Red Skin Band 2: Jacky

Red Skin 2 Jenny, Titelbild, Rezension
Xavier Dorison & Terry Dodson

Xavier Dorison und sein von verschiedenen amerikanischen Serien bekannter Zeichner Terry Dodson haben sich endgültig mit dem zweiten Band der „Red Skin“ Serie als Peter David Fans entpuppt.  Wer erinnert sich nicht an das grandiose Titelbild von „She Hulk“ 1, auf dem die üppige grüne Braut die Leser direkt angesprochen und mit einer ultimativen Vernichtung der „X- Men“ Sammlung gedroht hat?

In „Red Skin“ Band 2 fasst die sowjetische Agentin mit der Mission, eine amerikanische Superheldin zu werden, Vera Jelnikowa den Inhalt des ersten Albums gleich auf den ersten beiden Seiten der neuen Geschichte pointiert zusammen. So effektiv, dass der Leser den teilweise bissigen Humor auf den „American Way of Life“ in jeder Zeile erkennen kann.

Während die erste Geschichte vor allem eine sehr gute Persiflage auf die unzähligen Agentengeschichten mit ihren doppelten Geheimnissen gewesen ist, geht das zweite Album sogar in politischer Hinsicht einen Schritt weiter.  Xavier Dorison nimmt vor allem nicht nur die grotesk übertriebene Härte eines Mark Millars auf die Schippe, sondern zusammen mit seinem Zeichner versucht er Frank Millers Epen hinsichtlich surrealistisch erscheinender Gewalt zu übertreffen.  

Die Grundgeschichte aus dem ersten Album wird fortgeschrieben.  Red Skin kämpft gegen den von einer erzkonservativen Predigerin unterstützten Zimmermann, eine Art Scarecrow dieses Universums.  Der Kampf ist vor allem durch Einbindung des schwangeren Opfers intensiv und spannend.  

Der „Tod“ des Zimmermanns und seine Wiederauferstehung erinnern an Frankenstein.  Der Autor nimmt nach Abschluss der anfänglichen Auseinandersetzung sehr viel Dynamik aus seinem Spannungsbogen, um parodistische Konzepte weiter zu entwickeln. Diese Vorgehensweise ist nur bedingt opportun, weil als Übergang zum noch zu publizierenden dritten Album dann wieder auf die bevorstehende Wahl in den USA, die SALT Verhandlungen unter Jimmy Carter aus dem Jahr 1979 und den intellektuellen Rechtsruck in den USA hingewiesen wird. Die Idee, einen großen Handlungsbogen zu spannen, ist grundsätzlich nicht schlecht, wirkt aber hinsichtlich der vom Leser keine Sekunde ernst zu nehmenden Gegenmaßnahmen – ein Porno im Kino als Propagandawerkzeug? – auch stark konstruiert.

Viel interessanter sind weiterhin die persönlichen Aspekte der vorliegenden ungewöhnlichen Superhelden/ Agenten Parodie.

Da wären weiterhin die in mehrfacher Hinsicht auch von den „Danger Girls“ inspirierten Anpassungsprobleme. Als Tarnung soll Vera Jelnikowa  ja einem Pornoproduzenten, der durch einen gebrochenen Arm gehandicapt ist, den Haushalt führen und als Chauffeur dienen. Die Versuche, eine Waschmaschine zu bedienen, enden in der üblichen Katastrophe. An den amerikanischen Lebensstil mit der Übersättigung – beginnend bei Burgern und im Supermarkt endend – kann sie sich nicht gewöhnen. Voller Heimweh ruft sie sogar in der Heimat an.  

Sex sieht sie als freizügige körperliche Ertüchtigung an. Sie geht pragmatisch an die Sache heran. Die Szene mit dem Pornodarsteller und dem Hand bzw. Mund anlegen ragt hier aus der Masse der ansonsten eher ein wenig kindisch naiven Implikationen positiv heraus. Obwohl sie die übertriebenen Kurven eines Pin Ups aufweist, entwickeln Dodson und Dorison ihre Figur auf dieser von Vorurteilen absichtlich ausgeprägten Prämisse basierend als intelligente, verbal schlagkräftige und vor allem auch emotional überzeugende Figur kontinuierlich in einem direkten Vergleich der beiden bisher veröffentlichten Alben weiter. Dabei erinnert allerdings ihre pragmatische, teilweise selbstironische Haltung gegenüber Allem ebenfalls an Peter David und die ersten "She- Hulk" Abenteuer.

