DC-Comic-Kritik zu Superman 1, Suicide Squad 1 & Red Hood und die Outlaws 1

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Superman Comic

Der Tod von Superman war sicherlich eine der Comic-Geschichten, die das größte Medienecho weltweit, aber vor allem in den USA hervorgerufen hat. Der Held aller Helden gestorben? Getötet von einem riesigen, scheinbar unbesiegbaren Monster? Ja, das waren die Fragen, die Anfang der 90er-Jahre nicht nur langjährige Fans umtrieben. Der Mann, der den berühmten Kryptonier einst sterben ließ, war Dan Jurgens. Es versteht sich fast von selbst, dass sein Name spätestens ab diesem Tag so ziemlich jedem Popkulturbegeisterten dieses Jahrzehnts ein Begriff war.

Dass Geoff Johns 2016 ebendiesen Autor abermals mit einem der wichtigsten DC-Titel überhaupt betraute, war zwar längst nicht so spektakulär wie besagtes Event der Extraklasse, allerdings dennoch eine Entscheidung, die die Augen vieler Clark-Kent-Freunde leuchten ließ. Wissen muss man in diesem Kontext jedoch, dass die hierzulande unter Superman laufende Serie in Nordamerika unter Action Comics firmiert. Die US-Superman-Reihe, für die das Duo Peter J. Tomasi und Patrick Gleason verantwortlich zeichnete, wird in Deutschland in Form der sogenannten Superman Sonderbände herausgegeben.

Jurgens neuester Run startet vermeintlich mit viel Bekanntem, und im Vergleich zu den ersten Seiten der übrigen Titel mit einer neuen Nummer 1 (wie etwa Deathstroke, Green Lanterns oder Flash) wurde hier sehr viel Wert auf einen stimmigen und direkt ersichtlichen Übergang von der The-New-52- hin zur Rebirth-Ära (der auch schon einmal gesondert besprochen wurde) gelegt: Denn spätestens seit Die letzten Tage von Superman wissen Panel-Liebhaber, dass es den “alten“ Mann aus Stahl noch gibt, den der nicht mit Wonder Woman, sondern mit Lois Lane liiert ist und sogar einen Sohn mit ihr hat.

Dass abermals der Tod eines Superman im Fokus steht, dass Doomsday wieder eine Rolle spielt und dass sogar mehr als ein Mann mit einem “S“ auf der Brust benötigt wird, um die Welt vor ihrem sicheren Untergang zu bewahren, war alles schon einmal da. Trotzdem unterscheidet sich die Handlung dieses Paperbacks deutlich von den Ereignissen von vor über zwanzig Jahren. Dieser Umstand alleine würde diesen Band schon lesenswert machen, die Tatsache, dass er am Ende so viele Antworten schuldig bleibt, sogar noch mehr. Es liegt nicht auf der Hand, wie es weitergeht, und das ist schlicht erfrischend - und hat vor allem mit Lex Luthor zu tun.

Suicide Squad

Die stählerne Gruft

Das erste Suicide-Squad-Paperpack lässt sich in erster Linie als überaus bildgewaltig beschreiben. Kein Wunder, denn schließlich war es Altmeister Jim Lee, der den Inhalt der meisten Panels beisteuerte. Der Mann, der mittlerweile ein wichtiger Entscheidungsträger bei DC Comics ist, dürfte eine ganze Generation an Zeichnern nachhaltig inspiriert und womöglich sogar (indirekt) dazu animiert zu haben, zu versuchen, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Daher ist es auch kaum überraschend, dass Lee sich einer solch anspruchsvollen Aufgabe wie der Neuinterpretation des beliebtesten Selbstmordkommandos überhaupt angenommen hat.

Dieses besteht nämlich nicht nur aus vielen, sondern auch aus Figuren, die jeden Künstler in besonderem Maße fordern, weil es bei ihnen auf viele Details zu achten gilt. Allerdings wird man eben nur zu einer lebenden Legende, wenn man jederzeit dazu in der Lage ist, insbesondere solche Herausforderungen (spielend) zu meistern. Ob Killer Crock/Waylon Jones, Deadshot/Floyd Lawton, Captain Boomerang/George “Digger“ Harkness, Echantress/June Moone oder Harley Quinn/Dr. Harleen Quinzel, sie alle haben von wenigen Ausnahmen abgesehen selten so gut ausgesehen.

Zu behaupten, dass das von Rob Williams erdachte Auftaktabenteuer qualitativ nicht mit der Bebilderung Lees mithalten könne, wäre jedoch definitiv verfrüht, denn keine Rebirth-Serie gönnt sich eine derart ausufernde Origin-Story-Phase, in der die Task-Force-X-Mitglieder nacheinander vorgestellt werden. Ebenfalls erfährt man viel über die Leiterin des Geheimprogramms Amanda Waller, die Katana/Tatsu Yamashiro und Rick Flag ausgewählt hat, diese Spezialeinheit der etwas anderen Art zu führen.

Im Prinzip erinnert Die dunkle Gruft in Bezug auf den Aufbau ziemlich an den sehr kontrovers diskutierten Film aus dem Jahre 2016, und die Zusammenstellung des Teams entspricht sogar beinahe exakt der des Leinwandablegers. Dieser Logik folgend müsste in absehbarer Zeit eine weitere Umbesetzung stattfinden, da James Gunns The Suicide Squad angeblich einige neue Charaktere mit der berüchtigten Bombe im Kopf, die im Fall der Fälle aktiviert werden kann, setzen wird.

