Alien 3

Originaltitel: 
Alien 3
Land: 
USA
Laufzeit: 
115 min
Regie: 
David Fincher
Drehbuch: 
Vincent Ward, David Giler, Walter Hill, Larry Ferguson
Darsteller: 
Sigourney Weaver, Charles Dance, Charles S. Dutton, Lance Henriksen, Paul McGann, Brian Glover, Ralph Brown
Kinostart: 
03.09.1992

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Alien 3 Filmposter

Inhalt

Der Raumgleiter mit Ripley an Bord treibt durch das All und muss schließlich auf einem entlegenen Planeten notlanden. Ihre Begleiter sind tot und Ripley strandet allein auf der Gefängniskolonie Fiorina 161, wo verurteilte Straftäter ihr tristes Dasein fristen. Das Leben unter den kriminellen Männern, die sich in einer Glaubensgemeinde organisiert haben, gestaltet sich für sie nicht einfach Als Zweifel aufkommen, woran ihre Begleiter gestorben sind, kommt Ripley ein schrecklicher Verdacht – der sich bald bestätigt. Ein Alien ist auf dem Planeten, und die Bewohner haben keine Waffen. Eine mörderische und aussichtslose Hetzjagd in den endlosen Gefängnisgewölben beginnt. Doch die größte Gefahr lauert in Ripley selbst.


Was aus Alien 3 hätte werden können ...

An Alien 3 scheiden sich bis heute die Geister. Der erste Film von David Fincher dient als Abschluss um die Figur von Ellen Ripley, die Fortsetzung kann jedoch den Vorgängern Alien und Aliens nicht das Wasser reichen. Dabei gab es ursprünglich eine Vielzahl von Ideen und Drehbuchvorschläge, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurden.

James Cameron selbst hatte zunächst einmal jedoch nie vor, eine weitere Fortsetzung zu Aliens zu drehen. Auch Sigourney Weaver und die Produzenten David Giler und Walter Hill waren alles andere als euphorisch, doch der weltweite Erfolg des Films machte ein Sequel für das Filmstudio Fox unausweichlich.

Während der sechsjährigen Produktionszeit nach Aliens (1986) wurden dutzende Drehbücher verarbeitet. In einem der ersten Konzepte jagte ein Alien Ripley und Newt beispielsweise durch eine Blade-Runner-ähnlichen Großstadt. In einem anderen hätten die Aliens die Erde erreicht und wären am Ende zu einer riesigen Kreatur verschmolzen, die New York City in Schutt und Asche legt.

Giler und Hill verständigten sich alsbald darauf, die Saga in einem Zweiteiler zum endgültigen Abschluss zu bringen. Sigourney Weaver, die sich von einer Rückkehr als Ripley zu diesem Zeitpunkt nicht sehr begeistert zeigte, hätte im ersten Film nur einen Kurzauftritt absolviert und sollte im vierten Teil wieder in den Vordergrund treten. Hauptcharakter des dritten Films wäre Hicks (Michael Bien) geworden.

Bei 20th Century Fox zeigte man sich skeptisch, gab jedoch ein Drehbuch in Auftrag, unter der Bedingung, dass der Zweiteiler an einem Stück gedreht wird, um die Kosten zu senken. Giler und Hill bemühten sich um eine Rückkehr von Ridley Scott, der hatte jedoch keine Zeit. Horrorregisseur Clive Barker wies das Angebot zurück mit der Begründung, er finde Alien "nicht interessant". Erst mit William Gibson (Neuromancer) machte das Projekt einen ersten, wichtigen Schritt nach vorn.

Gibson lieferte 1987 ein erstes Drehbuch ab, das Ripley größtenteils in den Hintergrund rückte und den Fokus auf Hicks und Bishop richtete. Auf einer Raumstation von Weyland-Yutani wird mit den Überresten der Aliens von Bishops Körperteilen experimentiert. Eine konkurrierende Fraktion hat mit ähnlichen Experimenten schon auf der Sulaco begonnen, bevor diese die Raumstation erreicht. Hicks und Bishop müssen zusammen mit einigen Marines den Kampf gegen die Aliens aufnehmen. Am Ende gibt es einen Cliffhanger, in dem die mit Aliens verseuchte Sulaco auf dem Weg zur Erde ist.

