Daredevil: Kritik zur 3. Staffel

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Daredevil Staffel 3

Nach den Geschehnissen in The Defenders halten die Freunde von Matt Murdock Daredevil für tot. In Wirklichkeit konnt Matt den Einsturz des Gebäudes überleben, allerdings hat der Kampf einige Spuren hinterlassen. So sind nicht nur Matts Fähigkeiten eingeschränkt, er glaubt auch, dass seine Freunde ohne ihn besser dran sind. Karen und Foggy haben den scheinbaren Verlust von Matt allerdings nicht wirklich verarbeitet, und vor allem in Karen glimmt immer noch ein kleiner Funken Hoffnung.

Für alle drei gibt es eines Tages ein böses Erwachen: Wilson Fisk ist zurück. Nach einem Deal mit dem FBI wird Fisk aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt. Sowohl Karen als auch Foggy versuchen alles, um die Behörden auf die Gefahr, die von Fisk ausgeht, aufmerksam zu machen. Doch niemand will ihnen zuhören. Auch Matt wird aktiv und arbeitet daran, seinen Erzfeind zurück hinter Gitter zu bringen, doch es scheint, als wäre Fisk ihm zu jeden Zeitpunkt einen Schritt voraus.

Zurück zu den Wurzeln

Von der einstigen Erfolgswelle der Marvel-Serien bei Netflix ist nicht mehr viel übrig geblieben. Wurden Daredevil und Jessica Jones zum Start noch gefeiert, ging es danach stark bergab. Der Tiefpunkt dürfte sicherlich die Absetzung von Iron Fist und Luke Cage gewesen sein, die innerhalb von einer Woche erfolgten und in gewisser Weise den Start der 3. Staffel von Daredevil überschattet haben.

Dass die Marvel-Serien auf Netflix allerdings noch lange nicht tot sind, wird in Daredevil Staffel 3 schon nach wenigen Folgen deutlich. In gewisser Weise besinnt sich die Serie auf ihre Wurzeln und fühlt sich wieder stärker wie die 1. Staffel an. Erneut gibt es ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Wilson Fisk auf der einen und Daredevil und seinen Verbündeten auf der anderen Seite. Trotz der Tatsache, dass es sich quasi um ein Rematch handelt, hat diese Konstellation auch beim zweiten Mal nichts von ihrer Spannung eingebüßt.

Keine Langeweile

Nach einem relativ ruhigen Start nimmt die Handlung schnell an Fahrt auf, und es gelingt den Autoren sogar, die typischen Probleme vieler Netflix-Serien zu umschiffen. Gerade den Marvel-Serien bei Netflix geht im Mittelteil gern einmal etwas die Luft aus. Ganz anders bei Daredevil. Hier erreicht die Spannung im Mittelteil tatsächlich ihren Höhepunkt, was auch daran liegt, dass Fisks Plan genau zum richtigen Zeitpunkt enthüllt wird.

Vollkommen ohne Länge ist allerdings auch die 3. Staffel von Daredevil nicht. Besonders die beiden Episoden, in denen Rückblicke im Mittelpunkt stehen, nehmen der Serie etwas Tempo. Im Falle der Bullseye-Episode kommt hinzu, dass die Enthüllungen auch nicht sonderlich spektakulär sind. Die Aussagen über den Charakter von Agent Poindexter hätten man auch in der Hälfte der Zeit deutlich machen können. Im Falle von Karens Flashback spielt vermutlich die Sympathie der Zuschauer eine Rolle. Wer mit der Figur etwas anfangen kann, wird sich über den Hintergrund freuen. Alle anderen dürften so ihre Probleme mit der Folge haben, vor allem aufgrund der Tatsache, da sie an einer der spannendsten Stellen die Haupthandlung unterbricht.

Daredevil Staffel 3

Daredevil gegen Kingpin

Dass die 3. Staffel zum Stärksten gehört was bisher aus der Marvel-Welt bei Netflix zu sehen war, hat sie vor allem Vincent D'Onofrio zu verdanken. Sein Wilson Fisk ist ohne Zweifel einer der besten, wenn nicht sogar der beste Schurke im gesamten MCU. D'Onofrio wechselt in der 3. Staffel mühelos zwischen den verschiedenen Facetten von Fisk, wobei die unterschwellige Wut, die in dem Charakter brodelt, immer spürbar ist. Aber auch Charlie Cox muss sich nicht vor D'Onofrio verstecken. Die Drehbücher liefern beiden Darstellern viele Momente, in denen sie glänzen können, und all dies gipfelt schließlich in einem finalen Kampf, der voller Emotionen ist aber auch jeder Menge richtig guter Action bietet. Und wenn Matt schließlich Fisk ins Gesicht schreit "I beat you", dann will man als Zuschauer beinah mit einsteigen.

