Spoiler-Kritik zu Star Wars - Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

SPOILER

Nachdem wir bereits am Mittwoch eine Kritik zu Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers veröffentlicht haben, wollen wir uns jetzt noch einmal etwas stärker mit der Geschichte beschäftigen. Dabei nehmen wir absolut keine Rücksicht auf Spoiler, alle, die den Film noch nicht gesehen haben, sind also gewarnt. Zudem könnte es etwas persönlicher als üblich werden, wem das nicht gefällt, der ist vielleicht ebenfalls woanders besser aufgehoben.

Nach dem Ende der Pressevorführung am Dienstag ging ich eigentlich mit einem sehr guten Gefühl aus dem Kinosaal. Dies änderte sich dann über nach und nach auf der Heimfahrt, je mehr Gedanken ich mir über den Film machte. Das Problem an Episode IX ist, dass der Film leider in die Sparte fällt, die man nur vollkommen genießen kann, wenn man sein Hirn ausschaltet. In dem Moment, in dem der Zuschauer beginnt darüber nachzudenken, was genau da auf der Leinwand passiert, wird es problematisch.

Nur ein Beispiel von vielen ist die Flotte von Palpatine. Selbst wenn man Fragen wie "Wer genau hat denn diese Flotte gebaut und vor allem wie und wo?", "Woher kommen die ganzen Menschen, um sie zu bemannen?" oder "Woher stammen die Ressourcen für den Bau?" außer Acht lässt, sind da immer noch Fragen wie "Wieso können die Schiffe nicht selbstständig in den Orbit fliegen", "Warum kann ein einziges kleines Raumschiff mit einem Angriff auf die große Kanone das gesamte Schiff zerstören?" und "Wieso wurden die Schiffe nicht ohnehin gleich im Weltraum geparkt (schließlich soll ja niemand in der Lage sein, den Sith-Planeten überhaupt zu erreichen)?".

Das alles mag jetzt wie Erbsenzählerei klingen, es ist aber auch nur ein Beispiel von vielen. Immer wieder geben die Figuren im Film irgendwelche Erklärungen in die Kamera ab, die man als Zuschauer einfach so hinzunehmen hat. Generell neigt ja J.J. Abrams zu dieser Art des Erzählens. Dinge werden laut Drehbuch behauptet, die nun mal so sind, damit die Geschichte weitergehen kann. Logik und Nachvollziehbarkeit sind zweitrangig.

Und ja, ich höre die Hirn-aus-Fraktion an dieser Stelle bereits wieder sagen: "Aber ich will doch nicht nachdenken im Kino. Ich möchte einfach nur meinen Spaß haben." Und das ist ja auch gut und schön, aber Star Wars sollte nun einmal nicht Transformers sein. Klar gibt es auch bei den alten Filmen immer wieder Dinge, über die man hinwegschauen muss. Trotzdem ist es in keinem Film so massiv problematisch wie in Der Aufstieg Skywalkers. Und niemand wird in Abrede stellen, dass die originalen Filme unterhaltsam sind und Spaß machen, ohne dass man vorher seinen Kopf auf Durchzug geschaltet hat. Eine halbwegs logische Geschichte und gute Unterhaltung sind keine Konzepte, die sich gegenseitig ausschließen.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Die Rückkehr Palpatines

Besonders schwierig ist dieses "Das ist nun mal so, lebe damit!" direkt zu Beginn des Films. Klar, Palpatine plötzlich zurückzubringen, ist keine einfache Aufgabe. Es aber tatsächlich im Lauftext machen und dann in den ersten fünf Minuten abzuhandeln, ist kein gutes Geschichtenerzählen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass J.J. Abrams nur beschränkt Zeit hatte, ist die Lösung sehr dünn. Man stelle sich nur einmal vor, Harry Potter hätte im Kino Band 4 übersprungen und wäre direkt zu Band 5 übergangen. Statt die Rückkehr zu von Voldemort zu zeigen, wäre sie am Anfang von Der Orden des Phönix in einem Zeitungsartikel angekündigt worden. In etwa so fühlt sich die Rückkehr von Palpatine an.

