DC Universe Rebirth

DC-Comic-Kritik: Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit (Rebirth)

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Hellblazer Rebirth

Auch das Übernatürliche ist seit jeher Bestandteil des DC-Universums. Zugegebenermaßen sind Figuren wie Deadman, Swamp Thing, Pandora oder Zatanna nicht im Ansatz so populär wie Batman, Superman & Co., aber deshalb nicht minder interessant. Letztere gehört wahrscheinlich noch zu den bekannteren Mitgliedern der sogenannten Justice League Dark - der Superheldenvereinigung, die immer dann gerufen wird, wenn es der Liga der Gerechten etwas zu magisch wird.

Deren Anführer ist John Constantine alias Hellblazer, mit dem der ein oder andere aufgrund der Verfilmung von 2005 (Constantine) womöglich immer noch das Gesicht von Keanu Reeves assoziiert. Außerdem war die Figur bereits Titelheld einer Serie auf NBC, die allerdings nach nur einer Staffel bereits wieder eingestellt wurde. Schauspieler Matt Ryan durfte die Rolle des wahrscheinlich berühmtesten DC-Trenchcoatträgers jedoch noch einmal in Arrow übernehmen und wird eventuell in Staffel 3 von Legends of Tomorrow zu sehen sein.

Comic-geschichtlich ist der Magier vor allem deshalb so interessant, weil er sich von Anfang an in jederlei Hinsicht zwischen zwei Welten bewegte. Erstmals aufgetaucht ist er 1985 in Alan Moores Swamp-Thing-Run und begeisterte direkt derart viele Fans, dass er 1988 seine eigene Comic-Reihe (Hellblazer) bekam. Zunächst erschien diese bei DC Comics, bevor sie 1993 zu dem neugegründeten hauseigenen Imprint Vertigo wechselte. Dessen Titel richteten sich eher an ein erwachseneres Publikum und waren wesentlich düsterer und brutaler als die Geschichten rund um die klassischen Erdenretter.

Mit dem The-New-52-Start 2011 kehrte der Okkultist unter neuem Namen gewissermaßen wieder zu seinen Wurzeln zurück. Nach all den Hellblazer-Jahren musste man nun im Fachhandel nach dem neuen Constantine-Heft fragen, das von diesem Moment an das Logo von Marvels größtem Mitbewerber zierte.

Die Rebirth-Ära des Mannes, der immer den passenden Kraftausdruck parat zu haben scheint, beginnt mit einer halben Rolle rückwärts. Es kam zwar zu keinem Vertigo-Comeback, allerdings heißt der Comic seit der Wiedergeburt wieder Hellblazer (in den USA The Hellblazer), und das nicht ohne Grund…

Inhalt

Nach einer gefühlten Ewigkeit kehrt John Constantine nach London zurück. Der Fluch eines Dämons hatte ihn bisher daran gehindert, bis er diesen dank eines Asses, das er gekonnt aus seinem Mantelärmel zauberte, brechen konnte.

Jeder Zauber hat jedoch einen Haken, und wenn der Protagonist gewusst hätte, wie groß die Bedrohung ist, mit der er es in der alten Heimat zu tun bekommt, hätte er New York eventuell schlagartig in einem völlig neuen Licht gesehen. Dies ist der Auftakt zu einem spannenden Abenteuer, in dem sich erneut zeigt, dass der Brite, wenn es hart auf hart kommt, ohne seine Freunde ziemlich alt aussehen würde…

John Constantine: der geborene Antiheld

Er ist ein Lügner, ein Egoist und ein Chaot, aber dennoch ist Constantine vor allem eines: ein Sympathieträger. Hinter der Fassade des Kettenrauchers mit Hang zu ausgiebigen Alkoholexzessen verbirgt sich nämlich ein Mensch, der für seinesgleichen einstehen möchte.

Der Magier gibt sich größte Mühe, so selbstsüchtig und unsympathisch wie möglich zu erscheinen, allerdings gelingt ihm dies einfach nicht. Ja, er achtet zweifellos darauf, dass bei all seinen Einsätzen etwas für ihn herausspringt. Er hat jedoch auch immer das große Ganze im Blick und würde niemals jemandem mutwillig schaden - alle Kreaturen, die Böses im Sinn haben, stellen selbstredend eine Ausnahme von der Regel dar.

Ein zynischer Spruch hier, eine spitze Bemerkung dort, aber auch gerne einmal ein politisches Statement, das zum Nachdenken anregt. Gelegentlich durchbricht Constantine sogar die vierte Wand und wird so zu einer Art Light-Version von Deadpool.

Der Leser erhält dennoch immer nur so viele Informationen wie nötig, um der Handlung folgen zu können. Der Großteil wird bruchstückhaft nach und nach offenbart, wodurch dieser Band nie Gefahr läuft, langweilig zu werden.

Da der Rezipient über die Hauptfigur ebenfalls nur sehr wenig erfährt, läuft darüber hinaus die Geschichte rund um den ohnehin schon so ungewöhnlichen und in keine Schublade so recht passen wollenden Antihelden zudem nie Gefahr, an Zugkraft zu verlieren.

Wahre Freunde

Die Akteure aus Constantines engstem Umfeld verfluchen den Okkultisten im Rebirth-Special und den sechs Einzelheften, die in diesem Sammelband zusammengefasst werden, mehr als einmal, unterstützen ihn letzten Endes jedoch trotzdem nach Kräften.

Dies kommt nicht von ungefähr: Ob Swamp Thing, Taxifahrer Chas oder das Medium Mercury, sie alle glauben an den Mann mit Mantel, der Probleme irgendwie magisch anzuziehen scheint. Mit jeder oder jedem von ihnen verbindet ihn eine lange Geschichte.

Wie Autor Simon Oliver die Leser über die besonderen Beziehungen zwischen dem Trickser und besagten Personen in Kenntnis setzt, ist wirklich beachtlich. Nie wirkt es so, als müsse jetzt noch schnell dieser oder jener Fakt untergebracht werden. Im Gegenteil: Die Rückblenden oder Verweise auf frühere Ereignisse wurden so in die Handlung integriert, dass man sie stets als wichtigen Teil des Gesamtkunstwerks Hellblazer 1 wahrnimmt.

Gemein haben sie den klaren moralischen Kompass, der ihr Handeln eindeutig bestimmt. Auf diese Weise helfen sie Constantine dabei, seinen eigenen nie zu vergessen, und verkörpern sozusagen das Gute, was in ihm steckt, er sich aber nicht immer eingestehen will.

Ein Hoch auf das Übernatürliche!

Diese Ansammlung außergewöhnlicher Charaktere profitiert zweifelsohne enorm von der Aura des Übernatürlichen, die seit den 80ern die Hellblazer-Comics ausmacht. Überraschende Wendungen, unverbrauchte Settings und sehr originelle Antagonisten gehen häufig damit einher - diese 156 Seiten bilden da keine Ausnahme.

Für Zeichner waren die oftmals sehr kreativen, fantastischen Storylines mit einem zumeist nicht zu unterschätzenden Horroranstrich seit jeher eine tolle Möglichkeit, um sich so richtig auszutoben. In diesem Paperback variiert sogar in Moritat einer der hauptverantwortlichen Künstler seinen Stil. Die kräftigen, kantigen Gesichter können mit einem Mal auch wesentlich weicher daherkommen, womit sie sich interessanterweise auf die Art, wie seine Kollegin Pia Guerra gerne ihre Panels gestaltet, zubewegen.

Bei ihr wiederum dominieren dann auch wesentlich hellere Farben, was nicht ausschließlich inhaltlich zu begründen ist. Dieser Sammelband kennt nämlich nicht nur unterschiedliche Zeichner, sondern ebenso mehrere Coloring-Verantwortliche, die etwas von ihrem Job verstehen.

Die dadurch logischerweise entstehenden Unterschiede unterstreichen daher eher dieses Mehr zwischen Himmel und Erde, um das es hier geht, als dass sie negativ auffallen würden. Im Grunde ist es nur konsequent, dass permanente Veränderung auch Teil der Bildsprache dieses Trades ist, weil so die Magie und die Existenz von Parallelwelten für den Leser regelrecht spürbar wird.

Fazit

Wer Lust auf auf schwarzen Humor, einen Antihelden, dessen Sprechblasen selten eine FSK-12-Freigabe erhalten würden, einen unkonventionellen Plot und fesselnde Bilder hat, kommt bei Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit mit Sicherheit auf seine Kosten.

Langjährige Fans sollten ähnlich begeistert von Constantines Start in die Rebirth-Ära sein wie Neueinsteiger. Nicht-Kenner werden nämlich zu keinem Zeitpunkt von Autor Oliver überfordert, und Kenner müssen auf nichts verzichten, was sie schon immer an dem Trenchcoatträger ihres Vertrauens geschätzt haben.

