Robert E. Feldhoffs „Grüße vom Sternenbiest“ ist ein futuristischer Thriller, der sich auf sehr viele alt bekannte Versatzstücke des Krimigenres positiver Art verlässt. Ein ungleiches Duo – nur der Sex kommt ein wenig früh – mit all ihren Ecken und Kanten, der klassische zynische Ausbilder sowie die gelehrige ehrgeizige Schülerin als markante Charakterkonstellation; ein übermächtig wie brutal erscheinender Gegner und schließlich auch noch eine tödliche Deadline.
Aber in diese auf den ersten Blick Klischees integriert Robert E. Feldhoff beginnend mit dem Titel auch eine sehr emotionale nachhaltige zwischenmenschliche Ebene, bei welcher er abschließend auf alle Klischees verzichtet und den „Sieger“ zumindest für einen Moment auch als „Verlierer“ darstellt. Der Titel des Romans bezieht sich auf eine populäre Science Fiction Pulp Fernsehserie, welche einer der Schurken mit fast kindlichen Vergnügen gerne sieht.
Der Roman beginnt mit dem Fall eines vierjährigen Jungen aus dem Fernster einer Wohnsiedlung. Der Junge ist augenblicklich tot. Ein Anti hat ihn aber vor dem Fall schreien hören. Im Grunde ist diese Unfall unmöglich, wie der vom Dienst immer wieder suspendierte TLD Agent Sholter Roog feststellt, welcher sich den Fall intuitiv von den normalen Polizisten krallt. Alle Fenster sind mit einer Absturzsicherung versehen, einem Antigravfeld. Als er die Wohnung untersucht, ist dieses auch aktiviert.
Wegen seiner Aggressivität ist Sholter Roog trotz seiner unbestrittenen Fähigkeiten an den Schreibtisch verbannt. Seine Vorgesetzt gibt ihm wegen seiner bisherigen Ideen die einmalige Chance, in den aktiven Dienst allerdings nur mit einer Partnerin zurückzukehren. Sie ist intelligent, sieht gut aus und ist blond. Sie befindet sich noch in der Ausbildung.
In diesem Punkt bewegt sich Robert Feldhoff aber auch am Rande des Klischees. Während die junge Frau sich Mühe gibt und schließlich dem eher Machogehabe Roogs zumindest kurzzeitig und für eine Nacht verfällt, zeichnet Feldhoff das Bild eines egoistischen Exzentrikers, der zwar unbestrittene Fähigkeiten in seinem Beruf hat, der sich aber auch nicht zu schade ist, zur Erreichung seiner Ziele zu lügen und Menschen auf seiner Seite zu brüskieren. Für jeden Rückschlag, jede Niederlage erringt er kurze Zeit später auch einen Pyrrhussieg. Im Laufe des Handlungsbogen beginnt aber seine Figur die Handlung zu dominieren, während seine Kollegin gegen Ende nicht nur seinem derben Charme erliegt und die Lücken seiner Improvisationsfähigkeiten mit entschlossenen Aktionen schließt. Trotzdem bleibt sein praktiziertes Aggressionspotential und seine sexistische Einstellung dem Leser im Gedächtnis. Vielleicht macht der Autor abschließend den Fehler, dass er Sholter Roog nur bedingt eine emotionale Wandlung unterstellt. Aber positiv gedacht würde der erfolgreiche TLD Agent durch diese charakterliche Veränderung auch seinen entscheidenden Vorteil in engen Missionen verlieren.
Es ist grundsätzlich schade, dass Robert E. Feldhoff vor allem Sholter Roog in weiteren „Space Thrillern“ nicht ausbauen konnte.
Die Figuren sind zwar dreidimensional gezeichnet, wirken aber teilweise auch eher pragmatisch eingesetzt. Robert E Feldhoff bemüht sich dabei, auf die empfindlichere weibliche Seite einzugehen, während Roogs seine Linie einfach durchziehen kann. Auch hier zeigt sich Feldhoff aber im Epilog opportunistisch, in dem Frau sich auch auf das Wesentliche konzentrieren kann – und das ist nicht unbedingt ein Macho an ihrer Seite.
Die Antagonisten agieren aktiv zu spät, um abschließend überzeugen zu können. Wie bei einer Zwiebelschale öffnet Robert Feldhoff aber nicht nur das verschrobene Innenleben seiner beiden Oberschurken, sondern entwickelt eine exotische wie bedrohliche Figur konsequent weiter, die allerdings basierend auch auf einigen Klischees in ihrer eigenen Scheinwelt lebend dem TLD wirklich gefährlich werden kann. Feldhoff kann sich aber auch nicht verkneifen, sich Inspirationen bei Filmen wie „Juggernaut“ zu holen. So wird der Triumph zumindest auf dem Papier auch zu einer Tragödie… wenn es nicht Hunderte von namenlosen Opfern auf dem Weg dahin gegeben hätte. Vielleicht macht es sich der Autor hier hinsichtlich der manipulierten Manipulation und dem Hintergrund Schelms zu einfach. Positiv dagegen ist, dass er sich wirklich Mühe gegeben hat, sowohl das Sternenbiest wie auch den effektiven Tomopaten Felsenheimer in die lange Phalanx von bemitleidenswerten Antagonisten einzureihen, welche vor allem auch die Scheer Ära der Serie prägten.
Neben dem partnerschaftlichen für die neunziger Jahre noch offenen, aber nicht explizierten Sex zwischen den beiden Ermittlern ist es noch interessant, dass Feldhoff als einer der ersten Autoren sadomasochistische Beziehungen ein wenig explizierter anspricht als es der Perry Rhodan Leser bislang gewöhnt ist.
