Kritik zu Little Witch Academia: Anime-Hexerei auf Netflix

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Little Witch Academia

In den vergangenen Monaten hat Netflix vermehrt Lizenzen und Streamingrechte für Animes gekauft. Mit dem Vorgehen möchte man sich wohl auch für das Publikum japanischer Zeichentrickserien attraktiver sein und anderen Anbietern wie Crunchyroll und Amazons Anime Strike Konkurrenz machen. Einen wirklich exklusiven Knaller gab es bisher aber nicht - bis jetzt. Seit Anfang dieses Monats ist die Serie Little Witch Academia beim Video-on-Demand-Anbieter zu sehen ist.

Der Anime dreht sich um eine Hexenschule in der modernen Welt. Wer typisch japanische Absurdität erwartet, wird nur in Teilen fündig. Das Setting ähnelt mehr westlichen Fantasy-Geschichten, allen voran Harry Potter. Magical Girls wie in Sailor Moon haben in Little Witch Academia keinen Platz, hier wird noch klassisch mit Besen geflogen.

Produziert wird die 26 Episoden starke Serie von Studio Trigger, dessen Mitarbeiter unter anderem an den bekannten Serien Gurren Lagann und Kill la Kill gearbeitet haben. Das Projekt Little Witch Academia ist jedoch für die Industrie-Veteranen Neuland.

2013 testete Trigger mit einem Kurzfilm die Wasser und erreichte mit einem Kickstarter zu einer längeren Version ein Vielfaches des angestrebten Finanzierungszieles. Crowdfunding für einen vollen Anime zu verwenden, war damals noch eine echte Neuheit.

Doch auch nach Erscheinen des Filmes Little Witch Academia: The Enchanted Parade ging die Reihe nicht zu Ende. Die Geschichte der Hexenschülerinnen wurde nun zwei Jahre später kurzerhand für die Serienfassung rebootet.

Little Witch Academia Friends

Hexenzauber trifft auf Smartphone

In der Welt von Atsuko “Akko" Kagari existiert Magie in der Moderne - aber wirklich interessieren tut das die Wenigsten. Computer und Technik haben die komplizierten Hexenzauber längst weitgehend überflüssig gemacht, Hexerei ist für normale Menschen höchstens Entertainment.

In ihrer Kindheit hat die nun 16-Jährige Akko eine Show der Magierin Shiny Chariot miterlebt und wird, davon inspiriert, eine Schülerin an der Luna Nova Akademie. Dort zeigt die tollpatschige Protagonistin allerdings keinerlei Talent für die magischen Künste und kann skandalöserweise nicht einmal einen Besen reiten - ziemlich uncool für eine jede hippe Teenie-Hexe, die etwas auf sich hält.

Durch eine scheinbar glückliche Wendung des Schicksals wird Akko jedoch vom mächtigen Zauberstab Chariots, dem Shiny Rod, auserwählt, ein altes Geheimnis zu lüften. Der Stab dient als MacGuffin und setzt Ereignisse in Gang, die den Schulalltag abenteuerlicher und tödlicher werden lassen.

Wirklich düster wird die Serie aber erst im rasanten Finale, Comedy und experimentelle Geschichten herrschen vor. Die Mech-liebenden Japaner haben es sich zum Beispiel nicht nehmen lassen, eine ganze Folge den kämpfenden Riesenrobotern zu widmen. Das wirkt durch den überwiegend bunten Stil der Serie sogar nicht unpassend, die Anime-Veteranen jonglieren stets gekonnt mit den wildesten Klischees.

Little Witch Academia Diana

Harry Potter und die magischen Roombas

Das allgegenwärtige Schulsetting bietet natürlich auch viel Platz für Teenie-Drama und zahlreiche Charaktere - beinahe ohne Männer. Nur Frauen können in Luna Nova mächtige Zauber lernen. Warum, wird nicht aufgegriffen, ist aber auch nicht wichtig.

Akko freundet sich schnell mit der schüchternen Bücherliebhaberin Lotte und der etwas wahnsinnigen Alchemistin Sucy an. Das Trio wird von den anderen Schülerinnen meist belächelt, allen voran die Rivalin und Musterschülerin Diana.

Die hochnäsige Diana hätte nur ein Draco-Malfoy-Klon bleiben können, doch das Drehbuch offenbart geschickt ihre anderen Seiten und befördert sie nach und nach zur Deuteragonistin. Hier zeigt sich eine Liebe zum Detail, wie sie nur wenige Animes beinhalten.

Nebencharaktere wie die junge, deutsche Hexe mit dem eingängigen Namen “Constanze Amalie von Braunschbank Albrechtsburger” sind ebenso interessant geschrieben. Constanze löst ihre Probleme nicht mit Magie, sie baut sich komplizierte Roboter und absurde Konstruktionen, um ihre Ziele zu erreichen. Dadurch wird es der talentlosen Akko ermöglicht, an einem Besen-Wettflug teilzunehmen.

Der Gegensatz von Magie und Technik wird in Little Witch Academia häufig dargestellt. Vielsagend schauen Fußgänger auf ihre Smartphones, obwohl doch eine Hexe vorbeifliegt. Zugespitzt wird das Ganze von der Hexenlehrerin Croix, die auf einen Besen verzichtet und stattdessen fliegende Roombas zur Fortbewegung benutzt. Hexen bevorzugen eben auch im Wandel der Zeit Reinigungsutensilien.

Wer das schon für wunderbar kurios hält, wird sich über den Drachen freuen, der seine Raubzüge aufgegeben, und sich dem Aktienhandel angenommen hat. Da kann man heutzutage schließlich mehr Geld machen, als mit dem Niederbrennen von Königreichen.

Fazit

Little Witch Academia schafft es wunderbar, klassische Anime-Traditionen und verrückte Konzepte mit einer westlichen Abenteuergeschichte zu kombinieren. Auch wer mit dem Medium Anime bisher weniger in Kontakt kam, kann mit der Serie Freude haben - vorausgesetzt man ist offen für Neues und geduldig. Sonst bleiben immerhin noch die schönen, handgezeichneten Animationen aus dem Hause Trigger.

Die ersten 13 Episoden von Little Witch Academia sind mit Untertiteln auf Netflix zu sehen, der Rest soll bald folgen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Trigger

Little Witch Academia (2017) Trailer

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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