The Walking Dead

Kritik zu The Walking Dead 8.06: The King, the Widow, and Rick

SPOILER

Am 10. Dezember geht The Walking Dead in die Winterpause. So kurz vor dem Midseason-Finale bringt “The King, the Widow, and Rick“ die Geschehnisse der bisherigen Staffel noch einmal zusammen und die Figuren in Position.

Siegessicher

Auch die Charaktere selbst brauchen ein Update, was durch Briefe geschieht, die an abgesprochenen Orten versteckt werden. In einem Voiceover hört man die drei Anführer von Hilltop, Kingdom und Alexandria sich über die Lage nach der großen Schlacht austauschen und auch Mut zusprechen. 

Trotz großer Verluste sieht man sich klar auf der gewinnenden Seite. Noch ein letzter großer Kampf, und das Leben in einer besseren Welt – ohne Negan und als vereinte große neue Gemeinschaft – kann beginnen. Klingt also alles danach, als würde die große Katastrophe schon um die Ecke grinsend die Messer wetzen.

Kriegsgefangene

Der Konflikt im Hilltop zwischen Jesus und Maggie – und Gregory – spitzt sich zu. Es gibt nach wie vor geteilte Meinung darüber, was mit den gefangenen Saviors passieren soll. Jesus freut sich über ein vermeintliches Einsehen von Maggie. Doch diese stellt deutlich klar, dass sie die Savior nur solange am Leben lässt, wie sie noch als Druckmittel/Geiseln für Tauschangebot dienlich sein könnten – eine Integration in die Gesellschaft sei ausgeschlossen.

Zugegeben tun weder die Serienschreiber noch die Charaktere an sich etwas dafür, auch nur den Hauch von Sympathie oder Verständnis für die Savior aufzubringen. Alle primär Handelnden werden als nicht nur gewaltbereite, sondern geradezu sadistisch motivierte wandelnde Gefahrenquellen gezeichnet. Wieviel Menschlichkeit kann man sich in so einer Welt leisten, selbst als Jesus?

Für Kopfschütteln sorgte ja schon die Entscheidung, Gregory überhaupt auch nur in die Nähe des Hilltops zu lassen. Der unfähige ehemalige Anführer wurde sogar wieder aufgenommen, und anstatt den Ball erst einmal flach zu halten, geht er großmäulig Maggie und Co. auf die Nerven. Gut, dass sie ihn durchschaut und die Gefahr durch ihn erkennt. Gregory jedoch zu den Saviorn zu sperren – ein hervorragendes Grundrezept für vorzügliches Desaster.

Alleingänge

Nach der Trennung des Bro-Teams Daryl und Rick versucht jeder auf eigene Weise gegen die Savior vorzugehen. Wie spätestens in der letzten Episode deutlich geworden, ist Daryl auf Rache und Schutz durch komplette Zerstörung des Sanctuary und das Töten jedes einzelnen Saviors und Verbündeten aus. Rick hingegen will am Plan festhalten und gemeinsam mit möglichst vielen geeinten Gemeinschaften vorgehen und auch hinterher eine bessere Lebenswelt für alle schaffen.

Rick begibt sich hierfür alleine zu Jadis und ihrer Mannschaft, um die opportunistischen Verräter mit Polaroids der misslichen Lage der Savior von einem Rückwechsel in sein Team zu gewinnen. Was auch immer er erwartet hat – er endet als Gefangener nackt in einem Metallcontainer.

Daryl und Tara machen sich auf, um Negan und alle Savior zur Strecke zu bringen. Ein Glück für Michonne und Rosita, denen es in einem Außenposten nicht gelungen ist, die geheime Waffe – eine riesige fahrende Musikanlage, um Zombiehorden umzulenken – zu zerstören. Dies übernimmt Daryl spektakulär mit einem Lkw als Rammbock. Als hätte Norman Reedus sich vertraglich möglichst viel Kfz-Action mit Explosionen gesichert. Den Mit-Kanonen-auf-Spatzen-Krawumm-Award hat sich aber definitiv Rosita verdient, die mit einer tragbaren Panzerabwehr einen einzelnen Mann pulverisiert.

Mit zumindest geografisch demselben Ziel vor Augen, bildet sich aus Rosita, Daryl, Tara und Michonne eine neue Vierergruppe – die jedoch den ursprünglichen Gemeinschaftsplan im Kampf gegen Negan scheitern lassen könnte.

Der gebrochene König

Carol hat an einer anderen Front zu kämpfen. Nach der verheerenden Niederlage und dem tragischen Tod von einem Großteil seines Kingdoms ist Ezekiel ein gebrochener Mann. Theatralisch wertvoll leidet er zurückgezogen auf seiner Bühne vor sich hin. Jerry hält rein aus Gewohnheit seinen Platz als Palastwache. Das Kingdom irrt führungslos.

In einer starken Szene versucht Carol zu Ezekiel vorzudringen – durch eine offene Tür ist dieser Part einfach, ihn jedoch emotional zu erreichen gelingt ihr scheinbar nicht so recht. Sie ist dabei die Stimme vieler Zuschauer: Ezekiel war bislang ein guter Anführer, der für seine Gemeinschaft etwas Wunderbares geschaffen hat und seine Rolle nicht nur hervorragend spielte, sondern einnahm. Gerade jetzt nach herben Rückschlag müsste er für “sein Volk“ da sein, mit ihnen trauern und einen Weg zeigen, Hoffnung geben.

Das ist es, was einen starken Anführer ausmacht. Er hat das Zeug dazu, und selbst wenn er glaubt, dass nicht, soll er halt weiterhin schauspielern. Fake it till you make it. Möge er sich besinnen und sein “Ich kann das nicht“ kein endgültiger Abgesang sein. Ezekiel und das Kingdom bereichern The Walking Dead in dieser für die Serie schwierigen Staffel.

Erwachsenwerden

Carl lässt das Schicksal des Typen, den er an der Tankstelle getroffen hat, nicht los. Mit Verpflegung legt er sich auf die Lauer und sieht so auch, dass dieser ein Fallenspezialist ist. Überrascht von Carls Freundlichkeit stellt sich der ausgehungerte Einzelgänger als Saddiq vor. Seine Fallen baut er nicht nur zum Schutz, sondern auch, um seine Mutter zu ehren – diese hält es nämlich für möglich, dass man durch das Töten eines Zombies die Seele des befallenen Menschen befreit.

