Empire of the B´s

Empire of the B's
Dave Jay, Torsten Dewi, Nathan Shumate

Dave Jays, Torsten Dewis und Nathan Shumates Studie über die “Mad Movie World of Charles Band“ ist eine reichhaltig und gut bebilderte Studie eines Teilaspekts im Schaffen des zumindest  theoretischen Nachfolgers von Roger Corman.

Wie der Titel suggeriert, konzentrieren sich die Autoren auf die Zeit zwischen 1984 und 1989, als EMPIRE Pictures versucht, sich mit sehr unterschiedlichen Produktionen als Nachfolger von Roger Corman in einem ausgesprochen schwierigen Markt zu etablieren. Wer sich für das ganze Werk von Charles Band – zweitausend Filme bis zum Jahr 2000 – interessiert, wird weiterhin stückeln müssen. Vor vielen Jahren erschien eine heftig umstrittene „Full Moon“-Ausgabe des Filmmagazins „Cinefantastique“, in der in bewährter Sternewertung alle Full-Moon-Produktionen ausführlich bebildert, kurz, pointiert zusammengefasst sind und - insbesondere auch im Vergleich zur vorliegenden Buchausgabe - sachlich respektvoll besprochen werden.

Charles Bands Zeit nach „Full Moon“ ist höchstens aus fragmentarischen, einzelnen Produktionen beleuchtenden Artikeln zusammenzustückeln. 

Auf der anderen sehr positiven Seite haben die Autoren dank zahlreicher Interviews – zweimal Charles Band, David Schmoeller, Stuart Gordon, Screaming Mad George oder Albert Pyun – viele Zeitzeugen befragt, die über ihre eigenen Erfahrungen hinaus ein authentisches und sehr lebendiges Portrait einer Zeit gemalt haben, in der nicht mehr im Vergleich zur AIP/ Roger-Corman-Ära alles möglich gewesen ist, die aber einer dritten bzw. vierten Generation die Chance gegeben hat, das Filmemachen in alles Aspekten am lebendigen Objekt – selbst wenn es später auf DVD nur veröffentlicht worden ist – zu lernen.  

Viele vergleichen Charles Band immer wieder mit Roger Corman. Aber der erste, vielleicht wichtigste Abschnitt des Buches – die fünfzehn Charles-Band-Produktionen aus den Jahre 1975 bis 1983 – räumt im Grunde mit dieser Legende auf und zeigt nachhaltig, warum Corman erfolgreich und Band es nicht gewesen ist. Charles Band stammt aus einer Filmfamilie. Sein Vater, ein Regisseur, hat Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre den Niedergang der B-Produktionen am eigenen Leib kennen gelernt.

Seinen Bruder Richard Band hat die Leidenschaft als Komponist schließlich auch gepackt. Roger Corman war von Beginn seiner Karriere an ein überdurchschnittlich intelligenter Geschäftsmann, der seine wenigen Dollar doppelt und dreifach effektiv eingesetzt hat. Charles Band konnte ohne Frage mit guten Geschäftsideen auch Geld eintreiben, er hat aber nie den Sprung zu einem ernsthaften „Kaufmann“ geschafft. Die hier beschriebenen Lernprozesse haben nicht zu einer effektiveren Arbeitsweise geführt und die Idee, ausschließlich in der Theorie hoch budgetierte, aber unterfinanzierte phantastische Filme zu produzieren, trieb sein Imperium schließlich auch immer wieder in eine Klemme.

Vor allem konnte Charles Band nur selten wie in der ersten Phase mit David Schmoeller, dessen „Tourist Trap“ allerdings erst im Laufe von Jahrzehnten zu einem Schläferhit geworden ist, auf talentierte und ambitionierte Filmemacher zurückgreifen. Zumindest der Vorwurf, dass Charles Band weniger Hollywoodtalente hervorgebracht hat, kann widersprochen werden: John Carpenter als Cutter, Lance Henriksen oder Demi Moore seien hier stellvertretend für zwei Handvoll andere genannt worden. Das neben Talent Geld wichtig ist, steht außer Frage. Das Geld reichte selten für eine Charles Band Produktion, aber – betrachtet der Leser alleine die Besprechungen seiner ersten fünfzehn Filme – noch seltener das Talent.

