Mit „Blicke auf Olymp“ wird zum dritten Mal eine Perry Rhodan Miniserie eher begleitet, als dass wirklich in die Hintergründe geschaut wird. Das liegt auch an der ursprünglichen Erscheinungsform. Parallel zum Erscheinen der Romane werden auf den Internetseiten proc.org und „geisterspeiegel.de“ Informationen zur laufenden Miniserie inklusiv entsprechender Interviews mit den Autoren veröffentlicht.
Die ersten beiden Sampler „Gespräche über Terminus“ und „Mission Evolux“ erscheinen anschließend in verschiedenen Inkarnationen sowohl im Internet als auch gedruckt.
„Blicke auf Olymp“ als dritter Begleitband zum ersten Mal in einer sich an die Internetveröffentlichungen anschließenden Kooperation mit dem TCE publiziert worden. Im Din A 4 Format mit einem farbigen Titelbild und entsprechenden farbigen Innenseiten sind die bisherigen Beiträge unter anderem um eine neue Olymp Story von Dietmar Schmidt und ein dreizehntes rückblickendes Interview erweitert worden.
Redakteurin Alexandra Trinley beschreibt in ihrem ausführlichen Vorwort nicht nur die neue Art der Zusammenarbeit mit dem TCE, sondern weist auch auf die vergangene Zeit hin. „Olymp“ ist im Jahr 2017 in Auftrag gegeben worden, die ersten Hefte erschienen im drauffolgenden Jahr und dieser Sammelband schließlich weitere zwei Jahre später. Klaus N. Frick, Susan Schwartz und schließlich auch Kurt Kobler gehen auf diese manchmal unabänderliche Verzögerung nicht ein.
Das Gedächtnis der Leser ist wahrscheinlich langwierig, so dass man dieses Begleitheft durchaus zum Auffrischen der Erinnerungen nehmen kann. Alexander Trinleys Auftaktartikel reicht sogar noch einen Schritt weiter, in dem sie auf die bisherigen Perry Rhodan Miniserien inklusiv der ATLAN Kurzzyklen eingeht und sie inhaltlich zusammenfasst. Im ersten Teil ihres Artikels versucht sie die Hauptpersonen der gegenwärtigen „Olymp“ Serie genauso vorzustellen wie den Planeten der Freihändler, den K.H. Scheer in Person Roi Dantons mit dem Jubiläumsband 300 populär machte. Neue Informationen kann sie allerdings nicht anbieten.
Viel interessanter ist Gregor Sedlags bildliche Auseinandersetzung mit der Serie. Auf der einen Seite die fertige Personencollage, auf der anderen Seite mit entsprechenden Namen in schwarzweiß eine Kennzeichnung der entsprechenden Personen. Dabei geht Gregor Sedlag erstaunlich ehrlich auch auf die Tatsache ein, das er die Miniserie gar nicht gelesen hat, sondern sich an den umfangreichen Lexikoneinträgen orientiert hat, um seine Figuren photorealistisch und überzeugend zum Leben zu erwecken.
Die Vorstellung der Miniserie parallel zu ihrer Erstveröffentlichung nimmt den Hauptteil des Heftes ein. So bitter, wie es klingt, es handelt sich auch um den schwächsten Teil des Heftes. Die Struktur ist immer gleich. Interview mit dem Autoren, wobei Alexandra Trinley nicht alle Interviews führen konnte. Anschließend ein kurzer Kommentar inklusiv entsprechenden Bild- und Fotomaterials. Die Kommentar sind leider sehr oberflächlich und wirken wie eine Art Monolog. Die Autorin stellt sich immer wieder Fragen, die sie beantwortet. Es gibt kurze inhaltliche Zusammenfassungen, welche aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ein kommentierendes Fazit findet nicht statt.
Ohne Frage ist die Idee, parallel zu einer Miniserie im Internet mehr oder minder offen Reklame für das Produkt zu machen effektiv. Es gibt aber auch sehr viele Webseiten, in denen fortlaufende Serien wie auch die Miniserien aus dem Perry Rhodan Universum kritisch und auf Augenhöhe der Publikation betrachtet werden. Im Grunde handelt es sich bis zur vollständigen Veröffentlichung der Miniserie auch nur um eine Art begleitenden Prozess, ein Fazit kann erst mit dem letzten Heft gezogen werden.