Weil es eine Zombieserie ist, wird an dieser Stelle nochmal die Möglichkeit genutzt und Carl mit Saddiq in einen Kampf mit einer kleinen Beißergruppe geworfen, die dem mittlerweile sehr erfahrenen Zombiekiller Carl erstaunlich viel zu schaffen macht.

Für ihn ist klar: Man kann seine Eltern auch ehren, ohne es ihnen nachzutun. Manchmal müssen halt auch die Nachkommen ihren Eltern zeigen, wie es geht. Entgegen der neuen Politik seines Vaters, dass alle von außen eine Gefahr sind und man ihnen entsprechend auch nicht helfen sollte, will er Saddiq in die Alexandria-Gemeinschaft aufnehmen.

Wenn man sich die Entwicklung hin zum vom Schicksal arg gebeutelten, kampferprobten, eigenwilligen Jungspund noch einmal Revue passieren lässt, so ist vom gut behüteten kleinen “Caaaaaaarrrrllll“ von einst nicht mehr viel übrig. Und hört sonst noch jemand den Serientod schon seine Sense schärfen?

Fazit

Wie bereits seit einiger Zeit sehr durchmischt. Die letzten beiden Episoden mit Fokus auf wenige Charaktere wirkten deutlich stärker als dieser erneute Mischmasch einzelner Gruppierungen. Allerdings ist es für ein mögliches großes Midseason-Finale wohl nötig, die verschiedenen Handlungsstränge noch einmal auf einen Punkt zu bringen.

Überzeugen kann “The King, the Widow, and Rick“ vor allem durch die starken Szenen zwischen Carol und Ezekiel sowie Carl und Saddiq, und dass es durchaus neugierig darauf macht, wie der große Kampf nun tatsächlich ausgehen wird.

Darsteller für das Crossover zwischen The Walking Dead & Fear The Walking Dead bestätigt

Seit der New York Comic Con im Oktober ist bekannt, dass es im nächsten Jahr zu einem Crossover zwischen The Walking Dead und Fear the Walking Dead kommen wird. Dies sollte in Form einer Figur geschehen, welche im Spin-off auftreten wird. Allerdings war bisher noch unbekannt, um welche Figur es sich handelt und welchen Umfang der Auftritt haben wird.

Die aktuelle Episode Talking Dead brachte nun Licht ins Dunkle. So erzählte Morgan-Darsteller Lennie James, dass er in der 4. Staffel von Fear the Walking Dead mit von der Partie ist. Der Darsteller wird jedoch keinen Gastauftritt im Spin-off haben, sondern tatsächlich eine der Hauptrollen in der Staffel spielen. Allerdings verlässt er dafür die Hauptserie nach der aktuellen 8. Staffel.

Die Dreharbeiten zu den neuen Folgen von Fear the Walking Dead beginnen am heutigen Montag und damit unmittelbar, nachdem die Arbeiten an der 8. Staffel von The Walking Dead abgeschlossen sind. Für Lennie James gibt es also keinen längeren Urlaub. Gedreht wird in Austin, Texas, im Gegensatz zu The Walking Dead, wo die Dreharbeiten in Atlanta stattfinden. Einen Starttermin für die neue Staffel von Fear the Walking Dead gibt es noch nicht.

The Walking Dead Staffel 8: Einschaltquoten fallen auf das Niveau von Staffel 2

Die letzte Episode von The Walking Dead 8.05 "The Big Scary U" erreicht ein neues Staffel- und Langzeit-Quotentief. Mit 7,85 Millionen Live-Zuschauern fällt die Serie auf ein Niveau, welches dem Zuschauerschnitt der zweiten Staffel (2011-2012) entspricht.

Nach einem Rekordstart der siebten Staffel mit über 17 Millionen Live-Zuschauern ging es für die Zombie-Serie im vergangenen Jahr erstmals stetig bergab. Das Finale 7.16 "The First Day of the Rest of Your Life" konnte nur noch 11.31 Millionen Zuschauer zum Einschalten bewegen. Die achte Staffel startete verhalten mit 11,44 Millionen Zuschauern, ohne den bisher gewohnten Quotensprung für eine Staffelpremiere.

Seitdem hielten sich die Einschaltquoten über der 8-Millionen-Marke, die mit der aktuellen Episode nun erstmals unterschritten wurde. Trotz der für The Walking Dead vergleichsweise schwachen Werte bleibt sie weiterhin die meistgesehene Kabelserie in den USA.

Das Midseason-Finale 8.08 "How It's Gotta Be" wird am 10. Dezember ausgestrahlt. Danach verabschiedet sich die Serie, wie gewohnt, in die Winterpause, bevor es im Februar mit den restlichen Folgen der Staffel weitergeht.

Kritik zu The Walking Dead 8.05: The Big Scary U

SPOILER

Wie bereits die letzte Episode, konzentriert sich auch "The Big Scary U" hauptsächlich auf wenige zentrale Figuren: Negan und Gabriel, wobei der Priester eher dazu dient, etwas mehr Hintergrund aus dem Anführer der Savior herauszukitzeln.

So erhält man gleich noch etwas mehr Einblick in das Innere der äußerst rabiat auftretenden Gruppe, und wie die Gesellschaft im Sanctuary funktioniert.

Rolle rückwärts

Nach dem Cliffhanger im Staffelauftakt von The Walking Dead blieb das Schicksal von Negan und Gabriel in ihrem kleinen Schutzraum inmitten einer Zombiehorde zunächst offen.

Da in der Zwischenzeit über sie kaum ein Wort verloren worden ist, wäre es schon fast witzig gewesen, hätte man mit der Auflösung tatsächlich bis zum Staffelfinale - oder zumindest der letzten Folge vor der Winterpause - gewartet. Nun erfahren wir aber bereits in der fünften Episode, was aus den beiden ungleichen Zellengenossen geworden ist.

Dafür geht es aber zuerst noch einmal zurück. In kleinen Ausschnitten sieht man etwa Gabriel in einer Kirche auf Knien um Vergebung, eine Aufgabe in seinem Leben und gerade auch Sinn im Sterben bitten.

Ein weiterer Flashback bietet einen Perspektivwechsel, nach einer kurzer Szene zwischen Simon und Gregory im Sanctuary sitzt man zusammen mit dem harten Kern am Verhandlungstisch bei Negan. Zeitlich ist es unmittelbar vor dem Angriff von Rick und seinen Mannen, wie er in der ersten Folge der Staffel zu sehen war, angesiedelt. Es wird deutlich, dass dieser zu dem Zeitpunkt tatsächlich für Negan und seine Gefolgsleute überraschend kam.

