Virtual Reality trifft TV-Serie - Kritik zu Halcyon

Spätestens seitdem VR-Brillen wie die HTC Vive oder die Oculus Rift in diesem Jahr endlich auf dem Markt erhältlich sind, entdecken immer mehr Unternehmen die Möglichkeiten von virtueller Realität. Mit Halycon versucht der Sender Syfy nun erstmals, eine klassische TV-Serie mit VR zu verbinden.

Die Serie spielt im Jahr 2040, in der die virtuelle Realität allgegenwärtig ist. Anstatt VR-Brillen zu nutzen, haben viele Menschen mittlerweile ein Implantat, mit dem sie beispielsweise direkt mit virtuellen Intelligenzen kommunizieren können. Verantwortlich für die Implantate ist das Unternehmen Halcyon. Dieses wird von Blake Creighton geführt, der nun plant, die letzte Grenze von VR zu durchbrechen. Schon bald sollen die Menschen in der virtuellen Realität auch fühlen können. Doch dann wird Creighton plötzlich ermordet. Detective Jules Dover und ihre Partnerin Asha, eine virtuelle Intelligenz, nehmen die Ermittlungen auf. Dabei stoßen sie schon bald auf ein Mysterium, denn es scheint, als wäre Creighton auf virtuellem Wege umgekommen.

Halcyon ist gleich aus mehreren Gründen keine normale Serie. Zunächst einmal ist da natürlich die Kombination aus virtueller Realität und klassischer Serienhandlung. Die Geschichte wird in insgesamt zehn Folgen erzählt, die in unregelmäßigen Abständen durch VR-Episoden unterbrochen werden. Die fünf VR-Folgen sind nur mit Hilfe der Oculus Rift und der Samsung VR abrufbar, allerdings kann man der Geschichte auch ohne folgen. Letztendlich handelt es sich eher um einen netten Bonus, aber dazu später mehr.

Die Serien selbst ist darüber hinaus eher mit einer Web- als mit einer TV-Serie vergleichbar. Jede Episode bewegt sich in der Regel zwischen fünf und sechs Minuten, sodass die gesamte Geschichte innerhalb von 35 Minuten erzählt ist. In diese packen die Macher allerdings eine ganze Menge an Themen. Die Gefahren der virtuellen Realität werden ebenso angeschnitten wie der moralische Umgang mit künstlicher Intelligenz. Wirklich befriedigend behandelt Halcyon jedoch keinen dieser Konflikte.

Leider merkt man der Serie eben doch stark an, dass man es hier mit einem Experiment zu tun hat, in das nur bedingt viele Ressourcen geflossen sind. Von der Geschichte über die Darsteller bis hin zur Ausstattung fehlt es eigentlich an allen Ecken und Enden. Die Handlung plätschert mehr oder weniger vor sich hin, die Darsteller agieren entweder im Verhörraum oder am Tatort, und auch schauspielerisch gewinnt hier niemand einen Preis. Über weite Strecken ist Halycon ein mäßig spannender Kriminalfall, der mit ein paar pseudo-moralischen Diskussionen garniert wird. Nichts davon hat man nicht irgendwo schon einmal besser gesehen, sodass am Ende eigentlich nur die VR-Features als Argument übrig wären.
 
Aber selbst die hinterlassen einen leicht schalen Beigeschmack. Denn zumindest die erste “Zwischenepisode” spielt sich wie ein sehr seichtes Point & Click Adventure aus der Ego-Perspektive. Man klickt sich durch ein virtuelles Apartment, sucht Hinweise und hört sich automatisch abgespielte Audiokommentare der beiden Ermittlerinnen an. Das Ganze ist durch die Verlagerung in die VR ziemlich immersiv, aber wenig interaktiv. Und meist nach wenigen Minuten schon vorbei. Trotzdem beeindruckt das VR-Erlebnis durch seine unmittelbare Art, und die VR-App bietet neben den Episoden und den VR-Abschnitten auch ein paar Hintergrundinformationen zur Welt von Halcyon, die nach und nach freigeschaltet werden.

Fazit

Halcyon ist eine interessante Idee, die aber leider an den fehlenden Ressourcen in der Umsetzung scheitert. Immerhin zeigt die Serie, dass die Kombination aus TV und VR durchaus Möglichkeiten bietet. Um dies gut umzusetzen, benötigt man aber einfach mehr Mittel

Syfy zeigt das gesamte TV-Event am 22. September ab 20.15 Uhr. Weitere Informationen gibt es bei halcyon.syfy.de.

Was ist Halcyon?

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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