Es stellt sich auch die Frage, warum dies überhaupt im Vorfeld enthüllt werden musste. Seit Episode VII betreibt Lucasfilm eine unglaubliche Geheimhaltungspolitik um jeden Film. Und ausgerechnet hier wird sie gebrochen? Warum? Gab es die Hoffnung, dass man durch die Ankündigung ein paar verprellte Fans doch noch dazu bewegen kann, ein Ticket zu kaufen? Am Ende ist diese Art der Lösung in jedem Falle die gefühlt schlechteste, die man sich vorstellen kann.

Die emotionale Ebene funktioniert

Bevor dieser Text aber in einem Rant ausartet, wollen wir an dieser Stelle auf ein paar Dinge eingehen, die tatsächlich richtig gut waren. Denn Episode IX ist trotz der ganzen hier betriebenen Kritik kein Totalausfall oder gar ein schlechter Film, er ist nur wie die gesamte Trilogie einfach sehr frustrierend, weil man das Potenzial sieht, das vorhanden gewesen wäre.

So problematisch die Logik in Der Aufstieg Skywalkers ist, auf emotionaler Ebene funktioniert der Film richtig gut. Als Fan bekommt man doch ein paar mal Gänsehaut, und das Schicksal der Figuren lässt einen auch nicht unberührt. Meine persönlichen Highlights waren der Kampf am alten Todesstern und natürlich das Finale zwischen Palpatine, Rey und Ben. Vor allem Adam Driver ist in seinen Szenen richtig stark und trägt gemeinsam mit Daisy Ridley die wichtigsten Momente des Films.

Auch seine Abkehr von der dunklen Seite inklusive des Kurzauftritts von Han Solo sind absolut stimmig und schlagen einen schönen Bogen zu Episode VII. Leider wirkt sich der frühe Tod von Carrie Fisher an dieser Stelle dann doch etwas stärker aus, da Leia hier vermutlich eine größere Rolle gespielt hätte. So gab es nie ein wirkliches Aufeinandertreffen zwischen ihr und Ben. Dafür läuft Adam Driver anschließend zur Höchstform auf. Nach seiner Abkehr von der dunklen Seite spricht Ben im gesamten Film nur noch ein einziges Wort und trotzdem schafft es der Darsteller mit seiner Präsenz, dass einem diese Tatsache beim ersten Anschauen kaum auffallen dürfte.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Etwas mehr Mut

Dass es Episode IX trotz seiner Emotionalität nur zu einem guten Film schafft, liegt auch daran, dass J.J. Abrams sehr auf Nummer sicher geht. Nach den harschen Reaktionen, die Episode VIII bekommen hat, wirkt der Nachfolger extrem rundgeschliffen, und man bekommt das Gefühl, dass er ja keine Kanten haben soll. Trotz der vielen Kritik, die Rian Johnson für Die letzten Jedi einstecken musste, ist sein Film doch der mutigere. Das mag sich am Ende nicht ausgezahlt haben, trotzdem ist es schade, dass man bei Episode IX nun jeglichen Mut vermissen lässt.

Ein gutes Beispiel ist dabei das Thema fehlende Konsequenz. Ein einziges Mal hat es Episode IX geschafft, dass ich wirklich geschockt im Kinosessel saß und dies war der Moment, an dem Chewie scheinbar starb. Leider gibt es keine zehn Minuten später die Rolle rückwärts mit einem "Ach nein doch nicht", der langweiligsten Sorte. Und klar der Tod von Chewie wäre für die Fans bitter gewesen, aber er hätte für Reys Charakter echte Konsequenzen gehabt. So bleibt nur ein kurzer Schocker, der die Zuschauer wie die Figuren in die Irre führt.