Im Beichtstuhl

Bereits im Rückblick mit Gregory am Besprechungstisch über das Schicksal von Hilltop und Alexandria macht Negan ein paar seiner Grundsätze deutlich: Es gehe nicht darum, viele Menschen zu töten, sondern die richtigen.

So könne man mit wenigen Opfern viele Hunderte retten. Immerhin seien Menschen eine wichtige Ressource (eine leider nicht lagerfähige, wie einer meiner Dozenten in einer Wirtschafts-Vorlesung einst trocken bemerkte). Die Savior sind eben die Retter.

Etwas mehr entlockt Gabriel dem wortgewandten Anführer. Die räumliche Enge und dem Tod wortwörtlich greifbar nah, lässt auch Negan (scheinbar?) offen reden. Letztlich ist es auch seine Beichte, die Gabriel davon überzeugt, ihm doch zumindest so weit zu trauen, um die gemeinsame Flucht zu versuchen.

Das Kammerspiel ist zwar durchaus interessant, es reicht aber leider nicht ganz aus, um die Geschichte überzeugend zu tragen. So bleibt die lediglich erzählte Ausführung über den untreuen Ehemann Negan und wie es ihm nicht gelungen ist, seine nach Zombieausbruch verstorbene Ehefrau von ihrem Untoten-Dasein zu bewahren, eher dünn und fad. Da hat der gute Negan doch sicherlich noch ganz andere Leichen im Keller.

Gabriel scheint es aber zu reichen, und auch Negan sieht durchaus Gemeinsamkeiten: Wie Gabriel möchte er Menschen helfen, ihre Schwächen zu überwinden. Dies hat Negan schon vor dem Virus-Ausbruch gemacht - er hat mit Kindern gearbeitet, um sie auf dem rechten Pfad zu bringen. Ob er damals auch schon so seine ganz eigenen Ansichten und Methoden dazu hatte, erfahren wir leider nicht.

Explosiver Konflikt

Etwas lieblos eingestreut, dafür aber auch schnell abgehandelt, ist die Zuspitzung von Ricks und Daryls hochkochender Uneinigkeit über das Vorgehen mit den Saviorn. Nahtlos geht es nach der wilden Verfolgungsjagd der letzten Episode weiter. Die flüchtigen Savior sind geschlagen, die Waffen - darunter auch Dynamit - gehen an Rick und Daryl.

Doch während Rick sich weiter an den Plan halten will, möchte Daryl lieber den Weg für die Zombies freisprengen, um jeden Sanctuary-Bewohner zu töten. Rick möchte nach seiner Erfahrung mit Baby Gracie jedoch die Arbeiter von den Saviorn unterscheiden.

Statt langer Gespräche und langsam eskalierenden Konflikt, gibt es einen gepflegten Faustkampf.  Dabei fliegt das Dynamit ins brennende, noch waffenbeladene Auto, was das Problem in schönster 80er-Jahre-Action erledigt. Zwar muss Rick am Ende zu Fuß weiterziehen, während Daryl auf seinem Motorrad von dannen zieht - aber nach ernsthaft tieferer Auseinandersetzung zwischen den beiden eigentlich engen Freunden wirkte die Szene zum Schluß nicht.

Weniger überraschend ist, dass auch der Frieden im Sanctuary wackelt. Dass zeitweise alle denselben Vornamen haben, hilft da wohl wenig. Kaum ist Negan nicht da, gehen seine engsten Verbündeten gegeneinander vor. Noch sieht es so aus, als rückt eher Simon in den Verdacht, ein Verräter zu sein - nicht Dwight oder Eugene, bei dem es deutlich näherliegend wäre.

Und dann rebellieren auch noch die Arbeiter. Immerhin wäre der Deal, dass man ihnen für ihre Arbeit Schutz und Versorgung bietet. Dies steht nun auf dem Spiel.

Und darum bin ich hier

Es scheint zu stimmen, was Negan Gabriel gegenüber äußert: "Ohne mich läuft hier nichts.". Vor ihm war Chaos, ohne ihn ist Chaos. Da können noch so viele seines Teams "Negan" sein - von den Arbeitern, die die Uneinigkeit merken, wird dies nicht akzeptiert und somit kippt auch sichtbar die Selbstsicherheit von Simon, Eugene, Regina und Co..

Wie passend, dass gerade in dem Moment, wo die Eskalation droht, der Heiland erscheint. Negan weiß, wie man auftritt - selbst wenn man über und über mit verrotteten Zombie-Innereien überzogen ist. Was schon in Staffel eins geklappt hat, hat auch hier wieder einigermaßen hingehauen. Etwas Waffenunterstützung ist zwar nötig gewesen, aber Gabriel und Negan haben der Zombiehorde entkommen können.

Statt mit Trompeten und Engelsgesang kündigt Jesus Negan Superstar mit einem fröhlich gepfiffenen Lied die Ankunft des Erlösers gleich selbst an. Eine Bergpredigt oder heilgebenden Worte bekommt man von Negan zwar nicht, dafür aber einen Reim über seine Eier aus Stahl. Seine Jünger danken erleichtert Gott dafür, dass er ihnen mit Negan einen Retter gesandt hat.

Liegt es an der Erschöpfung, Dankbarkeit oder ist es ein spontaner Wechsel des Glaubens, die Gabriel zusammen mit den Saviorn und den Sanctuary-Arbeitern vor Negan knien lässt?

Fazit

Für sich stehend erfreulicherweise abermals eine grundsolide Episode, die einen endlich die Savior und Negan zumindest ein klein wenig näher bringt. Dass man sich wieder auf wenige Charaktere konzentriert hat, erweist sich wiederholt als genau richtig.

Im Gesamten wirkt "The Big Scary U" jedoch leider etwas deplatziert. Hätte es einige Szenen und Hintergründe zu Negan und dem Sanctuary bereits in der letzten Staffel gegeben, gäbe es mehr Bindung zu und Interesse an den bislang eher eindimensional dargestellten Charakteren.

Sowohl der Quotenabfall als auch Kommentare zur Entwicklung der Serie belegen die Unzufriedenheit vieler Fans - es dürfte schwer werden, diese wiederzugewinnen.

