Lost in Space: Kritik zum Reboot von Netflix

Im Jahr 2046 hat die Erde ein Problem: Durch eine Katastrophe ist das Leben auf unserem Planeten nicht mehr so angenehm, wie es einmal war. Einem kleinen Teil der Bevölkerung wird jedoch die Möglichkeit gewährt, in Alpha Centauri auf einer paradiesischen Welt einen Neuanfang zu wagen. Zu diesen Auserwählten zählt auch die fünfköpfige Familie Robinson. Dummerweise kommt es bei der Reise zu einem Zwischenfall, der dafür sorgt, dass die Robinsons und ihr Schiff, die Jupiter 2, auf einem unbekannten Planeten stranden.

Die Neuauflage des Serienklassikers Verschollen zwischen fremden Welten zeigt wieder einmal, dass Netflix bereit ist, viel Geld auch in einzelne Serienprojekte zu investieren. Schon der Trailer bot einen guten Eindruck vom hohen Produktionswert der Serie, und das Endergebnis zeigt, dass man mit dem Vorschauvideo nicht übertrieben hat. Lost in Space muss sich sogar vor so manchen Kinoproduktionen nicht verstecken.

Rein inhaltlich geht die Serie wie das Original in Richtung Familien-Sci-Fi-Unterhaltung. Am ehesten lässt sich die Neuauflage als Mix aus This is us, Lost und Der Marsianer beschreiben. Leider gelingt es den Machern aber nicht, das erzählerische Niveau der drei Genannten zu erreichen. Die einzelnen Folgen sind relativ episodenhaft aufgebaut. Zwar gibt es übergreifende Handlungsstränge, in jeder Episode stehen jedoch primär ein paar Probleme im Mittelpunkt, die innerhalb der 50 bis 60 Minuten gelöst werden. Dies sorgt in gewisser Weise dafür, dass sich nicht wirklich ein Suchtfaktor entwickeln kann. Die Episoden an sich sind zwar nett und wissen zu unterhalten, sie fesseln einen aber auch nicht an den Bildschirm oder sorgen dafür, dass man unbedingt weiterschauen muss. Hinzu kommt, dass die Handlung sich wiederholt darum dreht, dass sich ein oder mehrere Familienmitglieder in tödlicher Gefahr befinden, was mit der Dauer etwas ermüdend ist.

Lost in Space

Ähnlich wie in Lost greifen die Macher zudem auf Rückblicke zurück, wenn auch in einem geringeren Umfang. Diese sind teilweise aber deutlich interessanter als die Haupthandlung der jeweiligen Folge, sodass man sich beinah wünscht, die Serie würde die Vorgeschichte des Absturzes in den Fokus rücken. Auch die Tatsache, dass man zunächst nur andeutungsweise erzählt, was auf der Erde passiert ist, erweist sich als gute Idee und bringt mehr Spannung in die Rückblicke. Nur sind diese Spannungsmomente über die gesamte Staffel zu wenige. Stattdessen müssen sich die Figuren oft mit mäßig spannenden Problemen auf dem Planeten herumschlagen.

Ein großer Pluspunkt der Serie sind aber die Darsteller. Der Hauptcast kann vollkommen überzeugen und besonders die jugendlichen Schauspieler verdienen eine besondere Erwähnung. Gerade in Genreproduktionen passiert es gern einmal, dass Jugendliche oder Kinder unüberlegt agieren oder sich als nervig erweisen. In Lost in Space hat man sich für einen anderen Weg entschieden.

Judy (Taylor Russell, Penny (Mina Sundwall) und Will (Maxwell Jenkins) bringen einiges an Wissen und Fähigkeiten für die Reise mit und sind aktiv in die Lösungen der Probleme eingebunden. Das macht ihre Figuren deutlich interessanter, wobei auch die Familiendynamik hilft. Anstatt Streitereien zwischen den Geschwistern ist es Vater John Robinson (Toby Stephens), der Schwierigkeiten hat, angenommen zu werden und seinen Platz sucht. Die Ehe mit Maureen (Molly Parker) stand vor der Reise eigentlich vor dem Aus, da John sich gegen seine Familie und für einen Militäreinsatz entschieden hat. Nun gilt es für den Vater, sich in einer veränderten Familiendynamik zurechtzufinden.

Lost in Space

Erwähnt werden muss zudem Parker Posey, die in die Rolle von Dr. Smith schlüpft. Posey gelingt es, eine so unsympathische Figur zu spielen, dass man sich schon beinah an Ramsay Bolton oder Joffrey Baratheon aus Game of Thrones erinnert fühlt. Im Gegensatz zu den beiden genannten ist die Rolle aber nicht als Sadistin angelegt. Dr. Smith treibt ein egoistischer Selbsterhaltungstrieb an, dem sie alles unterordnet. Sie manipuliert jeden und zeigt keine Skrupel, wenn es um das Erreichen ihrer Ziele geht. Sobald sich Smith einer der anderen Figuren nähert, stellt sich Unbehagen ein und man kann das Unheil förmlich kommen sehen. Dass Smith zudem in einem Zustand des ständigen Mundwinkel nach unten Ziehens gefangen ist, macht den Charakter ebenfalls nicht sympathischer.

Fazit

Lost in Space überzeugt vor allem aufseiten der Darsteller und dem Produktionswert. Rein inhaltlich bleibt die Serie über weite Strecken Mittelmaß. Der Unterhaltungswert ist zwar durchaus gegeben, meistens fällt die Handlung aber in die Kategorie nett. Wer Lust auf Familienunterhaltung im Weltraum hat, dürfte aber auf seine Kosten kommen. In einer möglichen 2. Staffel können die Macher aber gern an der Spannungsschraube drehen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix
Lost in Space Remake Netflix

Originaltitel: Lost in Space (2018)
Erstaustrahlung am 13.04.2018
Darsteller: Molly Parker (Maureen Robinson), Toby Stephens (John Robinson), Taylor Russell (Judy Robinson), Ignacio Serricchio (Don West), Mina Sundwall (Penny Robinson), Maxwell Jenkins (Will Robinson), Parker Posey (Dr. Smith)
Produzenten: Matt Sazama, Burk Sharpless, Zack Estrin, Kevin Burns, Jon Jashni, Neil Marshall, Marc Helwig
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 10


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