DC-Comic-Kritik: Aquaman 1: Der Untergang (Rebirth)

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Aquaman Rebirth

Aquaman eilte lange der Ruf voraus, der vielleicht uncoolste Superheld überhaupt zu sein. In einem solchen Fall hat ein Autor zwei Optionen: Entweder er macht einen großen Bogen um die entsprechende Figur oder aber er begreift das Ganze als große Chance.

Letzteres trifft auf Geoff Johns, den aktuellen Chief Creative Officer von DC Comics, zu. Er gilt mittlerweile als Experte dafür, Helden, die sich über die Jahre in eine Sackgasse manövriert oder zumindest an Strahlkraft verloren haben, wieder auf die richtige Spur zu bringen – Flash und Green Lantern lassen grüßen.

2011 startete sein The-New-52-Aquaman-Run, der von Lesern wie Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen wurde. Die Geschichten von Jeff Parker oder Cullen Bunn hingegen, die sich danach dem König der Meere annahmen, waren zwar ebenfalls sehr gelungen, allerdings nicht mehr ganz so genial und bahnbrechend.

Nun ruhen die Hoffnungen bei DC auf dem Briten Dan Abnett, der nicht zuletzt als Autor der neuen He-Man-and-the-Masters-of-the-Universe-Comics gezeigt hat, dass er es versteht, den Superhelden-Hochadel gekonnt in Szene zu setzen.

Da er bereits die Finalausgaben der Vorgängerreihe betreute, sollte einem guten Start in Arthur Currys Rebirth-Ära eigentlich nichts im Wege stehen, oder etwa doch?

Inhalt

Aquaman ist ein Mann zwischen zwei Welten, und gerade deshalb ist es ihm so wichtig, dass sich Atlanter und Landbewohner aufeinander zubewegen. Vorurteile sollen abgebaut und der Grundstein für eine friedliche Koexistenz endlich gelegt werden.

Dieses Ziel scheint zunächst so greifbar wie selten zuvor zu sein, doch dann werden dem König der Meere sehr große Steine in den Weg gelegt. Steine, für die unter anderem seine Nemesis Black Manta verantwortlich ist, und die sogar dazu führen, dass er verhaftet wird.

Aquaman bleibt cool!

Die Aufgabe, mit der Dan Abnett betraut wurde, war – wie gesagt – keine leichte, aber es sieht alles danach aus, als würde er sie bravourös meistern.

Den Protagonisten durchgängig als Figur zu zeigen, die wiederholt schwierige Entscheidungen zu treffen hat, erweist sich rückblickend als sehr kluger Schachzug. So bleibt nämlich die Grundtonalität der Geschichte trotz des ein oder anderen auflockernden Moments ernst.

Das ist deswegen so wichtig, weil es die zentrale Voraussetzung dafür ist, dass der Dreizackträger nicht direkt wieder seiner neu gewonnen Coolness beraubt wird.

Aquaman Rebirth

Politik unter dem Meer und an Land

Das, was der Leser erhält, ist eigentlich eher Politthriller denn Superheldenabenteuer. Es geht in erster Linie um Diplomatie, Verrat, Schuld und um Terror.

Nach einem auf hoher See begangenen Verbrechen fühlen sich die Bewohner von Atlantis von der US-Regierung vorverurteilt. Ein Fest der Begegnung, das die Wogen glätten soll, wird zum Desaster. Daraufhin haben die Amerikaner das Gefühl, von den Ozeanbewohnern hintergangen worden zu sein, und sehen sich deshalb zum Handeln gezwungen.

Das Interessante dabei: Ausgerechnet Aquaman, dem gefühlt von allen Seiten Unrecht widerfährt, ist derjenige, der sich partout weigert, einer Fraktion den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Auf diese Weise wird verhindert, dass man sich direkt festlegt, wer in dieser Angelegenheit falsch und wer richtig handelt. Irgendwie befindet sich in dieser Story ohnehin alles in einer Art Schwebezustand, der von Anfang an beinahe jede Entwicklung vorstellbar erscheinen lässt.

Black Manta, der besondere Antagonist

Ein gutes Beispiel hierfür ist Abnetts Umgang mit Black Manta. Currys Erzfeind ist für den langjährigen Fan selbstredend immer sofort ein potenzieller Verdächtiger, wenn sich in und um Atlantis etwas Schlimmes ereignet hat.

Daher ist es nur nachvollziehbar, dass Kenner nicht wirklich überrascht davon sind, dass der teuflische Rochen auch in diesem Band sein Unwesen treibt. Die frühe Konfrontation mit seinem heldenhaften Widersacher ist dafür hingegen sehr ungewöhnlich, seine verhältnismäßig schnelle Festnahme sogar noch ungewöhnlicher.

Dass dieser vermeintliche Spoiler an dieser Stelle ohne jede Vorwarnung platziert wird, hat selbstverständlich einen Grund: Es handelt sich um gar keinen. Manta ist nämlich nur einer von mehreren Gegenspielern, mit denen es Aquaman in diesem Sammelband, der die ersten vier Ausgaben sowie das Special beinhaltet, direkt oder indirekt zu tun bekommt.

Welche Rolle er nun im weiteren Verlauf der Handlung spielen wird, kann man nur mutmaßen. Die Hinweise, die man erhält, versprechen jedoch einen sehr interessanten Fortgang dieses ewigen Duells.

Aquaman Rebirth

Fazit

Aquaman 1: Der Untergang sollte jedem, der auch wirklich gewillt ist, sich mit dem Herren der Meere auseinanderzusetzen, genügend Argumente liefern, um dem nächsten Paperback erwartungsvoll entgegenzufiebern.

Der Plot ist kurzweilig, spannend, wendungsreich sowie innovativ, und die Zeichnungen von Scot Eaton, Brad Walker und Phil Briones wissen ebenfalls zu überzeugen - insbesondere die Panels, die unter Wasser spielen.

Kurz gesagt: Dieser Run macht Lust auf mehr, und deutet an, dass auch der für 2018 geplante Film mit Jason Momoa (Game of Thrones) in der Hauptrolle ein Überraschungshit werden könnte.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

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