Kritik zu The Walking Dead 8.04: Some Guy

SPOILER

Nach drei Episoden von The Walking Dead mit hektischen Wechsel zwischen Charakteren und Orten, konzentriert man sich bei "Some Guy" wieder auf einen Handlungsstrang. Im Fokus steht der schillernde König Ezekiel.

In der Ruhe liegt die Kraft

Da die Folge vor allem durch wenige Charaktere getragen und deren Motivation beleuchtet wird, ist die eigentliche Handlung schnell erzählt. Beim abrupten Ende nach dem Angriff auf Ezekiel und sein Team blieb am Ende der letzten Episode offen, was mit ihnen genau geschehen ist.

Nun ist klar: Die Savior haben hochwirksame maschinelle Waffen, mit denen sie auf einen Schlag beinahe den kompletten Trupp getötet haben. Der angeschlagene Ezekiel bedarf der Hilfe einzelner Überlebender, um sich vor sowohl den nahenden Zombies als auch seiner nun als Untote erwachenden Gefolgschaft zu retten.

Carol stellt sich derweil im Alleingang den Saviorn, um sie davon abzuhalten, die Waffen als Nachschub ins Sanctuary liefern zu können. Komplett gelingt ihr das nicht, aber Rick und Daryl sind praktischerweise gleich um die Ecke, um den Rest zu übernehmen.

Die emotionale Tiefe und Stärke von "Some Guy" kommt klar durch die Ruhe, mit der die Episode - besonders im Kontrast zur bisherigen Staffel - erzählt wird. Gerade auch die Rückblicke, die einem Ezekiel und seine Verbindung zu Carol noch einmal näher bringen, tun ein Übriges.

Wir sind eins

So sind die ersten Minuten der Folge das Emotionalste, was The Walking Dead seit langem abgeliefert hat. Einer der großen Kritikpunkte der letzten und auch bisherigen Staffel war, dass zu viele Charaktere auftauchen und man schon gar keine Bindung zu ihnen hatte. "Some Guy" zeigt, dass es an sich gar nicht viel bedarf, um den Zuschauer emotional zu involvieren.

Mit wenigen Worten, dafür passender Musik, wird die Vorbereitung und der Abschied der in die Schlacht ziehenden Bewohner von ihren Liebsten gezeigt. Auch Ezekiel bereitet sich vor, und durch das beeindruckende Schauspiel von Khary Payton kann man seine Gedanken, die Zweifel hin zum entschlossenen Handeln, fast greifen.

Mit seiner Kriegsansprache läuft Ezekiel wieder zu theatralischer Höchstform auf und spricht sichtbar nicht nur seiner Gefolgschaft, sondern auch sich selbst Mut und Hoffnung zu. Der Abschied gipfelt so in einer großen Gruppenumarmung. Optisch erinnert dies interessanterweise durch das Filmen und Rausfahren der Kamera nach oben an Szenen, in denen ein Einzelner von einer Horde Zombies umzingelt wird.

And yet I smile

Die Realität trifft hart. Konnte sich die Kingdom-Mannschaft noch eine Zeit rühmen, ganz ohne eigene Verluste gesiegt zu haben, sind sie nun quasi auf einen Schlag ausgelöscht.

Wie sich Ezekiel aus dem Leichenberg derer, die ihm zum Schutz geeilt sind, herauskämpft, ist gerade im Kontrast zur vorhergehenden Gruppenumarmungs-Szene düster. Der Moment zur Realisation, was geschehen ist, der Schrei der Verzweiflung, das Unvermögen seine nun zu Zombies werdenden Freunde abzuwehren und von ihrem Leid zu erlösen, der Moment vor absoluter Selbstaufgabe und der Funken Hoffnung, als einer der wenigen Überlebenden seiner "Majestät" zu Hilfe eilt - sofort zieht Paytons Darstellung des Anführers, der zum ersten Mal mit einer derartigen Niederlage konfrontiert wird, in den Bann.

Für die, die dies doch etwas klarer formuliert in Worte gefasst brauchen, taucht ein jugendlicher, namenloser Savior mit Brille auf, der Ezekiel gefangen nimmt. Negans Wunsch ist, die drei geschlagenen Anführer der gegen ihn rebellierenden Gruppen - also Ezekiel, Rick und Maggie - demonstrativ am Zaun des Sanctuary zur Schau zu stellen.

Dass Ezekiel noch frisch mit harten Verlust zu kämpfen hat und man von nahenden Zombies umzingelt ist, reicht natürlich nicht - der Savior muss auch noch verbal sticheln. Man wisse sehr genau, wer er sei, lache über das Schauspiel und sein Kingdom. Mit Blick auf die Zombies tritt er nach: "Dein Theater hat sie alle getötet, aber sieh, sie folgen dir trotzdem noch".

Wo auch immer Jerry war, er kommt zum passenden Moment zurück und halbiert den - von Negan mal abgesehen - namenlosen Savior mit seiner Streitaxt.

Carol nimmt es derweil im Gebäude und auf dem Gelände mit dem Rest der Savior auf, um sie am Transport der hochgefährlichen Waffen zu hindern. Ihre Erfahrung im Kampf und ebenfalls gute Schauspielkunst helfen ihr auch diesmal wieder, eine scheinbar aussichtslose Situation nicht nur zu überstehen, sondern gewissermaßen auch zu beherrschen.

In Rückblicken sieht man sie in Gesprächen mit Ezekiel. Carol ist skeptisch, was seine tatsächlichen Fähigkeiten angeht und fragt, ob er denn überhaupt schon mal gekämpft hätte. Viel hat er nicht auf seiner Liste, aber er habe hart trainiert und sei bereit zu werden, was er sein muss. Carols fragender Blick lässt ihn weiter erzählen. Als Zoowärter war er eher schwach, und natürlich habe er, als Shiva schwer verletzt Hilfe brauchte, abgewägt, ob er die Gefahr eingeht und ins Gehege springt - "Doch wenn man gebeten wird, ein Held zu sein: Sei ein Held!".

Durchaus ein cleverer Schachzug, mit der Gegenfrage an Carol, ob sie schon immer so stark und mutig war, oder es auch eine Entscheidung dafür gab, den Zuschauer noch einmal Carols Reise Revue passieren zu lassen und so Ezekiel von der Charakterentwicklung nutznießen zu lassen.

Mit dem wissenden Lächeln, dass sich auch um die beiden geflohenen Savior und die Waffen gekümmert wird, als Carol ein Motorrad hört, gibt es auch für die Caryl-Shipper noch zumindest ein kurzes Augenzwinkern.

