Viel Blech um Nichts - Kritik zu Transformers 5: The Last Knight

transformers_the_last_knight.jpg

Transformers 5 The Last Knight Optimus Prime

Optimus Prime, der Anführer der wandelbaren Alienrasse in Gestalt der Transformers, und sein Erzfeind Megatron haben die Erde ihrem Schicksal überlassen. Hier trifft der Erfinder Cade Yeager (Mark Wahlberg) auf einem Autofriedhof die junge Izabella (Isabela Moner), eine Freundin von Bumblebee, dem ehemaligen Mitkämpfer von Optimus Prime und anderen Autobots. Sie finden einen sterbenden Transformer, der ein merkwürdiges Medaillon bei sich hat, das laut Legende vom legendären König Arthus stammt. Das Medaillon heftet sich umgehend an Cades Arm, der als Auserwählter dafür sorgen soll, den Frieden zwischen den Menschen und den Transformers  wieder herzustellen.

Yeager macht sich sogleich auf nach England, um Sir Edmund Burton (Anthony Hopkins) um Mithilfe und Rat zu bitten. Hier begegnet er auch der Historikerin Viviane Wembley (Laura Haddock). Wie sich bald herausstellt, verbindet sie mehr als rein geschichtliches Interesse mit dem Medallion. Zugleich ist Lt. Colonel William Lennox (Josh Duhamel) mit seinen paramilitärischen Truppen auf Medallionjagd, um es für sich zu beanspruchen. In der Zwischenzeit ist Optimus Prime zurückgekehrt und will mit Hilfe des Medaillons seinen Heimatplaneten Cybertron retten. Er ist sogar bereit, die Erde dafür zu opfern. Dabei trifft er auf Megatron und eine ausgewählte Transformer-Elitetruppe. Nun ist es an Cade, seine Fähigkeiten als Auserwählter einzusetzen, um die Erde zu retten.

Größer, wilder, lauter

Größer geht immer - das ist seit jeher das Motto von Michael Bay. Nachdem der Regisseur mit dem vorhergehenden vierten Teil Transformers: Ära des Untergangs bereits jede Menge neuer Figuren in die Serie eingeführt hatte, soll mit Transformers 5: The Last Knight ein völlig neues Universum aufgebaut werden, dem laut Bay noch mindestens 14 Teile des Schlachtenepos folgen sollen. Dabei zeigt Transformers 5: The Last Knight deutlich, in welche Richtung es gehen soll. Keine Schlacht ist bombastisch genug, es geht immer noch einen Gang nach oben. Ist das ein Grund zur Freude? Nicht unbedingt, denn das Problem dabei ist: Den Zuschauer lässt das alles vollkommen kalt. Die Geschichte um die heimatlosen, außerirdischen Maschinen bringt es fertig, zugleich überkomplex detailliert und derart simpel erzählt zu werden, dass die eigentliche Kernhandlung auf ein halbes Blatt Papier passen würde. Stattdessen entschied sich Michael Bay für die XXL-Variante und liefert, wie auch bei den Vorgängern, mehr als zweieinhalb Stunden Stahlgewitter ab.

Die Figuren: rein funktional und phänomenal egal

Die Neueinführung der Figuren, die praktisch nichts mehr mit dem ursprünglichen Cast der ersten drei Teile zu tun haben, tut der Reihe zugegebenermaßen ganz gut, denn die alten (menschlichen) Rollen waren restlos auserzählt. Immerhin: Mark Wahlberg (Departed - Unter Feinden, The Fighter) versucht, das Bestmögliche aus seiner unterkomplexen Rolle als Action-affiner Normalo, der den mythischen Auserwählten für die ganze Misere darstellt, herauszuholen.

Filmpartnerin Laura Haddock (Captain America: The First Avenger, Guardians of the Galaxy), die mittlerweile die dritte Besetzung der weiblichen Hauptrolle nach Megan Fox und Rosie Huntington-Whiteley darstellt, ist hierbei leider nur schmückendes Beiwerk, die größtenteils in Cocktailkleidern durch den Film stöckeln darf. Zwar soll ihre Figur eine tragende Rolle im Showdown einnehmen, doch wird ihre Funktion lediglich als plattes Handlungselement eingeführt, bei dem die Logik schlichtweg beiseite gelassen werden muss.

