenchroniken“ ist von Curd Cornelius und D. J. Franzen verfasst worden. Curd Cornelius hat die ersten fünf „Schattenchroniken“ Abenteuer den im Blitz Verlag 2013 erschienenen neuen Fällen Larry Brents entnommen und diese weniger inhaltlich, sondern in den Details dem Universum der „Schattenchroniken“ sowie der ebenfalls publizierten Reihe „Der Butler“ angepasst.

Die neuen Fälle „Larry Brents“ sind im Blitz Verlag ja nur in einer kleinen Auflage von knapp 200 Exemplaren  erschienen, so dass die „Schattenchroniken“ im Grunde als erste auflagenstarke Veröffentlichung der Fälle angesehen werden kann.

Trotzdem wird der Handlungsverlauf insbesondere Dan Shocker Komplettsammlern bekannt vorkommen. Wer die ersten fünf Bände der neuen Fälle kennt, könnte enttäuscht sein. Auf der anderen Seite hat Curd Cornelius in einige der ersten „Schattenchroniken“ Romane auch den Hinweis eingebaut, dass es eine amerikanische Schwesterorganisation gegeben hat, die inzwischen aufgelöst worden ist.

Es wäre müßig und auch nicht unbedingt Zielführend, die beiden Romane nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu untersuchen. Wichtig ist, dass spätestens mit dem sechsten Abenteuer die Serie sich freischwimmt und eigenständige Geschichten erzählt. Bis dahin sollte man es als Transformationsprozess einer abgeschlossen, ähnlichen Reihe in ein neues Universum betrachten, auch wenn die zugrundeliegenden Plots schon einmal verwandt worden sind.

In der Nähe von Berleburg wird eine Rockerbande nachts von einem an eine gigantische Krake erinnernden Wesen angegriffen, die meisten Mitglieder der Gruppe getötet und ausgerechnet das Mitglied der Spezialeinheit Big Mike Gunnarsson bleibt schockiert zurück. Die örtliche Polizei nimmt ihn in Schutzhaft. Die Geheimorganisation schickt als Hilfe dessen ehemaligen Bekannten/ Freund/ Kollegen Balsi Krueger nach Berleberg.

Gemeinsam sollen sie den nicht isolierten Fall der Angriffe seltsamer Wesen untersuchen. Später wird das Duo noch um zweite weitere Agenten verstärkt, welche die Verbindung zu den ersten beiden Fällen der Schattenchroniken darstellen.

Bis auf die Nachfrage nach dem Medium aus dem zweiten Abenteuer ist der Band gänzlich auf sich alleine gestellt. Der Hintergrund wird nur ein wenig weiterentwickelt und mit dem Pferdenarr Kruger übernimmt ein weiterer Agent einen Auftrag, der das Verhältnis zwischen Gefahr und Bezahlung angemessener erscheinen lässt.

Der Plotverlauf ist klassisch. Ein seltsamer Ort- ein Sanatorium – mit einer dunklen Geschichte. Der Altbau ist abgebrannt, ein Neubau durch die nachfolgende Generation scheint eher eine eloquente Fassade zu sein. 

Die Autoren haben sichtlich Spaß, eine Pulpatmosphäre zuerschaffen.  Bei den Riesenwespen vom Edersee – Band 2 – hatte man das Gefühl, einen japanischen Monsterfilm zu sehen. Bei „Das Sanatorium“ bauen die Autoren den Lovecraftmythos um die Großen Alten inklusiv der entsprechenden Dimensionstore ein.

Die Autoren sind sich dieser Vorlagen bewusst und nutzen sie positiv entsprechend. Die wahnsinnigen Experimente – eines muss einer der Protagonisten am eigenen Leib ertragen -  in der Tradition Frankensteins deuten in eine gänzlich andere Richtung. Auch die krankenähnlichen Monster aus einer anderen Dimension scheinen zusammen mit dem augenblicklichen Sanatoriumsleiter nach der Weltherrschaft zu greifen. Als dann noch nach dem Necronomicon gesucht wird, auf dessen Inhalt einige der Forschungen basieren könnten, scheint die Hommage an H.P. Lovecraft komplett zu sein.

Mit einer durchaus modernen Atmosphäre versuchen die beiden Autoren zumindest äußerlich diesem Eindruck zu widersprechen. Sie wechseln in der zweiten Hälfte die Perspektive und zeigen überzeugend auf, dass das im Kopf des Lesers zurechtgelegte Szenario gar nicht so stimmen kann. Es stellt sich die Frage, wer die eigentlichen Monster sind und wer die Opfer. 

Der Auftakt besteht aus einigen Schockszenen, in denen die „Bedrohung“ etabliert wird. Das Ende ist ein langer Showdown, der wie eine Würdigung der alten Horrortrashfilme nicht nur in einem zu zerstörenden Laboratorium und einem weiteren alles vernichtenden Feuer endet, sondern quasi am „Schalthebel“ der ultimativen Vernichtung cineastisch dramaturgisch seinen Höhepunkte findet.

Auch wenn alle angesprochenen Bestandteile einer guten Pulpgeschichte der Leser isoliert voneinander irgendwie auch ein wenig vertraut vorkommen und die Geschichte ausgesprochen ernst mit nur wenigen verbalen Geplänkeln als Aufheiterung erzählt wird, verfügt der Roman insbesondere auch in der ersten Hälfte über einige komische Elemente. Die beiden höflich gesprochen kräftigen Männer Kruger und Gunnarsson in einem schicken Sportwagen, der innen mehr Platz bieten soll als es von außen den Eindruck macht. Die glücklichen Herbergsgastgeber, die immer mehr Mitglieder vom Spezialteam gegen Barzahlung als höfliche Gäste in ihrem Haus aufnehmen und schließlich auch der Versuch, mittels eines Tricks als Besitzer eines seltenen Buches an die Geheimnisse des Sanatoriums zu kommen seien als Beispiele genannt.

Zusammengefasst ist „Das Sanatorium“ der bislang beste Roman der „Schattenchroniken“. Das Tempo ist hoch; der Plot auf eine angenehme Weise ausreichend bizarr und mit den einzelnen Versatzstücken in Kombination mit der Erwartungshaltung der Leser wird positiv gesprochen gespielt.

Vielleicht agieren die Mitglieder der Geheimorganisation noch ein wenig zu ernst auf die Bedrohung. Es müsste ihnen manches irgendwie aus dem Kino oder der Literatur vertraut  vorkommen. Da wären vielleicht einige subtile Anmerkungen wünschenswert. Zumal sie ja auch auf das „Necronomicon“ eingehen, das fiktive Buch H.P. Lovecrafts.  Das ist zwar inzwischen in die phantastische Literatur als Allgemeingut eingegangen, aber tatsächlich eng mit dem Mythos um die Alten verknüpft, die wiederum Basis der Bedrohung im vorliegenden Abenteuer sind. 

Die einzelnen Mitglieder der Organisation sowie deren Hintergrund sind in den ersten beiden Heftromanen eingeführt, so dass sich die Autoren auf den Handlungsverlauf über mehrere parallel laufende Ebenen konzentrieren können. Das lässt den Roman stringenter erscheinen. Die Bedrohung wird konzentriert präsentiert und die in den ersten beiden Romanen eher vagen Hinweise auf etwas Großes aus dem Jenseits finden sich in „Das Sanatorium“ nicht wieder.  

Gespenster-Krimi 9 - Horror-Serie: Das Sanatorium von [Cornelius, Curd, Franzen, D. J.]

Bastei Heftroman

64 Seiten

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