Die Rezensenten finden nur bei drei Filmen – „Tourist Trap“, „Cinderella“ und mit riesigen Abstrichen die im Rahmen des damaligen 3 D Booms aufgepumpte „Metalstorm“ Produktion – so etwas wie lobende Worte. Das Debüt „Mansion of the Doomed“ wird zumindest ambivalent betrachtet, die Trailerzusammenstellung „Best of Sex & Violence“ eher wegen des geborgten Materials herausgestellt. Über den Rest – und das ist die größte, vielleicht sogar nachvollziehbare Schwäche dieses Buches – machen sich die Rezensenten wahrscheinlich auch zu Recht lustig. Hier stellt sich allerdings auch die Frage, welches Zielpublikum die Autoren zu erreichen suchen? Wer soll ein Buch über Charles Band kaufen. Entweder beschäftigt man sich mit dieser Ära – da gibt es mit „Sleazoid Express eine sehr viel differenziertere, eingehendere Studio – oder man möchte mehr über Charles Band erfahren.

In diesem Fall können die Rezensionen auch ohne Frage negativ sein, sie sollten aber aus einer distanzierten Position fair sein. Insbesondere in der Frühphase rückt sich zumindest einer der Rezensenten in den Mittelpunkt und stellt es teilweise so dar, als opfere er sich für die Leser, um ihnen die Qual dieser Filme zu ersparen. Immerhin haben sie sich das Thema selbst ausgesucht und wurde von keinem Trancer gezwungen. Es werden eine Reihe von Phrasen gedroschen, ohne das wirklich sachlich das monetär Mögliche mit dem künstlerisch Angestrebten in einem Zusammenhang gebracht werden kann. Erst gegen Ende werden die ausführlich werdenden Vorstellungen der Film qualitativ deutlich besser. Nicht zuletzt dank zahlreicher Zitate aus verschiedenen Genremagazinen können sie egal wie vermessene Ansprüche und Realitäten am nicht immer fertigen Produkt miteinander vergleichen und arbeiten die kontinuierlichen eher auf Charles Band denn seine Angestellten zurück zu führenden Schwächen trotz des weiterhin teilweise zu ironisch selbst gefälligen Tons auch für Charles Band Unerfahrene sehr viel besser und gehaltvoller heraus.   

Dave Jay hat in seinen einleitenden, im Grunde das Thema das Buches effektiv zusammenfassenden Worten „The movie Madness of Charles Band“ alles geschrieben. Vor allem sind die Rezensionen teilweise unfair den Menschen gegenüber, die sich Zeit genommen haben, die zahlreichen Fragen fair und ausführlich zu beantworten. Objektiv gesprochen kommen die aber immer noch besser weg als einige andere „Regisseure“, deren Ego einen zu langen Schatten über ihre Produktionen wirft. 

Fast alle wissen und geben es auch ehrlich und authentisch zu dass ihre Produktionen nicht immer Oscar Dimensionen, manchmal nicht einmal die grundlegenden Standards von jeglicher Art von Film erreicht haben. Sie wissen selbst um die vielen kleinen und manchmal sehr großen Schwächen ihrer Arbeiten. Viele waren jung und unerfahren, andere brauchten das Geld. Aber sie haben für unglaublich wenig Geld viel Zeit investiert und haben gehofft, auf der steilen Hollywoodleiter eine Stufe nach oben zu fallen.

Der Kontrast zwischen den Besprechungen und den interessanten Interviews könnte nicht großer sein. Insbesondere Stuart Gordon, der trotz eines guten Starts unter „Empire“ es nicht geschafft hat, einen nachhaltigen, kontinuierlichen Sprung nach oben zu machen, berichtet weiterhin sehr fair über seine Tage unter Charles Band. Über die anfängliche Frustration, wenn ihn seinem ersten Meisterwerk „Re Animator“ herum geschnitten worden ist, was den Film rückblickend „rettete“. Und über die ewige Schleife, die ihn zu Full Moon zurückführte.  David Schmoeller – für seinen ersten Kurzfilm immerhin für einen Oscar nominiert, wobei er gegen Robert Zemeckis im Nachwuchsbereich verloren hat – spricht nicht nur über seinen Film, sondern auch die Schwierigkeiten, nach „Tourist Trap“ sich zu etablieren und die Freiheiten, die er unter Charles Band hatte.