DC-Comic-Kritik: Aquaman 1: Der Untergang (Rebirth)

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Aquaman Rebirth

Aquaman eilte lange der Ruf voraus, der vielleicht uncoolste Superheld überhaupt zu sein. In einem solchen Fall hat ein Autor zwei Optionen: Entweder er macht einen großen Bogen um die entsprechende Figur oder aber er begreift das Ganze als große Chance.

Letzteres trifft auf Geoff Johns, den aktuellen Chief Creative Officer von DC Comics, zu. Er gilt mittlerweile als Experte dafür, Helden, die sich über die Jahre in eine Sackgasse manövriert oder zumindest an Strahlkraft verloren haben, wieder auf die richtige Spur zu bringen – Flash und Green Lantern lassen grüßen.

2011 startete sein The-New-52-Aquaman-Run, der von Lesern wie Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen wurde. Die Geschichten von Jeff Parker oder Cullen Bunn hingegen, die sich danach dem König der Meere annahmen, waren zwar ebenfalls sehr gelungen, allerdings nicht mehr ganz so genial und bahnbrechend.

Nun ruhen die Hoffnungen bei DC auf dem Briten Dan Abnett, der nicht zuletzt als Autor der neuen He-Man-and-the-Masters-of-the-Universe-Comics gezeigt hat, dass er es versteht, den Superhelden-Hochadel gekonnt in Szene zu setzen.

Da er bereits die Finalausgaben der Vorgängerreihe betreute, sollte einem guten Start in Arthur Currys Rebirth-Ära eigentlich nichts im Wege stehen, oder etwa doch?

Inhalt

Aquaman ist ein Mann zwischen zwei Welten, und gerade deshalb ist es ihm so wichtig, dass sich Atlanter und Landbewohner aufeinander zubewegen. Vorurteile sollen abgebaut und der Grundstein für eine friedliche Koexistenz endlich gelegt werden.

Dieses Ziel scheint zunächst so greifbar wie selten zuvor zu sein, doch dann werden dem König der Meere sehr große Steine in den Weg gelegt. Steine, für die unter anderem seine Nemesis Black Manta verantwortlich ist, und die sogar dazu führen, dass er verhaftet wird.

Aquaman bleibt cool!

Die Aufgabe, mit der Dan Abnett betraut wurde, war – wie gesagt – keine leichte, aber es sieht alles danach aus, als würde er sie bravourös meistern.

Den Protagonisten durchgängig als Figur zu zeigen, die wiederholt schwierige Entscheidungen zu treffen hat, erweist sich rückblickend als sehr kluger Schachzug. So bleibt nämlich die Grundtonalität der Geschichte trotz des ein oder anderen auflockernden Moments ernst.

Das ist deswegen so wichtig, weil es die zentrale Voraussetzung dafür ist, dass der Dreizackträger nicht direkt wieder seiner neu gewonnen Coolness beraubt wird.

Aquaman Rebirth

Politik unter dem Meer und an Land

Das, was der Leser erhält, ist eigentlich eher Politthriller denn Superheldenabenteuer. Es geht in erster Linie um Diplomatie, Verrat, Schuld und um Terror.

Nach einem auf hoher See begangenen Verbrechen fühlen sich die Bewohner von Atlantis von der US-Regierung vorverurteilt. Ein Fest der Begegnung, das die Wogen glätten soll, wird zum Desaster. Daraufhin haben die Amerikaner das Gefühl, von den Ozeanbewohnern hintergangen worden zu sein, und sehen sich deshalb zum Handeln gezwungen.

Das Interessante dabei: Ausgerechnet Aquaman, dem gefühlt von allen Seiten Unrecht widerfährt, ist derjenige, der sich partout weigert, einer Fraktion den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Auf diese Weise wird verhindert, dass man sich direkt festlegt, wer in dieser Angelegenheit falsch und wer richtig handelt. Irgendwie befindet sich in dieser Story ohnehin alles in einer Art Schwebezustand, der von Anfang an beinahe jede Entwicklung vorstellbar erscheinen lässt.

Black Manta, der besondere Antagonist

Ein gutes Beispiel hierfür ist Abnetts Umgang mit Black Manta. Currys Erzfeind ist für den langjährigen Fan selbstredend immer sofort ein potenzieller Verdächtiger, wenn sich in und um Atlantis etwas Schlimmes ereignet hat.

Daher ist es nur nachvollziehbar, dass Kenner nicht wirklich überrascht davon sind, dass der teuflische Rochen auch in diesem Band sein Unwesen treibt. Die frühe Konfrontation mit seinem heldenhaften Widersacher ist dafür hingegen sehr ungewöhnlich, seine verhältnismäßig schnelle Festnahme sogar noch ungewöhnlicher.

Dass dieser vermeintliche Spoiler an dieser Stelle ohne jede Vorwarnung platziert wird, hat selbstverständlich einen Grund: Es handelt sich um gar keinen. Manta ist nämlich nur einer von mehreren Gegenspielern, mit denen es Aquaman in diesem Sammelband, der die ersten vier Ausgaben sowie das Special beinhaltet, direkt oder indirekt zu tun bekommt.

Welche Rolle er nun im weiteren Verlauf der Handlung spielen wird, kann man nur mutmaßen. Die Hinweise, die man erhält, versprechen jedoch einen sehr interessanten Fortgang dieses ewigen Duells.

Aquaman Rebirth

Fazit

Aquaman 1: Der Untergang sollte jedem, der auch wirklich gewillt ist, sich mit dem Herren der Meere auseinanderzusetzen, genügend Argumente liefern, um dem nächsten Paperback erwartungsvoll entgegenzufiebern.

Der Plot ist kurzweilig, spannend, wendungsreich sowie innovativ, und die Zeichnungen von Scot Eaton, Brad Walker und Phil Briones wissen ebenfalls zu überzeugen - insbesondere die Panels, die unter Wasser spielen.

Kurz gesagt: Dieser Run macht Lust auf mehr, und deutet an, dass auch der für 2018 geplante Film mit Jason Momoa (Game of Thrones) in der Hauptrolle ein Überraschungshit werden könnte.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

DC-Comic-Kritik: Green Lanterns 1: Planet des Zorns (Rebirth)

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Green Lantern Rebirth

Die Green Lanterns gehören zu den mächtigsten DC-Helden überhaupt, und doch ist es bisher nicht gelungen, ihnen zu dem ganz großen internationalen Durchbruch zu verhelfen. Versucht man zu ergründen, warum dem so ist, landet man relativ schnell bei dem Blockbuster aus dem Jahre 2011 mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle.

Green Lantern hatte definitiv seine Schwächen, aber er war auch bei Weitem nicht so schlecht, wie es im Nachhinein nun gerne dargestellt wird – außerdem wäre ohne ihn Deadpool sicher um einige gute Gags ärmer.

Die Beringten sind einfach ein dankbares Opfer, da es nur verhältnismäßig wenige Fans weltweit gibt, die hätten herausarbeiten können, weshalb das Corps viel mehr Potenzial hat, als in besagten 114 Minuten zu sehen ist.

Dass ein solcher Kinofehlstart korrigiert werden kann, hat vor wenigen Jahren Daredevil bewiesen. Während der Abendfüller von 2003 Ben Affleck viele schlaflose Nächte bereitet haben dürfte, erfreut sich die gleichnamige Netflix-Serie großer Beliebtheit.

Es ist also nie zu spät für zweite Chancen – wenn vielleicht auch zunächst nur in Comic-Form. Die Laternen erhalten beachtlicherweise sogar deren zwei: Hal Jordan und das Green Lantern Corps sowie Green Lanters.

Der erste Sammelband der zweiten Heftserie steht im Zentrum dieser Besprechung, und wer weiß? Vielleicht ist im Falle dieser außergewöhnlichen Weltenretter die Wiedergeburt auch gleichzeitig der erste Schritt hin zu einem erfolgreichen zweiten Kinoversuch 2020.

Inhalt

Die beiden neuesten Ringträger Jessica Cruz und Simon Baz erhalten von dem legendären Hal Jordan höchstpersönlich den Befehl, von nun an als Team die Erde zu beschützen. Nichts Ungewöhnliches für Helden, jedoch etwas problematisch, wenn diese sich zunächst so gar nicht zu verstehen scheinen.

Zu allem Überfluss bekommt es das Duo dann auch direkt mit den Red Lanterns zu tun. Keine dankbare Aufgabe für zwei Neulinge, aber eine, der sie sich dennoch - ohne zu zögern - stellen.

Geerdet auf der Erde

Der Großteil dieser 100 Seiten dreht sich eindeutig um die beiden Hauptcharaktere. Das klingt auf den ersten Blick jetzt nicht nach einer Sensation, erwähnenswert ist dieser Umstand allerdings durchaus, und zwar aus folgendem Grund:

Der Leser erfährt, ohne dass es auch nur einmal explizit angesprochen wird, dass sich die Protagonisten eigentlich sehr ähnlich sind. Beide lieben ihre Familie, beide sind stur, und beide sind jetzt vor allem Mitglieder des Corps.

