Fedcon 2019: Interview mit Star-Trek-Darsteller Shazad Latif

SPOILER

Dieses Jahr sind wir von Robots & Dragons für euch auf einer von Europas größten Science-Fiction Conventions: der FedCon. Neben den Panels und Vorträgen finden sowohl unsere Redakteure als auch die anwesenden Stars ein paar Minuten Zeit für ein paar Fragen. Wir haben die Gelegenheit genutzt!

Wir durften uns mit Shazad Latif zusammensetzen und ihm Fragen zu seiner Rolle als Voq und Ash Tyler in den beiden Staffeln von Star Trek Discovery stellen. Am Ende verrät Shazad Latif auch, wie es war, eine Rolle in der kommenden Dark-Crystal-Serie zu sprechen.

Robots & Dragons: What the Vuq happened to Tyler? Es gab ja einige Verwirrung, was genau mit Ash Tyler beziehungsweise Voq geschah.

Shazad Latif: (Lacht) So wie ich es verstanden habe, war es Voq, der diese Änderungen durchgemacht hat, der seine Knochen gerichtet hat und den Geist des Soldaten Ash Tyler in sich aufnahm, und so weiter. Es hat aber alle ein bisschen verwirrt, noch als wir gedreht haben. Die Autoren hatten da verschiedene Ideen. Auf mich kamen Leute zu und meinten "Ich glaube, das passiert auf diese und diese Art" und ich konnte nur sagen: "Ich hab keine Ahnung.“ (lacht) Am Anfang hieß es, wir machen es so, aber dann wurde es wieder geändert.

R&D: Gibt es eine bestimmte Schauspieltechnik, um sich auf so eine Rolle mit geteilter Persönlichkeit vorzubereiten?

Latif: Es ist ein bisschen so, als sondere man Bereiche seines Gehirns ab. In Fällen von Schizophrenie oder Posttraumatischer Belastungsstörung [nach dem englischen Begriff auch PTSD abgekürzt, die Red.] werden diese Hirnareale auch abgegrenzt. So ein bisschen machen wir das ja auch im normalen Leben, wir entscheiden, welche Seite von uns wir gerade zeigen, wir entscheiden uns, wie wir uns gegenüber unterschiedlichen Menschengruppen verhalten. Wir sind andere Leute, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben. Aber so richtig habe ich mich nicht damit beschäftigt, sondern mich eher darauf konzentriert, was die aktuelle Szene abverlangt, welche verrückte Sprache ich jetzt sprechen muss und so.

R&D: Es geht ja auch ein bisschen um PTSD mit diesem Charakter. Haben Sie da viel recherchiert?

Latif: Es ist eigentlich Ash Tylers Trauma, weniger "richtiges" PTSD, da musste sich der Charakter durcharbeiten, ergründen, um was es bei ihm geht. Aber ja, natürlich habe ich mich mit Trauma und PTSD auseinandergesetzt, Dokumentationen geschaut, in denen Betroffene gesprochen haben. Ich habe eine Sendung geschaut, da haben ein paar Leute nach ihren Vorfällen berichtet, und man merkte, dass sie nie hundertprozentig da waren, da war eine besondere Art von Ruhe, etwas ging hinter ihren Augen vor. Sie versuchen diesen Schmerz immer nahe bei sich zu behalten, versuchten gleichzeitig es aber stoisch irgendwie zu überdecken.

R&D: War die Sprache, also in diesem Fall Klingonisch, eine spezielle Hilfestellung, sich der Rolle anzunähern?

Latif: Mit Voq war es am einfachsten. Ich mochte es wirklich, als Voq zu spielen, denn das Klingonische hat diese Grenze geschaffen, zusammen mit der Maske und den Prothesen, das schafft eine richtige Barriere zwischen einem selbst und dem Publikum. Da ist man buchstäblich eine andere Person, das ist dann nicht Shazad darunter. Wohingegen man mit Tyler… da hat man zwar den amerikanischen Akzent, aber das erforderte mehr.

R&D: Ash Tyler hatte ja auch einige physische Szenen, Kämpfe und dergleichen. Wie sah Ihre Vorbereitung dazu aus?

Latif: Als Kind habe ich ein bisschen Karate gemacht, dann ein bisschen Shaolin, ich war besessen von Bruce Lee und seinen Filmen. Ich hab vorher schon Rollen gespielt, für die wir ein bisschen trainiert haben, aber hier [bei Discovery, die Red.] hatten wir so ein gutes Team, dass wir alle wussten, wir machen das jetzt an diesem Tag. Wir hatten nicht viel Zeit diese Kämpfe zu lernen, da lernt man sehr viel in nur einer Stunde und danach hat man Schmerzen, deshalb macht man da nicht wirklich viele Proben. Es ist bei einem Dreh alles in kleinen Stücken über den Tag verteilt. Man kann es gut mit einem Tanz vergleichen, bei dem man unverletzt rausgeht, wenn man ihn übt, wenn nicht… (lacht).

