Kritik zu Akte X 11.07 - Rm9sbG93ZXJz

SPOILER

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Mulder und Scully in Rm9sbG93ZXJz

Ein futuristisch angehauchtes Restaurant. Beinah menschenleer. Bis auf Mulder und Scully, die offensichtlich so etwas wie eine Date-Night haben. Beide versuchen mehr oder wenig erfolgreich, ihr Essen zu bestellen. Und kommunizieren nonverbal - wenn sie nicht gerade an einem technischen Gerät hängen, das den Alltag vermeintlich leichter gestalten soll.

Bereits der Auftakt zu “Rm9sbG93ZXJz” macht deutlich, dass X-Philes von dieser Episode mal wieder etwas anderes erwarten dürfen. Der Dialog ist in den ersten Minuten nicht existent, lediglich eine Computerstimme ist zu vernehmen. Dennoch liegt ein hoher Anteil an nonverbaler Kommunikation über der Szene. Mit wenigen Gesten und amüsant eingesetzter Mimik beweisen David Duchovny und Gillian Anderson, dass sie ein jahrelang eingespieltes Team sind, das sich notfalls auch blind versteht. Wer Mulder und Scully shippt, wird an dieser Folge seine helle Freude haben.

Hey, Siri. Du neugieriges, kleines Etwas!

Und wer die Verschwörungstheorien von Akte X präferiert, wird mit “Rm9sbG93ZXJz” bestimmt einige Paranoia, die es in unseren schönen, neuen Welt gibt, bestätigt bekommen. Denn wer hatte nicht schon mal das Gefühl, dass einen das eigene Smartphone bestens kennt? Oder sind es alles nur Zufälle, dass man auf Facebook auf einmal Beiträge zu Dingen vorgeschlagen bekommt, über die man erst neulich mit jemandem geredet hat, ohne sie jedoch jemals gegooglet zu haben? Sicher, dass das Smartphone nicht vielleicht doch jedes unserer Gespräche belauscht und sich Daten daraus zieht?

“Rm9sbG93ZXJz” spielt gekonnt mit dem Aspekt der Technologien, die immer weiter in unsere Privatsphäre eindringen. In diesem Szenario regeln Mulder und Scully ihr Leben allein über Technik. Sei es das Bezahlen der Restaurantrechnung, die Steuerung des Eigenheims oder das Bestellen eines autonom fahrenden Taxis. Auf den ersten Blick erscheint das unglaublich bequem. Akte X legt jedoch hier den Finger in die Wunde und zeigt auf, welche Gefahren die überhand nehmende Technologien in sich bergen können.

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So bekommt Mulder die ehrenvolle Aufgabe, sich mit einer endlos erscheinenden Warteschleife am Telefon abzumühen, um seine Kreditkarte sperren zu lassen. Und wer kennt es nicht, dass einem irgendwann die Nerven durchgehen wollen, weil man doch eigentlich nur mit einem Menschen sprechen und keine computergenerierte Sprachauswahlmenüs bedienen möchte. Ganz nebenbei belagern ihn noch Drohnen jeglicher Bauart - und lösen dabei unangenehme Erinnerungen an Hitchcocks Die Vögel aus.

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Mulder und Scully in Rm9sbG93ZXJz

Verwunderlich hingegen ist, dass Scully offensichtlich doch ein eigenes Heim bezogen hat, schließlich sprach sie einige Folgen zuvor noch von “our home”. Ihr Zuhause ist zudem auch noch hochtechnisiert. Das mag nicht so recht zur traditionsbewussten Dana passen, dient aber der Geschichte von “Rm9sbG93ZXJz”. Denn Scully hat ein Smarthome, dessen Steuerung weniger komfortabel ist, als es den Anschein hat. Zu allem Übel beginnt auch das Smarthome, Scully nach dem misslungenen Date mit Mulder zu terrorisieren. Dies gestaltet sich zum Teil sehr amüsant, präsentiert aber mitunter Flachwitze, die nicht sein müssen. Ein Roomba, der mal eben Scully kleinen Helfer für einsame Momente unter dem Bett hervor schiebt, mag für den pubertären Humor funktionieren, wirkt jedoch fehl am Platz. Passender wirkt dabei das Taxi, das seinen Christine-Moment hat. Geht doch.

Außerdem bietet die Folge einigen Fanservice. Wieder einmal darf man sich die Frage stellen, warum Scullys Heim immer so viel gemütlicher und schöner wirkt als das von Mulder. Das Passwort für Scullys Smarthome lautet “Queequeg” - diesen Namen trug der Hund, den sie in Staffel 3 hatte. “Rm9sbG93ZXJz” bedeutet im Base64 “Followers”, während das Restaurant Forowa heißt, was übersetzt “Follower” bedeutet. Das Schlagwort The Truth is out there wurde für diese Episode ebenfalls angeglichen auf “VGhlIFRydXRoIGlzIE91dCBUaGVyZQ=".

Trinkgeld. Gib ihnen einfach das Trinkgeld!

Völlig ärgerlich ist hingegen die Tatsache, dass bereits mit dem Auftakt im Restaurant klar ist, warum die Technik nach und nach aggressiver wird. Wie ein Stoppschild taucht permanent die Push-Mitteilung auf Mulders Handy nach dem noch zu gebenden Trinkgeld auf, damit auch der Letzte am Ende verstanden hat, dass nur ein Trinkgeld den Maschinen-Wahnsinn stoppen kann. Das hätte man etwas diskreter lösen können - so bleibt “Rm9sbG93ZXJz” wenig spannend, da die Auflösung nicht überraschend kommt.

Dennoch ist “Rm9sbG93ZXJz” nicht langweilig, weil beide Darsteller sichtlich Spaß daran haben, ihre Figuren in einem AU-anmutenden Umfeld agieren zu lassen und sich mit einigen Teilen der Geschichte (“Bitte bewerten Sie unseren Artikel!”) an ihr eigenes Leben erinnert gefühlt haben. So gestaltet sich die Episode zwar vorhersehbar, aber unterhaltsam kurzweilig.

Für alle Mulder-Scully-Shipper präsentiert das Ende der Folge außerdem noch ordentlich etwas fürs Herz. Da braucht es nur Scully, die sanft ihre Hand auf die von Mulder legt, damit er sein Handy beiseite legt und seine Aufmerksamkeit auf sie konzentriert. Wirkt auf den ersten Moment etwas kitschig, funktioniert aber vor dem Hintergrund dessen, was beide in all den Jahren gemeinsam durchgemacht haben.

Fazit

“Rm9sbG93ZXJz” ist eine mäßig spannende, aber höchst unterhaltsame Episode, die aufzeigt, wie sehr die Technik unser Leben bestimmt, was nicht immer ganz unbedenklich ist. Der leise Moment zwischen Mulder und Scully am Ende rundet die Entwicklung der beiden positiv ab und bestätigt, dass sie sich immer noch mit wenigen Worten verstehen. So Akte X, wie Akte X eben nur sein kann.

Akte X: Der Film
Originaltitel:
X-Files: The Movie
Kinostart:
19.06.98
Laufzeit:
121 min
Regie:
Rob Bowman
Drehbuch:
Chris Carter, Frank Spotnitz
Darsteller:
David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, William B. Davies, Martin Landau
Schwarze Blut, das aus der töten Kreatur austritt, sammelt sich und kriecht am Körper des Wilden hinauf.

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