To be a king

Was heißt es, ein Anführer zu sein? Die verheerende Niederlage hat Ezekiel tief getroffen und lässt ihn schwer an sich selbst zweifeln. Die Maskerade ist für ihn gefallen, das Spiel aus. Doch sowohl der Überlebende seiner Gruppe, der ihn rettet, als auch Jerry bestehen darauf, ihn weiterhin mit "Majestät" anzusprechen. Auch als Ezekiel ganz klar sagt "Du musst mich nicht so nennen" kommt als klare Antwort "Dude, doch, muss ich!".

Selbst als Ezekiel ganz klischeehaft darum bittet, zurückgelassen zu werden, da er nur aufhalten würde, tragen ihn Jerry und Carol - nicht nur körperlich - weiter. Mir schoss sofort eine meiner Rohan-Lieblingszenen aus Der Herr der Ringe in den Kopf:

"Wer bin ich, Gamling?"
"Ihr seid unser König, Herr "
"Und vertraut ihr eurem König?"
"Eure Männer, Herr, folgen Euch zu jedwedem Ende."
"Zu jedwedem Ende."

Natürlich ist es ein harter Verlust, aber es ist auch ein harter Kampf. Über Jahre hat Ezekiel seine Leute beschützt und eine sichere Heimat bieten können. Sie vertrauen und lieben ihn. Er spielt keinen Anführer, er ist ein Anführer. Und definitiv nicht der schlechteste, den wir in The Walking Dead kennengelernt haben.

Entsprechend nimmt es emotional mit, ihn derart brechen zu sehen. Zwar können Jerry, Carol und Ezekiel den Zombiemassen entkommen, da Shiva-Ex-Machina wieder zum Einsatz kommt, doch dieses Mal stirbt die Tigerin dabei. Dies versetzt Ezekiel den letzten Schlag und lässt ihn sichtlich völlig verzweifeln.

Die Erwartung war da, dass er sich dennoch weiter als Anführer sieht und seiner Pflicht nachkommt, bei der Rückkehr ins Kingdom abermals das Wort an die Hinterbliebenen zu richten und ihnen so neben einer Erklärung zu bieten, auch eine Stütze in dieser schweren Zeit zu sein. Stattdessen zieht er sich schweigend und von der Schlacht schwer gezeichnet zurück. Doch der Funke Hoffnung, dass er trotz der schmerzlichen Verluste gestärkt als König weiterhin der Serie erhalten bleibt, glimmt noch.

Fazit

Wie in meinen bisherigen Kritiken zu lesen war, bin ich bekennender Fan von Ezekiel und seinem Königreich. Es dürfte also nicht verwundern, dass mich diese Episode so begeistert wie schon lange keine mehr. Doch dies liegt nicht nur an besonders viele Szenen mit Carol, Ezekiel und Jerry, sowie dem tragischen Tod von Shiva, sondern auch daran, dass man sich endlich mal wieder Zeit gelassen hat.

Alleine die Action kann The Walking Dead nicht tragen, und hier keimte wieder mal etwas von der feinfühligen Geschichtenerzählung und Charakterdarstellung auf, die die Serie in früheren Staffeln so stark machte. Dass die Zombies auf Grund der Gegebenheiten endlich mal wieder zumindest etwas bedrohlicher sein konnten, ist ein klares Plus.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wir natürlich immer noch nicht wissen, was mit Gabriel und Negan weiter geschehen ist. Ob sich hinter den demonstrativ gezeigten Giftmüllfässern und optisch auffälligen Zombies mehr verbirgt, ist ebenfalls offen.

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LOTR The Two Towers - "Where is the Horse and the Rider?"

Kritik zu The Walking Dead 8.03: Monsters

SPOILER

Noch stärker als zuvor präsentiert sich The Walking Dead weniger mit in sich runden Folgen, sondern eher einem langen, in Episoden aufgeteilten, zusammenhängenden Film. So geht auch in "Monsters" die Handlung der beiden Vorgängerepisoden nahtlos weiter.

Hi Morales. Bye Morales.

Der Spiegel, der Rick in der letzten Episode wortwörtlich vorgehalten wurde, kann diesmal sprechen und heißt Morales. Zum Ende von "Mercy" stoppt Morales die Waffenlager-Such-Mission. Er hält Rick mit einer Pistole in Schach und ruft weitere Savior zur Verstärkung.

Es bleibt aber natürlich genug Zeit für ein Gespräch zwischen den beiden alten Bekannten. Neben kurzen Update, welche geliebten Menschen mittlerweile so verstorben sind, informiert Morales Rick auch darüber, dass seine Familie Birmingham nie erreicht hat. Er selbst hatte eigentlich schon aufgegeben, als die Savior ihn aufgriffen und für würdig genug hielten. Negan zu werden war seine Chance und Überlebensstrategie. Und dies mache ihn keinen Deut schlechter oder anders als Rick. Wer ist hier ein Monster?

Die “Wiedersehensfreude“ bei diesem seit der fünften Folge der ersten Staffel verschollenen Charakter währt nur kurz. Ein wieder aufgetauchter Daryl erledigt das Problem schnell und wortkarg mit seiner Armbrust aus dem Hintergrund. Rick scheint kurz entsetzt, immerhin hat man ihn doch gekannt. Das ist Daryl aber sichtbar egal gewesen – und Rick dann irgendwie auch wieder.

Hat es sich wirklich gelohnt dafür noch einmal nachzulesen, wer Morales überhaupt war, geschweige denn den Charakter überhaupt noch einmal auftauchen zu lassen? Es ist nun nicht so, dass einen das Schicksal von Morales seit seinem Abschied in der ersten Staffel brennend interessiert hätte oder dieses abermalige “Spiegel vorhalten” weiterbringt.

Natürlich tauchen dann die zur Unterstützung gerufenen Savior auf. Rick und Daryl versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Bei der Suche nach einem Fluchtweg, kombiniert mit gelegentlichen Schusswechsel im Labyrinth aus Fluren und Türen in diesem Hochhaus, dürfte es einigen Gamern sicher in den Fingern gejuckt haben. Das Setting erinnerte doch an so einige Computerspielsituationen.

Von Heiligen und Sündern

Jesus tut weiter, was man … von einem Jesus eben erwartet. Inklusive beschwichtigender heiliger Handhaltung. Die Meinungsverschiedenheit bezüglich des Umgangs mit den Saviorn zwischen Tara, Morgan und Jesus wächst weiter und eskaliert schließlich. Jesus besteht weiterhin darauf, dass niemand, der sich ergeben hat oder wehrlos ist, getötet wird. Tara und Morgan pochen eher auf die Gefahr und die begangenen Taten der Savior.

