Hallo Weihnachten! Hallo Otto! - Kritik zu Der Grinch

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Der Grinch

Alle Jahre wieder: Im Spätsommer stehen die Weihnachtssüßigkeiten in den Supermarktregalen. Influencer stellen kurz nach Halloween ihre künstlichen Tannenbäume auf und posieren mit Zuckerstangen sowie Weihnachtsmützen. Spätestens in der Woche vor Totensonntag ist der Einzelhandel für den Großangriff “Weihnachten” gerüstet. Und pünktlich in der ersten Adventswoche legen die Radiostationen Wham mit “Last Christmas” in die Dauerschleife. Dem Fest der Liebe aus dem Weg gehen? So gut wie unmöglich. Mit Der Grinch startet nun auch der erste Weihnachtsfilm der Saison in den Kinos.

Der Film erzählt die Geschichte vom Grinch, der abseits des weihnachtsverrückten Dörfchens Whoville ein Einsiedlerdasein in einer Höhle gemeinsam mit seinem Hund Max erwählt hat. Dummerweise sind seine Essensvorräte vor dem Weihnachtsfest erschöpft, sodass er zum Einkaufen runter ins Dorf muss. Dort trifft er auf die kleine Cindy Lou, die sich in den Kopf gesetzt hat, den Weihnachtsmann in der Nacht des Heilig Abend abzufangen, um ihm ihren wichtigsten Weihnachtswunsch zu erzählen. Genau dieses Vorhaben könnte die Pläne des Grinch durchkreuzen - immerhin hat der sich vorgenommen, Weihnachten einfach zu stehlen …

Gerade in den USA ist das Kinderbuch How the Grinch stole Christmas von Dr. Seuss sehr bekannt. Spätestens mit der Verfilmung aus dem Jahr 2000 mit Jim Carrey in der Hauptrolle wurde der grüne Weihnachtshasser auch in Deutschland bekannt. An die Neuauflage hat sich jetzt das Team von Illumination Entertainment, das für Ich - Einfach unverbesserlich, die Minions und Sing verantwortlich zeichnet, gewagt. Die Hauptrolle des Grinch in der Originalversion hat Benedict Cumberbatch übernommen. In Deutschland sorgte die Nachricht, dass Otto Waalkes für die deutsche Fassung diese Rolles spricht, gelinde gesagt für Irritationen, denn seine Stimme ist nicht ansatzweise so tief und sonor wie die von Cumberbatch.

Zugegeben, in der Originalversion dürfte dem Grinch etwas mehr Boshaftigkeit anhaften als in der deutschen Synchronversion. Da Der Grinch das Gewicht der Erzählung jedoch eher auf Slapstick, Witz und Leichtigkeit legt, hat man mit Otto Waalkes vermutlich die bessere Wahl getroffen. Waalkes hatte bereits mit Ice Age und Mulan bewiesen, dass seine Stimme mehr kann als “Hollahahidi” oder das charakterische Lachen. Sein Grinch klingt weich, wenn die einsamen, aufgewühlten Momente, der Figur anstehen - und verärgert, wenn der Einsiedler dem Weihnachtswahn ausgesetzt ist.

Illumination Entertainment hat sich nicht gescheut, einige moderne Aspekte unserer Welt passend in die von Whoville zu integrieren. So tüftelt der Grinch akribisch an seinem Vorhaben, das Weihnachtsfest zu stehlen und entwickelt unter anderem eine kreative Version einer Drohne. Ähnlichkeiten zu Gru aus Ich - Einfach unverbesserlich sind hier vermutlich beabsichtigt und gewollt; sie sind aber auch zu verschmerzen, da dem Kreativ-Team nicht die Ideen ausgegangen sind und der Grinch damit nicht wie eine billige Kopie in Grün wirkt. Die Handschrift der Produktionsfirma macht sich auch sonst in den hervorragenden Animationen bemerkbar. Jeder Lufthauch ist in dem grünen Pelz der Hauptfigur zu sehen, und das verschneite Whoville erscheint in bunter Weihnachtspracht.

Neben der bekannten Botschaft der Geschichte gibt es außerdem eine zweite, kindgerecht erzählte Botschaft. Cindy Lou möchte dem Weihnachtsmann nämlich auflauern, um sich von ihm zu wünschen, dass ihre hart arbeitende Mutter, die sich mit zwei Jobs mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, mehr Zeit für sich hat und weniger arbeiten muss. Diese verpackt das Drehbuch behutsam ohne die Moralkeule plump zu schwingen. Für die gewisse Leichtigkeit eines weihnachtlichen Familienfilms sorgt die gut platzierte Situationskomik, die nicht nur den kleinen Zuschauern gefallen dürfte.

Fazit

Der Grinch mag nicht zu den innovativsten Neuauflagen bekannter Stoffe gehören, erzählt seine Geschichte aber locker und leicht in 90 Minuten. Wer Kinder zu bespaßen hat, kann sie beruhigt mit auf einen Ausflug ins verschneite, weihnachtlich geschmückte Whoville nehmen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Universal Pictures/ Illumination Entertainment
Der Grinch
Originaltitel:
The Grinch
Kinostart:
29.11.18
Regie:
Pete Candeland, Yarrow Cheney
Drehbuch:
Michael LeSieur, Tommy Swerdlow
Darsteller:
Benedict Cumberbatch
Mit Benedict Cumberbatch in der Sprechrolle des titelgebenden Griesgrams kommt nun erstmals eine computeranimierte Fassung von Der Grinch in die Kinos.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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