Kritik zu Mass Effect: Andromeda - Neue Galaxie, neue Probleme

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Mass Effect Andromeda

Wie geht man den Nachfolger einer abgeschlossenen Spiele-Kultreihe am besten an? Darüber hat sich Entwickler Bioware bei dem neuen Mass Effect: Andromeda im Vorfeld besonders viele Gedanken gemacht. Um mit den Ereignissen in der Weltraum-Trilogie endgültig abzuschließen, hat man sich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich abgegrenzt.

Anscheinend hatte das Studio so viel Vertrauen in den Erfolg des Projektes, dass gleich ein anderes Team als beim Original entwickeln durfte. Dieses entschied sich, den Fokus auf die Erkundung von Planeten und Survival- sowie Open-World-Elemente zu legen. Die Geschichte, welche die Reihe groß gemacht hat, sollte dadurch nicht vernachlässigt werden. Großer Druck auf einem B-Team, was bisher nur unterstützend wirken konnte.

Nach einer Verschiebung der Veröffentlichung aus dem vergangenen Jahr in das erste Quartal 2017 deuteten sich erste Schwierigkeiten in der Entwicklung an. Als in der Testphase die Öffentlichkeit das Spiel erstmals in die Hände bekam, verbreitete sich eine Eigenschaft besonders in den sozialen Medien: die Animationen.

Diese wirken grotesk, steril und nicht auf dem Stand der Zeit. Mundwinkel und Augenbrauen sehen zum Großteil der Dialoge unnatürlich aus, viele Figuren laufen mit der Anmut eines C-3PO. Das ist natürlich nur ein Aspekt des Spiels, der viele Spieler verunsichert hat. Aber wie kann Mass Effect: Andromeda eigentlich insgesamt überzeugen?

Mass Effect Desert
© Electronic Arts/ BioWare

Ein Deja-Vu und viel Sci-Fi-Standardkost

Während der Geschehnisse des zweiten Teils starteten die Menschen und andere Alienrassen eine Expedition, die Andromeda Initiative, in die weit entfernte Andromeda-Galaxie, um dort neue Planeten zu kolonisieren. Auch mit den etablierten Überlichtgeschwindigkeits-Antrieben dauert das natürlich, genauer gesagt bequeme 634 Jahre. Genug Zeit also für Protagonisten Ryder, das Geschlecht des Charakters ist wählbar, ein kurzes Nickerchen im Cryoschlaf zu machen.

Doch am Ziel ihrere Reise angelangt, kommt nicht überraschend alles anders. Die Planeten haben sich verändert, eine kriegerische Alienrasse, die Kett, haben die Galaxie für sich beansprucht. Bei einem ersten Kampf stirbt Expeditionsführer und Vater des Protagonisten, was den unerfahrenen Ryder entgegen aller Vernunft zum Anführer der Menschen in Andromeda macht.

Auch die anderen Rassen aus der Milchstraße sind scheinbar noch nicht angekommen, weshalb Ryder auf eigene Faust erkundet. Er entdeckt auf dem Wüstenplaneten Eos gigantische Ruinen, die mit unbekannter Technologie innerhalb von Tagen das gesamte Klima ändern können. Allerdings sind auch die Kett dem Geheimnis der Ruinen auf der Spur.

Die Geschichte ist also wirklich nichts allzu Besonderes, gerade im Vergleich mit den älteren Teilen steht sie wie eine mittelmäßige Fanfiction da. Beinahe schon dreist werden Elemente recycelt und Sci-Fi-Klischees bedient. Auch die Dialoge, für die Bioware mal bekannt war, sind erschreckend trashig. Sehr häufig fallen One-liner, von gut geschriebener Erzählung ist nur noch wenig zu finden. Das mündet darin, dass ein Großteil der Entscheidungen keinerlei wichtige Konsequenzen hat.

Mass Effect Blue
© Electronic Arts/ BioWare

Erkunden, bauen, schießen - mit Einschränkungen

Aber wie wirkt sich eigentlich der angepriesene Fokus auf Erkundung aus? Der Spieler wird während der Geschichte nacheinander auf fünf Planeten abgesetzt, die zu dem jeweiligen Zeitpunkt frei erkundbar sind. Natürlich nur ein kleiner, repräsentativer Teil davon.

Diese Art der Erkundung ist insgesamt leider für den Spieler sehr egal, auf den meisten Planeten stehen zum großen Teil nur langweilige Alien-Ruinen herum. Die Hälfte der Quests verlangen nur das banale Scannen von Objekten oder das Sammeln von Paketen, was schnell zu einer langweiligen Schnitzeljagd verkommt. Wer also nur schnell die zwei größten Aufgaben erfüllt, kann bald wieder gehen und hat das Meiste gesehen.

Natürlich stößt der Spieler auch ständig auf feindliche Lebensformen. Diese kann er mit dutzenden, frei wählbaren, Fähigkeiten auf unterschiedlichste Arten vernichten - eben ganz wie ein echter Entdecker. Dabei werden schnell viele Waffen gesammelt, die aber dank eines begrenzten Inventars oft wieder verschrottet werden müssen. So kommt kein echter Sammlerdrang auf, was auch diesen Teil des Spiels schlecht dastehen lässt.

Fazit

Mass Effect: Andromeda kann nur selten erreichen, was es verspricht. Das Spiel unterbietet in fast jeder Hinsicht die originale Trilogie, und auch die neuen Mechaniken kommen nicht an die Konkurrenz heran. Ohne den Namen Mass Effect wäre es ein normales Weltraumspiel mit viel Inhalt, das einfach nur sehr unfertig und überholt wirkt.

Mass Effect: Andromeda ist für Xbox One, Playstation 4 und den PC erhältlich.

MASS EFFECT™: ANDROMEDA – Official Launch Trailer

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