Die großen Studios scheinen Drehbücher von ihm gekauft zu haben, welche sie nicht produzieren wollten. Es sind aber auch heute in Vergessenheit geratene Männer wie Wayne „The Day time ended“ Schmidt oder „Robert „The Alchemist“ Ginty, die über eine typische Charles Band Produktion reden. Und hier schließt sich der Kreis des ersten Abschnitts des Buches. Charles Band konnte nie ein Roger Corman werden. Erstens hatten sich die Zeiten geändert und zweitens hatte er nie das richtige Gefühl, einen Plot dem vorhandenen Budget anzupassen.

Während Roger Corman erst in späteren Jahren zu Leben begann, folgte Charles Band der Prämisse seines Vaters, das Leben zu genießen – er kaufte sich nicht nur ein Schloss in Italien, sondern aus der Konkursmasse die Studio Dino de Laurentiis – und dabei zu arbeiten. Drittens verspielte er seine guten Ideen – Tageszeitungen als Geburtstagsgeschenke und das Aufkaufen von B- Picture Rechte für die heraufdämmernde Videocasetteninvasion – in unzureichend geplanten Produktionen wieder.   

Roger Corman wird – auch wenn das Bild teilweise falsch ist – immer als der harte, manchmal überharte und nicht immer faire „Arbeiter“ mit einer künstlerischen Ader in Erinnerung bleiben, während Charles Band hoch auf dem Wagen versuchte, längst ausgelaufene Trends möglichst billig zu recyceln. In den beiden den ersten und zweiten Abschnitt einleitenden Interviews gibt sich Charles Band erstaunlich selbstkritisch und offen, so dass er die Lächerlichkeit und Überheblichkeit, mit der insbesondere seine ersten Produktionen hier vorgestellt werden, nicht verdient hat. Der erste Abschnitt ist aber vor allem hinsichtlich seiner Zwischentöne interessant. Wenn über einige Produktionen hinaus geschaut und ein Bild von der damals noch lebendigen unabhängigen Filmproduzentenszene gezeichnet wird, dann wirkt der Text plötzlich lebendig, voller Feuer für diese wilden, zumindest kurzzeitig die Drive Ins belebenden Produktionen.  

Der wichtige Abschnitt des ganzen Buches ist die Ära von „Empire Pictures“, die von 1984 bis  1989 gedauert hat, und seinen Namen trotz aller unbestrittenen mangelnden Qualitätsvorwürfe etablierte.  Eingeleitet wird dieser signifikante Abschnitt wieder mit einem Charles Band Interview, in dem der variable Geschäftsmann auf diese Ära eingeht. Auch hier fallen die Unterschiede insbesondere zu Roger Corman deutlich ins Gewicht, die Charles Band weniger als Nachfolger etablierten, sondern als einen Mann, der zwischen B- und C Filmen hin und her wankte, diese aber mit deutlich gewaltigeren Aufwand in Szene setzen wollte.

Und das in einer Zeit, in welcher der deutlich geschäftstüchtigere Roger Corman das Potential seiner Streifen anders gewichtete und nur noch wenigen Strömungen folgte. Es ist nicht nur der Kauf der Dino de Laurentiis Studios, der durch einen Schuldentausch nur in der grauen Theorie Charles Band schmackhaft gemacht worden ist. Seine Antworten sind in dieser Hinsicht von beeindruckender Naivität, zumal er das Potential der Studios – die selbst aufgrund fehlender Modernisierungen der Zeit hinterher hinkten – an keiner Stelle über eigene Produktionen hinaus nachhaltig und kosteneinsparend nutzen konnte oder wollte. Es ist eher die Auffassung, einen Film im Kino groß starten zu lassen –  „Ghoulies“ und andere Produktionen starteten heute unfassbar in fast eintausend Kinos gleichzeitig, um ihn dann auf Video zweit zu verwerten, die schließlich neben den negativen Wechselkursen der italienischen Lira zum Dollar den Untergang des Studios einleiteten.

