Retro-Kiste: Schmeißen Sie nicht noch mal mit Köpfen nach mir – Lake Placid

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Lake Placid

Es gab eine Zeit, da hatten Horrorfilme mit Krokodilen, die in der Kanalisation zu wahren Monstern heranwachsen, ihren festen Sendeplatz im Fernsehen. Zu Beginn der Neunzigerjahre zeigte RTL spät am Heiligabend immer den Film Der Horror-Alligator von Lewis Teague. Alligator, so der schlichte Titel im Original, dürfte somit wohl der bekannteste Krokodilschocker sein, aber nicht der beste. Das ist Lake Placid von Steve Miner.

Der Regisseur war kein Neuling im Horrorgenre, als er seinen ersten Tierhorrorfilm inszenierte. Miner hatte bereits zwei Fortsetzungen zu Freitag der 13., Warlock - Satans Sohn und Halloween H20 gedreht, bevor er 1999 die Regie bei Lake Placid führte.

Der Film beginnt idyllisch mit einer Kamerafahrt über den friedlichen See. Dort sitzt Sheriff Hank Keough (Brendan Gleeson) in einem Boot und diskutiert mit einem Mitarbeiter US-Forstbehörde über die Ironie von Stadtmenschen. Der Mann entzieht sich den weiteren Argumenten des Sheriffs, in dem zu einem Biberbau taucht. Unterwasser wird er allerdings von etwas Großem angefallen. Als der Sheriff Keough ihm vom Boot aus zur Hilfe kommt, kann er nur noch die obere Hälfte des toten Tauchers an Bord ziehen.

„Hier ist noch nie jemand verschwunden und hier ist noch nie etwas Ungewöhnliches passiert."

Der Vorfall zieht seine Kreise, und der Wildaufseher Jack Wells (Bill Pullman) von der US-Forstbehörde wird zum See gesandt. Er soll ermitteln, welches Tier für den Angriff verantwortlich sein könnte. Zeitgleich kommt die New Yorker Paläontologin Kelly Scott (Bridget Fonda) in Maine an. Sie soll den Zahn untersuchen, welcher in der Leiche des Tauchers steckte. Scott hat sich nur unfreiwillig aus ihrem sicheren Museumsbüro in die Wildnis aufgemacht. Aber für ihren Chef war die Anfrage aus Maine eine gute Gelegenheit seine Ex-Geliebte eine Weile los zu werden.

Mit einigen Deputy (irgendwas muss das Krokodil im Laufe des Films ja fressen) schlagen sie am Ufer des Sees ihr Lager auf. Dort landet schließlich auch der Helikopter des exzentrischen Krokodilforschers Hector Cyr (Oliver Platt), der sich sehr zum Unwillen des Sheriffs der Truppe anschließt.

Soweit klingt Lake Placid nach einem typischen Tierhorrorfilm. Ein Genre, welches selten Meisterwerke wie Der weiße Hai hervorbringt. Oft handelt es sich um klassische B-Movies oder gar C-Movies mit schlechten Schauspielern und miesen Tieranimationen. Bereits in den ersten Minuten des Films wird deutlich, dass dies in Lake Placid anders ist.

„Wir sind gerettet, ein Museum in New York hat uns eine Spezialistin vorbei geschickt."

Außer Brendan Gleeson (Mr. Mercedes, The Guard, Edge of Tomorrow) standen die Hauptdarsteller 1999 auf den Höhepunkt ihrer Karriere. Bill Pullman hatte seinen endgültigen Durchbruch 1997 mit den beiden sehr unterschiedlichen Filmen Independence Day und Lost Highway. Seine Kollegin Bridget Fonda war mit dem Thriller Weiblich, ledig, jung sucht ... bekannt geworden und hatte bereits mit Quentin Tarantino Jackie Brown gedreht. Auch Oliver Platt dürfte dem Publikum 1999 noch aus dem Film Flatliners bekannt gewesen sein, auch wenn er nie zum richtig großen Hollywoodstar aufstieg.

Was mag also vier begabte Schauspieler bewogen haben, in einem Film über ein Killerkrokodil mitzuspielen. Vielleicht ein Blick ins Drehbuch. Autor David E. Kelley hatte zuvor die Fernsehserien Picket Fences – Tatort Gartenzaun und Ally McBeal mit entwickelt. Schon der erste Dialog zwischen dem Sheriff, dem Wildhüter und der Paläontologin zeigt, dass Kelley den Humor seiner Serien auch in seinen Horrorfilm mit einfließen lässt. Es kommt im weiteren Verlauf des Films immer wieder zu einem sehr unterhaltsamen und lustigen Schlagabtausch zwischen Gleesons Sheriff und Platts Krokodilforscher.

Der Film vergisst aber nie, den eigentlichen Horror zu zeigen. So verliert einer der Deputy bei einer Attacke des neun Meter langen Krokodils seinen Kopf. Zwischen den Krokodiljägern kommt es danach zur Debatte, ob man das einzigartige Tier nun lebend fangen oder auf der Stelle abknallen soll. Wild spekuliert wird auch über die Herkunft des Monsters. Dieses schlägt zwischendurch im Wasser und auch an Land immer wieder zu.

„Was auch immer da im See ist, ein Schuss hiermit, und es ist tot!"

Hier kommt der zweite Punkt hinzu, der Lake Placid nicht in einen billigen Trashfilm abgleiten lässt: die Spezialeffekte. Diese stammen von Stan Winston, der zuvor schon in den ersten beiden Terminator-Filme sowie in Predator 1 und 2 sein Können bewiesen hat. Sowohl während der Unterwasseraufnahmen als auch am hellen Tag an Land wirkt das Reptil stets lebensecht und bedrohlich.

Der Horrorfilm war so erfolgreich, dass es ab 2007 vier Fortsetzungen gab, die alle nicht an das Original herankamen. Von den ursprünglichen vier Hauptdarstellern kehrte niemand mehr für die Fortsetzungen zurück. Im fünften Teil der Reihe Lake Placid Vs. Anaconda muss das Monsterkrokodil gegen eine Riesenschlange aus der Anaconda-Fimreihe antreten. Für 2018 hat der Sender Syfy mit Lake Placid Legacy einen weiteren Film mit dem Killerkrokodil angekündigt.

Vom Spannungsaufbau, Komplexität und Bildsprache kommt Lake Placid nicht an Genreklassiker wie Alfred Hitchcocks Die Vögel und Steven Spielbergs Der weiße Hai heran. Aber das lag wohl auch nicht in Miners und Kelleys Absicht. Das Besondere an dem Horrorfilm ist die perfekt ausbalancierte Mischung aus Spannung, Horror und Humor. Mit diesem Mix ähnelt der Film eher Tremors - Im Land der Rakentenwürmer als den klassischen Vertretern der Tierhorrorgenres.

Wer jetzt nicht bis Heiligabend warten will, um sich mit der versammelten Familie in gemütlicher Atmosphäre mal wieder einen Krokodilschocker anzusehen, sollte vor dem Start der Badesaison einen Horrorfilmabend einplanen. Lake Placid ist die ideale Vorbereitung für den nächsten Besuch am Badesee. Auch wenn die Zeitungen in den letzten Sommern nur von bissigen Alligator-Schildkröten in den heimischen Badegewässern berichteten, weiß man nie, was dort noch so alles lauert. Besser man ist vorbereitet und hat zumindest eine Paläontologin an seiner Seite.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Fox 2000 Pictures/Phoenix Pictures/Rocking Chair Productions

LAKE PLACID (1999) Trailer GERMAN

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