Die in einem zeitlichen Abstand erfolgende Veröffentlichung in Form eines Heftes sollte aber auch andere Prämissen umfassen. Das bedingt auch die Zielgruppe. Natürlich gibt es tatsächlich Perry Rhodan Leser, die kein Internet oder Smartphone haben. Und das sind nicht nur ältere Menschen. Für diese kleine Zielgruppe ist es nett, die entsprechenden Informationen in geballter Form noch einmal schriftlich zu präsentieren. Wer Internet hat, wird in diesem mittleren Block keine weiteren Informationen erhalten.
Sowohl bei den Kommentaren als auch den teilweise ausgesprochen nichts sagenden Interviews wäre es aber für eine zu bezahlende Veröffentlichung sinnvoll gewesen, den Stein noch einmal auf den Anfang zu setzen. Die Kommentare hätten sich mehr mit dem Gehalt der Serie als dem reinen Inhalt auseinandersetzen können. Alexandra Trinley hätte ihre Kommentare zumindest ergänzen können. Damit hätte sie Leser der Serie genauso abholen können wie potentielle Neueinsteiger. So wirken diese kurzen Blöcke im Grunde inhaltsleer.
Es gibt insgesamt dreizehn Interviews zu den zwölf Heften. Susan Schwartz ist positiv zweimal vertreten. Das Eingangsinterview ist umfangreicher, das Fazit dafür sehr viel gehaltvoller. Es ist das Fazit, was vieles relativiert und vor allem auch einen tiefer gehenden Einblick im Grunde in die Zeit der Entstehung gibt und damit einzelne Punkte klarstellt, relativiert und / oder erst hervorhebt.
Die Schwäche sind viele der Interviews dazwischen. Zum Einen sind diese Interviews weder erweitert noch überarbeitet worden. Wenn Susan Schwartz zu Beginn davon spricht, wer noch alles an der Serie mitschreibt, sind das neue Informationen, da manchmal noch nicht alle Autoren bekannt gegeben worden sind. Aber zwei Jahre später möchte wirklich niemand mehr darüber lesen. Vor allem weil sich diese Punkte wiederholen. So soll Michael Marcus Thurner als Autor des fünften Bandes im Gespräch mit Roman Schleifer den Inhalt der bisherigen vier Hefte irgendwie zusammenfassen. Michael Marcus Thurner ist Profi genug, diese Frage geschickt zu umschiffen, als selbst während der Originalveröffentlichung macht diese Vorgehensweise für eine Internetseite keinen wirklichen Sinn.
Bei Olaf Brill staunt die Interviewerin, dass bei Perry Rhodan Protagonisten Sex haben können. Von einer Prise Erotik wird gesprochen. Diese naive Fragestellung zeigt nachdrücklich, dass Alexandra Trinley sich wirklich wenig im Perry Rhodan Universum auskennt. Hätte sie zum Beispiel die mehrmals wieder veröffentlichten vier Space Thriller aus der Perry Rhodan Redaktion gelesen, wüsste sie, wie viel Sex in der Serie steckt. Unabhängig davon, dass die Perry Rhodan Redaktion schon seit vielen Jahren der harmlosen Erotikinhalt dem Zeitgeist angepasst hat.
Herrlich ist auch die Frage an Dennis Mathiak, wer denn Gucky sei?
Nur wenige Frage gehen wirklich in die Details und versuchen aus den Autoren auch nachhaltigere Antworten herauszukitzeln. Für eine gedruckte Neuauflage wäre es schön gewesen, wenn die Interviewerin noch einmal das Gespräch mit den Autoren gesucht und quasi eine Art Rückblick, Nachbearbeitung und vor allem aus heutiger Sicht auch plottechnisch mögliche Ergänzung versucht hätte. Spoiler sind ja in einem Abstand von zwei Jahren schwer möglich.
So wirken die Gespräche leider im Grunde langweilig. Alexandra Trinley findet kaum eine Basis zu den einzelnen Autoren.
Jedes Interview wird mit einer Textpassage aus dem entsprechenden Roman abgeschlossen. Auch hier ist diese Idee für die parallele Betrachtung gut, in einer Nachbetrachtung aber nicht zufrieden stellend.
Warum nicht von Susan Schwartz und dem Verlag ein wenig Exklusivmaterial wie einen Einblick in die Expose oder die Entwicklung der Figuren über die individuellen Datenblätter publizieren, um Anhänger der Serie einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen? Neuleser werden nach zwei Jahren mit den Romanauszügen leider wenig anfangen können.
