Kritik zu Star Trek: Discovery 1.15 - Will You Take My Hand?

SPOILER

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Star Trek: Discovery 1.15

Das dicke Ende: Die Serie legt ein Staffelfinale hin, das wie ein tiefergelegter Manta über die Hirnzellen der Zuschauer hinwegbrettert. Was zu retten ist, rettet das Ensemble.

Was passiert?

Die USS Discovery begibt sich nach Qo'noS, um den Plan von Admiral Cornwall umzusetzen und eine Lösung für den Krieg zu finden. Doch haben die Oberbefehlshaber ihre Rechnung nicht mit der aufrechten Michael Burnham gemacht ...

Sentimental Journey

Erneut ist eine erste Staffel aus dem Star-Trek-Kosmos beendet. Seit Star Trek: The Next Generation habe ich jede Inkarnation der Franchise direkt on Air mitverfolgt. Zunächst - aufgrund der damaligen Ausstrahlungsweise vom ZDF und Sat.1 - mit ungewöhnlichen Pausen nach mehreren Staffeln oder mittendrin, ab Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek: Voyager bis hin zu Star Trek: Enterprise durch das Kaufen der englischen VHS-Kassetten dann aber auch mit den korrekten Pausen zwischen den Staffeln.

Ich kann es nicht bestreiten: Es war wieder ein wunderbares Gefühl, jede Woche meine Dosis Star Trek zu bekommen. Das Rätseln (auch mit meinen tollen Gästen im Podcast) hat viel Spaß gemacht. Und obwohl ich mit den Drehbüchern der Serie bisher durchaus meine Probleme habe, freue ich mich, dass es 2019 weitergeht. Ich hatte Trek im TV wirklich vermisst.

Was kann man rückblickend sagen? Das Tempo dieser ersten Staffel war definitiv hoch - eine deutliche Abkehr zu den klassischen Serien. Man präsentierte gute Kulissen und Effekte, die Schauspieler überzeugten, und die Twists hielten größtenteils bei Laune. Doch muss sich die Serie mit Abschluss ihres großen Handlungsbogens auch diverse Fragen gefallen lassen, die geradezu exemplarisch an dieser Episode aufgezeigt werden können.

After the War

Der Krieg gegen die Klingonen hat sich im gesamten Staffelverlauf nicht so entwickelt, wie die Macher es im Vorfeld kommuniziert haben. Wir durften weder die 24 Häuser und ihre Eigenheiten kennenlernen, noch Schlachten oder wichtige Ereignisse im Kriegsverlauf live verfolgen. Der Krieg waberte die gesamte Staffel im Hintergrund vor sich hin, um dann mit dem Eintauchen in den Handlungsbogen rund um das Spiegeluniversum vollständig zu versacken und in den letzten zwei Episoden mit einem Zeitsprung um neun Monate und mitten hinein in eine fast ausweglose Situation den sogenannten Höhepunkt zu erreichen.

In der vergangenen Woche hatte die Einsetzung von Imperatorin Georgiou als Anführerin der finalen Mission ins Innere von Qo'noS schon nur wenig Sinn ergeben. Hier nun zeigt sich, dass auch die weitere Ausführung keinerlei Besserung bringt. Georgiou benimmt sich im Stuhl des Captains von der ersten Sekunde an ohne jegliches Geschick, agiert feindselig, arrogant und überzogen boshaft. Burnham fordert sie damit zu direktem Widerstand heraus, was im Kontext mit der Entscheidung der Admiräle um Cornwell und auch Sarek überhaupt keinen Sinn ergibt und nur albern ist. Dass ihre Mission dann letztlich sogar das Vernichten des Heimatplaneten der Klingonen (und somit ein Völkermord) ist, lässt die Sternenflotte in einem ganz düsteren Licht dastehen. Hier hatte wirklich keiner mehr eine bessere Idee? Ach doch - diese Ehre musste ja jemand anderem gebühren. Leider ist der Kniff, Burnham den Tag alleine retten zu lassen, jedoch kaum glaubwürdig. Man zeigt sie als die Stimme der Vernunft und als einzige (gemeinsam mit Saru vielleicht noch, der pathetisch "Wir sind die Sternenflotte" intoniert und somit den Hinweis der Woche liefert), die die Ideale hochhalten will und querdenkt. Und Querdenken ist in diesem Zusammenhang leider auch das richtige Wort.

