Kritik zu Call of Duty: Infinite Warfare – Mit David Hasselhoff und Kit Harington

Viele Jahre lang konnte nichts der bekannten Videospielreihe Call of Duty trotzen. Die jährlich herausgegebenen Titel verkauften sich hervorragend, Fans waren scheinbar zufrieden mit dem relativ gleich bleibenden Gameplay. Man könnte Publisher Activision beinahe eine Art Arroganz zusprechen, keine unnötigen Risiken eingehen zu wollen – rein wirtschaftlich eine verständliche Vorgehensweise.

Doch in diesem Jahr endet der Höhenflug wohl abrupt, aber nicht aus den offensichtlichen Gründen. Seit wenigen Jahren ging das Setting mehr und mehr in die Zukunft. Die Fans schien es nicht wirklich zu stören, bis vor wenigen Monaten der Ankündigungstrailer zum neuesten Ableger Infinite Warfare hochgeladen wurde. Inzwischen kann man auf Youtube mehr als drei Millionen Dislikes zählen, weitaus mehr als die übliche Kritik an Spielen der Marke.

Activision hat eigentlich alles gemacht wie immer, nur in diesem Jahr wohl einen Schritt zu weit. Aber ist die Spielerschaft wirklich in Scharen abgewandert und der Aufschrei berechtigt?

Call of Duty: Infinite Warfare Asteroid
© Activision

Einzelspieler-Kampagne: Von Cameos und Storytelling

Call of Duty konnte schon lange Zeit nicht mehr richtig gute Singleplayer-Kampagnen vorweisen. Die Charaktere waren langweilig, die Geschichte vorhersehbar, und das Gameplay bot keine Überraschungen mehr. Der neue Schauplatz hat Infinite Warfare gutgetan: Es kann sich von den anderen Teilen inhaltlich distanzieren und genug eigenen Charme bieten.

Grundlegend geht es wie immer als die heldenhaften Spezialeinheiten gegen das absolute Böse. Viele Jahrhunderte in der Zukunft hat die Menschheit das Sonnensystem kolonialisiert, und ihre Bevölkerung ist auf das Dutzendfache angestiegen. Die Kolonien wenden sich eines Tages gegen die Bewohner der Erde und beginnen einen verheerenden Krieg.

Angeführt werden sie von einem bitterbösen Admiral, gespielt von Kit Harington, welcher die Erde aus purem Hass vernichten möchte. Weitere Motivationen oder schauspielerische Höchstleistungen liefert er nicht, was aber auch gar nicht so schlimm ist. Man will in einem Shooter, bei dem der Feind hundert oder sogar tausendfach vom unantastbaren Protagonisten niedergemetzelt wird, schließlich nicht mit Ethik und Moral anfangen.

Nach einer Schlacht, bei der die Erde beinahe erobert wird, gerät der Protagonist in den Besitz eines 700-Mann-starken-Raumschiffs und muss innerhalb eines Tages den blauen Planeten retten.

Darin liegt auch schon die größte Stärke des Spiels: Dank sympathischen Charakteren und ansehnlicher Motion-Capture-Technologie lernt man seine Crew gut kennen. Gut ein Dutzend Charaktere, inklusive obligatorischem Roboter und, ja wirklich, Lewis Hamilton begegnen dem Protagonisten immer wieder. Wenn der sich also immer wieder auf Missionen vorbereitet und sich zum Hangar aufmacht, gibt es einen kurzen Plausch mit Mechanikern, Piloten und Soldaten.

Dieser Vorgang charakterisiert die Besatzung in der kurzen Spielzeit gut und macht Verluste in einer Schlacht umso schmerzlicher. Denn Call of Duty ist noch nie davor zurückgeschreckt, Charaktere plötzlich und brutal umzubringen.

Das Gameplay hat sich leider nicht so gesteigert: Die Feuerwechsel fühlen sich auch im Weltraum sehr altbacken an. Auch mit dem Doppelsprung und Wallruns wie aus Titanfall punktet der Shooter nicht, da sie schlicht überflüssig sind und nur zu einem schnelleren digitalen Tod führen.