Der letzte Punkt rückt jedoch trotz diverser offizieller Einsätze irgendwie in den Hintergrund. Das, woran sich der Rezipient nach dem letzten Panel maßgeblich erinnern wird, dürfte mit ziemlicher Sicherheit etwas anderes sein.

Autor Sam Humphries betont sehr stark die menschliche Seite seiner Protagonisten, und damit automatisch auch das, was sie letztendlich zu Lanterns hat werden lassen: die Tatsache, dass beide ihre größte Angst überwunden haben.

Green Lantern Rebirth

Gegen den Zorn

Es ist nämlich wichtig, zu wissen, dass bei den Laternen nicht nur energiegeladene Ringe und Farben, sondern eben auch Gefühle eine große Rolle spielen. Zweifellos ist es so, dass die größte Aufgabe für einen Writer, der sich mit den Grün-Schwarzen beschäftigt, darin besteht, diese emotionale Komponente nicht zu kitschig oder pathetisch wirken zu lassen.

Humphries, der das Auftakt-Special gemeinsam mit Geoff Johns schrieb, ist es recht gut gelungen, dass sich das Ganze die Waage hält. Denn eins ist ebenfalls klar: Ein wenig Pathos gehört bei den Green Lanterns beinahe zum guten Ton. (Wer einmal den von der versammelten Mannschaft vorgetragenen Eid gehört hat, weiß, was hier gemeint ist.)

Für die Red Lanterns wiederum ist nichts wichtiger, als für viele zornige und wütende Gesichter zu sorgen. Das Aufeinandertreffen der verschiedenfarbigen Ringträger fällt aber unter dem Strich etwas unspektakulär aus…

Weniger ist nicht immer mehr

… und steht damit sinnbildlich für das Hauptproblem dieses ersten Paperbacks. Diesem fehlt es nämlich tatsächlich an einem echten Highlight.

Green Lanterns 1 liest sich flüssig, das Zusammenspiel respektive die Kabbeleien von Cruz und Baz sind unterhaltsam, und die Feinde haben die richtige Kragenweite.

Außerdem sehen die Zeichnungen, die unter anderem auf Robson Rocha und Ethan Van Sciver zurückgehen, ausgesprochen gut aus.

Ein eindeutiger Wow-Moment oder wenigstens eine echte Spannungskurve ist allerdings nicht auszumachen. Daraus resultiert dann auch logischerweise der spürbar fehlende Drive.

Dass Sam Humphries so viel Wert darauf gelegt hat, sein neues Team angemessen einzuführen, ist völlig in Ordnung; nur hätte er eben parallel dazu die sich anbahnende Bedrohung durch die Red Lanterns etwas mehr betonen müssen.

Gegenspieler dieser Kategorie dürfen nie einfach plötzlich da sein, wenn man den Anspruch hat, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Der Weg und das Ziel müssen in einem solchen Fall das Ziel sein, und nicht nur der Weg.

Green Lantern Rebirth

Fazit

Das Special und die ersten drei Einzelheftausgaben, die hier zusammengefasst besprochen wurden, deuten das große Potenzial der Green Lanterns an, schöpfen es jedoch noch nicht aus.

Insbesondere das Ende gibt aber berechtigten Grund zur Hoffnung, dass diese Reihe noch an Fahrt aufnehmen und sich in eine sehr interessante Richtung entwickeln kann.

DC-Comic-Kritik: Nightwing 1: Besser als Batman (Rebirth)

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Nightwing Rebirth

Für einen der wahrscheinlich unterhaltsamsten Momente auf dem im Rahmen dieser Reihe nun schon mehrfach angesprochenen WonderCon-Rebirth-Panel war Nightwing verantwortlich - oder besser gesagt: dessen Kostüm.

Tatsächlich wird nämlich nicht nur in der Fanszene seit jeher heftig über die Farbgebung des berühmten Einteilers gestritten, sondern auch unter den leitenden Verantwortlichen von DC Comics, wie ebendiese 2016 schmunzelnd zu Protokoll gaben.

Es ist eine dieser großen Superhelden-Grundsatzfragen: Schwarz und Blau oder Schwarz und Rot? Dass diesmal die Befürworter der klassischen Kombination gewonnen haben, verrät bereits das Titelbild dieses Beitrags, und die Begründung klingt plausibel: In den besten Comics mit dem Nachtflügel in der Hauptrolle trägt er besagtes Outfit.

Das kann ja im Grunde genommen nur Gutes für dessen Rebirth-Start bedeuten, oder?

Inhalt

Seit Titans Hunt ist Dick Grayson, der Mann mit den vielen Geheimidentitäten, bekanntlich wieder Nightwing. Dies bedeutet allerdings nicht, dass er ab sofort wieder hauptsächlich in Gotham City im Einsatz ist. Nein, Batmans erster Robin ist vielmehr auf der ganzen Welt aktiv.

Als Doppelagent versucht er, eine der gefährlichsten Untergrundorganisationen überhaupt zu zerschlagen: das Parlament der Eulen.

Neben vielen vertrauten Gesichtern wie Batman, Batgirl und dem neuen Robin Damian Wayne trifft er auch auf einen gewissen Raptor. Um nicht aufzufliegen, muss er diesen als seinen neuen Mentor akzeptieren. Der Beginn eines außergewöhnlichen Abenteuers …

Besser als Batman?

Der Untertitel von Nightwing 1 klingt auf dem ersten Blick beinahe nach Majestätsbeleidigung. Schließlich ist Dick für viele nach wie vor immer noch der Schüler des Dunklen Ritters, der sich erst vor gefühlt fünf Minuten dazu entschlossen hat, von jetzt an auf eigenen Beinen stehen zu wollen. Wie soll man unter diesen Vorzeichen denn bitte plötzlich besser als "The World's Greatest Detective" sein?

Wer dieses Paperback gelesen hat, würde vielleicht nicht direkt von besser sprechen, aber womöglich von anders gut. Dass ein Vergleich mit der Fledermaus generell hinkt, sollte eigentlich jedem Popkulturbegeisterten klar sein. Immerhin blickt dieser ikonische Held auf mehrere Jahrzehnte Comic-Geschichte zurück, die maßgeblich von ihm beeinflusst wurden.

Genau das ist jedoch der Punkt. Batman ist neben Superman das DC-Gesicht schlechthin. Angesichts der unzähligen Heftserien, die sich um ihn gedreht haben oder immer noch drehen, gewissermaßen eine omnipräsente Figur.

Nightwing hingegen ist im Vergleich zu dem "Caped Crusader" ein verhältnismäßig unverbrauchter und frischer Protagonist, und ebendiese Tatsache macht sich Autor Tim Seeley bei der Gestaltung seines Runs von Anfang an zunutze.

Nightwing Rebirth

Der alte neue Nightwing

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auf das Titans-Comeback die Solo-Serien-Rückkehr von Nightwing folgen würde, und der Auftakt macht definitiv Lust auf mehr!

Dick Grayson trägt zwar wieder seinen alten Anzug und die vertraute Maske, aber man spürt von dem ersten Panel an, dass er abermals an Reife gewonnen hat. Man möchte beinahe sagen, er ist endgültig erwachsen geworden.

Ein zweiter Bruce Wayne ist er im Übrigen deshalb noch lange nicht, und das ist auch gut so. Der ehemalige Trapezkünstler ist nämlich zweifelsohne dazu in der Lage, einer Story seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Obwohl er Teil der Batman-Familie ist und - wie gesagt - einige weitere Fledermaus-Freunde auftauchen, stellt sich für den Rezipienten nie die Frage, wer der Hauptakteur dieser Geschichte ist.

Vertraute und neue Gesichter

Daran sind die Gastauftritte seiner Ex- oder Immer-noch-Kollegen (?) sicher nicht ganz unschuldig.

Seeley lässt Dick auf Batman treffen, um zu zeigen, dass dessen Ziehsohn jetzt seine eigenen Erfahrungen macht und machen soll. Die Momente mit Damian beweisen, dass er das Potenzial hat, auch einmal ein guter Lehrer zu werden - jedoch wohl ein nicht ganz so strenger wie sein eigener. Das Aufeinandertreffen mit Barbara Gordon, also Batgirl, dient schließlich dazu, die Nahbarkeit und Emotionalität des einstigen Robin zu unterstreichen.

Auf einen nur schwer greifbaren Gegner wie das Parlament der Eulen gesetzt zu haben, stellt sich ebenfalls als kluger Schachzug des Autors heraus. Wenn der Feind nicht einer ist, sondern viele sind, bekommt ihr Gegenüber automatisch ein klareres Profil, weil der Held dadurch noch mehr im Fokus steht.