Burnham nimmt (mal wieder und ohne Rücksicht auf die Befehlskette) alles in die eigenen Hände, erteilt Georgiou einen Freibrief (Despoten und Diktatoren einfach laufen zu lassen, ist eine ganz miese Idee, Michael ...), redet dieser den bösen, bösen Plan aus, holt noch schnell L'Rell ins Spiel, gibt ihr die Bombensteuerung und lässt sie auf die ganzen Horden an Häusern los, die keine Lust haben werden, dieser unbedeutenden Frau zu folgen. Das einzige Pfund besteht in der Bombe, die L'Rell als Druckmittel für ihre Agenda einsetzt. Ein Frieden also, der auf Erpressung besteht? Das ist Burnhams von den Idealen der Sternenflotte getriebene Plan? Wie lange wird dieser Frieden halten? Wie lange wird sich L'Rell halten? Die Autoren machen es sich an dieser Stelle wie so oft ganz leicht und stellen diese Fragen erst gar nicht. Der Krieg, den wir von Anfang an nie gesehen haben, endet genauso langweilig, uninspiriert und banal, wie er begonnen hat und abgelaufen ist.

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Star Trek: Discovery 1.15

Bezüglich der klingonischen Flotte, die kurz vor der Erde im letzten Moment noch abdreht, möchte ich dann zum Schluss noch General Martok aus Star Trek: Deep Space Nine zu Wort kommen lassen, als er über das Dominion sprach:

"We must give the enemy credit. To launch an attack against Starfleet Headquarters. Even my people never attempted that."

Alter Lügner, der.

Come on Barbie, let's go Party

Schluckt man all diese - mit Verlaub - hirnrissigen Entwicklungen, bleiben jedoch noch eine Menge weiterer Kröten übrig. Obwohl wir uns mitten in einem Krieg befinden und die Klingonen ihr Motto des "Remain Klingon" hochhängen und somit durchaus als xenophob bezeichnet werden dürfen, treiben sich offenbar eine Menge Aliens auf dem Heimatplaneten herum. Nicht nur das: Die Orioner dürfen gar eine ganze Basis betreiben, auf der sich unzählige Besucher fremder Welten aufhalten. Nicht einmal Menschen - mit denen man ja gerade ganz akut im Krieg liegt - fallen negativ auf. Nicht mal solche, die schwarze und äußerst verdächtige Koffer mit sich herumtragen und nach Informationen fragen (JAUL!).

Schalte ich kurz das Hirn aus, muss ich jedoch die Umsetzung der Basis loben. Zwar sieht Star Trek hier mehr wie Star Wars aus, das ist jedoch nichts Schlechtes. Der Franchise tut dieses Großformatige sehr gut und es darf gerne weiter als Ergänzung zu guten Stories und Figuren fungieren (was man durchaus als Notiz an die Autoren verstehen darf).

Auch sollte man anmerken, wie irritierend es ist, dass die finale Auseinandersetzung mit den Klingonen in einem Besuch einer Orionischen Basis besteht. Nach diesem Besuch auf dem Heimatplaneten der Kriegerrasse sind wir also keinen Deut schlauer als zuvor. Da hätte man auch direkt nach Risa fliegen können.

Zuletzt muss ich noch anmerken, dass ich über Tillys Professionalität lieber den Mantel des Schweigens lege. Während die Erde in akuter Gefahr ist, auf einem fremden Planeten zu kiffen, obwohl man Hüter des wichtigsten Utensils des Einsatzes ist, birgt höchstens Kalauerpotential - schadet aber im Zweifel nur der Figur. Schwamm drüber und vergessen.

Master & Servant

Der wohl am besten aufgelöste Teil der Handlung der letzten Episoden betrifft relativ überraschend Ash Tyler alias Voq. Zwar ist dieser inzwischen mehr Mensch als Klingone, seine Bestimmung findet er als Sohn zweier Welten aber dennoch an der Seite von L'Rell auf der klingonischen Heimatwelt. Ganz nah bei eben jener L'Rell, die Voq eins geliebt hat. Er fungiert somit als Verbindung zwischen Klingonen und Menschen und steht für die Chance auf Völkerverständigung. Dass er Burnham dazu verlässt, setzen die Macher emotional um.

