Jan Tenner: Ein neuer Anfang – Kritik zur Fortsetzung der 80er-Jahre-Hörspielserie

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Jan Tenner – Ein neuer Anfang

Grüne Riesenspinnen, Weltraumpflanzen, die außerirdischen Leonen, die Puppenkönigin Seytania, das Nichts, die niedlichen Ginnicks und immer wieder sein Erzfeind Professor Zweistein – der junge sportliche Physikstudent Jan Tenner hat in über vierzig Folgen jede Menge Gegner besiegt. Ab 1980 inszenierte Regisseur Ulli Herzog insgesamt 45 Hörspielkassette der Science-Fiction-Serie Jan Tenner.

Dann wurde es lange still um Jan, Laura, Professor Futura und General Forbett. Die letzte Episode "Zweisteins Rückkehr" war als Doppelfolge geplant. Die Serie wurde allerdings 1989 von Kiosk überraschend eingestellt. Erst im November 2000 erschien mit "Mimo, der Rächer" die Abschlussfolge der klassischen Jan-Tenner-Serie.

2001 gab es mit Jan Tenner – Die neue Dimension einen ersten Versuch, die Serie neu zu beleben – der Reboot wurde aber schnell wieder eingestellt. Nun setzt das Label R&B Company/Zauberstern Records in Zusammenarbeit mit Kiddinx die ursprünglichen Hörspiele nach 30 Jahren fort. Natürlich passt man die Geschichte den Umständen an und auch in der Folge "Ein neuer Anfang" gibt es einen Zeitsprung von 30 Jahren. Die Ereignisse von Jan Tenner – Die neue Dimension werden komplett ignoriert.

"Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass du sehr gefährlich lebst Jan Tenner."

Zunächst setzt die Handlung in Westland vier Jahre nach den Ereignissen der 46. Folge ein. Es waren vier friedliche Jahre für Jan Tenner und seine Freunde – keine feindliche außerirdische Macht und kein wahnsinniger Professor haben die Erde bedroht. Dann ist es ausgerechnet Professor Futura, der bei dem Versuch seine ehemalige Assistentin Tanja aus dem Kälteschlaf zu wecken, scheinbar selbst sein Institut in die Luft jagt.

Tanja kämpfte in den ersten drei klassischen Folgen an Jan Tenners Seite und wurde dann durch Laura ersetzt. Zu Beginn von "Gefahr aus dem All" wurde kurz erklärt, dass Professor Futura sie nach einem missglückten Experiment in den Kälteschlaf versetzen musste. In den nächsten 42 Folgen wurde Tanja dann nie wieder erwähnt. Somit ist es ein schöner Einstieg in die neuen Geschichten, dass die Macher diesen losen Handlungsstrang wieder aufgreifen.

Professor Futura, Tanja und der ebenfalls anwesende General Forbett sind seit der Explosion verschollen. Jan und Laura müssen ihr zukünftiges Leben ohne ihre Freunde verbringen. Sie bekommen zwei Kinder (Lara und Jan jr) und gründen den Orden des Futuras, der sich für Fortschritt und Frieden in der Welt einsetzt.

30 Jahre später tauchen Professor Futura, General Forbett und Tanja unter mysteriösen Umständen plötzlich wieder auf – und Futuras ehemalige Assistentin besitzt nun geheimnisvolle Kräfte. Ein Grund für Lara und General Forbett ihr mit äußerstem Misstrauen zu begegnen.

"Ich kämpfe mit Telekinese gegen sie, du mit den Fäusten."

Während die erste Folge die Rückkehr der drei vermissten Helden schildert, ist der zweite Teil eine klassische Monster-der-Woche-Folge, die sich um mutierte Würmer dreht. Erst in Episode 3 "Das Hirn des Bösen" betritt mit Dr. Benjamin Brain ein neuer Schurke die Bühne, der mit seinen Tiermutanten gleich das Institut von Professor Futura angreift. Jan Tenners alter Erzfeind wird erst in dem folgenden Teil "Gefangene in der Parallelwelt" wieder aktiv. Allerdings handelt es sich hierbei um die gute Version Professor Zweisteins von der Spiegelerde. Die wirkliche Gefahr geht von der unheimlichen Eishexe Cyrona aus.

Bevor Cyrona ihre Pläne umsetzen kann, schlägt in der fünften Folge der Rattenkönig zu und ruft so wieder Dr. Benjamin Brain auf den Plan. Leider erfährt man auch, dass mit einer baldigen Rückkehr des wahren Professor Zweisteins nicht zu rechnen ist. In der realen Welt sitzt er seit 30 Jahren im Hochsicherheitstrakt von Westland und ist mittlerweile an die 100 Jahre alt. Aber an neuen Gegner scheint es Jan Tenner und seinen Gefährten nicht zu mangeln.

"Was ist mit meiner Stimme, hat sie sich verändert?"