Mit diesen feinen Zutaten hätte man höchstwahrscheinlich auch so eine Menge in der Küche anfangen können, dem Endprodukt hätte allerdings wohl immer das nötige Salz in der Suppe gefehlt. Nightwings neuer Mentor ist es nämlich, der dem fertigen Gericht das Überraschende, eben die Würze, verleiht.

Nicht wirklich durchschaubar, gelegentlich recht brutal, aber mit Prinzipien, und der Überzeugung, dass Batmans Methoden eindeutig überbewertet sind: das ist Raptor. Mit diesem Mann an seiner Seite dürfte es weder dem Mann in Schwarz und Blau noch den Lesern langweilig werden.

Nightwing Rebirth

Fazit

Der Protagonist als Doppelagent, viele alte Weggefährten, ein neuer Lehrer mit interessanten Ansichten, jede Menge Action und viele großartige Bilder (die primär auf Javier Fernandez zurückgehen) - man möchte fast fragen: Fanherz, was willst du mehr?

Dieser Band ist in jedem Fall ein weiterer Beleg dafür, dass es sich für DC durchaus lohnen könnte, Nightwing zum Star eines ihrer nächsten Kino- oder zumindest Serienprojekte zu machen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

DC-Comic-Kritik: Flash 1: Die Flash-Akademie (Rebirth)

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The Flash Comic

Wer bereits die Comic-Kritik zu dem DC-Rebirth-Special gelesen hat, weiß, dass der ehemalige Flash Wally West eine Art Auslöser für die Wiedergeburt des DC-Universums war.

Ebenfalls eine große Rolle spielte in diesem Zusammenhang Barry Allen, der aktuelle Flash. Das Panel aus dem einleitenden One-Shot, das das Aufeinandertreffen der beiden Speedster zeigt, ist logischerweise auch in dem Band, der im Zentrum dieser Rezension steht, zu finden.

Interessanterweise ist das Wiedersehen der beiden Blitze aber maximal eine Randnotiz in diesem Paperback. Der Fokus liegt eindeutig auf einem anderen, nicht minder außergewöhnlichen Ereignis.

Inhalt

Barry Allen ist Everybody’s Darling, Barry Allen ist Forensiker und Barry Allen ist vor allem der schnellste Mensch der Welt. Barry Allen ist allerdings auch der Mann, der einst unter tragischen Umständen seine Mutter verlor und sehr lange damit leben musste, dass sein Vater fälschlicherweise als ihr Mörder galt.

Alles beginnt mit einem Verbrechen, das sehr an jenes erinnert, das vor vielen Jahren das Leben des damals noch sehr jungen Speedsters schlagartig verändert hat und ihn bis zum heutigen Tage beschäftigt.

Doch ebendieses rückt relativ schnell in den Hintergrund, als in Central City wieder einmal der Blitz einschlägt. Diesmal sorgt er jedoch dafür, dass es plötzlich extrem viele neue Hochgeschwindigkeitskünstler der Extraklasse gibt, die allerdings nicht alle nur Gutes im Sinn haben; eine Menge Arbeit für den Helden in Rot.

1. Barry as its best

Der noch sehr junge Autor Joshua Williamson ist laut eigener Aussage ein großer Flash-Fan, und das merkt man diesem Comic auch an. Der Protagonist taucht gefühlt auf jeder Seite mehrfach auf. Seine Origin-Story wird kurz abgehakt, seine Iris (West), ihres Zeichens Reporterin, mischt mit, und Wally kann man sogar in doppelter Ausführung bewundern. Im Grunde fehlen für ein echtes Best-of Flash nur noch die Rogues und Gorilla Grodd, seine Erzfeinde - immerhin ist Zoom kurz zu sehen.

Bemerkenswert ist ebenfalls, wie gekonnt Williamson die Leichtigkeit und den Humor, die trotz oder vielleicht gerade wegen seiner schweren Kindheit, im Laufe der Jahre zum Markenzeichen von Barry Allen geworden sind, zu Papier gebracht hat. Zudem ist es Hauptzeichner Carmine Di Giandomenico und Neil Googe (war lediglich für Ausgabe 4 verantwortlich) sehr gut gelungen, das Thema Geschwindigkeit auf jeder der 116 Seiten grafisch umzusetzen, was auch mit dem insgesamt etwas kantigen Look zusammenhängt.

Kurz: Der Fan begegnet dem Helden, den er seit jeher liebt und schätzt.

The Flash Rebirth

2. Frische Ideen für das Flash-Land, …

Dass Blitzeinschläge und enorme Schnelligkeit im DC-Universum eng miteinander verknüpft sind, ist nichts Neues. Dass aber zahlreiche Erdenbürger von jetzt auf gleich mühelos mit jedem Sportwagen auf der Autobahn mithalten könnten, ist dann doch etwas Neues; etwas Neues mit Folgen.

So stellt sich beispielsweise einmal mehr in einem neuen Gewand die ewig junge Frage nach dem Mann hinter der Maske. Denn mittlerweile weiß selbst der Mainstream-Comic-Sympathisant: Besondere Fähigkeiten zu haben, ist das eine, verantwortungsvoll damit umzugehen, das andere.

Das von Williamson geschaffene Szenario hat zweifelsohne Hitpotenzial, jedoch reicht das allein logischerweise nicht aus, damit die Anhänger am Ende das Gelesene auch tatsächlich als Hit bezeichnen. Es gibt nämlich durchaus Entscheidungen des Autors, die man kritisch hinterfragen kann.

3. …, aber wurden sie auch gut umgesetzt?

Zuallererst wären da Flashs Schüler zu nennen: eine unbestimmte, neuerdings schnelle Menge an Personen, die mit einem Male einfach da ist. Obwohl der erste neue Speedster zumindest noch einigermaßen ausführlich eingeführt wird, fällt es dem Leser dennoch nicht leicht, ihn direkt als Flashs Partner, zu dem er sich selbst erklärt, zu akzeptieren.

Die übrigen landen umgehend in einer Art Akademie, wo Barry sie unterrichten soll. So nüchtern, wie diese Aspekte hier aufgelistet werden, so nüchtern werden sie in Flash 1 thematisiert: neue Speedster, neuer Partner, der Blitz als Lehrer.

Dies führt dazu, dass diesem im Prinzip außergewöhnlichen Ereignis das Besondere genommen wird – vor allem weil eben neben Flashs neuem Co-Verbrechensbekämpfer nur zwei weitere Supersprinterinnen dem Rezipienten wirklich mit Namen vorgestellt werden.

Ähnlich unspektakulär fällt das Anteasern des übergeordneten Antagonisten aus. Anstatt nur einen Schatten oder dessen Rücken zu zeigen, hat man sich unverständlicherweise dafür entschieden, ihn direkt in voller Montur abzubilden.

All das trägt dazu bei, dass dieses Abenteuer irgendwie nicht so recht an Fahrt aufnehmen will. Es stehen zahlreiche ungelöste Fragen im Raum, jedoch wird ihnen schlicht nicht die Bedeutung beigemessen, die sie verdient hätten, damit von Beginn an Spannung aufkommt.

Das muss, wie gesagt, für den Rest der Handlung überhaupt noch nichts bedeuten, aber es kann auch der Erklärungsansatz sein, um zu verstehen, warum es auch in späteren Bänden eventuell hier und da etwas klemmt.

The Flash Rebirth

Fazit

Nach einem Special und vier Einzelausgaben, die in diesem Band zusammengefasst wurden, ist es deutlich zu früh, um ein abschließendes Urteil in Sachen Handlung zu fällen. Es ist jedoch zweifellos so, dass man bereits zu diesem frühen Zeitpunkt etwaige künftige Problemherde erkennen kann.

Allerdings hat man auf der anderen Seite einen Autor, der das, was den Roten Blitz ausmacht, mindestens so gut verstanden hat wie DC-Mastermind Geoff Johns. Aus diesem Grund sollte man der Reihe definitiv noch etwas Zeit zugestehen - gut Ding will schließlich auch im Superheldenkosmos manchmal Weile haben.

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© Panini Comics/ DC Comics

DC-Comic-Kritik: Wonder Woman 1: Die Lügen (Rebirth)

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Wonder Woman Lügen Rebirth Cover

Diese Meldung war einer der absoluten Höhepunkte des bereits ausführlich besprochenen Panels auf der letztjährigen WonderCon in Los Angeles: Greg Rucka kehrt zu DC zurück und kümmert sich endlich wieder um „seine“ Diana! Als man ihn nach den Gründen für diese Entscheidung fragte, antwortete er kurz und knapp:

“Wie kann man Nein zu Diana sagen?“

2003 hatte er sich zuletzt der Amazonenprinzessin angenommen und das getan, was für ihn so typisch ist: überzeugt. Der mehrfache Eisner-Award-Gewinner gehört zweifelsohne zu den besten Autoren unserer Zeit, dem es seit jeher gelingt, Fans und Kritiker gleichermaßen zu begeistern.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass er ganz offensichtlich ein großer Freund von Abwechslung ist. In seiner Vita finden sich nämlich sowohl die berühmten Helden der beiden Marktführer (Marvel und DC) als auch “nischigere“, oftmals von ihm erdachte Titel, wie zum Beispiel Lazarus und Black Magick (beide Image Comics) oder Stumptown (Oni Press).