So gut die Geschichte als Ganzes am Ende ist, ein paar Probleme gibt es doch. Gerade die Tatsache, wie sehr Fisk seinen Gegnern die ganze Zeit voraus ist, erscheint schon etwas übertrieben. Er manipuliert praktisch mit Leichtigkeit eine ganze Bundesbehörde und scheint zwischenzeitlich beinah übermächtig. Vor dem Hintergrund wirkt es dann auch etwas sehr einfach, wie er am Ende zu Fall gebracht wird. Besonders die Tatsache, dass Matt einfach einen engen Vertrauten von Fisk von einem Hausdach hängen lässt, bis dieser ihm alle Leichen im Keller des Kingpin verrät, ist nicht sonderlich kreativ.

Daredevil Staffel 3

Auch muss man festhalten, dass die 3. Staffel von Daredevil schon sehr düster ist. Deborah Ann Woll verbringt als Karen Page einen sehr großen Teil der Staffel mit verheulten Augen, während Matt eigentlich immer in irgendeiner Form eine Verletzung im Gesicht hat. Die düstere Geschichte muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein, wer Spaß für die ganze Familie sucht, ist hier aber definitiv falsch. Zudem ist man mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr wirklich glaubhaft ist, dass die Serie tatsächlich im selben Universum wie die Kinofilme spielen soll. Dazu sind die Welten einfach zu verschieden.

Auch werden alle Fans enttäuscht, die sich eventuell Überschneidungen mit den anderen Defenders-Serien gewünscht haben. Matt kommt nicht einmal auf die Idee, seine ehemaligen Kampfgefährten von seinem Überleben zu unterrichten. Auch die Tatsache, dass bei den Recherchen rund um einen gefährlichen Gangster vielleicht eine gewisse Privatdetektivin mit Superkräften durchaus hilfreich sein könnte, spielt nie eine Rolle.

Drei neue Gesichter

Neben den bekannten Darstellern können in den neuen Folgen auch drei Neueinsteiger überzeugen. Die schwierigste Aufgabe hat dabei sicherlich Jay Ali als Agent Ray Nadeem. Bei Nadeem ist lange Zeit unklar, wo es genau mit der Figur hingehen soll. Entsprechend hält sich auch das Interesse an dessen Familienleben stark in Grenzen. Erst mit der Enthüllung des Plans von Fisk und den daraus folgenden Konsequenzen wird Nadeem zu einem Charakter, mit dem der Zuschauer mitfühlen kann. Dies spielt Ali auch sehr überzeugend bis hin zu seinem absehbaren Ende.

Deutlich eindeutiger ist von Anfang an die Rolle von Wilson Bethel als Benjamin 'Dex' Poindexter. Schon im Vorfeld war klar, dass Bethel die Serienversion von Bullseye spielen wird. Die Herangehensweise an den ikonischen Daredevil-Schurken ist dabei interessant gewählt, und auch wenn Dex nicht so tiefgründig ist wie Fisk. Allein für die physischen Auseinandersetzungen mit Daredevil hat sich die Einführung der Figur gelohnt. Der Kampf zwischen den beiden in der Zeitungsredaktion und das schon angesprochene Finale, in dem Dex ebenfalls mitmischt, sind echte Highlights.

Für die eher ruhigen Momente ist dagegen Joanne Whalley als Schwester Maggie zuständig. Die Nonne bringt der Staffel eine dringend nötige Portion Optimismus und auch etwas Humor. Whalley gelingt es, auf Anhieb sympathisch zu sein, und sie entwickelt sich so nicht nur für Matt, sondern auch für die Zuschauer zu einem wichtigen Anker.

Daredevil Staffel 3

Fazit

Es steckt noch Leben in den Marvel-Serien von Netflix. Mit der 3. Staffel von Daredevil liefern die Macher ausgezeichnete Unterhaltung ab, die in allen Bereichen überzeugt. Die düstere Geschichte kann über ihre gesamte Laufzeit fesseln, die Darsteller sind in Höchstform und die Action wurde exzellent inszeniert. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass die Geschichte von Daredevil fortgesetzt wird und sie nicht das Schicksal von Iron Fist und Luke Cage erleidet.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Marvel/ Netflix

Marvel’s Daredevil: Staffel 3 | Offizieller Trailer [HD] | Netflix

Daredevil bei Netflix Poster

Originaltitel: Marvel's Daredevil (seit 2015)
Erstaustrahlung am
10.04.2015 bei Netflix
Darsteller:
Charlie Cox, Deborah Ann Woll, Elden Henson, Toby Leonard Moore, Vondie Curtis-Hall, Bob Gunton, Ayelet Zurer, Rosario Dawson, Vincent D'Onofrio, Jon Bernthal, Élodie Yung, Stephen Rider
Produzenten: Peter Friedlander, Allie Goss, Kris Henigman, Cindy Holland, Alan Fine, Stan Lee, Joe Quesada, Dan Buckley, Jim Chory, Jeph Loeb, Drew Goddard, Steven S. DeKnight, Doug Petrie, Marco Ramirez
Staffeln: 2+
Anzahl der Episoden: 26+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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