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Star Trek: Discovery 1.15

The big Love

Wenn eine Serie sich darin gefällt, immer am Ende noch einen Twist aus der Tasche zu ziehen, muss man sich um rasche Abnutzungserscheinungen keine Sorge machen. Vor allem wenn einige dieser Twists eher nach Effekthascherei riechen. Hier nun war ein erneuter Last-Minute-Twist doppelt und dreifach unnötig. Man hatte die Serie in Stellung für das neue Jahr gebracht und hätte sie auf diese Weise versöhnlich (und offen) enden lassen können.

Offenbar war die Angst aber dann doch zu groß, das Publikum würde während der langen Pause das Interesse verlieren, so dass man lieber noch die USS Enterprise auftauchen ließ, eine Notsituation andeutete und Captain Pike erwähnte.

Und natürlich ist es auch wirklich schön, das Schiff zu sehen - keine Frage. Zu diesem Zeitpunkt ist es - wie der Tribble in Lorcas Bereitschaftsraum - jedoch nur Marke "weil wir es können". Verschenkt und verramscht als Teaser für ein sensationsgieriges Publikum, das man anders nicht mehr bei der Stange zu halten meint. Doch irren die Macher hier. Wenn man gute Geschichten mit starken Figuren erzählt, bleiben Zuschauer auch ohne diese Spielereien gerne über Jahre bei der Stange - ganz ohne billige Tricks und Nebelkerzen. Hier unterschätzt man das Publikum - und die Macher überschätzen ihre eigene Cleverness.

Star Trek: Enterprise hat diesen Fehler übrigens auch zweimal gemacht, als man der Crew nach der Rückkehr aus der Ausdehnung in "Zero Hour" den Triumph nicht gönnte und schnell noch böse Space-Nazis einführte. In "These Are the Voyages" trieb man es dann noch auf die Spitze und gönnte den Protagonisten nicht ihren Abschied, sondern implementierten die Handlung in eine Holodecksimulation auf der Enterprise D, bei der Commander Riker die wichtigste Rede im Leben des Captain Jonathan Archer per "Computer, Programm beenden" einfach so ausschaltete.

Sicher wird die USS Enterprise eine Rolle zu Beginn der neuen Staffel spielen. Und sicher haben die Produzenten damit dann auch die bohrende Frage aus dem Weg geräumt, wann es denn so weit sein wird. Nötig war es jedoch an dieser Stelle noch lange nicht, vor allem, weil der erste Wermutstropfen gleich auf den Fuß folgte: Erst teasern sie mit dem Auftauchen des Schiffes, rudern dann aber direkt in After Trek zurück und sagen, dass man Spock ungern neu besetzen möchte und er eventuell gar nicht auftauchen wird. Sorry, aber das ist doch Quatsch.

Was ist dann mit Captain Pike? Wäre das nicht auch ein Problem, nachdem Bruce Greenwood diesen in den Filmen so wunderbar verkörpert hat? Bei Sarek und Amanda hat es die Macher doch auch nicht gestört, obwohl Ben Cross und Winona Ryder in den Filmen zu sehen waren? Die originale USS Enterprise trauen sie sich, neu zu designen, aber Spock ist ihnen dann zu ikonisch? Irgendwo komme ich an dieser Stelle nicht mehr mit. Wird die USS Discovery am Ende vielleicht nur von einem Fähnrich auf dem Hangardeck gerufen? "Hallo, hier die Enterprise. Leider sind alle wichtigen Offiziere gerade zu Tisch oder auf dem Klo."

Es bleibt spannend.

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Star Trek: Discovery 1.15

All we can do, is sit and wait ...