Da sein letztes längeres DC-Engagement nicht gerade versöhnlich endete, war diese Ankündigung im doppelten Sinne eine Überraschung. Für beide Parteien war sie aber die absolut richtige Entscheidung, wie bereits die ersten Seiten dieses Paperbacks beweisen.

Inhaltkh

Irgendetwas stimmt mit Dianas Gedächtnis nicht: Sie ist sich seit einiger Zeit nicht mehr sicher, ob gewisse Ereignisse in der Vergangenheit tatsächlich stattgefunden haben oder nicht. Dass sie zudem plötzlich nicht mehr weiß, wie sie nach Themyscira gelangen soll, trägt da nicht unbedingt zu ihrer Beruhigung bei.

Wonder Woman bricht daher nach Afrika auf, um eine alte “Freundin“ aufzusuchen, von der sie sich Hilfe verspricht. Doch diese Reise wird gefährlicher als gedacht. Anstatt endlich Antworten zu erhalten, stellen sich ihr schließlich nur noch mehr Fragen…

Stärken &…

1. Alles fließt

Von dem ersten Panel an funktioniert diese Geschichte. Es ist wirklich beeindruckend, zu sehen, wie durchdacht ihr Aufbau ist, wie gekonnt die einzelnen Handlungsstränge von Beginn an miteinander verwoben worden sind und wie gut vor allem neue, die durch das Aufeinandertreffen der alten entstehen, vorbereitet werden.

Dazu dieses Mysterium um die titelgebenden Lügen, das einmal mehr und einmal weniger stark in Vordergrund gerückt wird, sicherlich nicht allzu schnell aufgelöst wird und eine Art Auslöser für all das ist, was der Leser auf diesen 164 Seiten erfährt.

Wonder Woman Lügen Rebirth

2. Innovativ und gleichzeitig klassisch

Die (vermeintlichen) Erinnerungen Dianas, die zunächst viel mit ihrer Herkunft zu tun haben, dürften diversen Lesern bekannt vorkommen. Wonder Womans Origin-Story wurde im Lauf der vergangenen Jahrzehnte schließlich immer wieder und oftmals leicht verändert von diversen Autoren erzählt. Folglich ist das Dargebotene in diesem Fall nicht unbedingt neu, die Art der Präsentation jedoch schon.

Man könnte beinahe von einem Muster sprechen, das sich in diesem das Rebirth-Special sowie die ersten sechs ungeraden Nummern der Wonder-Woman-US-Heftserie enthaltenden Sammelband mehrfach an anderer Stelle wiederholt.

Der Part, den in der Vergangenheit meist Steve Trevor übernommen hat, geht beispielsweise diesmal an eine Partnerin, die man so nicht unbedingt erwarten konnte. Die Tatsache, dass Person X eine solch wichtige Aufgabe zuteil wird, ist aber andererseits eigentlich gar keine so große Überraschung, wenn man weiß, dass sie und Wonder Woman auf eine lange gemeinsame Vergangenheit zurückblicken, die nicht nur von Feindschaft geprägt war.

Ähnliches gilt für die Antagonisten, für die, die der Rezipient direkt zu sehen und die, die er lediglich angedeutet bekommt: Rucka setzt auch Dianas Gegenspieler so in Szene, dass sie durchaus vertraut erscheinen, allerdings ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten, dass das über allem schwebende Rätsel nicht gerade kleiner wird. Es geht für sie diesmal nicht nur gegen einen, sondern gegen mehrere… oder alle?

Genau damit spielt der Ausnahmeautor permanent: mit einer nur ansatzweise konkreten Bedrohung. Er lässt den Leser bis zum Schluss spüren, dass die Protagonistin bislang nur mit der Spitze des Eisbergs konfrontiert worden ist.

3. Ein Look, der seinesgleichen sucht

Eine entscheidende Rolle spielt dabei der einzigartige Look dieses Comics: Liam Sharp ist wahrlich ein Meister seines Faches! Er beschränkt sich nämlich nicht nur darauf, die Figuren respektive ihre Outfits sehr detailliert auszugestalten, nein, er verfährt mit den Hintergründen genauso.

Insbesondere in den Dschungelkapiteln wird es sehr düster, schaurig und bedrohlich. Dass diese Atmosphäre für den Leser so greifbar wird und er regelrecht in dieses Abenteuer hineingesogen wird, ist auch zu großen Teilen der herausragenden Arbeit des Zeichners zu verdanken hat.

Sharp fängt jedoch ebenfalls die ruhigen oder emotionalen Momente wunderbar ein und bringt Gesichter zu Papier, die oftmals sogar völlig ohne Worte auskommen würden; in diesem Zusammenhang muss definitiv ebenfalls Laura Martin Erwähnung finden, die mit Ausnahme des Auftakt-Specials, an dem sie gemeinsam mit Jeremy Colwell arbeitete, alleine für die Kolorierung aller anderen sechs Ausgaben verantwortlich zeichnete und so die Zeichnungen des Briten noch veredelte.

Wonder Woman Lügen Rebirth

… Schwächen

Der einzige Kritikpunkt, der einem im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge sticht, hat interessanterweise ebenfalls mit Liam Sharp zu tun. Die Seiten 1-14 stammen nämlich nicht von ihm - wie das Titelbild dieses Beitrags -, sondern von seinem amerikanischen Kollegen Matthew Clark, auf den die “Beitrag-Bilder“ zurückgehen.

Das ist  beinahe absurd, denn niemand würde bestreiten, dass Clark, der einst mit Greg Rucka zusammen den Superman-Sonderband Neubeginn realisiert hat, auch für Qualität steht. Im direkten Vergleich mit seinem britischen Kollegen fällt er jedoch zweifellos etwas ab.

Normalerweise wäre das wahrscheinlich überhaupt keine Erwähnung wert, bei einem Superheldenabenteuer aber, das in so vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt, muss einfach darauf hingewiesen werden. 

Fazit

Wonder Woman 1: Die Lügen ist definitiv ein Ausnahmetitel, der allerdings mit ziemlicher Sicherheit noch von seinen Folgebänden getoppt werden wird. Allein, dass man das nach der Lektüre dieses Trades aus voller Überzeugung sagen kann, ist ein Gütesiegel, mit dem sich nur sehr wenige Comics schmücken dürfen.

Grandioses Storytelling trifft auf fantastische Bilder und im Mittelpunkt all dessen steht die Frau, die 2017 endgültig medienübergreifend aus dem Schatten ihrer Trinity-Kollegen getreten ist - eine absolute Empfehlung, für begeisterte Kinobesucher, Einsteiger sowie langjährige Fans!

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DC-Comic-Kritik: DC-Rebirth-Special

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DC Rebirth

Wie bereits ausführlich erklärt, handelt es sich bei DC Universe Rebirth, so der vollständige Titel, um kein Reboot. Es ist vielmehr eine Zusammenführung von Altem und Neuem. Das DC-Universum wird also wiedergeboren, indem The-New-52-Inhalte, die untereinander wenige Überschneidungen hatten, wieder eingebunden werden in das große Geflecht der reichhaltigen DC-Historie.

Der Startschuss für dieses neue Kapitel fiel in den USA wie auch in Deutschland in einem One-Shot, der im Zentrum dieser Besprechung steht.

Inhalt

Keiner seiner ehemaligen Mitstreiter kann sich noch an Wally West, den ehemaligen Flash und Kid Flash, erinnern. Doch genau das ist sehr wichtig für den Speedster, denn nur wenn Batman & Co. wieder einfällt, wer einst an ihrer Seite gekämpft hat, bleibt dieser am Leben.

Da der Vergessene selbstredend nicht direkt erfolgreich ist, muss er mehrere frühere Wegbegleiter aufsuchen - immer in der Hoffnung, dass es diesmal klappt, denn die Zeit läuft gegen ihn. Sie läuft gegen eines der schnellsten Wesen, das die Erde je gesehen hat!

Der DC-Blick zurück nach vorn

Viel wurde im Vorfeld darüber spekuliert, auf welche Weise man die Wiedergeburt des DC-Universums schlussendlich realisieren würde. Die vielleicht wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang: Würden nur langjährige Fans die Gedankenspiele der Autoren nachvollziehen können oder würden auch Gelegenheitsleser respektive Neueinsteiger dazu in der Lage sein?

Die Antwort ist einfach: Geoff Johns, Chief Creative Officer von DC Comics, hat jedes Panel auf diesen 80 Seiten höchstpersönlich mit Leben gefüllt, und zwar so, dass Kenner und Nicht-Kenner dem Geschehen sehr gut folgen können.