Shazad_Latif_Interview_1

Shazad Latif Interview

R&D: In Kombination mit dem Trauma und den Kampfszenen in Staffel 1: Ist Ash Tyler so etwas wie die Dekonstruktion eines Action-Helden?

Latif: Ja, absolut. Es langweilt mich zunehmend, diese typischen Sachen zu sehen, in denen der große Action-Held den Tag rettet, aber man schaut da nie hinter seine Fassade. Und das mochte ich an diesem Charakter Tyler, dass wir in diesen Kerl reingeschaut haben, der dachte, er mache da diese schrecklichen Sachen durch. Man sieht da seine emotionale Seite. Das sagte mir: Hey, schaut mal her, es sind so viele Kriege momentan im Gange, so viele Soldaten machen das durch, aber das scheint niemanden zu kümmern. Es war schön, das ein bisschen in den Vordergrund zu rücken, wie so etwas geschehen könnte… Im Weltraum! (lacht)

R&D: Diese Figur befindet sich ja auch in einem Kampf mit sich selbst, in einem Kampf mit seinem Traumer und mit seiner Liebe zu Burnham...  

Latif: Soldaten sind eine Art vergessenes Volk, da heißt es immer "Wir müssen das als Team machen, wir sind eine Familie" – und sobald sie aus der Armee sind, war‘s das.

R&D: Bevorzugen Sie eigentlich eher das Schauspielern für Filme oder eher Serien oder vielleicht sogar Theater?

Latif: Ich glaube, Serien und Filme wachsen immer mehr zusammen, weil für das Fernsehen immer besser produziert wird. Aber Filme sind meine Leidenschaft, das war mein Traum. Ich bin auch auf eine klassische Schauspielschule gegangen, aber danach habe ich nicht mehr am Theater gearbeitet, das hat sich einfach nicht ergeben. Ich würde schon gerne auf die Bühne, aber bisher gibt es da nicht viele Gelegenheiten. Es müsste auch ein Stück sein, das mich interessiert. Da ist es manchmal schwer, den Übergang [zwischen Film und Theater, die Red.] zu machen. Aber mein Herz schlägt für Filme, für künstlerische Filme, aber Serien, in denen Charaktere tief analysiert werden können, machen mir auch Spaß.

R&D: Gibt es einen bestimmten Regisseur, für den Sie arbeiten möchten?

Latif: Es gibt da einige. Der Regisseur der Nader und Simin – Eine Trennung gedreht hat, Asghar Farhadi, wäre jemand, ich liebe diesen Film, es ist mein absoluter Liebling. Dann wäre noch José Campanella, der In Ihren Augen gedreht hat, und auch Pedro Almodóvar… Und diese ganzen französischen Filme, Art House – ich spreche zwar keine der Sprachen – aber das wäre alles interessant.

R&D: Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Was ist eigentlich mit der Requisite des abgeschlagenen Kopfes von Ash Tyler passiert, den L' Rell dem klingonischen Rat präsentiert hat?

Latif: Irgendjemand hat das und benutzt es für ich-weiß-nicht-was, vielleicht eine Voodoo-Zeremonie, um mir Kopfschmerzen zu machen (lacht). Manchmal verlässt man das Set und am nächsten Tag ist alles weg.

R&D: Haben Sie denn irgendwas vom Set mitgenommen?

Latif: Ich habe jede Menge meiner Unterwäsche behalten. Ich habe ungefähr einen Jahresvorrat dieser Boxershorts. Jedes mal wenn ich reinkam, sagte ich: Leute, ich nehme die mit, die sind sehr bequem. Die bequemsten Boxershorts, die ich je getragen habe. Da waren die ziemlich genervt, weil ich sie immer mitgenommen habe.

R&D: Sie sind auch als Stimme in der neuen Dark-Crystal-Serie auf Netflix zu sehen. Können Sie uns etwas darüber erzählen?

Latif: Der Prozess ist ziemlich spannend. Wir dachten alle, wir gehen da rein und machen einfache Synchronaufnahmen. Aber man muss sich da an die Puppen anpassen, man muss da seine Darstellung anpassen. Das hat man nach zwei Stunden drauf, aber es ist trotzdem erst einmal komisch. Aber ich freue mich darauf, es zu sehen, das könnte groß werden, es gibt da eine große Fanbasis. Mein Charakter ist kein großer Teil dieser Serie, er taucht in einigen Folgen auf, aber es ist eine eher kleine Rolle, nämlich einer der Gelfinge, die lesen können. Er spielt Flöte, ist gern in der Natur, ein sehr sympathischer Charakter. Aber im Buch und in den Comics und all den anderen Materialien wird er zu einer eigenen Figur, also vielleicht kriegen wir das auch in der Serie hin.

R&D: Danke für das Gespräch!

Die FedCon findet vom 07.06. - bis 10.06.2019 im Maritim Hotel in Bonn statt. Wer in der Nähe hat, der kann vorbeischauen, Tagestickets sind noch erhältlich. Infos gibt es hier.

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