Als mal wieder eine Horde Zombies passend lautlos aus dem Nichts auftaucht, nutzt eine zusammengebundenen Gruppe Gefangener den Tumult zur Flucht in den Wald. Morgan will sie nicht so einfach entkommen lassen. Er stellt ihnen nicht nur nach, sondern beginnt auch, sie gezielt auszuschalten. Dies weiß Jesus mit vollem Körpereinsatz zu beenden. Warum genau niemand der sonstigen Anwesenden den eskalierenden, handgreiflichen Streit (natürlich nebst der beliebten Jesus-Kicks) unterbricht, ist hierbei ebenso offen wie die Frage, warum die Zombies so trollig den Grashügel runterrollen (Spaßtag für die Darsteller?) und dabei nicht deutlich größeren Schaden nehmen. Sichtbar weit verwest müssten dabei doch Teile abhanden kommen … aber ich drifte ab. Morgan hat genug von der Gruppenaktion und wird lieber wieder Einzelgänger. Wer will es ihm verdenken.

So schafft es der Trupp rund um Jesus und den gefangenen Saviors nach Hilltop, wo Maggie ein finales Machtwort sprechen soll. Jesus ist allerdings erstmal davon überrascht, Gregory anzutreffen. Eben noch kleinlaut um Mitleid bettelnd (und damit tatsächlich abermals Erfolg haben), macht dieser jetzt wieder einen lautstark auf dicke Hose, wird von Maggie jedoch in die Schranken gewiesen.

Maggie ist natürlich ebenfalls skeptisch und auch etwas entgeistert, dass Jesus ausgerechnet die Saviors an den Ort bringt, wo sich viele geliebte, besonders schutzbedürftige Menschen der Gruppe aufhalten. Eine Zwickmühle: man kann sie weder einfach laufen lassen, aber sie zu töten wäre ethisch auch nicht vertretbar, wie Jesus recht deutlich darstellt. Also sollen sie derweil in stark bewachten Containern untergebracht werden, und man würde weitersehen, wenn der Krieg beendet wäre.

Aus der Kategorie: Was soll schon schief gehen?!?

Keine Verluste

König Ezekiel und seine Gefolgschaft bleiben ein Highlight. Die Geschichte von The Walking Dead ist ohnehin wenig glaubwürdig, dann kann man auch Spaß damit haben. Theatralische Sprache und Tiger wird als Würze so schnell nicht langweilig.

Zudem sorgen die wenigen Sekunden, in denen man die Taktik der Gruppe sieht, für das gewisse Etwas im Vergleich zum reinen Rumgeballer in den anderen Plotsträngen. Da hätte ich mir fast gewünscht, dass Ezekiel mit seiner “fake it till you make it“-Taktik und dem Vorhaben, nicht nur zu siegen, sondern dabei keine Verluste in den eigenen Reihen zu verbuchen, erfolgreich geblieben wäre. Mit dem abrupten Ende und Cliffhanger sieht das nun nicht danach aus.

Wen kümmert es?

Der in der letzten Folge mit Bauchschuss schwer verwundete Eric ist gestorben. Aber wen, außer seinen Partner Aaron, kümmert das? Eric als Zombie nun nicht mehr, und selbst die anderen anwesenden Charaktere schienen Eric nun auch nicht so viel näher gewesen zu sein als der Zuschauer. Dabei waren beide, vor allem Aaron, theoretisch seit mehreren Staffeln Teil der Gruppe von Rick in Alexandria. Praktisch eben eher Statisten im Hintergrund.

Dies zeigt abermals einen großen Schwachpunkt der Serie: Zu viele Personen, die oftmals viel zu wenig beleuchtet werden – dann aber auf einmal im Fokus stehen. Das dürfte für die wenigsten Zuschauer funktioniert haben. Schade, dass man so der verschenkten Screentime eher hinterher trauert als einem Charakter.

“Wen kümmert es?“ denkt sich auch Daryl und erschießt einen entwaffneten, jugendlichen Savior einfach – obwohl Rick diesem zuvor ausgiebig sein Wort gegeben hat, diesen ziehen zu lassen, wenn er sich ergibt und mit Informationen rausrückt. Daryl hat wiederholt keinen Nerv mehr für derlei Vorgehen und zieht die brutale Abkürzung vor. Abermals ist Rick kurz irritiert, nimmt es aber (erstmal?) so hin.

Die Hoffnung ist nun natürlich, dass dies noch Konsequenzen haben wird und zu Differenzen führt. Sollte auch diese Charakterentwicklung keine spürbaren Folgen haben, dürfte sich endgültig die Frage stellen, wofür es Daryl und Rick überhaupt noch in der Serie braucht.

Wie es Gabriel und Negan ergeht, ist nach wie vor offen. Wartet man mit der Auflösung bis zum Midseason-Finale? Praktisch, dass Rick als Kriegsberichterstatter für ihn derweil alles mit der Polaroid-Kamera dokumentiert. In guter Negan-Tradition.

Fazit

Zugegeben, einen kurzen Moment hatte ich überlegt, ob ich diese Kritik nicht einfach aus den Texten zu den beiden Vorgängerepisoden zusammenwürfel. Der Tenor, Grundhandlungsstrang, Locations und Charaktere sind nach wie vor dieselben.

Aber dies würde “Monsters“ nun doch nicht gerecht. Denn trotz einiger Kritikpunkte, die eher das gesamte bisher sichtbare Staffelkonzept betreffen, wirkte die Episode stimmig erzählt. Zwar gab es keine Überraschungen und alles war reichlich vorhersehbar – oder stumpf egal -, aber es gibt dennoch genug offenen Fragen, um sich für die Fortsetzung und die Entwicklung einiger Charaktere zu interessieren.

Ja, die Latte für The Walking Dead liegt mittlerweile deutlich niedriger als noch zu den wilden Anfangszeiten der Serie.

The Walking Dead: AMC plant ein langlebiges Franchise

Mit der "The Damned", der zweiten Folge zu Staffel 8, fiel The Walking Dead das erste Mal seit Staffel 3 unter die Marke von 10 Millionen Zuschauern. Seit dem starken Auftakt von Staffel 7 mit 17,05 Millionen Zuschauern pendeln sich die restlichen Folgen von Staffel 7 und auch der Auftakt zu Staffel 8 bei im Schnitt 11 Millionen Zuschauern ein.