DC Rebirth

1. Struktur ist (fast alles)

Das hat vor allem damit zu tun, dass Wally West als roter Faden fungiert, der den Leser gewissermaßen an die Hand nimmt. Bei jedem seiner Besuche begleitet er den Ex-Flash, die dieser wiederum immer gedanklich ankündigt und den Rezipienten auf diese Weise mit den nötigen Hintergrundinformationen versorgt.

Bekanntermaßen sind die menschlichen “Blitz-Versionen“ dazu in der Lage, die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft zu setzen, weshalb es niemanden verwundern sollte, dass der Protagonist selbst in einer Ausnahmesituation innerhalb kürzester Zeit an den unterschiedlichsten Orten auftauchen kann.

2. Ein Kurzbesuch bei (fast) allen

Der Leser begegnet allerdings nicht nur den Charakteren, die Kid Flash tatsächlich aufsucht, sondern auch jenen, an die er nur denkt respektive die er aus der “dimensionalen Ferne“ beobachtet. Deshalb hat man nach der Lektüre dieses Comics auch das Gefühl, jetzt genau zu wissen, was welchen wichtigen DC-Akteur aktuell umtreibt.

Selbst etwas unbekanntere Figuren wie Captain Atom - zumindest Arrowverse-Anhängern dürfte er mittlerweile ein Begriff sein - werden dabei so eingeführt, dass jeder versteht, um wen es sich handelt und warum er oder sie genau jetzt Erwähnung finden.

Dadurch hat man nie den Eindruck, dass man den Überblick verliert, und das, obwohl die Leser mit derart vielen DC-Gesichtern - kurz nacheinander oder sogar gleichzeitig - konfrontiert werden.

DC Rebirth

3. Ein vielversprechender Rahmen

Bevor Wally das erste Mal und nachdem Wally zum letzten Mal in einem Panel zu sehen ist, stehen Motive im Vordergrund, die aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht explizit genannt werden - ja, selbst der Beginn eines Comics kann zu viel verraten, wenn man ihn anschließend  in den entsprechenden Kontext setzt.

Das, was diesen Rahmen so vielversprechend macht, kann man hingegen problemlos verraten, ohne gleichzeitig zu viel preiszugeben: Es ist die Tatsache, dass Geoff Johns es sich wieder einmal nicht hat nehmen lassen, einer seiner Geschichten durch den Einbau eines überraschenden Elements einen sehr innovativen Anstrich zu verpassen.

Mit einem Male wird so aus einer gelungenen eine wegweisende Story; eine, der man absolut zutraut, das stabile Fundament zu sein, das für die Verwirklichung eines solchen Mammutprojekts zwingend erforderlich ist.

Fazit

Das DC-Rebirth-Special ist ein solches Fundament, aber gleichzeitig auch Bindeglied, Rückblick, Bestandsaufnahme, Neuanfang und Ausblick in einem.

Man könnte auch sagen, ein “Hybrid-Comic“, für den keine seiner sechs Facetten wichtiger ist als eine andere, der spannend sowie kurzweilig und allein schon aufgrund der Zeichnungen von Ausnahmekünstlern wie Ivan Reis (Justice League of America (Rebirth)), Ethan Van Sciver (Hal Jordan and the Green Lantern Corps (Rebirth)), Gary Frank (Superman: Secret Origin) oder Phil Jimenez (Superwoman (Rebirth)) definitiv einen Blick wert ist.

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DC-Comic-Kritik: Justice League #57 - Vor Rebirth (3/3)

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Justice League #57 Cover

Normalerweise eignen sich Einzelhefte nicht sonderlich gut für Rezensionen. Sie umfassen in der Regel schlicht zu wenige Seiten, und die erzählte Handlung ist zumeist für jemanden, der die vorherigen Ausgaben nicht kennt, nur bedingt zu verstehen.

Es gibt aber auch Ausnahmen, wie zum Beispiel Justice League #57, das zwei Vorgeschichten zu Rebirth (mit tollen Zeichnungen von Paul Pelletier und Tom Grummett) enthält, die auf unterschiedliche Weise den Leser auf die Wiedergeburt des DC-Universums einstimmen.

Zwei wichtige Dinge haben sie allerdings gemeinsam: Sie können für sich stehen und stellen zudem wegweisende Weichen für die Zukunft der Liga, weshalb sie sich eine Würdigung in Form einer Kritik absolut verdient haben.

Inhalt

In "Erster Eindruck" stellt Batman seinen Kollegen Robin, damals noch Dick Grayson, vor. Das eigentliche Kennenlernen findet jedoch direkt im Kampfgetümmel statt. “The Boy Wonder“, wie der Nachwuchsheld auch genannt wird, plagen aber zunächst große Zweifel: Braucht dieses außergewöhnliche Team ihn überhaupt?

"Was vor dir liegt…" sollte jeder Fan von Lex Luthor gelesen haben: Supermans Erzfeind ist nach dem Darkseid-Krieg auf die Erde zurückgekehrt und hat nur ein Ziel: Er will ein besserer Mensch werden, und zwar als neuer Superman!

Rückblick und Ausblick

Auf den ersten Blick haben die beiden Abenteuer relativ wenig miteinander zu tun. Das erste ist ein Rückblick und das zweite im Grunde beinahe schon ein Teil von Rebirth. Lässt man das Ganze allerdings erst einmal eine gewisse Zeit auf sich wirken, stellt man fest, dass es sich hierbei eigentlich um eine Art Rahmen handelt.

Ebendieser wiederum sorgt nicht nur dafür, dass man nun einen Strich unter das neue DC-Universum machen kann, sondern enthält darüber hinaus noch einige relevante Informationen, die insbesondere Supermans Zukunft und die der Titans betreffen.

Robin und das "zweischneidige Schwert"

Es ist nämlich so, dass Robin, ohne es zu ahnen, bereits bei seinem ersten Aufeinandertreffen mit Superman, Wonder Woman und Co. beobachtet wurde. Die Äußerungen des Beobachters, von denen nur der Rezipient erfährt, lassen keine Zweifel daran, dass es sich um einen Feind der Liga handelt.

Das Gefecht, das ihm die Anerkennung der restlichen Superhelden eingebracht hat, ist deshalb auch gleichzeitig Anschauungsmaterial für einen Gegner, der sich noch im Verborgenen hält.

Dick Grayson qualifiziert sich also einerseits mit diesem Einsatz für höhere Aufgaben, wird dadurch jedoch andererseits zur Zielscheibe, weil der Unbekannte ihn als schwächstes Glied der Kette ausgemacht zu haben glaubt.

Justice League 57

Lex Luthors neues altes Ich

Während in "Erster Eindruck" sehr viele Figuren auftauchen, bestimmt in "Was vor dir liegt…" Lex Luthor nahezu jedes Panel. Nach dem Ableben von Darkseid hätte er als dessen Nachfolger auf Apokolips bleiben und herrschen können, doch der vielleicht bekannteste Glatzenträger der Comic-Welt hat andere Pläne.

Auf seinem Heimatplaneten existiert neuerdings ein “Superman-Vakuum“, das er zu füllen gedenkt - das ein oder andere mächtige “Souvenir“ aus dem All soll ihm dabei helfen. Interessanterweise rechtfertigt er diesen Schritt damit, dass er sich ändern wolle, weil das im Sinne seiner mittlerweile im Koma liegenden Schwester Lena wäre.

Die Einblicke in Luthors Gedankenwelt, die dem Leser vorbehalten sind, verraten aber, dass ein "S" auf der Brust nicht automatisch einen neuen Menschen aus jemandem macht; seine Motive waren schließlich noch nie selbstlos. Alles deutet darauf hin, dass einer der reichsten Männer der Welt sicherlich zunächst in Metropolis für Ordnung sorgen, allerdings früher oder später wieder eine eigene Agenda verfolgen wird.

Die Zukunft kann kommen!

Es ist nur konsequent, dass Dan Abnett die erste und Dan Jurgens die zweite Story schreiben durfte, da der Brite bekanntermaßen in der Rebirth-Ära für Titans und der Amerikaner für Action Comics verantwortlich zeichnet. Diese Tatsache spricht ebenfalls dafür, dass DC diese Wiedergeburt nicht im Hauruckverfahren konzipiert hat, obwohl davon auszugehen ist, dass der Zeitraum zwischen Idee und Realisierung nicht allzu groß gewesen sein kann.

Jede der bisher besprochenen Vorgeschichten zeichnet sich durch vielversprechende Andeutungen aus, die jedoch stets sinnvoll in eine mehr oder minder eigenständige Handlung integriert waren.

Das zeigt einmal wieder, wie wichtig es für die großen Kreativschmieden ist, immer zunächst ein stabiles Fundament zu legen, wenn man ein Projekt dieser Größenordnung in die Tat umsetzen möchte.