Anthony Hopkins (Das Schweigen der Lämmer, Thor) kann als englischer Lord ein weiteres Mal seinen wahnsinnigen Blick vorführen und darf stellenweise sogar den pikierten Briten mimen – viel mehr bleibt ihm leider auch nicht zu tun. Besonders ärgerlich ist hier die Darstellung des Mitstreiters Robert Epps (dargestellt von R&B-Sänger und Model Tyrese, Transformers 1-3, Fast & Furious 5-8), der direkt der 90er-Jahre-Klischeekiste für witzig gemeinte Nebendarsteller entstiegen zu sein scheint. Die anderen, viel zu zahlreichen Nebenfiguren, ob metallisch oder menschlich, sind bedauerlicherweise mindestens ebenso flach und funktional geraten.

Drehbuch? Dialoge? Ach, was weiß Duden schon!

Die nur unzureichend ausgearbeiteten Figuren sind dabei nicht einmal das größte Problem - das liegt vornehmlich in der Sprache, oder vielmehr in den ermüdenden Dialogen. Dieses Problem teilt sich Transformers 5: The Last Knight mit seinen Vorgängern. In jeder Szene, in der gerade keine Metallteile umherfliegen, wird ausschließlich und in aller Ausführlichkeit in kurzen Hauptsätzen à la Donald Trump kommuniziert.

Michael Bay scheint zudem sicher gehen zu wollen, dass auch Zuschauer, die zwischendurch kurz eingenickt sind (und dass das passiert, ist definitiv nicht auszuschließen), dennoch in jeder Minute der sparsamen Handlung folgen können – leider ist das über eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden enorm öde.

Kamera: Spezialeffekte über alles?

Wer in die Transformers-Welt eintaucht, kommt ohne tonnenweise Spezialeffekte nicht aus. Tatsächlich sind die riesigen Maschinen in ihrer Detailverliebtheit durchaus nett anzusehen. Leider hat der Zuschauer kaum Gelegenheit, sich an den Spielereien und durchaus kreativen Modellen zu erfreuen, denn durch die schnellen Schnitte wird auch das letzte bisschen Spaß an einer wenigstens optisch herausragenden Geschichte genommen. Immerhin: Der kurze Ausflug in das frühmittelalterliche England in der Eröffnungsszene ist eine nette Idee, die Kamerafahrten über die zerklüftete Landschaft machen wirklich etwas her.

Der Soundtrack bleibt in seiner brüllenden Lautstärke trotzdem seltsam unauffällig. Zwar dröhnt und kracht es, als hätte Optimus Prime höchstpersönlich die Filmmusik komponiert, aber kaum ein Titel bleibt wirklich im Ohr. Wahrscheinlich ist auch hier alles längst dagewesen.

Fazit: Spaß macht das nicht mehr

Eins steht fest: Wo Michael Bay draufsteht, ist definitiv Michael Bay drin. Leider bedeutet das in diesem Fall auch, dass er alle Unzulänglichkeiten, die in seinen vorherigen Werken kritisiert worden sind, stur weiter durchzieht.
 
Die neu aufgelegte Transformers-Reihe hätte also Spaß machen können. Dazu fehlen aber Charaktere, die dem Zuschauer am Herzen liegen, nette Musik und vor allem jede Menge Handlung und Logik. Das Einzige, was man Transformers 5: The Last Knight positiv anrechnen kann, ist, dass man zwischendurch wegnicken darf, ohne etwas zu verpassen.

Transformers Last Knight Poster
Originaltitel:
Transformers 5: The Last Knight
Kinostart:
22.06.17
Regie:
Michael Bay
Drehbuch:
Art Marcum, Matt Holloway, Ken Nolan
Darsteller:
Mark Wahlberg, Isabela Moner, Josh Duhamel, Jerrod Carmichael, Anthony Hopkins, Mitch Pileggi, Laura Haddock
In Transformers – The Last Knight wird Mark Wahlberg erneut in der Rolle des Cade Yeager zu sehen sein, während Isabela Moner die weibliche Hauptrolle des Films übernimmt.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.