Immer wieder baut der Autor aber auch markante Elemente des Kriminalgenres vor allem in den ersten Handlungsabschnitt ein. So sind die Verhörmethoden bei den beiden Eltern am Rande des psychologischen Folter angelegt. Feldhoff scheut sich nicht, dem Leser nicht nur in einer, sondern in zwei Szenen ausführlich zu beschreiben, was ein Fall aus größerer Höhe mit einem menschlichen Körper anstellt. Auch wenn Root zu diesem Zeitpunkt nur einer Ahnung folgt, über er mehrmals extremen Druck ausübt, in der Hoffnung, einen Hinweis zu erhalten. Dieser zeigt sich dann allerdings fast aus dem Nichts heraus dankt seiner Fähigkeit, den Schilderungen der Angeklagten aufmerksam zu folgen und daraus keine Schlüsse zu ziehen, sondern andere Möglichkeiten abzuleiten. Rückblickend hat Feldhoff mindestens einen Hinweis frühzeitig in der Handlung versteckt.
Einzelne Schwächen bei der Charakterisierung der Protagonisten werden durch den von einem hohen Tempo geprägten Plot ausgeglichen.
Wie mehrfach erwähnt ist der Katalysator der Ermittlungen zweigeteilt. Sholter Roog vermutet hinter der Tat einen Mord, was Robert E. Feldhoff im Laufe des Romans bedingt relativiert. Die Eltern sind zwar geschockt, aber nicht so sehr erschüttert wie bei einem klassischen Unfall.
Von Beginn an vermutet Roog hinter dem verschlossenen Verhalten der Eltern mehr. Deren Aussagen sind eher spärlich und auch die Beschreibung der eigentlichen Umstände hält den Plot nur bedingt auf. Der ersten von zwei Spuren folgend kommen die beiden Ermittler hinter einen perfiden Plot, welcher zumindest Terrania schwer erschüttern könnte.
Aber auch Roog braucht im Grunde einen Mordfall, eine Verschwörung und keinen Unfall, um zumindest vor seinem inneren Auge sein ramponiertes Image aufzupolieren. Feldhoff kommt dem Protagonisten aber noch in einer anderen Hinsicht bei der Planung des Romans entgegen.
Lange Zeit darf Roog nur so frei agieren, weil er einen Bezug zu einer Reihe von Morden an Blues und einem Hund vermutet, die auf bestialische Art und Weise umgebracht werden. Zu Beginn sind diese Verbindungen wirklich vage anzusehen. Es ist vielleicht die größte Schwäche des Buches, das der Antagonist diese Flanke offen lässt und damit ohne den Unfall des Jungen schon die Aufmerksamkeit auf seine Organisation und sich lenkt. Das wirkt naiv.
Vor Allem weil er mit seiner Vorgehensweise diese Aufmerksamkeit nicht benötigt hat. Über diese Flanke und einen schwierigen Handel kommen schließlich die Ermittler endgültig auf die Spur sowohl der Mörder des Jungen wie auch dieser galaktischen Verschwörung, dessen Pfand unbezahlbar ist und vor allem niemals übereignet werden darf. Auch das ist eher eine klassische denn grundsätzlich originelle Prämisse.
Mit fortschreitender Handlung muss sich Feldhoff aber dem klassischen vielleicht auch ein wenig klischeehaften Thrillergenre unterordnen. Die Begegnung zwischen dem Antihelden und dem Handlanger des Schurken ist farbenprächtig und wirklich eindrucksvoll beschrieben worden, aber der Leser kann sich den Ausgang vorstellen. Auch die Infiltration der potentiellen Machtzentrale seines Feindes unter einem falschen Vorwand und gegen die rasend schnell vergehende Zeit des Ultimatums wirkt wie ein Versatztstück. Zumindest löst der Autor sie nicht mit einem Alleingang seines Protagonisten auf. Nur die finale Konfrontation ist schließlich ausschließlich persönlich.
„Grüße vom Sternenbiest“ ist ohne Frage ein ambitionierter Roman, der von Robert Feldhoff minutiös geplant worden ist und wie mehrfach erwähnt von einem hohen Tempo geprägt ist. Die An- und Protagonisten sind mit allen Ecken und Kanten, ihren Neurosen, aber auch Ambitionen ausgesprochen gut gezeichnet worden und hinsichtlich der Ermittlungsarbeit bleibt der Leser immer auf Augenhöhe.
Vielleicht liegt die größte „Schwäche“ des Buches aber für Thrillererfahrene Leser auch in seiner Vertrautheit hinsichtlich der Versatzstücke, aber unter dieser teilweise ein wenig stereotypen Handlungsführung litten auch schon einige der ersten Perry Rhodan „Krimis“, die in den Planetenromanen in sich abgeschlossen und noch extra benannt erschienen sind.
Grundsätzlich ist „Grüße vom Sternenbiest“ ein sehr lesenswerter, ein intensiver und phasenweise packender Thriller mit wenigen überraschenden, dafür aber dann auch sehr nachhaltigen Wendungen im Plot. Das Ziel, Perry Rhodan und Thriller zu verbinden, ist auf jeden Fall mit diesem heute noch empfehlenswerten Roman erreicht worden.

- Taschenbuch : 300 Seiten
- ISBN-10 : 3955482529
- ISBN-13 : 978-3955482527
- Größe und/oder Gewicht : 14 x 1.91 x 22 cm
- Herausgeber : Perry Rhodan Print; Print on Demand Auflage (2. Oktober 2018)