So muss dieser weiterhin sehr statisch eingeteilte Abschnitt – Vorstellung der einzelnen Filme mit reichhaltigen Inhaltsangaben, schönen Fotos und schließlich der obligatorischen kurzen, leider keinem der Herausgeber individuell über die Bissigkeit hinaus zuzuordnenden Kritik, wobei mitten drin die einzelnen Autoren ihre Vor- und Hasslieben kurz erläutern, was normalerweise zu Beginn des Buches hätte erfolgen können oder sollen  - aufgelockert allerdings durch Interviews, die sich auf den kurz davor vorgestellten Film beziehen, als Erklärung des Untergangs des Studios dienen. Aus der Masse der vorgestellten Filme ragen Arbeiten wie  „Crawlspace“, „Trancers“, die Stuart Gordon Filme und „Zone Troopers“ heraus.

In ihnen vereinigten sich gute Ideen, die Charles Band allerdings später bis zum Erbrechen recycelte, nicht immer angemessene Budgets und professionelle Schauspieler wie interessante Newcomer (Helen Hunt in „Trancers“) zu einer Mischung, die an Roger Corman Filme erinnern ließ. Während Corman nicht selten das unterdurchschnittliche Budget allerdings durch Einfallsreichtum ersetzen konnte, agiert Charles Band eher unbekümmert provozierend. Der Mut zur Lücke, der Hang zu sehr guten eindrucksvollen und natürlich in einem starken Kontrast zum Inhalt der Filme stehenden Plakaten wird mehrfach betont. Diese Wiederholungen ziehen sich durch den sehr langen Abschnitt. Es ist für den Leser über den Hardcore Charles Band hinaus auch ermüdend, ausführlich die Inhalte von im Wortlaut der Autoren „minderwertigen“ Produktionen zu lesen, während die wenigen Highlights auf die gleiche Art und Weise abgehandelt werden. So vermisst der Leser einen Blick über den Tellerrand hinaus.

Wenn der Hauptdarsteller von „Trancers“ im informativen, warmherzigen und offenen Interview von der Qualität der Fortsetzungen spricht, dann wäre ein Exkurs genau wie bei den „Puppetmaster“ Streifen oder vielleicht den „Ghoulies“ Fortsetzungen nicht nur sinnvoll, sondern elementar. „Ghoulis II“ wird in einem späteren Artikel zeitlich stur chronologisch besprochen. Wen die Reihe intensiv interessiert, kann hin und her blättern. Wer das vorliegende Buch dagegen als Überblick liest, muss über ein gutes Gedächtnis verfügen, um ggfs. die vielen kleinen, nicht immer notwendigen, aber liebevoll zusammengestellten Details rekapitulieren zu können. Hinzu kommt, dass auf die weiteren Fortsetzungen nicht einmal als Fußnote wie bei den anderen Serien eingegangen wird.

Den hierfür notwendigen Platz hätten die Autoren an andere Stelle ohne Probleme einsparen können.   Der Fokus liegt nicht nur in diesem relevanten für Charles positiv wie negativ relevanten Abschnitt zu statisch auf den „Empire“ Produktionen und verlässt durch die wahrscheinlich auch konzeptuell zu enge Aufbereitung des Textes kaum das Objekt der nicht immer befriedigten Begierde. Der despektierliche Ton der einzelnen Kritiken kommt ohne Frage durch den Overkill an Filmen, die offensichtlich noch einmal angeschaut werden mussten.

Das Gegenbeispiel sind die Interviews, in denen insbesondere Stuart Gordon, Tim „Trancers“ Thomerson oder Albert Pyun – über den sich auch die Geister streiten, der aber am besten zwischen Anspruch und budgettechnisches Wirklichkeit differenzieren kann – ausführlich zu Wort kommen und die „Empire“ Ära mit Respekt für die Möglichkeiten, die ihnen Charles Band einräumte, und auch Frust über das Ende des Traumes oder die immer stärker werdende Beengtheit der eigenen Karriere lebhaft Revue passieren lassen. Peter Mannogian mit den Erzählungen über seinen Vater und dessen Freundschaft zu seinem besten Studenten Martin Scorsese zeigt allerdings auch auf, wie weit der Rahmen der durchweg lesenswerten und eloquenten Interviews dank der Erzähllust der Befragten reicht.

