Feuersturm: Kritik zu The Orville 1.10

SPOILER

Gar seltsame und mitunter schreckliche Dinge ereignen sich an Bord des Raumschiffs Orville. In der Episode "Feuersturm" begegnen der Crew einige Horrorszenarien.

Die Angst vor der Angst

Ein Feuer bricht im Maschinenraum aus. Das Besatzungsmitglied Harrison Payne kommt dabei ums Leben. Sicherheitschefin Alara macht sich große Vorwürfe und zweifelt an sich, denn sie hätte eventuell durch schnelleren Einsatz das Schlimmste verhindern können. Doch ihre Furcht vor Feuer hat sie für einen Moment handlungsunfähig gemacht.

Captain Mercer nimmt ihre spontane Kündigung nicht an, sondern beurlaubt Alara zunächst. Während sie sich auf Ursachenforschung begibt, geschehen merkwürdige Dinge an Bord. Zumindest scheinbar. Wie sich in den letzten Minuten der Episode herausstellt, war ein Großteil der Episode lediglich eine Simulation im Holodeck.

Nachdem Alara -unter anderen in einem Videogespräch mit ihren Eltern (mit Gastdarsteller Robert Picardo) - herausgefunden hat, dass ihre Angst vor Feuer tief in der Kindheit ihren Ursprung hat, möchte sie ihr Problem radikal angehen. Sie beauftragt Isaac mit der Programmierung einer Simulation, das allerlei Horror-Elemente der Crewmitglieder beinhaltet und im großen Showdown mit Feuerwalze endet. Mit einem Trick bekommt sie Dr. Finn dazu, ihr Kurzzeitgedächtnis zu löschen, damit Alara sich unbefangen ihren Ängsten so realitätsnah wie möglich stellen kann.

Führungsqualitäten

Zwar ist das Projekt am Ende erfolgreich, Alara schafft es ihre Panik zu überwinden, doch Captain Mercer ist nicht erfreut. Sie hat zwar nicht direkt Regeln gebrochen, aber ihre Postion schon arg strapaziert, um diesen gefährlichen Alleingang auch gegen den Widerspruch anderer Offiziere durchzusetzen.

Seth MacFarlan ist sicherlich nicht der beste Schauspieler im Cast, überzeugt als Captain aber dennoch. Es ist ein großer Pluspunkt, dass Ed Mercer von Beginn an nicht einfach als Witzfigur angelegt wurde, dem zufällig das Kommando über ein Raumschiff zufällt. Mercer ist ein hochqualifizierter Offizier der Planetaren Union mit bester Ausbildung, der durch private Tiefschläge ins Straucheln geriet. Nun in verantwortungsvoller Position zeigt sich seine kompetente Führungsstärke.

Das Sympathische ist dabei, dass er nicht einfach eine klischeehafte, nahezu übermenschliche Captain-Rolle übernimmt, sondern auch stets fehlbar und menschlich gezeigt wird. Wie in der aktuellen Episode, wo er hart um die Worte fürs Kondolenzschreiben an die Familie des verstorbenen Harrison Payne ringt. Und doch zeitgleich Alara und der restlichen Crew in der schwierigen Zeit ein verlässlicher Captain ist, der Rückhalt gibt und sicher leitet.

Schema F

Abermals führt Star-Trek-Veteran Brannon Braga bei The Orville Regie. Das Drehbuch stammt von Cherry Chevapravatdumrong, die bislang vor allem als Autorin und Produzentin bei Family Guy tätig war. Für innovative Ideen aus dem Fenster gelehnt haben sich beide nicht.

Für die Charakterentwicklung von Alara, und in Teilen auch Ed Mercer, ist es eine wichtige, verdiente Folge und wird auch vor allem durch das brilliante Schauspiel von Halston Sage getragen. Die skurile Einspielung der verschiedensten Ängste - vor sadistischen Ärzten, riesigen Spinnen, Clows und Abgründen - ist unterhaltsam und solide umgesetzt, jedoch nichts Neues. Gleiches kann man auch zur CGI-Technik sagen - sauber und solide, aber nicht auf dem modernsten Stand der Technik.

Frage ist hier: Erwartet man das überhaupt von einer Serie wie The Orville? Seth MacFarlanes Projekt überraschte schon zu Beginn positiv mit der klar erkennbaren Liebe zu Star Trek. Es ist eine stimmige Hommage ans Sci-Fi der 90er-Jahre, verpackt in einer frischen Aufmachung. Was bei manchen der große Pluspunkt ist, führt bei anderen zu Unmut: In Kritiken wird der Serie immer wieder vorgeworfen, lediglich zu kopieren und sich stetig an anderen Produktionen zu bedienen.

Stimmt alles. The Orville ist in ihrer Auftaktstaffel äußerst amüsant und charmant - soll die Serie jedoch länger Bestand haben, muss man sich etwas mehr von den Vorlagen lösen. Seth MacFarlanes äußerte sich bereits, dass der große Erfolg dem Team für die zweite Staffel mehr Freiraum für ernsthafte Töne und mehr eigenes Sci-Fi bietet. 

Fazit

Ein Ärgernis für alle, die sich an "es war alles nur ein Traum"-Lösungen stoßen oder ein Problem mit dem Kopieren diverser Sci-Fi-Inhalte haben. Dennoch ist die Episode solide mit jeder Menge Spannung und überzeugenden Schauspiel umgesetzt.

Wer jedoch in den bisherigen Staffel seinen Spaß an den Charakteren und dem lockeren Aufgreifen altbekannter Themen hatte, wird auch an "Feuersturm" Freude haben.

The Orville 1x10 Promo "Firestorm" (HD)

Erstes Promobild zu Seth McFarlanes Sci-Fi-Comedy-Serie The Orvelle

Originaltitel: The Orville (2017)
Erstaustrahlung am 10.09.2017
Darsteller: Seth MacFarlane (Ed Mercer), Adrianne Palicki (Commander Kelly Grayson), Penny Johnson Jerald (Doctor Claire Finn), Scott Grimes (Lieutenant Gordon Malloy), Peter Macon (Lieutenant Commander Bortus), Halston Sage (Lieutenant Alara Kitan), J. Lee (Lieutenant John LaMarr), Mark Jackson (Isaac)
Produzenten: Seth MacFarlane, Brannon Braga, David A. Goodman, Jason Clark
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 12+


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