Kritik zu Lucifer 2.13 - A Good Day to Die

SPOILER

lucifer-still-a-good-day-to-die.jpg

Tom Ellis als Lucifer und D.B Woodside als Amenadiel in Lucifer "A Good Day to Die"

Eigentlich waren für Lucifer auch für Staffel 2 nur 13 Episoden geplant. Dann bestellte Fox jedoch doch eine komplette Staffel mit insgesamt 22 Folgen. Das könnte erklären, warum "A Good Day to Die" wie ein Staffelfinale auffährt und allen Charakteren einen Auftritt gönnt.

"This one was a team effort."

Mit der vorangegangenen Folge "Love Handles" war klar, dass Chloe (Lauren German) von Professor Carlisle (Tim DeKay) eine Portion Gift abbekommen hat. Dummerweise hat der Professor die Formel für das Gegengift mit ins Grab genommen. Aber da es bei Lucifer nun einmal unwahrscheinlich ist, dass Chloe auch im mittlerweile dritten Anlauf in dieser Staffel stirbt, stellt sich dem Zuschauer eher die Frage, wie sie nun wieder gerettet wird. Die Antwort erinnert an die Musketiere, denn selbstverständlich finden sich alle als Team zusammen, um doch noch an ein Gegengift zu kommen.

"You know how stubborn she can get."

Chloe wäre aber nicht Chloe, wenn sie nicht vorher noch in den Helden-Modus umschaltet - und es nervt. Dank Ella (Aimee Garcia) weiß sie eigentlich um die Wirkungsweise des Giftes und muss dennoch die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen. Warum? Lucifer (Tom Ellis) verweichlichte im Laufe der Staffel unnötig, als er sich seiner Gefühl für sie bewusst geworden ist; und man hat nimmermüde darauf hingewiesen, dass Dan (Kevin Alejandro) seine Ex-Frau nicht wirklich egal ist. Damit hätten wir schon zwei Kandidaten, die alle Hebel für ihre Rettung in Bewegung setzen.

Das Sahnehäubchen ist jedoch, dass es langsam wirkt, als würde Chloe dabei so gar nicht an ihre Tochter (Scarlett Estevez) denken. Hier sollte man für den weiteren Staffelverlauf so langsam die Kurve kriegen, sonst wirkt sie als liebende Mutter unglaubwürdig.

"Miracles aren't my thing."

Da ist es schon erleichternd, dass Chloe einen Großteil der Folge dann vor sich hin dämmernd verbringt und die anderen endlich wieder zeigen können, was in ihnen steckt.

Das Wiedersehen mit dem Team Lucifer/Dan war perfekt. Es ist toll zu sehen, wie die beiden ihre Hassliebe ausleben dürfen, wenn man sie denn lässt. Das Spiel zwischen Ellis und Alejandro ist stimmig, gerade der latent genervte Blick von Dan, als ihm bewusst wird, dass er umsonst Prügel kassiert hat, passte perfekt. Abgerundet wurde diese Szene noch durch Lucifer, der auch mal wieder austeilen durfte - und dabei gewohnt elegant wirkt.

Auch das spätere Team Dan/Ella hatte eine gute Chemie. Hier zeigt sich, dass sowohl Ella als auch Dan eher dazu neigen, sich auch einmal über Regeln und Moralvorstellungen hinweg zu setzen, wenn es einer Sache dienlich ist. Ein schönes Gegengewicht zu Chloe, die stets so korrekt wirkt; es wäre wunderbar, wenn die Autoren der Serie auch künftig auf dieses Gespann zurückgreifen würden. Zwar hätte man die kleine Hintergrundgeschichte um Ella auch anders erzählen können, jedoch war dieser Moment relativ gelungen. Jeder, der selbst Geschwister hat, hatte an den kleinen Sticheleien zwischen Ella und ihrem Bruder Ricardo (Albert Nicholas) wohl seinen Spaß.

"Answer me, brother."

Die stärksten Szenen spielten sich jedoch rund um Lucifers Familie ab. Es spricht hier für die Serie, dass man sich mit Kitsch weitestgehend zurückgehalten und stattdessen eine passende Balance findet zwischen Lachern (Hände hoch, Maze und Amenadiel!) und kleinen Gesten, die ans Herz gehen. Da muss Amenadiel (D.B. Woodside) lediglich die Koseform für Lucifer verwenden, damit einem bewusst wird, wie sehr er sich um seinen kleinen Bruder sorgt, als dieser seinen gewagten Plan umsetzen möchte; als der Plan dann doch noch gelungen ist, genügt nur ein Blick zwischen den Brüdern, mit dem alles gesagt ist.

