Kritik: Downsizing – Liebling, ich habe die Handlung geschrumpft

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Matt Damon in Downsizing

Paul Safranek (Matt Damon) arbeitet als Physiotherapeut in einem Schlachthof und kümmert sich dort um die Angestellten – er ist zufrieden, aber nicht glücklich. Zusammen mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) will er sich schrumpfen lassen, denn die beiden erhoffen sich ein besseres Leben in Wohlstand im Leisure Land, einer Kolonie für geschrumpfte Menschen. Dort ist ihr Vermögen mehr wert, weil sie weniger verbrauchen und weniger Platz einnehmen. Doch kurz nach der unumkehrbaren Schrumpfung muss Paul feststellen, dass er alleine ist. Ohne Audrey macht er sich auf in sein neues Leben in Leisure Land.

Die Prämisse erinnert ein bisschen an Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft aus dem Jahr 1989: Menschen werden geschrumpft und erleben Abenteuer in einem Miniaturland. Allerdings ist die Schrumpfungsthematik auch nur eine der beiden Gemeinsamkeit zwischen den zwei Filmen (die, nebenbei, einen Abstand von fast dreißig Jahren haben). Die andere Überschneidung: Beide sind Komödien – der eine allerdings mehr, der andere weniger.

Nebenbei enthält Downsizing noch bestimmte sozialkritische Elemente: Es gibt ein staatlich unterstütztes Schrumpfungsprogramm, denn die Menschen nehmen auf der Erde zu viel Platz weg und erzeugen zu viel Müll. Wenn wesentliche Teile der Bevölkerung geschrumpft werden, können so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Durch die Schrumpfung steigt auch das Vermögen, wodurch sich die beiden Safraneks eine Villa leisten können, anstatt weiter in ihrem kleinen Reihenhaus zu wohnen. Allerdings scheut sich der Film nicht davor, zu zeigen, wie künstlich, lieb- und lustlos das Leben der (Neu-)Reichen ist. In Form der politisch verfolgten Vietnamesin Ngoc Lan Tran (Hong Chau) versucht der Film, seine Kritik an der Schere zwischen Arm und Reich noch schärfer zu umreißen.

Der Ton macht die Musik

Wenn Downsizing ein bisschen konsistenter in seinem Ton geblieben wäre, hätte er wahrscheinlich wirklich gut unterhalten und sogar einer der wichtigeren Filme des neuen Jahres werden können. So laviert er aber immer wieder zwischen skurril-komisch und angestrengt politisch, ohne seiner Botschaft eine ordentliche Schlagkraft zu verleihen. Dies heißt nicht, dass Downsizing nicht witzig ist: Es gibt einige wirklich lustige Momente, die teils vom Kontrast zwischen den Größen angetrieben werden, teils auch in den Figuren angelegt sind. So trifft Paul zum Beispiel auf den sorg- und skrupellosen Lebemann Dusan Mirkovic (Christoph Waltz, der sich auch hier nicht weit von seinem bekannten Rollentypus entfernt), dessen hedonistische Lebensweise in Kontrast zu Pauls eher ruhiger, rücksichtsvoller Art steht.

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Still aus Downsizing

Allerdings: Die witzigen Momente sind selten, und bis der Film in Fahrt kommt und wirklich unterhält, dauert es eine Weile. Zudem verwirrt er mit bisweilen seltsamen Zeitsprüngen, die mit ein bisschen besserer Drehbuchstruktur vermeidbar gewesen wären. Vor allem gegen Ende wirkt Downsizing etwas gehetzt und präsentiert eine Auflösung, die das Publikum zwar zufrieden, aber auch etwas ratlos zurück lässt.

In allen anderen Bereichen macht der Film einiges richtig: die Kamera unterstreicht immer wieder gut den Größenunterschied, die Musik unterstützt die skurrile Grundstimmung mancher Szenen hervorragend. Der Film trumpft mit vielen Kurzauftritten bekannter Schauspieler (zum Beispiel Laura Dern, Neil Patrick Harris und Udo Kier) auf, meist bleiben diese Momente aber beschränkt auf ein paar Witzigkeiten.

Fazit

Die größte Schwäche von Downsizing ist der schleppende Anfang und der fehlende Biss in der Satire, was zusammen die Kritik am materialistischen Leben unserer heutigen Welt verwässert. Der Film bemüht sich zu unterhalten, und er präsentiert ein paar witzige Szenen. Am Ende jedoch bleibt wenig Bemerkenswertes über Downsizing zu sagen. Bei Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft blieb im Jahr 1989 wenigstens noch der Spaß an den tricktechnischen Zaubereien, die heute aber allesamt mit CGI gelöst werden. Für einen entspannten Abend im Kino lohnt sich der Besuch, aber man wird das Gefühl nicht los, dass man aus Downsizing hätte mehr machen können, als gezeigt wird.

DOWNSIZING | TRAILER H | DE

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