Kritik zu The Walking Dead 7.07: Sing Me A Song

SPOILER

Nach langer Zeit des Wartens und der Enttäuschungen kommt The Walking Dead mit der Episode "Sing Me A Song" endlich wieder auf ein Level, bei dem man sich als Fan der Serie nicht schämen muss, wenn man Freunden sagt, warum man Montagabends keine Zeit hat. Vielleicht handelt es sich dabei auch um einen Trick seitens AMC, die sich dachten, die Zuschauer genauso leiden zu lassen wie die Protagonisten der Serie, die sie so gern schauen. Maximale Immersion!

Spaß beiseite, die Episode hat genau das geliefert, was nötig war: Es gab den Hauptstrang, in dem Carl (Chandler Riggs) auf Negan (Jeffrey Dean Morgan) trifft, sowie mehrere weitere Subplots, die immer wieder eingestreut wurden, um das große Ganze voran zu treiben. Löblicherweise wurden die meisten Szenen in Negans Hauptquartier praktisch 1:1 aus der Comicvorlage übernommen und exzellent umgesetzt.

You are my sunshine, my only sunshine

Viele von Negans beliebten Einzeilern wurden direkt übernommen, und Jeffrey Dean Morgan hat sie allesamt tadellos wiedergegeben. Es ist wirklich eine Seltenheit, dass ein Charakter auf der einen Seite so unglaublich mies ist, dass man ihm den Tod wünschen möchte, er aber gleichzeitig auch so charismatisch daher kommt, dass man ihn eigentlich auch gern auf ein Bierchen in der Lieblingskneipe einladen würde. Ganz großes Kino, das Morgan da mit seinem Schauspiel liefert.

Aber auch Chandler Riggs konnte in "Sing Me A Song" vollends überzeugen, ganz besonders in der Szene, in der Negan ihn zwingt, seine Augenbinde abzunehmen. Negans Reaktion und Carls daraus resultierende Demut sind sehr intensiv gespielt, werden jedoch noch davon getoppt, dass Negan sich ganz ehrlich bei ihm für die harschen Worte entschuldigt. Spätestens als im Anschluss daran die titelgebende Aufforderung kommt, ihm ein Lied zu singen und Riggs die ersten Zeilen von "You are my sunshine" singt, dürfte beim einen oder anderen ein gewisses Unwohlsein aufkommen.

Die Chemie zwischen den beiden ist auf jeden Fall wahnsinnig gut. Da Negan nun offensichtlich versucht, Carl auf seine Seite zu bekommen, indem er anschließend die meiste Zeit den coolen Onkel mimt, dürfen wir sehr gespannt sein, was sich im Finale noch ergibt. Er respektiert Carl in gewisser Weise, besteht aber dennoch darauf, ihn dafür zu bestrafen, zwei seiner Männer umgebracht zu haben.

You make me happy when skies are gray

Weiterhin ist interessant, wie viele Leute aus Ricks (Andrew Lincoln) Crew ihren eigenen Racheplan schmieden und versuchen, Negan auf eigene Faust zu erledigen. Neben Carl sind auch Michonne (Danai Gurira) und Rosita (Christian Serratos) drauf und dran, ihm eine Kugel (bzw. ein Katana) zwischen die Augen zu verpassen. Während Michonne sich direkt auf den Weg macht und allein durch die Welt zieht, nötigt Rosita, blind vor Rachegelüsten, den guten Eugene (Josh McDermitt), Munition für ihre Pistole herzustellen.

Eugene versucht, ihr Vernunft einzureden, wird dann aber vom völlig haltlosen Argument überzeugt, dass er sich doch endlich mal nützlich machen solle. Gerade Rosita, die ihn praktisch seit Anbeginn der Apokalypse begleitet, sollte doch über seine technischen Kompetenzen Bescheid wissen. Natürlich ist ihr Hass auf Negan nachzuvollziehen, aber gerade nach Eugenes Aussage, alles analysiert und keinen Weg gefunden zu haben, sollte sie doch langsam zur Vernunft kommen.

Ganz im Gegensatz zu Rosita hat Gabriel (Seth Gilliam) es in dieser Episode geschafft, sich vom eher neutral bis negativen Charakter hin zum Publikumsliebling zu mausern. Er ist mit Spencer (Austin Nichols) unterwegs, um Vorräte zu sammeln und dieser kann es nicht lassen, Leute gegen Rick aufzustacheln. Was aber schon bei Sasha nicht klappte, funktioniert auch bei Gabriel nicht. Ganz im Gegenteil konfrontiert er Spencer ganz offen damit, wie viel Rick für die Gemeinschaft getan hat.

Und dass Spencer ein tremendous shit sei, wenn er Rick für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht und versuche, ihn zu stürzen. Wenn man von einem Priester gesagt bekommt, was für ein schlechter Mensch man ist, muss wirklich etwas schief laufen. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Spencer gehörig der Kopf gewaschen wird. Oder eingeschlagen. Je nachdem, ob Rick sich um ihn kümmert oder Negan und Lucille.

In aller Kürze

Die Episode war der lang erwartete Knaller, den The Walking Dead unbedingt nötig hatte, um wieder interessant zu werden. Wir haben viele neue Einblicke in Negans Hauptquartier und seinen Führungsstil bekommen. Es bleibt spannend, nicht zuletzt weil Daryl (Norman Reedus) einen Schlüssel zugesteckt bekommen hat, um seiner Zelle zu entkommen.

Auch in Alexandria dürfte künftig wieder etwas mehr Stimmung aufkommen, denn Negan weiß nun über Judith Bescheid, und auch unter den Bewohnern läuft nicht alles besonders rund. Wir können uns auf ein spannendes Midseason-Finale freuen, das hoffentlich mindestens genauso gut wird wie diese Episode.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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