Amenadiel gehörte in dieser Episode neben Lucifer zu den herausragenden Charakteren. Stoisch lässt er es über sich ergehen, als sich Lucifers angestaute Wut über seine Hilflosigkeit explosionsartig entlädt. Und ebenso stoisch hält er sein Wort und verwandelt sich mal eben zum Fels in der Brandung, an dem alle Sicherheitskräfte abprallen. Nur einmal wird er weich. Geschickt hat man hier Trixie eingebunden, die nichtsahnend seine Rolle als buchstäblichen Schutzengel enttarnt.

"This is a torture of your own making."

"A Good Day to Die" offenbart endlich einen weiteren Blick auf die Hölle. Im Finale zu Staffel 1 haben wir schon einen kleinen Eindruck bekommen, jetzt zeigt sich, was hinter den Türen steckt. Es ist schön, dass sich die Serie hier von den gängigen Klischees löst. Zwar wird auch diese Hölle von Folter bestimmt, jedoch spielt sich diese komplett auf psychischer Ebene ab: Wer in die Hölle kommt, muss den schlimmsten und mit am meisten Schuld empfundenen Moment seines Lebens immer wieder erleben - als grausame Endlosschleife, die vermutlich für die meisten von uns nachvollziehbar ist. Dann ist es auch logisch, dass Carlisle so schnell auf das Angebot von Lucifer eingeht, um dieser Hölle vermeintlich entrinnen zu können.

Lucifers eigene kleine Hölle bezieht sich die Folge "Weaponizer". Immer wieder durchlebt er, wie er seinen eigenen Bruder Uriel (Michael Imperioli) tötet. Dabei gibt es noch einen Hinweis auf Uriels letzten Satz, bevor dieser starb. Allerdings ist unklar, ob es sich bei hierbei um "The peace is here" oder "The piece is here" handelt. Fest steht lediglich, dass er Lucifer damit einen Hinweis gegeben hat, den es zu lösen gilt.

"Too little too late."

Die Schlussmomente werden, wie es sich für ein Finale gehört, höchst dramatisch, klassisch als Montage - unterlegt mit "Unsteady (Erich Lee Gravity Remix)" der X Ambassadors - dargestellt. Charlotte (Tricia Helfer) ist hier mal wieder undurchsichtig - welches Spiel spielt sie denn jetzt nun? Dies wechselte in der Staffel mehrmals. Aktuell darf sie eine Mutter sein, die um ihre Kinder kämpft und ihre Fehler jedenfalls per Lippenbekenntnis zugibt. Dafür kassiert sie von Lucifer eine eiskalte Abfuhr. Ein wenig wirkt der Teufel hier wie ein Scheidungskind, das zwischen den Eltern hin und her geschubst wird und keinem von beiden Glauben schenkt. Das könnte für die weiteren Folgen noch interessant werden, gerade im Hinblick auf die Verpflichtung von Timothy Omundson, der sich als Gott persönlich entpuppen könnte.

Fazit

Mit "A Good Day to Die" präsentiert Lucifer ein gelungenes, kleines Finale. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, auf kleine Dinge in der Serie zu achten. Vielleicht beziehen die Autoren sich bis zum endgültigen Finale der Staffel noch darauf, was für Auswirkungen es hat, dass Dämonen wie Maze (Lesley-Ann Brandt) keine Seele haben - Gefühle empfindet Maze jedenfalls, wie ihr deutlich anzusehen war. Außerdem bleibt aufzuklären, was Linda (Rachael Harris) der Überzeugung sein lässt, dass sie nach ihrem Tod in die Hölle kommt. Und es bleibt offen, warum Lucifer nicht lügen kann. Diese Fragen werden hoffentlich alle ab dem 2. Mai geklärt, wenn es mit Lucifer weitergeht.

Preview: The Devil Is On His Way | Season 2 Ep. 14 | LUCIFER

Lucifer Staffel 2

Originaltitel: Lucifer (seit 2016)
Erstaustrahlung am 25.01.2016 bei Fox / 15.06.2016 bei Amazon Prime Video
Darsteller: Tom Ellis, Lauren German, Kevin Alejandro, D. B. Woodside, Lesley-Ann Brandt, Scarlett Estevez, Rachael Harris
Produzenten: Tom Kapinos, Ildy Modrovich, Len Wiseman, Jonathan Littman, Jerry Bruckheimer
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 51+


Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.