Kritik zu The House That Jack Built – Interpretationswürdig

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The House That Jack Built Still

Jack (Matt Dillon) ist ein Serienmörder: Innerhalb von zwölf Jahren bringt er rund sechzig Menschen um, größtenteils Frauen. Während er mit Mr. Verge (Bruno Ganz) in die Hölle hinabsteigt, lässt er fünf ganz besondere Morde Revue passieren und reflektiert mit seinem Begleiter über Kunst, Kultur und Serienkiller.

Spätestens seit Antichrist (2009) gilt Lars von Trier als eine Art Skandalregisseur, dessen Filme viel zu denken geben und bei manchen Zuschauern einen seltsamen Nachgeschmack hinterlassen. Selbstverständlich ist auch sein neuester Film The House That Jack Built auch von diesem Schlag – immerhin geht es um einen Serienmörder. Aus seiner Perspektive und daher mit einer Gänsehaut erzeugenden Kaltblütigkeit werden die Morde und Jacks Beweggründe geschildert. Alles begleitet von den Reflektionen über die künstlerische Gestaltung seiner Taten im Gespräch mit Mr. Verge. Angesichts mancher explizit gezeigten Gewalttaten und verstümmelter Leichen müssen Zuschauer einen starken Magen haben. Wie auch von Triers Filme zuvor will The House That Jack Built nicht unterhalten – trotz mancher absurd-komischer und sehr tiefschwarzhumoriger Szenen.

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The House That Jack Built Still

Nein, dieser Film will interpretiert werden, schließlich ist dies ein Kunstfilm. Da diese Seite aber hauptsächlich Unterhaltungsfilme thematisiert, kümmern wir uns mal nicht um den interpretationswürdigen Kunstkram und fragen nach, für wen und wie dieser Film geeignet sein kann. Allerdings: für eine ordentliche Kritik eignet er sich weniger, gerade weil er auf die üblichen Erzählstrukturen verzichtet, keinen wirklichen Spannungsbogen hat und allerhöchstens mit dem nicht uncharismatischen Jack über eine Hauptfigur verfügt. Die immerhin wird sehr organisch von Matt Dillon verkörpert. Über die zwölf Jahre macht Jack aber keine wirkliche Entwicklung durch. Selbst der Grund für seine Mordtaten – die Kontrolle über seine Zwangsneurosen – spielen nach dem zweiten Vorfall keine Rolle mehr. Wo dieser von einem Sauberkeitszwang besessener Mörder noch eine irgendwie interessante Geschichte mit einem spannenden Konflikt hätte hergeben können, da verliert The House That Jack Built diese Grundprämisse aus den Augen.

Wo erzählerisch an und für sich wenig geschieht und sich der Film eher auf den zunehmend dem Sadismus und Nihilismus zugewandten Jack konzentriert, kann zumindest die visuelle Gestaltung für Abwechslung sorgen. Die Szenen werden immer wieder von Archivaufnahmen und Bildern von Kunstwerken (hauptsächlich die surrealen Bilder von William Blake) unterbrochen, einmal untermalt eine Animation die Ausführungen von Jake. Zwar schafft das visuelle Abwechslung, für manche kann das aber auch dazu führen, völlig aus dem Film gerissen zu werden.

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The House That Jack Built Still

Der absurde, sehr schwarze Humor macht manche Szenen durchaus erträglich, aber der zu Tage tretende Sadismus von Jack lässt einen das Lachen im Hals gefrieren. Gewalt wird vielleicht nicht zelebriert, aber zumindest ins grotesk-absurde verzerrt. Es hilft, sich klar zu machen, dass die gezeigten Dinge nur Spezialeffekte sind. Trotzdem: The House That Jack Built ist brutal. Sowohl physisch wie psychisch. Natürlich: Die Psychospielchen, die Jack mit zumindest einem Opfer treibt, können Spannung erzeugen, aber gleichzeitig auch sensible Gemüter verletzen.

Die schauspielerische Qualität ist wie erwähnt hoch, aber neben Jack spielt kaum ein Charakter eine tragende Rolle und hat meist nur in bestimmten, meist zusammenhängenden Szenen einen Auftritt. Bruno Ganz, Uma Thurman und Riley Keough (Mad Max: Fury Road) haben wenig mehr als längere Cameos. Wer sich also auf ein Wiedersehen mit Uma Thurman freut, wird enttäuscht.

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The House That Jack Built Still

Schafft es der Film sein Ziel zu erfüllen, nämlich zu provozieren? Das ist wahrscheinlich abhängig vom Publikum. Insgesamt aber ist The House That Jack Built zu kryptisch in seinen Botschaften und gegen Ende wahrscheinlich auch zu sehr fixiert auf die persönlichen Dämonen seines Regisseurs Lars von Trier. Der nämlich scheint sich mit seinen Filmen seit Antichrist zunehmend selbst zu therapieren. Ob das auf Kosten des Publikums geschieht, muss jeder selbst entscheiden.

Fazit

Wer unterhalten werden will, sollte lieber irgendwas anderes schauen. Wer sich für künstlerisch anspruchsvolle Filme à la Lars von Trier interessiert, wird sich am Ende nicht über 153 Minuten vergeudete Lebenszeit ärgern. Alle anderen: Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen.

THE HOUSE THAT JACK BUILT | Trailer | HD | Offiziell | Kinostart: 29. November 2018

The House That Jack Built - Official US Trailer | HD | IFC Films

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