Ob die oben aufgezählten Antihelden wirklich brillieren können, hängt primär von ihren ersten echten Abenteuern ab, von dem sich dann endgültig herauskristallisierenden Ton der Reihe sowie - natürlich - von der Chemie der (Ex-)Schurken untereinander. Es gibt Anzeichen, die hoffnungsfroh stimmen, bei Team-Serien besteht aber auch gleichzeitig immer die Gefahr, bestimmte Protagonisten zu vernachlässigen und andere zu dominant zu platzieren. Daher: Abwarten!

Red Hood und die Outlaws

Dunkles Bündnis

Es gibt wohl kaum ein Kostüm, das im DC-Kosmos so häufig seinen Besitzer gewechselt hat wie das von Robin - würde man auch noch Geschichten berücksichtigen, die nicht oder nur ansatzweise Teil des Kanons sind, wären es sogar noch mehr. Damian Wayne trägt es aktuell im wiedergeborenen DC-Universum, und vor dem leiblichen Sohn des Dunklen Ritters kämpften Tim Drake, Stephanie Brown, Dick Grayson und Jason Todd an dessen Seite.

Letzterer ist mittlerweile als Red Hood nachts in den Straßen von Gotham unterwegs, und trägt den Helm, den, wenn man etwa die Handlung von The Killing Joke zugrunde legt, einst der Joker getragen hat. Und der Clown Prince of Crime wiederum war es auch, der den zweiten Ziehsohn von Bruce Wayne in Ein Todesfall in der Familie getötet hat. In den USA konnten die Fans seinerzeit im Übrigen darüber abstimmen, ob Jason sterben oder leben sollte. Eine knappe Mehrheit sprach sich für Variante eins aus, und machten die Geschichte dadurch vermutlich erst zu einem modernen Klassiker.

Aber da man in der Welt der Sprechblasen selten so ganz stirbt, war auch dieser Tod nicht von Dauer - der Lazarusgrube sei Dank. Wer nun allerdings glaubt, dass man ein solches Erlebnis einfach abschütteln kann, der irrt. Dass Autor Scott Lobdell diese tragische Episode aus dem Leben des Protagonisten mehrfach und auf höchst unterschiedliche Weise thematisiert, ermöglicht es Neueinsteigern, den (Anti-)Helden schneller kennenlernen zu können. Und für die Treuesten der Treuen ist es interessant, zu sehen, wie der einstige Junge von der Straße noch immer mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Erfahrungen machen uns schließlich zu dem, der wir sind. Und diese erklärt, warum er nicht den Optimismus in sich trägt, der so typisch für seinen Boy-Wonder-Vorgänger und heutigen Nightwing Dick Grayson ist.

Die größte Stärke der Serie ist deswegen auch zweifelsohne ihre Hauptfigur. Es ist regelrecht erfrischend, ihn in Aktion zu sehen, und wieder und wieder daran erinnert zu werden, dass Jason Todd nach wie vor unsicher und mit sich noch nicht gänzlich im Reinen ist. Während er innerlich alles unternimmt, um dies zu ändern, wird er jedoch auch im “echten Leben“ enorm gefordert. Er versucht zum Beispiel, Black Masks Imperium von innen zu zerstören.

Dabei trifft er auf die Amazone Artemis, die ihm, obwohl es zu Beginn so gar nicht danach aussieht, eine wirklich gute Partnerin werden sollte. Und damit nicht genug: Bizarro, der bekannteste aller Superman-Klone, stößt ebenfalls zu dem Duo, das ab diesem Moment ein Trio war, die “Dark Trinitiy“ - in Anlehnung an die echte Trinity, bestehend aus Superman, Batman und Wonder Woman.

Gemeinsam bilden sie wohl eines der unkonventionellsten, aber gleichzeitig auch schlagkräftigsten Teams, das sich in der Folge sogar mehrfach aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreit. Unter anderem dadurch wachsen die drei mit jeder der 280 Seiten etwas mehr zusammen. Dies als Leser mitzuerleben, sorgt natürlich erstens dafür, dass man zügig inmitten des Geschehens ist und außerdem leicht mit den "Outlaws“ sympathisieren kann. Und obwohl die präsentierten Abenteuer nicht übermäßig komplex sind, lassen sie sich sehr gut lesen, und die primär auf Dexter Soy zurückgehenden Zeichnungen bestechen durch ihren Detailreichtum und die Sogwirkung, die sie entfalten. Man will nicht nur wissen, wie es weitergeht, man will es ebenfalls sehen, und das ist wohl eines der größten Komplimente, das man einem Künstler machen kann.

Fazit

Superman 1, Suicide Squade 1 und Red Hood und die Outlaws 1 sind gute Beispiele für die Vielfalt an Titeln, die DC herausbringt. Denn die Autoren aller drei verfolgen einen völlig eigenen Ansatz, wie sie mit dem Thema “Comic-Universums-Wiedergeburt“ umgehen und inwiefern sie es in ihre Geschichten einfließen lassen wollen.

Dennoch erscheint auf den ersten Blick Der Pfad zur Verdammnis der vielversprechendste Neustart zu sein, da sich hier nicht nur am deutlichsten eine Handlung regelrecht entfaltet, sondern ebenso aufgrund der am interessantesten angelegten Charaktere.

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zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

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