Dennoch legten die AMC Networks ein starkes drittes Quartal hin, wie der Vorstandsvorsitzende Josh Sapan erklärte - und via Deadline wurde bekannt, dass er noch langfristig für das Franchise plant:

"Den Gebrauch des Wortes 'Franchise' nehmen wir nicht auf die leichte Schulter. Das ist kein saloppes oder beiläufiges Wort. Wir haben von den Besten gelernt. Einige von denen gibt es seit 30, 40 oder 50 Jahren. Wir haben die Chance auf ein langes Leben im Franchise. [...] Es [das Franchise] ist in großartiger Form, und die Leute, die es managen, sind motiviert."

Gerade von Spielen, Merchandise und Virtual Reality verspricht Sapan sich neue Umsatz-Optionen. Damit bestärkt er seine Aussagen von Anfang diesen Jahres, in denen er die Langlebigkeit von The Walking Dead betonte.

Mit Staffel 8 geht es morgen mit der Folge 3 "Monsters" weiter. 

The Walking Dead: Episode 8.02 fällt auf neues Quotentief

Die zweite Episode der 8. Staffel von The Walking Dead erreichte am Sonntag Abend mit 8,9 Millionen Live-Zuschauern ein neues Quotentief. Der ermittelte Wert für "The Damned" markiert ein Fünf-Jahres-Tief für die Serie, seit dem Finale der zweiten Staffel "Beside the Dying Fire" im März 2012, welches 8,99 Mio Zuschauern zum Einschalten bewegte. Der Wert markierte damals einen Rekordwert für die Serie. Seit der dritten Staffel wurde die 10-Millionen-Marke nicht mehr unterschritten.

Die Staffelpremiere "Mercy" konnte in der Vorwoche noch 11,4 Millionen Live-Zuschauer zum Einschalten bewegen und hielt sich in etwa auf dem Niveau des Finales von Staffel 7, welches von 11,3 Millionen Zuschauern verfolgt wurde. Der bisher gewohnte Quotensprung, den Staffelpremieren, Midseason- oder Finalepisoden durch ihren Event-Charakter üblicherweise mit sich bringen, blieb jedoch aus.

Das höchste Quotenniveau erreichte The Walking Dead in der fünften und sechsten Staffel. Die höchste Einschaltquote verzeichnete die Folge 5.01 "No Sanctuary" mit 17,34 Millionen Zuschauern. Lediglich die erste Folge der siebten Staffel  "The Day Will Come When You Won't Be" hat mit 17,05 Millionen Zuschauern die zweithöchste Quote in der Seriengeschichte erreicht, bevor der Abwärtstrend einsetzte.

Auch wenn das Quotenniveau derzeit vergleichweise stark zurückgegangen ist, bleibt The Walking Dead  weiterhin eine der erfolgreichsten US-Kabelserien und die erfolgreichste Eigenproduktion von AMC.

The Walking Dead wird in den USA sonntags ausgestrahlt. In Deutschland zeigt der Pay-TV-Sender Fox die Episoden der 8. Staffel immer montags um 21 Uhr.

Kritik zu The Walking Dead 8.02: The Damned

SPOILER

Der Kampf der Verbündeten aus Alexandria, Hilltop und dem Kingdom gegen Negan und seine Anhänger geht blutig weiter. Die Episode mit dem Titel "The Damned" (Die Verdammten) zeigt auch, wie die brutaler werdende Auseinandersetzung auf verschiedenste Art ihren Tribut fordert.

Lageplan

Gerade zu Beginn wird mit reichlich Großaufnahmen von Gesichtern gearbeitet, was eine Zuordnung und Orientierung, wer nun gerade wo mit wem ist, erschwert. Doch im Verlauf klärt sich die Situation, und man erkennt das taktische Vorgehen: Die strategisch wichtigen Punkte der Saviors werden von einzelnen Gruppen angegriffen oder still ausgeschaltet und das Herzstück, das Sanctuary, eingekreist.

Neben massig Pistolen, Gewehren und Munition sollen auch die frisch getöteten, als Zombies wiederkehrenden Gegner als Waffen eingesetzt werden.

Blutrausch und Heiligenschein

Ein großer Teil der Episode wird genutzt, um lautstark zu zeigen, wie man auf unterschiedliche Arten Leute töten kann. Doch auch den ethischen Fragestellungen, und was ein derart brutales Vorgehen für die Charaktere heißt, wird etwas Raum gegeben.

Besonders deutlich wird dies im Gespann aus Tara und Jesus. Die eine folgt Ricks Anweisung, jeden, dem man begegnet, aus dem Weg zu räumen. Jesus hingegen weigert sich, Leute zu töten, die sich ergeben und hilflos oder auch unschuldig scheinen. Er erinnert Tara daran, dass dies kein Rachefeldzug sei und ihre von den Saviorn getötete Partnerin auch nicht wiederbringen könne. Seine Gutgläubigkeit wird ihm beinahe zum Verhängnis - doch auch dies lässt ihn von seinem Weg nicht abkommen, und er versucht, das gute Gewissen der Gruppe zu bleiben.

So gelingt es Jesus gerade noch, Morgan in seinem Blutrausch zu unterbrechen. Nachdem er angeschossen und seine Gruppenmitglieder getötet wurden, kennt Morgan kein Halten mehr. Zwar ist er schon vorab etwas von seinem propagierten Weg der Gewaltlosigkeit abgewichen, doch was einst bei ihm wie Gelassenheit und innere Ruhe wirkte, sieht nun eher nach kalter Kampfmaschine aus.

Waffenbrüder auf geheimer Mission

Auch Daryl und Rick gehen auf der Suche nach dem zentralen Waffenversteck der Savior mit Hilfe von Dwights Hinweisen taktisch und kühl vor. Nach wie vor hat man das Gefühl, dass die Schreiber nicht so recht wissen, was sie mit Daryl und Rick anfangen sollen, und so wirken die Plotstränge der beiden anhaltend schwach.

Der Blick in eine der Zellen, in denen auch Daryl einige Zeit verbrachte und von Negan gedemütigt und gefoltert worden ist, sollte wohl etwas Tiefe geben und beim Zuschauer etwas auslösen, bleibt für wirkliche Emotion oder Verbindung zum Charakter aber zu dünn und wirkt so leider nur aufgesetzt.