Sie geben dem Buch den farbigen Hintergrund, der angesichts des vorliegenden Filmmaterials an anderen Stellen schwer zu erreichen ist.   Es ist aus heutiger Sicht ernüchternd, dass bei den Band Produktionen nur selten Script und Produktion zusammenpassten. „Prison“ als frühe Harlin Arbeit sei positiv erwähnt, während „Robojox“ wie „Ghost Town“ trotz visueller Einfälle an ihren stereotypen Drehbüchern und  sowie im Fall von „Robojox“ am zusammenbrechenden Studio scheiterten. Natürlich wäre weniger mehr gewesen, aber Charles Band immer wieder formulierte Vision, 2000 Filme bis zum Jahre 2000 produziert zu haben, wirkt eher wie ein Manko denn ein Credo.

Auf der anderen Seite muss diese Vorgehensweise in Kombination in der Vor Internet Ära mit „schnell in die Kinos und schnell vor der negativen Mundpresse wieder weg“ auch funktioniert haben. Es bleibt allerdings die Frage offen, warum insbesondere die zu Beginn die minimalen Budgets bei zumindest durchschnittlichen Kinoauswertungen und Interesse auf dem Videomarkt nicht zu einer Stärkung des Studios geführt haben. Zwischen den Zeilen könnte impliziert davon ausgegangen werden, dass Band im Vergleich zum lange Zeit asketischen Roger Corman eher ein Lebemann gewesen ist, der neben der Filmproduktion auch das süße italienische Leben für sich entdeckt hat. Der „Empire“ Abschnitt gibt auch weiterer Interviews mit Persönlichkeiten wie „Screaming Mad George“ einen sehr guten Einblick in das Filmstudio, das Charles Band zumindest in der Theorie vorgeschwebt hat. Auf der anderen Seite wirkt die Zerstückelung dieser relevanten Ära in einzelne Filme, die positiv jederzeit einfach nachgeschlagen werden können, auch negativ auf den übergeordneten Gehalt des Buches und erleichtert nicht unbedingt die Lektüre.      

Am abschließenden Hinweis auf die „Video“ Labels von Charles Band erkennt der Leser wahrscheinlich die größte kommerzielle Schwäche des Mannes neben dem Versuch, mit zu wenig Geld zu viele Produktionen gleichzeitig am Leben zu erhalten. In seinen eigenen Firmen hat er in erster Linie phantastische Filme für „Kinder im Manne“ zu produzieren gesucht, anstatt sich nicht nur thematisch zu strecken, sondern insbesondere in den achtziger Jahren der Zeit anzupassen.

Bei den von ihm veröffentlichten Videos hat er vielleicht auch durch die geringeren Kosten nach jedem Trend gegriffen, der Geld in die Kassen spülen konnte. Der vom Autoren John Klyza gewählte Titel „Too gory for the Silver Screen“  fasst nicht nur das Kapital über Charles Band Wizard Video und in einem interessanten Exkurs den kurzen Abstecher in die aus heutiger Sicht archaischen ersten Videospiele zusammen, sondern kann fast als Resümee seiner Karriere gesehen haben.

Zu statisch in seinen Produktionen bleibt das unbestimmte Gefühl, als fütterte Charles Band im Kino sein persönliches Kind/ Teenie im Mann, während er mit den Videocassetten bewusst oder unbewusst ein gänzlich anderes Publikum suchte und phasenweise vor der Übertreibung mit unzähligen Videoangeboten auch fand. Sachlich fundiert, aber unglücklich aufgebaut beschreibt Klyza diese kurzlebige, durch den Verkauf seiner Anteile gestoppte Nebenkriegsschauplatzphase. So sondiert er anfänglich richtig und teilweise pointiert die Schwerpunkte der Videocassetten Veröffentlichungen inklusiv der überdimensionalen Gehäuse sowie die wie bei den Kinoproduktionen außerordentlichen Cover, bevor er diese Thesen mit der Bemerkung, dass Band in allen Genres mit zu schwimmen suchte, die Geld bringen könnte, wieder vom Tisch wischt.

