DC-Comic-Kritik - Batman Paperback 1: Ich bin Gotham & Batman - Detective Comics 1: Angriff der Batman-Armee (Rebirth)

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Batman Detective Comics

In einem Satz zusammengefasst würde das zentrale Anliegen der DC-Verantwortlichen, das sie mit dem Großprojekt DC Universe Rebirth verfolgten, wohl lauten: Gebt den (langjährigen) Fans das, was sie wollen - und seid dabei Neueinsteiger-freundlich.

Das Ergebnis ist bekannt: Zahlreiche bei Anhängern und Kritikern gleichermaßen geschätzte Reihen … und insgesamt drei Batman-Titel. Das wiederum ist, wenn man ehrlich ist, aber nicht sonderlich verwunderlich. Der Dunkle Ritter ist schließlich nach wie vor einer der beliebtesten, wenn nicht sogar der beliebteste Superheld überhaupt, und sein Universum bietet auch schlicht genug Stoff, um selbst nach so vielen Jahren immer wieder völlig neue Geschichten mit Bat-Bezug erzählen zu können.

Nachdem All-Star Batman 1: Mein schlimmster Feind bereits vorgestellt wurde, soll es in diesem Beitrag um die ersten Bände von Batman sowie Batman: Detective Comics gehen.

Zusammen…

Autor Tom King könnte definitiv Protagonist in einem sicherlich extrem unterhaltsamen Comic sein. Seine Vita würden einige der potenziellen Leser mutmaßlich sogar für etwas zu konstruiert halten, denn bevor sich der US-Amerikaner wieder Vollzeit seinen Panels widmete, arbeitete dieser - kein Scherz - für die CIA. Wenn das nicht die optimalen Voraussetzungen sind, um Scott Snyders Werk fortsetzen zu können.

In seinem die ersten sechs Einzelheftausgaben sowie Batman: Rebirth 1 enthaltenden Debüt-Trade Ich bin Gotham legt der Eisner-Award-Gewinner (für Vision) zwar noch nicht alle Karten auf den Tisch, deutet allerdings ebenso an, dass "more of the same" nicht unbedingt seine Sache ist.

Die bewusste Doppeldeutigkeit in Bezug auf den Namen der Nachbarstadt von Metropolis lässt diesen über allem stehenden Satz daher noch passender erscheinen. Tatsächlich handelt es sich hier nämlich nicht um Gotham City, sondern um zwei neue Helden, die sich Gotham und Gotham Girl nennen, über enorme Kräfte verfügen und unter Anleitung der Fledermaus dort helfen wollen, wo sie gebraucht werden.

Batman Rebirth

Anfangs gelingt das auch durchaus gut und es hat überdies fast den Anschein, als würde Bruce Wayne Gefallen daran finden, zumindest theoretisch einmal eine Nacht seine Maske nicht aufsetzen zu müssen. Selbstverständlich stellt sich recht schnell heraus, dass dieses Szenario ein hypothetisches bleibt, da ein plötzlicher Aufstieg in die Justice-League-Gewichtsklasse selten einfach so erfolgt - und so viel sei verraten: Der Preis, den die beiden dafür zahlen, ist extrem hoch.

Genau darin liegt ganz offensichtlich eine der großen Stärken Kings: Er treibt in seiner ersten Storyline im Bat-Kosmos den Protagonisten sowie die von ihm eingeführten Figuren an ihre Grenzen und darüber hinaus. Interessanterweise verzichtet er beinahe komplett darauf, zu diesem frühen Zeitpunkt schon auf einen der unzähligen berüchtigten Arkham-Insassen zu setzen und begnügt sich stattdessen mit Schurken aus der zweiten oder dritten Reihe, die er dafür aber gekonnt in das Geschehen einbindet. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen wirkt all das Dargebotene eher wie eine Art Epilog, in dem gewissermaßen eine Staffelstabübergabe vollzogen wird, und nicht wie ein Abenteuer, das schon Fahrt aufgenommen hat. Nicht umsonst steht Scott Snyders Name ebenfalls auf dem Cover und nicht umsonst ist das absolute Highlight des Paperbacks auf der letzten Seite zu finden: Ein Cliffhanger, wie man ihn sich wünscht.

…ist man weniger allein

Etwas konsequenter als Tom King geht der noch recht junge (Jahrgang 87), allerdings keinesfalls mehr als Nachwuchstalent durchgehende James Tynion IV bei seinem ersten Ausflug in das wiedergeborene DC-Universum in Sachen Teambuilding vor - und nein, damit sind keine vertrauensbildenden Maßnahmen gemeint.

Sein Batman beginnt höchstselbst damit, eine Gruppe zusammenzustellen, um einer Bedrohung, deren Ausmaß lange nicht abzusehen ist, etwas entgegensetzen zu können. Ob er jedoch wirklich glaubt, diese Hilfe zu benötigen oder ob es einen anderen Grund für diesen Schritt gibt, sei einmal dahingestellt.

Es besteht aus Red Robin, Orphan, Spoiler, dem (geläuterten?) Clayface und Batwoman alias Kate Kane, die diese buntgemischte Truppe trainieren soll. Ein erster bedeutender Schritt von Gothams Mitternachtsdetektiv, denn die von ihm mit der Ausbildung dieses Quartetts betraute junge Frau ist niemand Geringeres als seine Cousine, die er überdies endlich in sein Geheimnis einweiht. Und wie sich bald herausstellt, haben all die Herausforderungen, mit denen es diese Alternativ-Bat-Familie zu tun bekommt, unmittelbar mit der Vergangenheit der Ex-Soldatin zu tun.

Auf den ersten Blick erscheint es mutig, "The World’s Greatest Detective" in dem Ur-Batman-Titel schlechthin zum Start in diese neue Ära nicht dauerhaft in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen, auf den zweiten schlicht folgerichtig. So können sich Komplettisten über sehr unterschiedliche Geschichten und Neueinsteiger sowie Wechsel-Wähler über die Existenz echter Alternativen freuen.

Batman Detective Comics

Insbesondere die Entscheidung neben Batwoman auch Jung-Genie Tim Drake alias Red Robin in das Zentrum der Handlung zu rücken, erweist sich schon nach einigen Seiten als eine sehr kluge, da sein Einfallsreichtum und seine Schlagfertigkeit immer wieder für eine Auflockerung der insgesamt sehr ernsten Tonalität sorgen.

Abschließend vielleicht noch ein Wort zu einem geteilten Plus: Während bei Batman Paperback 1 in David Finch, Mike Janin und Ivan Reis das erste starkes Zeichner-Trio am Werk war, überzeugte bei Batman: Detective Comics Paperback 1 das zweite, bestehend aus Eddy Barrows, Alvaro Martinez sowie Al Barrionuevo. Auffällig ist, dass es zu keinen extremen stilistischen Brüchen innerhalb der Storys kommt, sondern eher zu Varianten eines Looks (etwas mehr Retro-Charme versprühend versus eher moderner anmutend), der sich in beiden Fällen durch ausgeprägte Liebe zum Detail auszeichnet.

Fazit

Der doppelte Dark Knight hat zweifelsohne seine Daseinsberechtigung. Weder Tom King noch James Tynion IV lassen es sich nehmen, ihre zugegebenermaßen recht unkonventionellen Ideen in die Tat umzusetzen. Dadurch fühlen sich beide Reihen zunächst etwas anders an, was sicher nicht jedem gefallen, aber viele wahrscheinlich sehr neugierig auf all das machen wird, was da kommen möge. Die jeweiligen Cliffhanger lassen jedenfalls eine Menge spannender Entwicklungen möglich erscheinen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

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