Fedcon 2019: Interview mit Cas Anvar aus The Expanse

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The Expanse Folge 5

Mit Cas Anvar (auf dem Bild links) durften wir einen weiteren Darsteller aus der Serie The Expanse auf der Fedcon interviewen. Der kanadische Schauspieler spielt in der Serie den Piloten der Rosinante, Alex Kamal.

Einen Tag vor unserem Interview gaben die Schauspieler der Serie ein Panel auf der Fedcon. Dort erzählte Anvar, dass er beim Casting seiner Rolle von Alex Kamal die Bitte um ein erneutes Vorsprechen ausgeschlagen hatte und darum bat, die Entscheidung nur aufgrund seines Bewerbungsvideos zu fällen. Er hatte das Gefühl, er konnte nicht besser sein als im besagten Video. Zwar habe er ein mulmiges Gefühl bei dieser Nachricht gehabt, aber das Risiko ging er ein. Über diesen Vorfall, Videospiele und die Macht Sozialer Medien haben wir mit ihm gesprochen.

Robots & Dragons: Bei der Eröffnungszeremonie sind Sie mit dem Smartphone filmend auf die Bühne gekommen. Wie wichtig sind Ihnen die Sozialen Medien?

Cas Anvar: Gute Frage, die hat mir noch keine gestellt. Ich konnte nie wirklich viel damit anfangen, für mich waren Soziale Medien angsteinflößend und gefährlich, weil jeder Mensch auf der Welt was immer sie wollen über jeden anderen sagen und so alle Arten von Chaos verursachen kann. Es gibt keine Art von Regulierung, daher ist es ein sehr furchterregendes Medium.
Nachdem das jetzt raus ist: Es ist auch unglaublich mächtig. Twitter verbreitete sich gerade dann, als die Bevölkerung des Iran ihre ersten freie Wahlen abhalten durfte, und so konnten sie trotz der Medienzensur ihre Nachrichten in die Welt schicken. Und niemand wusste, was während der Wahlen im Iran geschah, ob die Wahlen gefälscht wurden oder kriminelle Handlungen geschahen. Twitter umging damals alle Hürden und Firewalls. Die Leute sahen dann, was geschah.
Sie [die Sozialen Medien, die Red.] haben also die Möglichkeit, die Welt zu verändern. Ein paar brillante, wundervolle Menschen nutzen Twitter um die Welt zum Guten zu verändern. Ich bekam davon schnell viel mit, als unsere Serie abgesetzt wurde und die Fans mit der Macht der Sozialen Medien so viel Lärm machten, dass es jeder auf der Welt hörte, inklusive Amazon. Wir hatten viel Glück, dass Jeff Bezos, der Vorstandsvorsitzende von Amazon, ein Fan der Serie war und als wir begriffen hatten, was passierte, legten alle anderen schon los. Hätten wir nicht Twitter, Instagram usw. gehabt, hätte niemand wirklich von uns gewusst und wir wären wahrscheinlich verschwunden.
Weil also mein Job gerettet wurde – und ich war sehr engagiert bei der Rettet-The-Expanse-Kampagne, ich habe die Sozialen Medien wie verrückt genutzt – wurde ich wohl einer Art Feuertaufe unterzogen. Jetzt realisiere ich: Ich liebe diese Serie, ich liebe meinen Job, liebe, was ich mache. Ich denke nicht von Sozialen Medien als etwas für einzelne Individuen, die auf einer individuellen Ebene miteinander interagieren, sondern ich glaube es ist etwas für große Themen, große Statements, wichtige Botschaften. Wenn ich also etwas habe, von dem ich glaube, dass es viele Leute hören sollten, beschäftige ich mich [mit Sozialen Medien, die Red.]. Und die Fans lieben es, hinter die Kulissen zu schauen und sie interessieren sich für die Serie, aber auch dafür, wer diese Leute sind und was sie zwischen den Serien tun. "Ich kann nicht nach Deutschland reisen, ich kann nicht zur Fedcon, ich wünschte, ich wüsste, was da passiert". Und deshalb gehe ich auf die Bühne und zeige euch, was ich da sehe. Ich denke da aus der Perspektive der Fans, wie cool das wäre, so eine Con aus der Perspektive von Leuten wie William Shatner oder Leonard Nemoy zu sehen...

R&D: …Es kehrt sozusagen die Perspektive um…

Cas Anvar: … genau, und es macht die Schauspieler zu Menschen. Ich bin kein Fan davon, eine Ikone zu sein, idealisiert zu werden und von Menschen angehimmelt zu werden. Ich mag es, gut in meinem Job zu sein und eine freundliche, respektvolle Beziehung zu den Fans zu haben. Sie behandeln mich wie eine Person, aber sie mögen meine Arbeit. Genauso wie ich, wenn sie als Arzt oder Anwalt arbeiten und ich ihre Arbeit respektiere.

R&D: Wo wir bei der Arbeit sind: Auf dem Panel haben Sie erzählt, dass sie mit der Aufnahme ihres Vorsprechens für die Rolle von Alex Kamal aus The Expanse ein Risiko auf sich genommen haben. Diese Handlung hat ein wenig an ihren Charakter aus der Serie erinnert.