Was erwartet uns nun also in rund einem Jahr? Die USS Discovery wird dem Vernehmen nach einen neuen Captain auf Vulkan aufnehmen. Hier darf wild spekuliert werden. Wird man einen großen Namen gewinnen können? Handelt es sich dann um einen Menschen oder einen Außerirdischen? Um einen Mann oder eine Frau? Oder vielleicht gar um eine Nebelkerze und Saru oder Burnham werden doch noch befördert und erhalten das Kommando? Eine schwierige Entscheidung seitens der Macher, da man mit Saru und einem Externen der guten Burnham vorerst den Weg zum eigenen Kommando - welches ihr in "The Vulcan Hello" so deutlich in Aussicht gestellt wurde - verbauen würde. Die Tendenz geht also irgendwie doch noch zu Michael Burnham, wenngleich ich diese Variante nicht favorisieren würde.

Gut ist hingegen, dass mit Burnham, Saru, Stamets und Tilly ein sympathisches Team bereitsteht. Dazu gesellen sich Detmer, Airiam und die anderen Brückenoffiziere, die man alle noch weiter ausleuchten kann. Im Hintergrund können weiterhin Admiral Cornwell, Sarek und Amanda, wie es aussieht auch Pike (und vielleicht ja doch Spock) sowie L'Rell und Tyler/Voq Gastauftritte bekommen. Sogar Imperatorin Georgiou wäre weiterhin denkbar.

Einzig verabschieden müssen wir uns zum jetzigen Zeitpunkt offenbar von Jason Isaacs und Lorca (es sei denn, die Prime-Version taucht noch mal auf) und von Wilson Cruz alias Dr. Culber, was nach den Äußerungen von Aron Harberts über die noch anstehende große Liebesgeschichte zwischen ihm und Stamets jedoch weiterhin mehr als verwunderlich scheint.

Auch bleibt uns offenbar der Sporenantrieb erhalten - eine Sache, die man doch eigentlich bezüglich der Kanonprobleme, die damit verbunden sind, hatte klären wollen - und können.

Lazy Days

Ein generelles Statement über einige Entwicklungen der letzten Episode kann als Spiegel für viele Entwicklungen der Staffel dienen. Die Autoren wollen immer den Kuchen essen und trotzdem behalten.

  • Sie bringen Georgiou um und holen sie dann per Spiegeluniversum zurück. Am Ende lassen sie sie laufen und öffnen die Tür für Gastauftritte.
  • Sie bringen Lorca um und lassen das Schicksal von dessen Gegenpart in der Schwebe - als Option für Gastauftritte.
  • Sie bringen Dr. Culber um und zeigen, dass er im Sporennetzwerk noch lebt - was potentiell zu einer Rückkehr führen kann.
  • Sie lassen Tyler zu den Klingonen gehen und öffnen die Tür für eine Rückkehr.
  • Sie geben nicht bekannt, wer neuer Captain wird, sondern lassen sich alle Optionen offen.
  • Sie belassen den Sporenantrieb vorerst im Dienst und verschieben eine Entscheidung, wie man ihn aus dem Kanon entfernt bekommt, auf später. Man könnte ihn ja nochmal brauchen.

Die Autoren zeigen in all diesen Beispielen ein Verhalten, das ihnen das Storytelling auf den ersten Blick erleichtert, qualitativ aber erheblich erschwert. Sie manövrieren sich in Ecken, suchen dann schnelle und einfache Auswege, erzeugen große Probleme, ohne sich um eine sinnige Auflösung zu kümmern und lassen die Figuren grundsätzlich so agieren, wie es die akute Situation erfordert, anstatt sie behutsam und nachvollziehbar aufzubauen.

All diese Dinge haben zu einer Staffel geführt, die auf einem oberflächlichen Level größtenteils funktioniert, in der Tiefe jedoch erhebliche dramaturgische Probleme erzeugt und offenbart. Die letzte Episode ist in diesem Zusammenhang leider das beste und treffendste Beispiel für verpasste Chancen dieses ersten Jahres.

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Star Trek: Discovery 1.15

Einige Beobachtungen

L'Rell spricht zu Beginn die Worte "Zuletzt bei Star Trek: Discovery" - und zwar auf Klingonisch! Eine tolle Idee.