Jan Tenner und Laura werden wie vor 30 Jahren von Lutz Riedel (Synchronstimme von Timothy Dalton) und Marianne Groß (Synchronstimme von Phylicia Rashād) gesprochen. Neben den beiden ist von der Originalbesetzung nur noch Wilfried Herbst (Max Grodénchik in Star Trek: Deep Space Nine) als Computer Mimo zu hören.

Riedel hört man das Alter in der Stimme deutlich an, was besonders am Beginn von "Ein neuer Anfang" auffällt, wenn er noch einmal den jungen Helden verkörpern soll. Nach dem Zeitsprung spielt dies keine Rolle mehr, da nun auch Jan Tenner in Würde ergraut ist und die meiste Action seinem Sohn und Tanja überlässt.

Marianne Groß klingt hingegen noch genau wie vor 30 Jahren. Bei ihren Ausspruch "Ich habe jetzt noch Gänsehaut." fühlt man sich sofort in die klassische Serie zurückversetzt. Auch Wilfried Herbst ist älter geworden und als Hörer muss man sich an Mimo erst ein wenig gewöhnen oder der Sprecher muss sich in seine alte Rolle wieder einfinden – denn ab Folge 3 klingt Mimo wieder fast so quirlig wie früher.

"Halten sie den Mund General, halten sie ganz einfach den Mund!"

Da Klaus Nägelen und Heinz Giese verstorben sind, haben Professor Futura mit Kaspar Eichel (neue Synchronstimme von Robert Redford) und General Forbett mit Thomas Kästner (Synchronstimme von William B. Davis in Akte X) andere Sprecher bekommen. Eichel füllt die Rolle des Professor Futura sehr gut aus und kommt sehr nahe an die Darbietung von Nägelen heran – auch wenn man beim Hören Robert Redford vor Augen hat.

Kästner hat seinen General wie gewohnt militärisch, polternd und rechthaberisch angelegt. Er verleiht der Figur durchaus Leben, sie bleibt aber ein wenig eindimensional, weil ihr das Liebenswerte und der Witz fehlt, die Heinz Giese mit seiner Stimme hervorrufen konnte.

Am wenigsten fällt der Wechsel der Sprecherin bei Tanja auf. Christine Schnell hatte nur in drei Folgen zu Beginn ihren Auftritt, sodass ihre Stimme nicht richtig in Erinnerung geblieben ist und Olivia Büschken (Synchronstimme von Olivia Holt in Cloak & Dagger) sie gut ersetzen kann.

Auch beim Erzähler des Hörspiels hat es einen Wechsel gegeben. Die Aufgabe fällt nun Till Hagen (Synchronstimme von Clark Gregg) zu. Wie Ulli Herzog (Erzähler der klassischen Jan-Tenner-Serie) hört man ihm sehr gerne zu. Im direkten Vergleich schildert Hagen die Ereignisse ein wenig zu ruhig und gemütlich. Herzog ging bei den Beschreibungen von Actionszenen mehr mit und verlieh besonders der Anmoderation des Titels einen wunderbaren Trash-Charme.

In wiederkehrenden neuen Rollen sind Florian Clyde (Synchronstimme von Alden Ehrenreich) als Jan Tenner jr. und Sarah Riedel (Synchronstimme von Jaimie Alexander) als Lara zu hören.

Wie oben erwähnt gibt es ein Wiederhören mit Professor Zweistein, allerdings nicht mit seinem früheren Sprecher Klaus Miedel. Helmut Gauss (Synchronstimme von Samuel L. Jackson in Star Wars I-III) leiht den Superschurken nun seine Stimme und hat damit die wohl undankbarste Aufgabe der gesamten Besetzung. Gerade Miedels Darbietungen als Zweistein gehörten zu den Besten, was die alten Folgen zu bieten hatten. Daran reicht Gauss nicht heran – auch wenn man ihm zugutehalten muss, dass er bisher nur die positive Version auf der Parallelerde spielen durfte.

Aber mit Dr. Benjamin Brain gibt es einen neuen Schurken der von Hans Bayer (Synchronstimme von Vincent Price und Willem Dafoe) seht gut in Szene gesetzt wird. Ihm zur Seite steht Vera Bunk (Sprecherin in verschiedenen Geister-Schocker-Hörspielen) als seine Assistentin Tamara. Ab Folge vier ist dann noch Julia Kaufmann (Synchronstimme von Sonequa Martin-Green in Star Trek: Discovery) als Eishexe Cyrona zu hören.

Die Geschichten werden wieder von Kevin Hayes alias Horst Hoffmann verfasst, der bis auf die ersten sechs alle klassischen Folgen schrieb. Seine Ideen inszeniert nun Simeon Hrissomallis (Faith: the van Helsing Chronicles, Die Psi Akten). Die alte Titelmusik von Jutta Stahlberg wurde leicht modernisiert, besitzt aber immer noch einen großen Wiedererkennungswert. Leider kommen die neuen Musikstücke im Hörspiel nicht an Stahlbergs Originalsoundtrack heran.