Gleiches lässt sich auch bei C-3PO sagen. Auch hier wird zunächst ein moralisches Problem für die Helden aufgebaut, das am Ende aber keines ist. Wäre es nicht ein viel emotionalere Geschichte, wenn der Droide selbst seine Freunde davon überzeugt, das Opfer zu bringen, ohne dass es einen Weg zurück gibt? Anstatt die Erinnerungen einfach wiederherzustellen, hätte es stattdessen eine Szene zum Abschluss geben können, in der R2D2 einfach seinem Freund von ihren gemeinsamen Abenteuern erzählt und ihm so vor Augen führt, warum sie beste Freunde waren. Stattdessen verliert der goldene Droide einfach nur ein paar Stunden seines Lebens, was auch dessen "letzten Blick auf Freunde"-Moment später wieder die Bedeutung nimmt.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Noch etwas epischer

Das Finale kann dann aber wieder über weite Strecken überzeugen und bietet eine gute Mischung aus Weltraum-Action und dem intensiven Kampf von Rey und Ben gegen den Imperator. Klar, das erinnert dann in Momenten auch wieder an Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Aber mal ehrlich, Ähnlichkeiten zu der Original-Trilogie zu kritisieren, macht heute auch keinen Unterschied mehr.

Zwei besonders starke Momente sind die Ankunft der galaktischen Flotte und die Stimmen der Jedi. In beiden Fällen wäre aber noch etwas mehr Epik drin gewesen. Im Falle der Flotte fehlt leider etwas der Bezugspunkt. Als Zuschauer sieht man viele Raumschiffe, die abgesehen von einer Handvoll Personen aber nur von Unbekannten gesteuert werden. Avengers: Endgame gelingt dieser Moment beispielsweise viel besser, einfach weil der Zuschauer genau weiß, wer da alles zur Hilfe kommt. Zugegeben Marvel hatte deutlich mehr Filme, um dies aufzubauen, trotzdem kann man der neuen Trilogie vorwerfen, dass sie ihre Geschichte oft sehr fokussiert auf einen kleinen Personenkreis erzählt hat, während die Galaxie selbst immer nur peripher eine Rolle spielte.

Auch die finale Konfrontation hätte für mich noch etwas epischer ausfallen können, wenn man die ganze Jedi-Stimmen (was zugegeben sehr cool war) nicht nur gehört, sondern ihre Sprecher auch tatsächlich gesehen hätte. Wenn Rey ihre Zeilen spricht und plötzlich hinter ihr die Geister unzähliger Jedi von Luke, über Obi-Wan und Anakin bis hin zu Mace Windu und den Kämpfern der alten Republik stehen, ist ein beeindruckendes Bild garantiert. Und da die Macht in Episode IX ohnehin immer exakt so funktioniert, wie das Drehbuch es gerade benötigt, hätte man das auch schon irgendwie erklären können.

Apropos Machtgeister: Meiner Meinung nach hätte Rey am Ende die gesamte Skywalker-Familie erscheinen sollen. Was auch mehr zu der Tatsache passt, dass sie ja deren Namen annimmt. Leider zeigt sich hier wieder ein Fanservice der wenigen guten Art. So spart die neuen Trilogie konsequent alles aus, was in den Prequels passiert ist. Getreu nach dem Motto "Die Fans mögen es nicht, darum ignorieren wir es". (Schauen wir mal wie Lucasfilm in zehn Jahren mit Episode VII bis IX umgeht.) Das zeigt sich beispielsweise auch daran, dass in allen drei Filme gefühlt nicht ein einziges Mal der Name Anakin gefallen ist. Gerade weil Der Aufstieg Skywalkers ja aber als Abschluss aller neun Filme gedacht ist, wäre es schön gewesen, auch alle Mitglieder der Familie ein letztes Mal zu sehen.

Fazit

Auch wenn die Kritik teilweise sehr negativ klingen mag, Episode IX macht tatsächlich viele Dinge richtig. Leider lässt der Film aber auch eine Menge liegen und reiht sich damit wiederum perfekt in die neue Trilogie ein. Am Ende bleibt ein guter Film, der einen Dreiteiler voller verpasster Chancen und Möglichkeiten abschließt.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Lucasfilm
Star Wars - Der Aufstieg Skywalkers
Originaltitel:
Star Wars: The Rise of Skywalker
Kinostart:
18.12.19
Regie:
J.J. Abrams
Drehbuch:
J.J. Abrams, Chris Terrio
Darsteller:
Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Lupita Nyong’o, Kelly Marie Tran, Joonas Suotamo, Billie Lourd, Mark Hamill, Carrie Fisher, Anthony Daniels, Billy Dee Williams, Keri Russell, Richard E. Grant
Der abschließende Teil der dritten Star-Wars-Trilogie.

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