Neu sind aber die Scharmützel im flotten Raumjäger. Wie in einem modernen Jet fliegt der Spieler durch Asteroidenfelder und jagt Feinden nach. Für Flug- und Weltraumsimulator- Fans ist das zwar nur Standardkost, passt aber hervorragend ins Setting und bietet Abwechslung zum Rest.

Call of Duty: Infinite Warfare Skirmish
©Activision

Multiplayer und Zombiemodus: Alles wird gut mit Hasselhoff

So viel, wie im Einzelspieler-Modus gewagt wurde, so anachronistisch wirkt der Mehrspieler. Entwickler Infinity Ward wollte wohl vergeblich auf die Fanbasis zugehen und hat im Vergleich zum Vorgänger beinahe Nichts verändert. Alles bleibt beim Alten, ob hunderte Jahre in der Zukunft oder nicht.

Als ob das nicht schon genug wäre, hat Activision die ohnehin kleine PC-Community entzweigerissen. Spieler auf Steam können nicht mit Spielern des Windows Stores zusammen spielen. Eine bizarre Entscheidung mit Folgen: Microsoft gibt Käufern ohne Angabe eines Grundes ihr Geld zurück, nachdem ein Spieler im Windows Store bemerkte, dass er einer von nur zwei Spielern auf der Plattform ist. Auch auf Steam sehen die Zahlen bisher nicht blendend aus: Einen Tag nach Release konnte ein Landwirtschaftsspiel die Zahl der gleichzeitigen Spieler toppen.

Häufig übersehen und mittlerweile ein Geheimtipp unter Coop-Survival-Fans: Der Zombiemodus. In diesem Teil spielt die Handlung innerhalb eines Vergnügungsparks mitten in den Achtziger Jahren. Das Ziel? Überleben oder ein extrem umfangreiches Puzzle lösen, was schließlich einen Boss freischaltet. Viele Mechaniken sind schön absurd, so ernst wie der Rest des Spiels nimmt sich die Jagd auf Zombies nicht. Wer mit einer Batterie, die er auf einer Wasserrutsche gefunden hat, einen Roboter aktiviert, der in den Weltraum fliegt und anschließend David Hasselhoff höchstpersönlich mitbringt, hat wirklich alles erlebt.

Call of Duty: Infinite Warfare Zombies
©Activision

Das Modern Warfare Remake und die Technik

Die neuen Call-of-Duty-Spiele sehen gut aus. Ziemlich gut sogar. Charakteranimationen erscheinen lebensnah und flüssig. CGI-Zwischensequenzen sind filmreif inszeniert. Was liegt da näher, als den beliebtesten Teil, Modern Warfare, in dieser Grafik-Engine zu neuem Leben erwachen zu lassen? Das Verkaufsmodell ist seltsam, aber effizient: In der sogenannten Legacy Edition von Infinite Warfare liegt eine kostenlose Kopie vom neu aufgelegten Modern Warfare bei.

Die Aktion geht nur mäßig auf. Das Remake läuft zwar sehr flüssig, unterscheidet sich aber sonst nicht so stark vom Original wie es könnte. Würde man einer unwissenden Testgruppe den Titel vorsetzen, nur die Wenigsten könnten einen Unterschied bemerken.

Immerhin gibt es nun auch neue Server und der Multiplayer des Klassikers hat in dieser Version wieder viele Spieler – jedenfalls im Moment.

Fazit

Gerade alten Fans, die sich durch das neue Setting abgewendet haben, sollte Infinite Warfare gefallen, auch der Zombiemodus bietet ein großes Potential. Neue Spieler haben in diesem Jahr jedoch mehr als genug Alternativen und dürften vom altbackenen Mehrspieler-Modus nicht besonders beeindruckt sein.

Call of Duty: Infinite Warfare ist am 04. November für Xbox One, Playstation 4 und PC erschienen.

Official Call of Duty®: Infinite Warfare Reveal Trailer

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