FAZIT

Justice League #57 ist der letzte "Absatz" des The-New-52-Kapitels in der großen DC-Historie und vor allem eines: ein versöhnlicher Abschluss, der neugierig auf Rebirth macht. Ein idealer Comic für all diejenigen, die seit Jahren überlegen, wie sie sich am besten diesem Kosmos nähern können!

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DC-Comic-Kritik: Die letzten Tage von Superman - Vor Rebirth (2/3)

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Die letzten Tage von Superman

In einer Welt, in der mittlerweile sehr viele Menschen sehr allergisch auf Spoiler reagieren, überrascht ein solch (vermeintlich) vielsagender Titel durchaus. In den 90ern war das natürlich noch völlig anders. Da konnte man im großen Stile Der Tod von Superman ankündigen und selbst ohne Social-Media-Unterstützung einen Hype erzeugen, der wohl auch mit Facebook, Twitter und Co. nicht hätte größer sein können.

Wer sich heutzutage darauf verlässt, dass ein Comic keiner Was-Spannung bedarf, muss zweifelsohne großes Vertrauen in den Autor und dessen Geschichte haben. Eins kann schon vorweggenommen werden: Peter J. Tomasi hat das in ihn gesetzte Vertrauen mehr als nur gerechtfertigt! 

Inhalt

Der Superman des neuen DC-Universums ist am Ende seiner Kräfte. Er weiß, dass er sterben wird, und will sich deshalb noch von all jenen, die ihm wichtig sind, verabschieden. Doch Superman wäre nicht Superman, wenn er nicht bis zu seinem letzten Atemzug versuchen würde, Schaden von der Erde abzuwenden.

Gemeinsam mit Batman und Wonder Woman stürzt sich der Mann aus Stahl also in ein letztes großes Abenteuer, das nicht nur für ihn einige Überraschungen bereithält… 

Stärken…

1. Der Protagonist oder die Protagonisten?

Man könnte meinen, angesichts eines solchen Titels sei es völlig klar, dass sich in diesem Sonderband alles um Clark Kents Alter Ego dreht, und im Grunde ist dem auch so, aber eben nicht nur.

Zu weiten Teilen agiert der Kryptonier nämlich - wie gesagt - an der Seite des Dunklen Ritters und der Amazonenprinzessin, die im neuen DC-Universum nicht nur im beruflichen Sinne seine Partnerin ist.

Darüber hinaus sind ebenfalls Supergirl, Lois Lane und selbst Lana Lang, an die sich besonders Fans von Smallville erinnern dürften, mit von der Partie, weshalb es sich eher so anfühlt, als würde sich alles um die “Superman-Familie“ drehen.

Vor allem wird dadurch allerdings auch erreicht, dass man noch mehr mit dem Sterbenden und seinen engsten Bezugspersonen mitleidet. Das wiederum ist nur möglich, weil die für viele größte Schwäche des Mannes, der das legendäre S auf der Brust trägt, ausnahmsweise keine Rolle spielt: seine (vermeintliche) Unverwundbarkeit. 

Die letzten Tage von Superman

2. Der unsichtbare Feind?

Natürlich bekommen es die prominentesten Vertreter der Justice League auf diesen 196 Seiten auch mit echten Antagonisten zu tun; von entscheidender Bedeutung sind diese jedoch ehrlicherweise nicht. Der eigentlicher Kontrahent der Trinity ist nicht greifbar: Supermans “Krankheit“.

Immer wenn der Held zusammenbricht, werden seine Mitstreiter und dadurch automatisch auch die Leser an sie erinnert. Dadurch, dass es mehrmals dazu kommt, nehmen In-Heft-Akteure und Rezipienten quasi zeitgleich Abschied.

Relativ früh werden im Übrigen die unterschiedlichen Faktoren angesprochen, die im Zusammenspiel dazu führen, dass der in Kansas aufgewachsene Superheld gefühlt von Panel zu Panel schwächer wird.

Treue Anhänger haben höchstwahrscheinlich mitbekommen, welch hohen Beanspruchungen der Mann aus Stahl in den finalen The-New-52-Abenteuern ausgesetzt war und dürften daher nicht sonderlich überrascht ob dieser Entwicklungen gewesen sein. Neueinsteiger erhalten die Infos, die sie benötigen, um dem Geschehen folgen zu können und sind daher in der Lage, selbst zu entscheiden, ob sie alle Details erfahren möchten oder nicht.

3. Der Aufbau

Im Grunde weiß also jeder von Beginn an, worauf das Ganze hinausläuft und dennoch ereignen sich immer wieder Dinge, die man so nicht wirklich hat kommen sehen. Genau das versteht man unter gutem Storytelling.

Es lässt sich darüber streiten, ob man unbedingt vor Die letzten Tage von Superman die hierzulande in zwei Bänden erschienene Serie Superman: Lois & Clark gelesen haben muss; eine Vorbedingung ist es nicht. Lesenswert ist das, was Dan Jurgens, der mittlerweile wieder für Action Comics verantwortlich zeichnet, erdacht hat, aber zweifellos.

Bemerkenswert ist allerdings, dass es Tomasi, der sich seit Beginn der Rebirth-Ära um Superman kümmert, gelungen ist, auf originelle Weise die beiden wichtigen Heftserien anzuteasern und gleichzeitig eine Art The-New-52-Schlusspunkt zu setzen.

Dies geschieht jedoch nicht mit dem Holzhammer, sondern ist schlicht die Folge einer schlüssig erzählten Handlung. Es wird zu keinem Zeitpunkt unübersichtlich und man verliert nie den roten Faden, obwohl genau das in einigen Momenten sehr leicht hätte passieren können. 

…& Schwächen

Man kann aber durchaus die Auffassung vertreten, dass es insgesamt etwas zu viele Schauplatzwechsel gibt. Sinnbildlich hierfür steht der Abstecher nach China, wo gewissermaßen die Tür zu einer dritten Heftserie geöffnet wird.

Wie gesagt ist diese Episode ebenfalls sinnvoll in den Gesamtkontext eingebunden, allerdings hätte man sie sicherlich auch etwas kürzer gestalten oder zu einem späteren Zeitpunkt leicht verändert erzählen können.

Fairerweise muss man in diesem Kontext jedoch darauf hinweisen, dass Die letzten Tage von Superman in den USA ursprünglich Teil mehrerer Comic-Reihen (Action Comics #51-52, Superman #51-52, Batman/Superman #31-32 und Superman/Wonder Woman #27-28) war, weshalb die unterschiedlichen Schauplätze dem Nicht-Komplettband-Besitzer weit weniger aufgefallen sein dürften.

Die letzten Tage von Superman

Während die komplette Storyline Peter J. Tomasis Feder entstammt, sieht das bei den Zeichnern etwas anders aus. Mehrere Künstler (Mikel Janín (und Miguel Sepulveda), Doug Mahnke, Paul Pelletier, Ed Benes, Dale Eaglesham und Scot Eaton sowie Jorge Jimenez) durften sich hier austoben, wodurch der Konsument förmlich dazu herausgefordert wird, seinen persönlichen Favoriten zu benennen.

Den Verfasser hat besonders die Arbeit von Ed Benes überzeugt, der bei der Gestaltung der Figuren überdurchschnittlich viel Wert auf Details legt und dessen Wonder Woman beinahe mit der Version von Liam Sharp, mutmaßlich der aktuelle Maßstab, mithalten kann.

Wer also einen einheitlichen Look favorisiert, dürfte mit diesem Sonderband Probleme haben. Wer hingegen ein Freund von abwechslungsreichen Charakterdesigns ist, kommt hier definitiv auf seine Kosten. 

Fazit

Peter J. Tomasi hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er zu den Autoren gehört, die man mit anspruchsvollen Aufgaben betrauen kann. Die letzten Tage von Superman ist Abschied und Neustart in einem, und zwar zu jeder Zeit.

Beachtlich ist dabei vor allem, dass Tomasi bis zur letzten Seite alle wichtigen Akteure im Blick behält und jedem mindestens einen Moment im Scheinwerferlicht zugesteht. Ein Comic, der Lust auf mehr (Rebirth) macht und den ein oder anderen The-New-52-Kritiker vielleicht doch noch (ein wenig) mit dem neuen DC-Universum versöhnen kann.

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DC-Comic-Kritik: Titans Hunt - Vor Rebirth (1/3)

DC Comics Teen Titans Hunt

Titans

Nahezu jeder kennt sie, die berühmtesten Mitglieder der Justice League: Batman, Superman und Wonder Woman. Neben dieser sogenannten "Trinity" gehören der Liga bekanntermaßen auch noch Namen wie Flash, Green Arrow oder Aquaman an.