Alleine dadurch, dass man sie oft in den Mittelpunkt stellte, wurde Michael Burnham wie angekündigt der Fixpunkt der Serie. Leider tappten die Macher jedoch auch immer wieder in eine Falle, die man durch besseres Schreiben der Drehbücher hätte vermeiden können: Man erklärte uns, wie besonders und clever diese Burnham sei, ließ es aber nicht organisch aus ihrem Handeln entstehen. So ist es dann auch am Ende mehr als unglaubwürdig und ärgerlich, dass nur Burnham noch den Durchblick hat was die Ideale der Sternenflotte angeht.

Ein weiterer Punkt: Burnham erhält ihren Rang genaugenommen aus dem gleichen Grund zurück, aus dem sie ihn verloren hatte: Wegen Befehlsverweigerung. Alle Admiräle und ihr Vater sagen ihr, dass dies der richtige Weg für den Krieg ist - und Burnham, die nicht mal einen Rang bekleidet! - entscheidet, dass alle falsch liegen und macht ihr Ding. Dass sie dafür noch belohnt wird ist mehr als lachhaft - auf der anderen Seite aber auch eine klare Referenz an Captain James T. Kirk. Dieser war auch gut darin, seinem eigenen Instinkt zu folgen. Man darf aber nicht vergessen: Der Mann hatte das Kommando.

Clint Howard spielt einen Orioner und ist somit der einzige Darsteller, der in den Classics ("The Corbomite Maneuver") und Star Trek: Discovery mitspielt. Dazwischen war er sogar noch in Star Trek: Deep Space Nine ("Past Tense") und Star Trek: Enterprise ("Acquisition") zu Gast.

Die Kamerafahrt von der Klingonenflotte zur Erde samt Überblendung zu Qo'noS ist klasse gelungen. Auch die Unterhaltung zwischen Burnham und Tyler über den Tod ihrer Eltern sowie die finale Begegnung von Burnham mit Amanda und Sarek in Paris (samt der tollen visuellen Umsetzung) wissen zu gefallen. Merke: Auch in einem Abbruchhaus können Schätze versteckt sein! (Okay, das war böse.)

Die Kamerafahrt am Ende der Episode von oben auf die Brücke erinnert stark an den Anfang von "The Cage" - wie passend, dass man kurz danach auch noch die USS Enterprise zu sehen bekommt. Diese wurde dabei mit viel Feingefühl einem notwendigen Lifting unterzogen und darf durchaus noch als klassische Schönheit bezeichnet werden. Puristen dürften die Änderungen immer noch zu viel sein, mir hat dieses sanfte Update jedoch sehr gefallen.

Der Vorspann der Serie war übrigens bereits in vielerlei Hinsicht prophetisch - ein Tribut an die lange Vorplanung der Handlung. Wie auch dort ertönt am Ende dieser letzten Episode die ikonische Fanfare, jedoch sogar in Kombination mit der visuellen Umsetzung der USS Enterprise. Ein nettes Easter-Egg, das die ganze Zeit über vorhanden war und hier nun ausgespielt wird.

Als Music-Editor wird im Abspann ein Matt Decker aufgezählt - reiner Zufall?

Tilly hat trotz des großen Zeitdrucks erneut Gelegenheit, noch ihre Haare zu glätten, um bereit für die Mission zu sein. Ich mag es, wie konsequent sie ihre Prioritäten setzt.

Mintaka III und Betazed werden erwähnt. Auf dem erstgenannten Planeten spielt die Episode "Who Watches the Watchers" aus Star Trek: The Next Generation. Betazed ist natürlich unter anderem der Heimatplanet von Deanna Troi. Außerdem erwähnt Georgiou beiläufig einen Episodentitel der Classic-Serie als sie von "Bread and Circuses" spricht. Hübsch!

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Star Trek: Discovery 1.15

Technisch betrachtet

Schauspielerisch sind erneut Shazad Latif und Sonequa Martin Green vorne dabei. Generell dominiert aber in dieser Episode wieder das oberflächliche Comic-Feeling, welches gar keine großen emotionalen Sprünge zulässt. So fallen auch alle Szenen mit Michelle Yeoh in sich zusammen, da diese derart überzeichnet agiert, dass man wenig Sympathie aufbringt und die Glaubwürdigkeit enorm leidet. Dies ist jedoch wie so oft dem schwachen Drehbuch zuzuschreiben.

