Von den vier „Space Thriller“ Auoren verfügte Peter Terrid über die größte mörderische Erfahrung. Neben seiner Arbeit für diverse Reihen des Pabel Verlages stehen bei ihm mehrere Spaziergänge durch New York für Jerry Cotton sowie unter dem Pseudonym Patrick Wynes die Mitarbeit am „Kommissar X“ sowie „Die Katze“.
Gleich zu Beginn drei scheußliche Morde, anscheinend Lustmorde. Die Opfer sind in allen Fällen sehr reiche Terranerinnen, dabei werden zufällig hinzukommende Verwandte oder Liebhaber ebenfalls Opfer der oder des grausamen Täters. Bei der Begutachtung des ersten Tatortes treffen die Polizisten in einer abgeschlossenen Wohnung auf zwei Leichen, den zusammengerafften, dann aber doch liegen gelassenen Schmuck und eine zerflossene Zellmasse. Im Laufe der näheren Untersuchung finden die beiden Polizisten auch einen schnellen Tod. Nachkommende Spezialisten - in die SERUN-Schutzumhüllung eingeschlossen - können das Gefühl der Betroffenheit, aber auch Angst nicht gänzlich ablegen.
Proben der Zellmasse werden untersucht und man entdeckt Milzbranderreger, doch selbst NATHAN kann zu keiner Lösung kommen, obwohl er sich tagelang mit dem Problem beschäftigt.
Hier bricht die Handlung ab und der Leser findet sich auf dem Planeten Folsom wieder, der Welt für Mörder. Wer sich nach seiner Verurteilung nicht einer Seelentherapie unterziehen möchte, wird auf diesen Planeten verbannt. Brendon Praack gehört zu dieser Gruppe und muss sich fortan mit dem Gesetz des Stärkeren auseinander setzen - eine Idee, die schon Manfred Wegener in seinem Doppelband „Die Verbannten“ eindringlich in die Realität umgesetzt hat. Alle ausgesetzten Neuen, die von den Alten aufgegriffen werden, werden in der Hauptstadt der Welt als Sklaven verkauft. Nach den ersten handgreiflichen Auseinandersetzungen mutiert Praack mit einer kleinen Gruppe gleichgesinnter auf einer kleinen Farm zu einem anständigen Mitglied dieser anarchischen Gesellschaft, schließlich begnadigt und auf die Erde – nach Terrania – zurückgeschickt.
Dort ist die Herrschaft von Perry Rhodan auf einige mafiaähnlichen Verbrechergruppen übergegangen und Praack wird gleich ob seiner Vergangenheit ein entsprechendes Angebot gemacht, das der inzwischen rechtschaffene Praack nicht annimmt, sondern nur zum Schein mit Hilfe der Polizei zum Ausheben des Schlangennestes nutzt.
Spätestens mit der Rückkehr nach Terrania wird dem Leser klar, dass es weder Folsom noch die Verbrecherorganisationen auf der Erde gibt. Es ist eine virtuelle Welt, in der die Wissenschaftler die Reaktionen der Verbrecher untersuchen und abschätzen. Der Clou besteht in dem Verbund zwischen Realität und „Cyberspace“, denn die Taten wirken sich auf die Gegenwart und Realität aus. Neuste Technik und böse Arkoniden machen das Spiel möglich, aber dank dem beherzten und heldenhaften Eingreifen von Praack wird den Bösewichtern am Ende der Garaus gemacht.
Peter Terrids Thriller ist eine zwiespältige Angelegenheit. Die Morde sind drastisch, brutal und ausführlich beschrieben, zu ausführlich für die Heftromanserie oder die Planetenromane. Gekonnt nutzt er diese Schockeffekte, um dann eine Abgrenzung der Realität von der virtuellen Welt durchzuführen. Die Handlungsebene Terrania incl. der letztendlichen Aufklärung der Verschwörung bleiben im Nebel und dem Leser fällt es schwer, den beiden Ebenen zu folgen. Zu leicht kann er nicht mehr zwischen Realität und virtuellen Universum unterscheiden. Ob das in der Absicht des Autoren gelegen hat, lässt sich nicht mehr feststellen.
Dagegen sind die Passagen auf Folsom sehr detailliert, ideenreich und farbenfroh - so weit es auf einer solchen Welt „Farbe“ gibt - beschrieben. Mit sichtlichem Vergnügen verwirrt Terrid seine Leser und nutzt das Spiel zwischen den Realitäten, um einige interessante Elemente in die Handlung einzuführen. Das beginnt mit der ersten Wohnung, in der sich eine Mordtat abspielte. Jede Tür ist im Grunde ein Transmitter, der irgendwohin führen kann und den reichen Mitbürgern die Möglichkeiten gibt, auf mehreren Kontinenten zu wohnen. Und das ist die Realität, während es auf Folsom archaisch brutal zugeht. Terrid muss sich vielleicht den Vorwurf gefallen lassen, hier öfter in die typische Klischeekiste zu greifen, als das notwendig gewesen wäre.
Bei den drei unmöglichen Morden spielt Terrid sein ganzes Können aus. Die dezentralisierte Wohnung am ersten Tatort, der tote Mörder, der auf den Überwachungsbändern frisch, fröhlich und untot seine Taten begeht, sind die Höhepunkte des Buches. Dabei jongliert er die selbst für einen SF-Roman unwahrscheinlich erscheinenden Elemente routiniert und löst die gordischen Knoten intelligent auf.
Die Schwächen des Romans sind - wie öfter bei Terrid - die Charakterisierung der Protagonisten und daraus abgeleitet eine fehlende Identifikation mit ihrem Schicksal. Seinen oft durchscheinenden Humor stellt der Autor in diesem Roman gänzlich in den Hintergrund, die phasenweise sehr grimmige Handlung lässt diesen auch nicht zu.
Dass der Roman bis auf einige technische Bezeichnungen und den Handlungshintergrund in Form von Terrania keinen Bezug zum Rhodan-Universum hat, steht auf einem anderen Blatt.
„Eine Welt für Mörder“ ist eine vor allem aus einer Perspektive eine überzeugende Mischung aus Krimi und Science Fiction, in dem der Autor die Vorzüge beider Genres zu einer Einheit zusammenschweißt und nicht - wie viele andere Bücher - den Hintergrund der SF als Background für einen durchschnittlichen Ermittlungsroman nutzt oder andersherum phantastische Elemente von einer klassischen Thrillerbühne als an den Haaren herbeigezogene Aufklärungselemente sucht.

- Dateigröße : 1388 KB
- Word Wise : Nicht aktiviert
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 226 Seiten
- Herausgeber : Perry Rhodan digital (11. Mai 2016)
- Screenreader : Unterstützt
- Sprache: : Deutsch
- ASIN : B01CSVQN9K
- X-Ray : Nicht aktiviert