Cas Anvar: (lacht) Ja, stimmt. Ich teile viele Erfahrungen und Ansichten und Menschlichkeit mit Alex, seinen Zugang zu seinen Mitmenschen und wie er lebt und ja, da haben Sie recht. Wenn Alex an etwas glauben würde, wäre er auch dieses Risiko eingegangen. Ich bin solche Risiken zuvor eingegangen und hatte Pech. Das Universum wollte, dass das klappt und diesmal hat es funktioniert.

R&D: The Expanse versucht, möglichst nah an den bekannten wissenschaftlichen Fakten über Raumfahrt zu bleiben. Welche Recherchen haben Sie angestellt, um dies akkurat darstellen zu können, beispielsweise das richtige Fliegen eines Raumschiffs?

Cas Anvar: Diese Realitätsnähe war unglaublich wichtig für die Schöpfer und die Autoren der Serie, sie waren total darauf aus, alle Mythen über den Weltraum zu widerlegen, die wir alle so haben, wegen Science-Fiction, die ein falsches Bild des Alls zeigen. Sie wollten die Mythen über Schwerelosigkeit widerlegen, die Mythen über das Vakuum im Weltall, über Gravitation durch hohe Beschleunigung und all diese Sachen. Denn es gibt viele verrückte Sachen, die die Leute glauben, die gar nicht wahr sind.[…] Die Schiffe, zum Beispiel, sind senkrecht zur Beschleunigung gebaut. Oder dass man seinen Helm im Weltall nicht ausziehen kann, ohne, dass der Kopf explodiert. Das würde nicht passieren. Es ist ja nur der Druck von einer Atmosphäre [eine veraltete, physikalische Einheit, die Red.]. Wenn jemand in die Tiefsee hinabtaucht, ist der Druck wesentlich größer, als wenn man seinen Helm [im Weltraum, die Red.] abnimmt. Wir würden nicht explodieren. Wir würden ersticken – langsam –, der Sauerstoff würde aus dem Blut heraus kochen und wir würden langsam erfrieren.

R&D: Haben Sie das alles recherchiert?

Cas Anvar: Wir hatten großes Glück, dass unsere Autoren ein großes Interesse an der Wissenschaft haben. Was wir wirklich recherchiert haben, war zur Schwerelosigkeit. Wir haben ein bisschen Training in der Schwerelosigkeit gemacht, wir haben viele Videos gesehen, in denen auf der [Internationalen, die Red.] Raumstation Sachen in der Schwerelosigkeit gemacht wurden, wir haben mit ein, zwei Astronauten gesprochen, die uns beigebracht haben, wie wir uns im Weltall bewegen. Da haben wir auch den Mythos von Zeitlupenbewegungen in der Schwerelosigkeit widerlegt, denn so bewegt man sich nicht, man ist nicht unter Wasser.

R&D: Letzte Frage: In ihrer Twitter-Biografie schreiben Sie, sie sammeln Comics und seien „Gamer“. Wann und wie finden Sie Zeit, zu spielen und was spielen Sie dann?

Cas Anvar: Ach, ich habe leider nicht mehr soviel Zeit, wie ich möchte. Ich sammle seit meiner Kindheit Comic-Bücher, ich habe ungefähr 10 000 Comics zuhause. Ich war ein großer Superhelden-Fan: Marvel, DC, auch die neuen Comics, Valiants zum Beispiel.
Mein liebstes Videospiel ist The Last of Us. Ein tolles Spiel.

R&D: Also bevorzugen Sie mehr Spiele, die eine starke Handlung haben?

Cas Anvar: Ja, Rollenspiele, ich mag Rollenspiele. Weniger so First-Person-Shooter, die sprechen mich weniger an. Da bin ich wie Alex, er ist auch weniger ein Typ für First-Person-Shooter, obwohl er wahrscheinlich gut darin wäre. Ich bevorzuge mehr die Abenteuerspiele, das Rollenspiel, die Charaktere, die epischen Geschichten – ich liebe Fable, ich liebe Myst, all die tollen Geschichten. So wie The Last of Us. Ich freue mich sehr auf den zweiten Teil und ich habe mitbekommen, dass sie einen Film daraus machen.

R&D: Danke für das Gespräch!

The Expanse Season 1 Poster

Originaltitel: The Expanse (2015)
Erstaustrahlung am 23.11.2015
Darsteller: Thomas Jane (Josephus "Joe" Aloisus Miller), Steven Strait (James „Jim“ Holden), Cas Anvar (Alex Kamal), Dominique Tipper (Naomi Nagata), Wes Chatham (Amos Burton), Shawn Doyle (Sadavir Errinwright), Shohreh Aghdashloo (Chrisjen Avasarala), Frankie Adams (Roberta "Bobbie" W. Draper)
Produzenten: Broderick Johnson, Andrew Kosove, Sharon Hall, Sean Daniel, Jason F. Brown, Mark Fergus, Hawk Ostby, Naren Shankar
Basiert auf der gleichnamigen Romanreihe von Daniel Abraham & Ty Franck
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 24+


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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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