Letzterem hat man lange nachgesagt, dass er einfach nicht cool und es daher sehr schwer sei, richtig gute Geschichten mit ihm zu erzählen. Dass man mittlerweile auf immer weniger Popkulturbegeisterte trifft, die diese Ansicht teilen, hat maßgeblich mit zwei Namen zu tun: Geoff Johns und Dan Abnett.

Ja, Scott Snyder, der für Batman verantwortlich zeichnete, war für eine Menge Menschen sicherlich der The-New-52-Autor schlechthin, aber auch die Aquaman-Abenteuer aus der Feder von Johns wurden von Fans und Kritikern in ähnlichem Maße gefeiert.

Er bewies eindrucksvoll, welche enormen Entfaltungsmöglichkeiten einem Kreativen das herrlich unverbrauchte Setting Tiefsee bieten kann. Dies dachte sich womöglich auch der Engländer Abnett, der einige Zeit später mit der Aufgabe betraut wurde, den Herren der Meere in das wiedergeborene DC-Universum hinüberzuhieven. 

Bevor er allerdings mit Arthur Curry in dessen Rebirth-Unterwasserwelt abtauchen durfte, blies er zur Jagd auf die (Teen) Titans, dem "Aquaman“ der Superheldenteams…

Inhalt

Roy Harper, Dick Grayson, Donna Troy, Garth und diverse weitere - mittlerweile nicht mehr ganz so junge - Nachwuchshelden leiden seit einiger Zeit unter schwerwiegenden Gedächtnislücken.

Immer wieder haben sie das Gefühl, bestimmte Situationen, Menschen oder Orte zu kennen, wissen jedoch zunächst nicht so recht, woher und weshalb. Dies ändert sich erst, als die ehemaligen Teammitglieder nach und nach aufeinandertreffen und realisieren, dass es kein Zufall sein kann, dass sie alle dasselbe Schicksal teilen. Gemeinsam gehen sie der Sache auf den Grund und versuchen herauszufinden, wer ihnen ihre Erinnerungen geraubt hat, und vor allem: Warum?

Titans Hunt Dick Grayson

Stärken…

1. Teamerfahren

Dan Abnett versteht es, mit einem Ensemble zu arbeiten. So ziemlich alle Freunde von Star-Lord, Groot & Co., die ebenjene Charaktere mehrheitlich wahrscheinlich erst durch das MCU kennengelernt haben, sollten ihm beispielsweise sehr dankbar sein. Denn dieser Mann, der schon für Marvel und DC gearbeitet hat respektive immer noch arbeitet, war es, der im Prinzip 2008 mit seinem Guardians-of-the-Galaxy-Run den Grundstein für die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der Weltraumspaßvögel legte.

Verständlicherweise ist es immer etwas schwieriger, mehrere Protagonisten gelungen in Szene zu setzen, als sich auf einen einzigen fokussieren zu können. Das ist bei Comics nicht anders als bei Filmen und Serien. Es ist aber auch nicht unmöglich; vorausgesetzt, man überlegt sich bereits im Vorfeld sehr genau, was man dem Leser eigentlich alles erzählen möchte, und vor allem wie.

2. Das (erneute) Kennenlernen

Der Titans-Hunt-Autor steigt mit Roy Harper ein, den der ein oder andere möglicherweise durch die TV-Serie Arrow kennengelernt hat. Dieser sieht ziemlich mitgenommen und fertig aus; dass er sich unmittelbar mit Alkohol versorgt, passt da einfach wunderbar ins Bild. Der soll ihm allerdings - nach eigener Aussage - dabei helfen, sich zu erinnern. Das klingt zunächst vielleicht etwas sonderbar, im Verlaufe der Handlung ergibt es jedoch durchaus Sinn.

Es folgt ein Szenenwechsel und plötzlich steht Dick Grayson, der populärste Titan, der hin und wieder an der Seite einer gewissen Fledermaus gekämpft hat, im Mittelpunkt. Als Agent 37 darf er austeilen, muss aber auch einstecken. Einer seiner Gegner, mit denen er es zu tun bekommt, ist Garth, ein Atlanter. Diese beiden treffen wenig später wiederum auf Donna Troy, die den Herren schnell klarmacht, dass man sich vielleicht lieber nicht mit einer Amazone anlegen sollte.

Aus gutem Grund wird an dieser Stelle darauf verzichtet, noch detaillierter zu berichten, wer alles auftaucht und wer wann auf wen trifft, weil die Spannung selbstredend aufrechterhalten bleiben soll. Ohne zu früh zu viel zu verraten, gelingt es Abnett auf diese Weise, jede der Hauptfiguren angemessen einzuführen. Dabei treibt er stets die Handlung voran, und selbst nachdem sich das Team gefunden hat, wird das Ganze nicht unübersichtlich; schließlich ist man dann mit den wichtigsten Akteuren schon vertraut.

3. Für Neueinsteiger und alte Hasen gleichermaßen

Zumindest hat man das Gefühl, dass dem so ist, obwohl man genau genommen relativ lange mit relativ wenigen Informationen auskommen muss. Diese Tatsache ist auch der entscheidende Grund dafür, dass Neueinsteiger ähnlich viel Freude mit diesen 196 Seiten haben dürften wie langjährige DC-Fans.

Dieser Komplettband enthält alle acht in den USA erschienen Titans-Hunt-Hefte und damit eine in sich geschlossene Vorgeschichte zu Rebirth, die neugierig auf die Wiedergeburt des DC-Universums macht; zwingend gelesen haben muss man diese allerdings definitiv nicht, um sich dem neusten Kapitel in der Geschichte dieser berühmten Kreativschmiede widmen zu können.

Außerdem knüpft an die gerade beschriebenen Ereignisse der erste Band der neuen Titans-Serie an, die ebenfalls von Abnett geschrieben wird. Dieser Umstand ist ein weiteres Beispiel dafür, dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde und man sehr großen Wert darauf legt, dass das Erzählte in der Lage ist, für sich zu stehen; jedoch fungiert es eben auch als verbindendes Element beziehungsweise als Puzzlestück, das es braucht, wenn man in einigen Monaten das Gesamtbild bewundern möchte.

Abschließend noch ein Wort zu den Zeichnern, die an dieser Jagd beteiligt waren: Der Großteil der zumeist sehr gelungenen Panels geht auf Geraldo Borges und Paulo Siqueira zurück. Die beiden Brasilianer haben schon vielen DC-Berühmtheiten wie Superman oder Wonder Woman Leben einhauchen dürfen und sind für treue Anhänger deshalb keine Unbekannten.

Titans Hunt Dick Grayson

…& Schwächen

Völlig offenkundige Schwächen hat Titans Hunt eigentlich nicht. Vielmehr dürfte es eher so sein, dass diverse bewusste Entscheidungen der Verantwortlichen dem ein oder anderen grundsätzlich nicht zusagen und es deshalb für ebenjene ratsam wäre, einen Bogen um diesen Titel zu machen.

Beispielsweise fehlt im Grunde die komplette DC-A-Prominenz – nicht einmal ein Bösewicht aus der ersten Reihe taucht auf. Wer also nicht damit zurechtkommt, dass Alfred Pennyworth mutmaßlich der bekannteste Name ist, den man neben Dick Grayson beziehungsweise einem seiner Alter Egos präsentiert bekommt, sollte diesen Komplettband vielleicht wirklich lieber auslassen. Wer allerdings einmal länger mit verhältnismäßig unverbrauchten Gesichtern mitfiebern will, sollte definitiv zugreifen!

Darüber hinaus lässt sich Abnett gerade zu Beginn wirklich sehr viel Zeit, um die Figuren so auf dem Schachbrett zu positionieren, dass der Leser (vermeintlich) genau weiß, bei wem es sich um den Turm und bei wem um den Springer handelt. Dadurch erreicht man dann natürlich auch, dass jene, die sich auf diese Protagonisten einlassen wollen, ein Interesse für sie, ihre Zukunft und selbstverständlich das im Raum stehende Geheimnis entwickeln.

Trotz der im Laufe der Zeit immer mehr in den Mittelpunkt drängenden Action dominiert insgesamt weiterhin eine gewisse Ruhe das Geschehen. Das letzte Panel lässt einen mit dem Gefühl zurück, dass es sich um die Ruhe vor einem gewaltigen Sturm handelt. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass manche es bevorzugt hätten, bereits einen echten Vorgeschmack auf besagten Sturm zu erhalten.

Fazit

Titans Hunt eignet sich wunderbar dazu, sich wieder oder erstmals Rebirth, aber auch dem DC-Universum insgesamt anzunähern. Selten wurden die (Teen) Titans so gut in Szene gesetzt und selten haben sie so gut ohne Unterstützung ihrer Mentoren funktioniert.

Wer auf der Suche nach neuem Lesestoff ist und von den im vorherigen Abschnitt aufgeführten etwaigen Stolpersteinen nicht abgeschreckt werden konnte, sollte eventuell in naher Zukunft einem Comic-Laden einen Besuch abstatten.

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