Zu den weiteren eher lustigen Höhepunkten gehört ihre weitere Etablierung als amerikanischer Superheldin mit dem Hintergrund eines Propagandainstruments der Russen. Sie holt sich Bildungslektüre in einem Comic Shop, wobei sie auf den Hollywood Buchstaben sitzend die einzelnen Comicserien herrlich kritisiert und inhaltlich auseinandernimmt. Es sind ja immer noch die siebziger Jahre, in denen Superhelden gerade begannen, wieder die große Leinwand mit Richard Donners „Superman“ zu erobern. Ansonsten gab es ja im Fernsehen sowohl den „Incredible Hulk“ als auch „Spider Man“.  Und die Comics entsprachen dem Niveau. Frank Miller ist noch weit entfernt und die "Red Skin" Macher ordnen die Entwicklung der Comics sehr gut ihrer Zeitachse unter. 

Anschließend muss und will sie sich mit überdrehten Aktionen als Superhelden etablieren, wobei sie immer wieder mit opportunistischer Gewalt und flotten Sprüchen natürlich über das Ziel hinausschießt. Aus heutiger Sicht wäre sie nur eine weitere der durch gedrehten Superhelden, die inzwischen unzählige Comics und wie angesprochen die Leinwand bevölkern. Aber  Dodson und Dorison kennen ihre Vorlagen. Alleine der „Punisher“ ist bislang aus dem Superhelden Rahmen gefallen. Und genau diesem Weg folgt die neue Superheldin.  Das alles in einer „Katastrophe“ gipfelt – wobei hier der Bogenschlag zum Porno wieder überzogen und nicht ernst zu nehmen erscheint – ist Pflichtprogramm.

Anfänglich wirkten die Pornoidee und der lockere Umgang mit Sex im Kino, aber nicht der Gesellschaft unterhaltsam. Das prüde Amerika und die Regenmantelbrigade als Kämpfer gegen Fanatismus und moderne Hexenjagd. In diesem zweiten Album sind einzelne Handlungsteile sehr stark konstruiert worden. Die Dreharbeiten am neuen Pornoklassiker „Die Farm“. Ihnen wird der Drehort gekündigt. Also müssen sie sich eine Farm suchen. Das mickrige Budget – von einem texanischen Geschäftsmann aufgerundet – reicht weder für Sets noch Filmmaterial noch Komparsen. Das man aber ausgerechnet in einer der erzkonservativen Hochburgen nach Freiwilligen sucht, ist in Hinblick auf die vorläufig finale Konfrontation in diesem Album eher konstruiert als überzeugend entwickelt.

Vielleicht ist der politische Hintergrund mit dem Kalten Krieg vor allem im vorliegenden zweiten Album zu wenig nachhaltig entwickelt worden. Die exzentrische Lebensgemeinschaft Hollywoods wirkt wie ein Fremdkörper angesichts der globalen Bedrohungen, der beginnenden Ostermärsche und schließlich den verschiedenen Stellvertreterkriegen. In diesem Punkt sprechen die beiden Macher vor allem eine „ältere“ Lesergeneration an, die wahrscheinlich wie die drei Nerds im Comicshop ihre pickelige Jugend in diesen Läden und mit den bunten, aber im Grunde sexuell harmlosen Comics verbracht haben.

Natürlich ziehen "Kulturschockfilme" oder Comics auch heute noch. Aber vor allem Ende der siebziger Jahre bis in die achtziger Jahre hinein setzte sich Hollywood im Allgemeinen – siehe „Red Heat“, „Prinz aus Zamunda“ – oder Australien im Besonderen – „Crocodile Dundee“ – mit diesem Thema immer wieder gerne auseinander. In dieser Tradition muss auch „Red Skin“ positiv gesehen werden.  Wie Crocodile Dundee oder Eddie Murphy geht es um die menschlichen Fische, die sich mit Bauernschläue, Intuition und vor allem Schlagfertigkeit in einer fremden Umgebung zurecht finden und dabei die Lacher nicht selten von den Zivilisationsmenschen über die eigenen sozialen Exzesse auf ihrer Seite haben.

Zusammengefasst ist „Red Skin“ aber weiterhin eine der gegenwärtig unterhaltsamsten Parodien  der Comicwelt. Die Figuren sind zwar exzentrisch und teilweise abgehoben charakterisiert und von Terry Dodson bis an den Rand der Parodie gezeichnet worden, aber sie wirken auch ungewöhnlich lebendig und verletzlich. Hinzu kommen die teilweise sehr schönen Zeichnungen, in denen die „Danger Girls“ irgendwie auf „Strangers from Paradise“ treffen, sowie die doppeldeutigen, sehr gut übersetzten Dialoge Xavier Dorisons.  

         

Autor

AutorXavier Dorison
ZeichnerTerry Dodson
ÜbersetzerMarcel Le Comte
EinbandHardcover
Seiten56
Band2 von X
Lieferzeit3-5 Werktage
ISBN978-3-95839-207-6
Kategorie: