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Fedcon 2019: Interview mit Star-Trek- und Spock-Darsteller Ethan Peck

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Star Trek: Discovery

Neben den Besuch zahlreicher Panels und Vorträgen konnten Robots-and-Dragons-Redakteure Johannes Hahn und Stefan Turiak sich auch persönlich jeweils für ein paar Minuten mit einigen der anwesenden Stars unterhalten.

Wir durften uns unter anderem mit Ethan Peck zusammensetzen, der Mr. Spock in der 2. Staffel Star Trek: Discovery spielte. Er verriet uns, wie er sich auf diese ikonische Rolle vorbereitete, und wie es sich anfühlte, einer bereits eingespielten Discovery-Crew beizutreten.

Robots & Dragons: Waren Sie aufgeregt, als Sie den Anruf bekamen und erfuhren, dass Sie eine solch ikonische Science-Fiction-Figur mit einem so schweren Erbe spielen sollen?

Ethan Peck: (Lacht) Ja, es war allerdings eine Textnachricht, was eigentlich ziemlich ungewöhnlich ist. Normalerweise bekommt man einen Anruf von seinem Agenten oder Manager. Die Textnachricht stammte von einem der Casting-Verantwortlichen und besagte einfach nur: ”Willkommen an Bord, Mr. Spock!“ Das hat mich selbstverständlich erst einmal umgehauen. Ich war überwältigt, weil es sich potenziell um eine Rolle handelte, die mein gesamtes Leben verändern könnte. Und ich hatte sehr große Angst vor dieser großen Herausforderung und den Erwartungen, die mit damit verbunden waren, auch vor den Erwartungen der Fans. Es war mir sehr wichtig, dass ich meinen Job gut mache, ich hatte aber auch die ganze Zeit über das Gefühl, dass ich die Grenzen meiner Fähigkeiten erreiche. Eine solche Herausforderung wünscht man sich allerdings auch als Künstler und Schauspieler. Gleichzeitig war es sehr intensiv und furchteinflößend. Jetzt empfinde ich aber sehr viel Freude und Glück.   

R&D: Ist es wichtig, diese Verantwortung und die damit verbundene Belastung von sich zu schieben, um voll und ganz in die Rolle einzutauchen?  

Ethan Peck: Nein, ich denke nicht, dass das notwendig ist. Ich denke sogar, dass es die Erfahrung für mich als Schauspieler am Set erhebt und wertvoller macht. Wenn ich den Job auf die leichte Schulter nehmen würde, würde etwas Entscheidendes fehlen, eben weil es sich um eine so spezielle und ikonische Figur handelt. Diese Schwere der Verantwortung half sogar für die Dramatik, die wir auf dem Bildschirm erschaffen wollten, schließlich ist das gesamte Leben des Universums in Gefahr. Deswegen habe ich versucht, die Verantwortung zu nutzen.  

R&D: Also haben Sie diese Verantwortung eher akzeptiert und genutzt, anstatt sie von sich zu schieben.  

Ethan Peck: Es handelte sich im Grunde um einen sensiblen Balanceakt. Denn wenn ich etwas kreiere, möchte ich nicht unbedingt, dass es nur für andere Menschen existiert. Wenn ich versuche, stets den Erwartungen anderer Leute gerecht zu werden, dann handelt es sich nicht um meine eigene Kreation, sondern um eine Schöpfung, die nur aus Angst heraus entsteht. Und wenn ich Spock aus Angst heraus spielen würde, dann wäre er nicht authentisch. Deswegen habe ich mich für eine Weile zurückgezogen und mich auch von den Menschen Online isoliert. Innerhalb dieser kontrollierten Umgebung habe ich meine eigene Verantwortung und Ziele erforscht, aber ich konnte das nicht mit der Verantwortung vermischen, die andere mir durch andere Menschen auferlegt wurde.   

R&D: Haben Sie Mr. Nimoys Arbeit studiert oder hatten Sie vielleicht die Sorge, seine Performance einfach nur zu kopieren?