Es ist allerdings ein solider Übergang zu einem angekündigten zweiten Buch, in dem der Fokus auf „Full Moon“ Veröffentlichungen liegt.  Während der Überblick über „Wizard Video“ fast als Fazit zu lesen ist, wirkt der Blick in die Produktionshölle „Not coming to a screen near you“ eher als wehmütiger Kommentar zu Filmen, von denen einer „Last Foxtrot in Burbank“ wahrscheinlich für immer verschollen ist, während „Pulse Pounders“ zumindest fragmentarisch auf von Charles Band initiierten Screenings veröffentlicht worden ist und einen Blick auf eine „Trancers“ Fortsetzung ermöglicht, die es schließlich nicht geben sollte. Es ist ein runder Abschluss des Buches, in dem der Leser immer wieder auf den Unterschied zwischen Planung/ ursprünglichem Drehbuch und finaler monetär begrenzter Realisation hingewiesen worden ist.           

Die drei Autoren haben neben Charles Band, der das Projekt trotz der kritischen Zwischentöne augenscheinlich wohlwollend begleitet hat, mehr als fünfzig Personen direkt interviewt sowie auf zahlreiche, die einzelne Filme begleitende Zitate aus verschiedenen Filmmagazinen zurück gegriffen. Die Interviews machen das Buch auch zu einem sehr lebendigen Zeitdokument einer Ära Hollywoods, die wenig Beachtung findet. Im vergleich zu Corman, der mit den Drive Ins hoch gekommen und seinen Glanz verloren hat, als die großen Studios seine Themen entdecken, begann Charles Band unterstützt von seinem allgegenwärtigen, vielleicht auch ein wenig dominanten Vater in den siebziger Jahren, als sich in Hollywoods B- Schmieden auch ein Wandel zu vollziehen begann, vollziehen musste.

In den achtziger Jahren ist es nach der Lektüre dieses Buches fast unglaublich, dass Band nicht Geld mit seinen Produktionen verdienen konnte. Die multimediale Auswertung – Kino, Video und kaum angesprochen Fernsehen- und die unterdurchschnittlichen Budgets bei ambitionierten, aber von Band immer wieder verwaschenen Ideen können nicht nur Geld verloren haben. Vielleicht fehlt dem Buch in dieser Hinsicht auch ein Vergleich zu anderen Operativen im B- oder C Filmbereich und ihren Erfahrungen in dieser wichtigen Ära. Der Fokus liegt auf Charles Band. Die Vorstellung aller greifbaren Filme mit ausführlicher Inhaltsangabe und kurzer, nicht selten polemischer Kritik ist umfassend und ausführlichst.

Manche Leser wird der nicht einheitliche Ton – bedingt durch drei Autoren – irritieren. Das macht ein Einschätzen der einzelnen Besprechungen auch schwieriger, aber diese Schwäche wird durch die guten Interviews, aber vor allem das erdrückend reichhaltige Bildmaterial – allerdings nur in schwarzweiß abgedruckt – mehr als ausgeglichen. Für Charles Band Fans ist es in erster Linie eine komprimierte Faktensammlung; wer sich dem Phänomen aus der Gegenwart erstmalig nähern möchte, wird nicht gänzlich befriedigt. Das Fazit der Filme ist stellenweise zu uneinheitlich, zu persönlich und deswegen in manchen Fällen wahrscheinlich auch zu positiv.

Der Leser sollte es tatsächlich als eine Art Zeitreise sehen, in dem ihm die Begegnung mit den „Einheimischen“ (Charles Band Filmen) in vielen Fällen einfach erspart und ihm dadurch Lebensqualität geschenkt wird. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein nicht immer leicht zu verfolgender Wegweiser zu einigen vergessenen, aber durch die schwierige Rechtelage auch kaum erhältlichen Genrefilme, die mit ein wenig mehr Budget heute mehr denn je Reif für Remakes wären. Eine bemerkenswerte Sisyphusarbeit der drei Autoren, mit viel fast masochistischer Liebe für zukünftige Generationen erstellt.

378 Seiten
Hemlock Books Limited (January 16, 2014)
ISBN-10: 0957535260
ISBN-13: 978-0957535268

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