Das letzte Drittel des Heftes zeigt, wie es ergänzend geht. Dietmar Schmidt greift Argumente aus dem Forum auf und vertieft eine Figur, auf welche er in seinem Heftroman umfangtechnisch begrenzt nicht weiter eingehen konnte. In seinem Werkstattbericht gibt er nicht nur zu der Figur, sondern auch zu seiner Vorgehensweise hintergründige Informationen, die Leser der Miniserie genau ansprechen wie sie Neueinsteiger auf einen für die Kurzgeschichte zufrieden stellenden Wissensstand bringen.
„Was getan werden muss“ ist eine solide, stringente Geschichte, welche sowohl den Hintergrund mit dem Freihändlerplanet OLYMP gerecht wird, sowie Raslon von einer interessanten Seite zeigt. Der Plot ist lange Zeit eher ein Krimi, der sich an den markanten Versatzstücken des Genres orientiert, bevor Dietmar Schmidt schließlich den Horizont öffnet. Vieles wird dem Leser aus anderen Krimigeschichten vertraut vorkommen, aber der Autor führt die Geschichte zu einem konsequenten wie zufrieden stellenden Ende.
Martin Ingenhoven schreibt dann noch über seinen Videoblog. Es empfiehlt sich, vor der Lektüre zumindest ein oder zwei Episoden des Blogs anzuschauen. Wie ein begleitender Blick auf eine fortlaufende Miniserie ist es schwierig, die Faszination des einen Mediums in passende Worte eines Anderen zu bringen. Aber der Text liest sich kurzweilig.
Stefan Wepils Olympische Sehenswürdigkeiten – teilweise ein wenig zu klein abgebildet- rundet die „Blicke auf Olymp“ ab.
Es ist schwer, ein Fazit zu ziehen. Die Grundidee, eine Miniserie oder auch jede Art von fortlaufender Serie im Internet ergänzend zu begleiten, ist zeitgemäß und sobald das Grundmaterial ergänzt wird auch nachvollziehbar. Diese Beiträge vor allem auch in einem größeren Abstand unbearbeitet zu publizieren und damit im Grunde eine andere Zielgruppe anzusprechen, stellt nur bedingt zufrieden. Dietmar Schmidt vor allem mit seiner Geschichte, das abschließende Interview mit Susan Schwartz und auch die Zeichnungen von Stefan Wepils sowie Gregor Sedlags das die eigenen Zeichnungen begleitende Essay weisen in die richtige Richtung. Die Balance aus zur Zeit der Miniserie wie auch jetzt relevanten Informationen und eben ergänzenden, die Lektüre vertiefenden Material muss stimmen. Das ist bei „Blicke auf Olymp“ leider nur sehr bedingt der Fall, aber die beiden „Mission Sol“ Miniserien könnten eine Art Türöffner sein, da die SOL noch faszinierend als der Freihändlerplanet Olymp ist. Noch legendäre, noch mystischer und vor allem es wahrscheinlich noch mehr greifbares Material aus der langen Geschichte der Perry Rhodan Serie gibt, um den „Mission Sol“ Kosmos zu erweitern und nicht nur wie bei „Blicke auf Olymp“ unkritisch und teilweise sogar das Zielpublikum aus den Augen verlierend zu begleiten.

Herausgeber: Terranischer Club EdeN
Titelbild: Mathias Rolfs
Redaktion: Alexandra Trinley (TCE/PRFZ)
Layout: René Spreer (PRFZ)
Druck: Schaltungsdienst Lange ohG, Berlin
Das Fanprojekt Blicke auf OLYMP verfolgt keine kommerziellen Ziele.
Honorare wurden nicht gezahlt.
Alle verwendeten Eigenbezeichnungen und/oder Figurennamen wie Perry Rhodan, Atlan, Gucky usw. sind Eigentum der Pabel-Moewig Verlag GmbH.
Perry Rhodan und Atlan sind eingetragene Markennamen der Pabel-Moewig Verlag GmbH.
Druck: Schaltungsdienst Lange oHG, Berlin
Umfang: 68 Seiten, Format: DIN A4 geheftet
Preis: 8,50 EUR (TCE-Mitglieder: 7,50 EUR)
Versandkosten: Deutschland: 2,00 EUR / EU & Schweiz: 3,50 EUR
© Terranischer Club EdeN – Juni 2020
