Dead or Alive Or: Kritik zu The Walking Dead 8.11

SPOILER

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Sumpfzombie in der 11. Episode der achten Staffel "The Walking Dead"

Hoffnung und Verzweiflung, Glaube und Wissenschaft, Rache und Vergebung - eine Folge zwischen den Stühlen. Entsprechend sind im Gegensatz zur strukturietren letzten Episode von The Walking Dead auch die wilden Schnitte zurück.

Das Ding aus dem Sumpf

Die Alexandrianer befinden sich wie vereinbart auf Wanderschaft Richtung Hilltop. Doch über den Weg ist man sich uneins: Bleibt man auf vertrauter Strecke, auf der allerdings vermutlich Savior patroullieren, oder vertraut man Dwight, der eine Querfeldein-Route vorschlägt. Die hätte Negan nämlich einst für zu gefährlich eingestuft und wird gemieden.

Optimal also für die geschwächten und traumatisierten Ex-Bewohner von Alexandria. Mit den paar Sumpf-Zombies wird man doch fertig. Solange man, frei nach Gollum, nicht den Lichtern folgt. Immerhin liefern sie für den Zuschauer ein paar hübsche Bilder.

Letztlich sind auch weniger die morastigen Untoten das Problem, als vielmehr die Spannungen innerhalb der Gruppe. Soll man Dwight trauen oder hätte er nicht besser schon längst getötet werden müssen? Ausgetragen wird dieser Konflikt vor allem zwischen Daryl und Tara. Während Tara ihren Unmut nur allzu deutlich zeigt und Dwight mehr und mehr in Gefahr bringt - bis hin zum tatsächlichen Mordversuch -, glaubt Daryl an Dwight und dass dieser der Gruppe nützlich ist.

Nach einer Flucht vor Tara durch den Wald stoßen die beiden auf eine Gruppe Savior. Um Tara (und gewissermaßen auch sich selbst) zu retten, stolpert Dwight aus dem Unterholz hervor und “stellt” sich. Zurück unter Negans direkten Einfluss.

Glaube, Hoffnung und die grausame Realität

Gabriel und Carson haben es tatsächlich aus der Sanctuary hinaus geschafft. Dr. Carson ist zunehmend um Gabriels schlimmer werdende Infektion besorgt. Nicht zuletzt, weil sein Patient nicht sonderlich einsichtig ist und anhaltend von Gottes großem Plan redet.

An sich sind ihre Szenen ein netter Ausflug. Ebenso wie ihr Abstecher in ein Anwesen auf dem Weg, wo sie Antibiotika für Gabriel und auch ein neues Auto inklusive Landkarte finden (natürlich ein Zeichen Gottes).

Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen Gabriels bedingungslosen Glaube, dass Gott schon alles für sie richten wird und ernüchternden Erlebnissen: Sei es das Auffinden des zum Zombie mutierten Hausbewohners, Carsons tappen in eine Zombie-Falle, und letztlich, als alles gut zu sein scheint, werden die beiden auch noch von einem Trupp Savior gestellt.

Selbst dann noch fühlt sich Gabriel in seinem Glauben gestärkt. Erst als die Savior Dr. Carson erschießen und zurücklassen, zweifelt er. Deutlich.

Dr. Carsons Ableben war spätestens nach Saddiqs Aussage, dass er Arzt sei, erwartbar. Zwei Mediziner braucht es anscheinend wirklich nicht. Schade allerdings, dass er letzlich nur als Plot-Device für Gabriels Zweifel an seinem Glaubensweg sterben musste. Zumal dies nun wirklich keine neue Theamtik für den Priester ist.

Das große Wiedersehen

Das Hilltop ist nicht nur der letzte stehende Zufluchtsort der Rebellen, sondern dient in dieser Episode auch der Zusammenführung der einzelnen Splittergruppen und Handlungsstränge.

Maggie tut ihr Bestes, um sowohl mit schwindenden Vorräten bei steigender Personenzahl als auch wachsenden Unruhen, ihre starke Führungsrolle auszubauen. Dabei schwankt sie zwischen eiserner Härte und durch gute Argumentation mögliche Lockerungen.

So gelingt es den gefangenen Saviorn, sich mit guten Benehmen etwas Freigang zu verdienen. Maggie sieht nach gründlicher Gefahrenabwägung auch den möglichen praktischen Nutzen - ihren Wunsch nach sportlichen Ausgleich können sie gleich mit Arbeitseinsatz kombinieren. Dennoch braut sich da doch schon die nächste Gefahrenquelle zusammen.

In kurzen Szenen über die Folge hinweg sieht man im Hilltop zudem Carol, Morgan und Henry die Geschehnisse im Kingdom verarbeiten. Carol schlüpft wieder in eine klare Mutterrolle und versucht sowohl Henry als auch Morgan Vernunft einzutrichtern. Fraglich, wie viel Erfolg dies hat.

Richtung Ende schaffen es nicht nur die Alexandrianer, angeführt von Daryl mit der kleinen Judith auf dem Arm, nach Hilltop, sondern auch Rick und Michonne. Besonders Enid geht die Nachricht von Carls Tod sehr nah. Die Emotionen bei Ankunft alter Weggefährten und die schmerzliche Realisation, dass es nicht alle geschafft haben, wird wieder statt mit vielen Worten mit Musik und Slow-Motion-Aufnahmen wirkungsvoll ausgedrückt.

Tot oder lebendig oder ...

Negan ist wieder völlig sein altes Selbst und platziert Lucille auffällig präsent bei allen Gesprächen mit seinen Leuten, vor allem bei Eugene.

Diesen hat er klar unter Verdacht, Gabriel und Dr. Carson die Flucht ermöglicht zu haben - will von ihm aber auch einen Haufen Munition. Mit Zuckerbrot und Peitsche: Auf der einen Seite der klare Druck und unterschwellige Drohungen von Negan, auf der anderen Seite bekommt Eugene alles, was er sich wünscht und braucht - wenn er denn dann liefert.

Negan hat nämlich auch langsam den Kaffee auf und will mit Rick und seiner Truppe Fakten schaffen. Dafür ist Negan geneigt, auch etwas von seinem Credo “Menschen sind Ressource, wir retten sie” abzuweichen.

Dabei verlässt er sich nicht nur auf die von Eugene fabrizierte Munition und seine Lucille, sondern will auch die Zombies selbst als Gift-Waffe einsetzen. In der Zombieapokalypse gibt es schließlich nicht nur die Wahl zwischen Leben und Tod, sondern auch “irgendeine Scheiße dazwischen”.

Warum auch immer bisher noch niemand auf die Idee kam, Waffen mit Zombieblut und Fleisch einzureiben, um Gegner zu infizieren. Und warum auch immer bisher zufällig von Zombieblut getroffene Verwundete keine Infektion zeigten. Man kann also mal gespannt sein, wie dieser Plan sich entwickelt.

Fazit

Nach der gut erzählten, strukturierten letzten Folge ist man zurück bei den wilden Sprüngen zwischen zerstückelter Handlungsstränge. Es wirkt erneut wie ein großes Instellungbringen der Figuren. An sich kann dies durchaus spannend sein - doch leider ist es in den vergangenen beiden Staffeln eine ständige Wiederholung ohne erkennbare Weiterentwicklung.

Auch der Trailer zur nächsten Episode kündigt erneut die Konfrontation von Rick vs. Negan an. Möge es hoffentlich bald ein Ende haben.

THE WALKING DEAD 8x12 "The Key" Promo [HD] Andrew Lincoln, Norman Reedus

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 9+
Anzahl der Episoden: 115+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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