Gibsons erste Version war sehr actionorientiert, eine zweite eher klaustrophobischer Natur. Letztendlich wurden beide von den Produzenten abgelehnt. Einziges Überbleibsel von Gibsons Ideen für Alien 3 sind die Strichcode-Tattoos.

1989 legte Autor Eric Red (Hitcher, der Highway Killer, Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis) dann sein Drehbuch vor, welches aus dem geplanten Zweiteiler wieder einen einzigen Film machte und sich als erstes von allen Bestandteilen des Vorgängers löste. Alle Überlebenden aus Aliens wären noch vor Beginn ums Leben gekommen. Hauptschauplatz ist eine Raumstation, auf der sich neben vielen Zivilisten auch eine geheime Forschungseinrichtung befindet, die sofort mit Experimenten an den Aliens beginnt, der Sulaco sei Dank.

Zum Ende des Films wird die gesamte Station zu einer riesigen biomechanischen Kreatur. Regisseur Renny Harlin (Stirb Langsam 2) konnte sich mit dem Drehbuch nicht anfreunden und kündigte, auch Red wurde gefeuert, nachdem das Studio sein Drehbuch abgelehnte. Es gehört zu einem der vermeintlich schlechtesten Ideen für Alien 3, doch wie Red später berichtete, war es das Resultat des enormen Zeitdrucks und den vielen Auflagen des Studios, die den Film so schnell wie möglich produzieren wollten.

Als nächstes wurde David Twohy (Riddick) als Autor engagiert. Sein Drehbuch entfernte sich noch weiter von den Vorgängerfilmen. Einzige Referenz wäre ein Bild von Ripley mit dem Zusatz "Deceased" (verstorben) auf einem Computermonitor gewesen. Schauplatz ist eine Gefängnis-Raumstation im Erdorbit. Dort experimentiert Weyland-Yutani heimlich an den Aliens und nutzt die Insassen als Lebendköder und Forschungsmaterial. Durch einen Unfall kommen die Aliens frei, Insassen und Mitarbeiter versuchen zusammen zu überleben.

Regie sollte Vincent Ward führen, der hatte jedoch kein Interesse an Twohys Skript und wollte seine eigene Idee umsetzen. Fox gab ein weiteres Drehbuch in Auftrag, obwohl Twohy noch mit seinem beschäftigt war und auch als Regisseur für den Film in Frage kam. Plötzlich war Twohys Film der vierte der Reihe. Die Zweigleisigkeit des Studios macht Twohy nicht mit und kündigte, sein Drehbuch wurde verworfen.

Ward präsentierte 1990 seine Vision zu Alien 3. Ripley legt mit einer Rettungskapsel eine Bruchlandung auf einer riesigen Raumstation hin, die fast ausschließlich aus Holz konstruiert ist und von einer Gruppe Mönchen bewohnt wird, die Technologie grundsätzlich ablehnen. Die religiösen Männer sehen die Ankunft einer Frau in ihrer Mitte und die vermeintliche Anwesenheit des Xenomorphs als Strafe ihrer Vergehen und als Test ihrer göttlichen Obrigkeit. Um den Versuchungen und weiteren Strafen aus dem Weg zu gehen, wird Ripley in den Katakomben eingesperrt. ihre Warnungen vor dem Biest ignorieren die Mönche.

Das Projekt machte unter Ward endlich einen weiteren Sprung nach vorn, da nun sogar die ersten Sets entworfen wurden. Bei Fox hielt man sich jedoch nicht an das Versprechen, ihm die volle kreative Kontrolle zu überlassen. Stattdessen engagierte man weitere Autoren, um das Drehbuch umzuschreiben. Als Konsequenz stieg Ward aus dem Film aus.