Bei einer Neuauflage kann man nicht erwarten, dass alles so bleibt wie vor 30 Jahren. Lutz Riedel und Marianne Groß sind das große Bindeglied zwischen den alten und neuen Hörspielen. Man würde sich mehr gemeinsame Szene mit den beiden wünschen. Es macht aber auch Spaß, die neue Generation Jan jr., Lara und Tanja bei ihren Abenteuern zu begleiten.

"Ich schicke eine Eskorte, die den Weg hierher frei schießt."

Auf der diesjährigen Hörspielmesse Hörmich erklärte Simeon Hrissomallis während einer Podiumsdiskussion, er habe nicht die Absicht, Riedel und Groß im Laufe der Handlung durch die neuen Sprecher zu ersetzen. Sie sollen noch viele Folgen lang Teil der modernen Abenteuer bleiben. Das freut die alten Fans, ist aber auch ein Teil des Problems: Es gibt nun zu viele Helden. Waren es früher maximal vier Menschen plus Mimo, müssen nun acht Helden in den rund einstündigen Hörspielen untergebracht werden.

Gleiches gilt im Hinblick auf die Folge "Angriff des Rattenkönigs" für die Schurken. Es sind zu viele Fraktionen, welche die Handlung sehr unübersichtlich werden lassen. Früher war eine Jan-Tenner-Folge geradliniger. Dabei bieten gerade die Teile drei bis fünf die interessanteren Abenteuer mit Mutanten, Parallelwelten und neuen Gegnern. Schade, dass gerade sie durch die Auftritte zu vieler Figuren in zu kurzer Zeit sehr konfus geraten sind.

Die erste Folge hat hingegen das Problem zu Vieles erklären zu müssen und nie so richtig in Gang zu kommen. "Der lautlose Tod" macht vieles richtig – aber das etwas fade Grundkonzept reicht nur für eine mittelmäßige Geschichte. Somit legt die Neuauflage der Serie gleich zu Beginn einen recht holprigen Start hin.

"Hier, auf meiner Faust steht groß dein Name!"

Im direkten Vergleich gelingt es auch nicht, das Flair der klassischen Folgen aufleben zu lassen. Dies liegt nicht an den neuen Sprechern, sondern in erster Linie daran, wie die Geschichten inszeniert wurden. Es fehlt der Sense of Wonder, auch wenn mit Tiermenschen, Eishexen und Spiegelwelten viel aufgefahren wird. Zudem sind die neuen Folgen gewalttätiger. Früher gab es keine Toten oder gar aufgeschlitzte Leichen. Die Helden hätten auch keine Gegner in Gefahr zurückgelassen, wie in "Das Hirn des Bösen". Dass sie Zweistein damals auf der Suche nach dem Stein der Macht nicht dem Tod überließen, war schließlich eine der Prüfung auf dem Planet der 1000 Wunder.

Ein weiterer negativer Punkt ist die Interaktion der Figuren untereinander. Jan Tenner und seine Gefährten waren sich früher nicht immer grün, aber in manchen Moment der neuen Folgen glaubt man, die Freunde sind sich in tiefer gegenseitiger Abneigung verbunden. Gerade der geschilderte Umgang mit Frauen ist grenzwertig: Wenn Tanja schweigen soll hält Jan jr. ihr einfach den Mund zu. Stört seine Schwester Lara eine Diskussion, trägt er sich kurzerhand aus dem Raum. Ein Sympathieträger wird dieser neue Held so ganz sicher nicht.

Positiv fällt auf, dass die Macher langfristig planen. Obwohl jede Folge auch für sich alleine stehen kann, zeichnet sich deutlich ein fortlaufender Handlungsstrang ab. "Angriff der grünen Spinnen", die allererste Jan-Tenner-Folge war wahrlich kein Meisterwerk. Auch wenn es vorher vereinzelt sehr gute Folgen gab, erreichte die klassische Serie erst mit Folge 17 "Zweisteins Falle" und dem Beginn des Wettlaufs zum Planet der 1000 Wunder ihren Höhepunkt.

"Jan jr. ist inzwischen im gleichen Alter wie ich, als wir noch zusammen gegen grünen Spinnen gekämpft haben."

So sollte man auch dem Macher der Neuauflage noch ein wenig Zeit geben, ihre guten Handlungsansätze weiter zu entwickeln, um eine moderne Version für die Gegenwart zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass sie dabei die Vielzahl der Figuren besser in die Geschichte einbauen als bisher.

Fazit

Wer genau dasselbe Flair der klassischen Jan-Tenner-Folgen erwartet, wird enttäuscht werden. Beim Aufbau der Geschichte schlagen die Macher eigene Wege ein – die durchaus stringenter erzählt werden könnten. Auch wenn nicht alle neu besetzten Sprecher hundertprozentig an ihre Vorgänger heranreichen, liefern alle gute Arbeit ab. Und dank Lutz Riedel und Marianne Groß fühlt man sich dann doch in die Zukunftswelt der eigenen Kindheit zurückversetzt.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Kiddinx/ R&B Company /Zauberstern Records

JAN TENNER - Ein neuer Anfang (2019) | HÖRPROBE

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