Dieses Drehbuch stellt eine Zusammenarbeit der beiden Showrunner Berg und Harberts nach einer Idee dar, die sie gemeinsam mit Akiva Goldsman entwickelt haben. Es macht ein wenig Angst, dass diese drei Hauptverantwortlichen nicht in der Lage sind, Entwicklungen stimmiger zu durchdenken. Wenn man sich vor Augen hält, wie virtuos Ronald D. Moore bei Battlestar Galactica, Ira Steven Behr bei Star Trek: Deep Space Nine oder Michael Piller bei Star Trek: The Next Generation die Fäden in der Hand hielten und dazu noch wunderbare Drehbücher ablieferten, macht die offenbar nur sehr bedingte Kompetenz von Berg, Harberts und Goldsman doch Sorge in Hinblick auf das weitere Geschehen.

Regie führt zum zweiten Mal nach "Context is for Kings" Akiva Goldsman, dem man handwerklich nichts vorwerfen kann. Gemeinsam mit den Effektverantwortlichen gelingt eine optisch ansprechende Episode mit guten Schnitten und Kameraperspektiven. Ideen wie die an Harry Potter angelehnten animierten Bilder oder der tolle Orioner-Markt runden das Bild ab.

Die Frau des Rezensenten

Erst sagte sie gar nichts. Dann verzog sie den Mund und äußerte etwas, das ihrem Gatten durchaus auch auf den Lippen lag: "Vor einigen Wochen war ich noch optimistischer. Aber irgendwie haben sie es vor die Wand gefahren." Ihr gefiel der erneute Comic-Einschlag nicht, der Plan machte für sie keinen Sinn und viele Wendungen waren unglaubwürdig. Als dann noch die Enterprise auftauchte, war ihr Stresspegel endgültig überschritten - "die wollen viel zu viel auf einmal" war ihr knappes Statement zu dieser für sie eilig angeklebten Idee.

Gib dem Kind einen Namen

Will You Take My Hand?: Die Klingonen nehmen die Hand der Föderation, Tyler nimmt L'Rells Hand und sogar Tyler und Burnham finden in gewisser Weise wieder zusammen. Schön. Und auch ich bin gewillt, die Hand der Produzenten zu nehmen - die Serie hat derart viel Potential, dass es schön wäre, dieses in den kommenden Staffeln zu bergen. Das möchte ich um keinen Preis verpassen.

Fazit

Star Trek: Discovery macht zum Finale in Sachen Figurenzeichnung einiges richtig und beschwört zudem effektiv, wenn auch voller Pathos, die Werte der Föderation - und somit auch die des klassischen Star Trek. Der Weg dorthin ist jedoch gepflastert mit unglaubwürdigen und übereilten Entwicklungen und schier hirnrissigen Entscheidungen. Dass zudem unter der Haube dieses glänzenden Ford Mustangs unüberhörbar der Motor eines Opel Mantas röhrt, macht tiefere Analysen fast aller Handlungspunkte zu einer schmerzhaften Angelegenheit.

Es bleibt die Hoffnung auf die zweite Staffel mit dieser sympathischen Crew auf diesem spannenden Schiff - als Auflösung der Rahmenhandlung ist das letzte Kapitel aber leider ein Satz mit X.

Bewertung: 2.0 von 5 Sterne

zusätzlicher Bildnachweis: 
CBS
Star Trek: Discovery Logo 2017

Originaltitel: Star Trek: Discovery
Erstaustrahlung 24. September 2017 bei CBS All Access / 25. September 2017 bei Netflix
Darsteller: Sonequa Martin-Green (Michael Burnham), Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca), Michelle Yeoh (Captain Georgiou), Doug Jones (Lt. Saru), Anthony Rapp (Lt. Stamets), Shazad Latif (Lt. Tyler), Maulik Pancholy (Dr. Nambue), Chris Obi (T’Kuvma), Shazad Latif (Kol), Mary Chieffo (L’Rell), Rekha Sharma (Commander Landry), Rainn Wilson (Harry Mudd), James Frain (Sarek)
Produzenten: Gretchen Berg & Aaron Harberts, Alex Kurtzman, Eugene Roddenberry, Trevor Roth, Kirsten Beyer
Entwickelt von: Bryan Fuller & Alex Kurtzman
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 15


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