Ethan Peck: Ja, absolut. Ich habe mich mit Leonard Nimoy auseinandergesetzt, weil schließlich handelt es sich am Ende der 2. Staffel von Discovery um den Spock, den wir in der Originalserie treffen sollen. Das war das Licht am Ende des Tunnels. Während ich Szenen probte oder den Text für den Drehtag lernte, habe ich mich auch mit seinen Episoden beschäftigt und auf diese Weise sozusagen die Musikalität seines Spocks verinnerlicht. Ich habe sein Buch I’m not Spock von 1977 gelesen, was wirklich wichtig für mich war, weil mir bewusst wurde, dass wir die gleichen Entdeckungen gemacht haben. Das war wirklich wundervoll und erfüllte mich mit Ehrfurcht, weil wir stellenweise zu denselben Ideen und Konzepten bezüglich Spock gekommen sind.

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Ethan Peck

Allerdings musste ich Nimoy-Spock ab einem gewissen Zeitpunkt loslassen und verbrachte nicht mehr so viel Zeit mit ihm. Irgendwann fühlte es sich nämlich wie meine eigene Kreation an und ich wollte ihn nicht nur einfach imitieren, denn das war nie meine Intention. Ich wollte wirklich nur ein paar Dinge aufgreifen, die ich bei ihm beobachtet habe, und sie in meine eigene Darstellung integrieren. Es lief also wirklich mehr darauf hinaus, ihn und seine Entscheidungen als Schauspieler zu beobachten und dann diese Mechanismen für mich selbst herauszufinden. Ich weiß, das hört sich ein bisschen abstrakt an…    

R&D: Keineswegs. Sie wollen diese Rolle zwar vereinnahmen, aber haben gleichzeitig diese Ikone vor sich, die Sie würdigen und in Ihre Darstellung integrieren möchten…

Ethan Peck: Ja, ich wollte definitiv dem ursprünglichen Fürsorger dieser Figur gerecht werden. Denn es handelte sich um einen großartigen Fürsorger (lacht).

R&D: Können Sie uns etwas über die vulkanische Kampfkunst erzählen? Was war die Idee, die dahinter steckte, was waren die Einflüsse? Weil Sie haben ein paar actionreiche Kampfszenen.

Ethan Peck: Ich glaube, es handelt sich um eine Mischung verschiedener Kampfkunst-Stilrichtungen. Ich bringe diesen Stil aber am ehesten mit Jeet Kune Do in Verbindung, also die Kampfrichtung, die von Bruce Lee entwickelt wurde. Dieser Stil ist sehr pragmatisch angelegt, konzentriert sich vor allem auf das Nützliche innerhalb eines Kampfes und lässt alles andere außen vor.

R&D: Haben Sie schon zuvor Erfahrungen mit Kampfsport gemacht?

Ethan Peck: Ja, ich habe bereits als Kind viele Jahre Karate, Kickboxen und Boxen trainiert.

R&D: Wie war es, die anderen Besatzungsmitglieder kennenzulernen und als neues Mitglied Teil des Teams zu werden.

Ethan Peck: Es war wirklich sehr einschüchternd, weil es sich um eine so talentierte und illustre Besetzung handelt. Jeder einzelne von ihnen: Sonequa Martin Green ist unglaublich und ein Kraftpaket. Auch wenn sie weniger bekannt ist als die anderen, ist sie die Anführerin, denn sie kommt jeden Tag mit sehr viel Leidenschaft, Elan und Energie zur Arbeit. Und dann noch Anthony Rapp und Doug Jones… Alle sind so unglaublich talentiert. Aber sie waren alle gleichzeitig so warmherzig und einladend. Die Wahrheit ist, dass ich wahrscheinlich nie wieder eine vergleichbare Erfahrung haben werde, nämlich mit Schauspielern zusammenzuarbeiten, die so unterstützend und gütig sind und so leidenschaftlich zusammenarbeiten. Es war etwas ganz Besonderes.

R&D: Wir danken Ihnen für das Gespräch!