Rick wird wortwörtlich ein Spiegel vorgehalten, nachdem er in einer aufgebrochenen Wohnungen einen Mann tötet. Als Rick ein benachbartes Zimmer betritt, steht er auf einmal in einem liebevoll hergerichteten Kinderzimmer mit schlafenden Baby. Er sieht sich, einen blutigen, verlotterten Eindringling mit Pistole in der Hand, der den anscheinend lediglich besorgten Kindsvater brutal umgebracht hat.

Als sie nirgends Hinweise auf Waffen finden und spätestens, nachdem der Mann sich zwar gegen Rick gewehrt, aber eben nicht auf ihn geschossen hat und wohl unbewaffnet gewesen ist, kommen Daryl und Rick Zweifel. Ob sie nur am falschen Ort sind oder Dwight etwas anderes im Schilde führt, ist noch offen.

Vertrau dem König

Anders als Daryl und Rick weiß König Ezekiel anhaltend zu unterhalten und seine Mannen zu motivieren. Carol kennt sein Gebaren ja nun mittlerweile und weiß um die Maske, die er trägt, um seiner Meinung nach ein guter Anführer sein zu können - hat aber gerade in dieser ernsten Situation doch die ein oder andere Schwierigkeit damit.

Der Trupp überlebt die Explosion durch eine in der letzten Episode ausgelösten Sprengfalle und findet sich kurz danach in einer Gruppe Zombies wieder. Dieser kurze Kampf hätte spannender sein können, wenn man die angedeutete Verwirrung auf Grund des Staubs und Schwerhörigkeit nach der Explosion weiter ausgespielt hätte - das bloße Herannahen und mögliche Bedrohung von Zombies allein dürfte nach acht Staffeln The Walking Dead wohl bei niemanden mehr den Puls nach oben treiben.

Dennoch machen die Szenen mit Carol, Ezekiel, Shiva und der Gefolgschaft aus dem Kingdom einfach Spaß. Ezekiels Kommentar "Fake it till you make it, baby" nach einer seiner wortreichen, geschwollenen Reden ist eine nette Erinnerung an Carol und den Zuschauer, dass er sehr wohl um sein Auftreten weiß und dahinter dennoch eine echte Person steckt, die es ernst meint.

Wer sind diese Leute?

Leider zieht sich auch in dieser Episode eine große Schwäche der vergangenen Staffel fort. Zwar sind die Handlungsorte konzentrierter, doch man ist mit zahlreichen Charakteren konfrontiert. Die Zeit ist beschränkt und so kann diesen gar nicht genug Raum gegeben werden, damit der Zuschauer eine Bindung aufbauen kann.

Wieso genau sollte einen das Schicksal von Eric, Aaron und Tobin beim wilden Schusswechsel mit bislang unbekannten Saviorn interessieren? Wusste man überhaupt auf Anhieb, wie diese Figuren heißen? Braucht eine dicht gepackte Serie mit zahlreichen Möglichkeiten an anderer Stelle tiefer zu beleuchten wirklich derart Kanonenfutter?

Besonders deutlich wird dies beim Aufeinandertreffen von Rick und Morales. Im Vorhinein wurde bereits gemunkelt, dass ein lange verschollener Charakter der Serie wieder auftaucht.

Morales war zum Beginn der Serie Teil der Überlebenden, die Rick in Atlanta getroffen hat. Sie haben gemeinsam gegen Zombies gekämpft. In der fünften Episode "Tag 194" trennt sich Morales mit seiner Familie von der Gruppe und möchte sich lieber auf die Suche nach Verwandten machen. Und nun sehen wir ihn als Savior wieder.

Zugegeben: Ich musste selbst nach Namensnennung in der Episode erst noch einmal die Suchmaschine bemühen. Und bin immer noch komplett unbewegt.

Fazit

Auch wenn es nach wie vor reichlich Verbesserungsmöglichkeiten gibt - im Gesamten funktioniert "The Damned" ziemlich gut. Es scheint voran zu gehen und ist knackig erzählt. Dies lässt fast vergessen, dass es noch gar keine Auflösung des Cliffhangers der letzten Episode gab - das Schicksal von Gabriel und Negan ist nach wie vor offen.

Zusätzlicher Bonuspunkt ist das hervorragende Sounddesign, das mit dem Wechsel aus lauten Actionszenen und nahezu musiklosen Momenten in beklemmenden Situationen auch die innere Zerrissenheit der Charaktere perfekt untermalt.

The Walking Dead 8x02 Sneak Peek #2 Season 8 Episode 2 Promo/Preview HD "The Dammed"

The Walking Dead: Staffelpremiere 8.01 mit schwachen Quoten

Der Abwärtstrend bei den Einschaltquoten zu The Walking Dead setzt sich weiter fort. Die erste Episode der 8. Staffel "Mercy" konnte 11,4 Millionen Live-Zuschauer zum Einschalten bewegen. Der bisher gewohnte Quotensprung, den Staffelpremieren, Midseason- oder Finalepisoden durch ihren Event-Charakter üblicherweise mit sich bringen, blieb jedoch aus.

Vor einem Jahr erreichte die Staffelpremiere 7.01 "The Day Will Come When You Won't Be" mit 17,05 Millionen Zuschauern die zweithöchste Quote in der Seriengeschichte. Im Verlauf der siebten Staffel brachen die Quoten jedoch ein und stabilisierten sich ungefähr auf dem Quoten-Niveau aus Staffel 3. Das Finale 7.16 “The First Day Of The Rest of Your Life” brachte die Staffel mit 11,3 Millionen Live-Zuschauern quotentechnisch zu einem schwachen Abschluss.

Die höchste Einschaltquote verzeichnete die Folge 5.01 "No Sanctuary" mit 17,34 Millionen Zuschauern.

The Walking Dead bleibt jedoch weiterhin eine der erfolgreichsten US-Kabelserien. In welche Richtung sich die Quoten der achten Staffel entwickeln, werden die nächsten Wochen zeigen.

Die Durchschnitts-Quoten zu The Walking Dead pro Staffel (Live + 7 Tage):

Staffel 1:  6,9 Millionen Zuschauer
Staffel 2:  9,5 Millionen Zuschauer
Staffel 3: 14,4 Millionen Zuschauer
Staffel 4: 18,4 Millionen Zuschauer
Staffel 5: 20,1 Millionen Zuschauer
Staffel 6: 18,9 Millionen Zuschauer
Staffel 7: 16,4 Millionen Zuschauer

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