Vincent Wards Drehbuch gelang über die Jahre zu einer eigenen Popularität und wurde vom britischen Journalisten David Hughes zu einem der "besten Sci-Fi-Filme, die nie gedreht wurden" gekührt.

Alien 3

Nach dem Ausstieg Wards wurde schließlich David Fincher, der bis dato nur Musikvideos und Kurzfilme inszenierte, als Regisseur verpflichtet. Der wollte Wards Drehbuch aber nicht verfilmen, hatte jedoch keine andere Wahl. Fincher beklagte sich während der Dreharbeiten über massive Einmischung des Filmstudios. Selbst die Schauspieler bemerkten, dass Fox anscheinend jemanden haben wollte, der sich umherscheuchen lässt.

Die Produzenten Walter Hill und David Giler bedienten sich für das letzte Drehbuch bei den Vorlagen von Twohy und Ward, welches jedoch noch während der Dreharbeiten gar nicht fertig war und ständig umgeschrieben wurde. Auch gab es Änderungen zugunsten teurer Sets, die bereits aufgrund früherer Entwürfe konstriert waren und auch benutzt werden sollten.

David Fincher ist heute ein weltbekannter und renommierter Regisseur, der jedoch mit Alien 3 nichts zu tun haben möchte. Schauspieler und Beteiligte der Produktion stärken Fincher jedoch den Rücken, der sich mit einem Übermaß an Einmischung und Kontrolle herumschlagen musste.

Über die Jahre gewann Alien 3 wieder an Ansehen und der "Assembly Cut", der im Jahr 2003 veröffentlicht wurde, stellt eine 25 Minuten längere Version dar,  der die Geschichte wieder einige interessante Aspekte hinzufügt oder ausweitet.


Filmkritik

von Roman Möhlmann (für SF-Radio.net) Nach Ridley Scotts wegweisendem ersten Teil, der mittlerweile zum Kultstatus avancierten Science Fiction-Horror-Reihe "Alien", hatte James Cameron die kongeniale Fortsetzung "Aliens" vorgelegt. Anfang der 90er wurde der Stab an Regisseur David Fincher (v.a. bekannt durch "Sieben") weitergereicht, dem ein Talent für die Inszenierung düster-bedrohlicher Szenarien attestiert werden muss. So ging die Hatz der intelligenten außerirdischen Killerkreaturen in die dritte Runde.

Doch "Alien III" aus dem Jahre 1992 wurde und blieb der bislang schwächste der "Alien"-Filme. Fincher, der das Werk aufgrund von Studiowünschen mehrmals umschneiden musste, war sichtlich bemüht, die Bürde, die mit dem Auftrag zu einem weiteren Teil der Mythologie auf seinen Schultern lastete, zu tragen – er schaffte es aber nicht vollends. Zu groß waren schließlich auch die Maßstäbe und Vorgaben: Ein so facettenreiches, spannungsgeladenes und actionfreudiges Werk wie sein Vorgänger konnte Fincher nicht liefern, eine Imitation wäre nur schwach geworden.

So besinnt sich "Alien III" erst einmal auf die Subtilität der Spannung aus Teil eins und lässt wieder nur eines der säurehaltigen Killerbiester auf Ripley und Co. los; diese strandet nun auf einem Gefängnisplaneten, auf welchem die Inhaftierten in einer Art Mönchsorden zusammenleben.
Um der bislang gezeigten Zukunft also neuen Wind zu geben, thematisiert Fincher erst einmal vorrangig die Problematik der Gefangenschaft und der einzigen Frau unter den Häftlingen. Beim anschließenden Kampf gegen das Alien baut er schließlich die Problematik ein, dass man gänzlich auf Waffen verzichten muss.

Die Inszenierung bietet dabei einige härtere Szenen und weiß im gesamten schon zu gefallen. Doch so manches ist mittlerweile sehr vorhersehbar, viele der Alien-Attacken erwartet man. Da gerade ein Großteil dieser Suspense-Szenen nach altbekannten Mustern abläuft, gibt es anfangs kaum Überraschungen bei den Übergriffen des Aliens. Spannend ist dann erst die Szenerie, ab der Ripley und die Gefangenen versuchen, die Bestie in eine Falle zu locken. Hier gibt's dann einige packende Szenen vom feinsten, ein paar Minuten Dauerspannung, garniert mit Kamerafahrten aus der Alien-Perspektive.

Interessant und innovativ gibt sich dann natürlich v.a. der Schlussclou, auf den der ganze Film, rückblickend gesehen, eigentlich hingearbeitet hat: Ripley trägt in sich eine Alienkönigin und stürzt sich in einer Szene in den Freitod, die gerne noch etwas epischer wäre, als sie nun wirkt.

Also, was haben wir? Eine spannende, handwerklich gekonnt und teilweise innovativ inszenierte, gelungene letzte halbe Stunde, aber der Streifen kränkelt an zu vielen anderen Mängeln:
So bleiben gerade zu Anfang viele Elemente der neuen Kulisse ungenutzt. Außer Ripley (und auch sie hier nur, weil der Zuschauer sie aus den anderen Filmen bereits kennt) gewinnt kaum jemand der anderen (eigentlich gut besetzten) Charaktere an Tiefe. Die meisten bleiben leider bis auf wenige gelungene Momente blass, vieles ist zu vorhersehbar. Abgesehen davon sollten Freunde handfester Action hier gewarnt sein, die bietet Fincher in seinem Werk in bewusster Abgrenzung vom Vorgänger wenig.

Auch wenn es geschah, um die Prämisse dieses Teils möglich zu machen, möchte ich zudem den Ausgangspunkt der Story kritisieren: Mit der Holzhammermethode, außer Ripley alle Überlebenden des zweiten Films direkt zu Anfang und ungesehen sterben zu lassen, hat man auch für die Zukunft viele Chancen verbaut. Michael Biehn zum Beispiel hätte ich gern wiedergesehen. So bleibt vieles ungeklärt - meiner Meinung nach u.a. auch Ripleys eigentliche "Infizierung". Da hilft auch die hingebogene Implementierung des Bishop-Charakters nur wenig – diese bereitet höchstens eine Nuance des Schlusses vor (Lance Henricksens zweiter Auftritt).

Nun ist Finchers "Alien III" sicherlich nicht dermaßen schlecht, wie es seinerzeit oftmals behauptet wurde Doch auch wenn der Film durchaus spannend ist und einige innovative Elemente zu bieten hat, bleibt er der bislang schwächste und unausgefeilteste Streifen der Reihe. Aufgrund der Inszenierung und einiger gelungener Momente ist er mir dennoch eine eingeschränkte Empfehlung wert. Wenn man über die langatmigeren Passagen hinwegsieht, ist dennoch ein spannender SF-Abend drin.

Hinweise zu den Fassungen:
Wie bereits erwähnt war der Dreh des Films von ständigen Drehbuchänderungen und Kontroversen zwischen Produzenten und Regisseur überschattet. Die mit der Veröffentlichung der „Alien Quadrilogy“-DVD-Box vorgelegte erweiterte Fassung ist knapp eine halbe Stunde länger als die Kinofassung und läuft nun etwa 140 Minuten. Hier sehen wir neben einem neuen Anfang ein alternatives Ende jede Menge neuer Szenen und Dialogerweiterungen. Außerdem wurden Teile des Films umgeschnitten. Von einem Director’s Cut im eigentlichen Sinne kann allerdings nicht gesprochen werden, da die hier gezeigte Fassung dem 1991 bei Fox eingereichten und abgelehnten Rohschnitt von Fincher entspricht. Da dieser für die DVD extra überarbeitet wurde, lohnt ein Blick allemal.

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