1977 erschien mit „Queens of Deliria“ die Fortsetzung von „Time of the Hawklords“. Die Originalausgabe kündigte den Roman noch als „Prequel“ zum Auftaktband an. Die anfängliche Handlungszusammenfassung und das extra für die von Michael Butterworth überarbeitete Neuauflage geschriebene Vorwort von Rick Evans relativieren diese Ausgabe.
Auch wenn immer wieder von Königinnen in der Mehrzahl gesprochen und geschrieben wird, kristallisiert sich nur eine ernstzunehmende Gegnerin heraus.
Die Red Queen verfügt über die Fähigkeit, Zeitzonen zu erschaffen. Von denen sind viele unbewohnbar. Diese Parallelwelten – keine neue Idee, wie Rick Evans herauszuarbeiten sucht- verfügen über einen unterschiedlichen Zeitablauf, so dass Teile dieses in drei große Kapitel gegliederten Buches tatsächlich vor „Time of the Hawkworlds“ spielen, aber gleichzeitig auch in einer anderen Welt, deren Einstiegsportal deutlich viele Jahre nach dem Ende des ersten Buches liegt.
Sowohl die Erstauflage als auch die vom Apex Verlag gestaltete Neuausgabe verweisen auf Michael Butterworth als Autor, basierend auf einer Idee von Michael Moorcock. In „Time of the Hawklords“ karikierte Butterworth Michael Moorcock in Person eines Wizards, eines Wortzauberers. In der Fortsetzung fügt Michael Butterworth sicherlich nur mit Zustimmung Moorcock einen charismatischen Charakter aus dem umfangreichen Werks Moorcocks hinzu: Elric von Melnibone. Der bleiche Albino trägt den Beinamen „der Unentschlossene“. An seiner Seite ist Stormbringer, das Seelen fressende schwarze Schwert. 1975 hatte Michael Moorcock seinen ersten sechsbändigen Zyklus um den negativen Helden noch nicht abgeschlossen. Nur „Der verzauberte Turm“ und „Elric von Melnibone“ waren zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht worden. Ein Jahr später folgte 1976 mit „Der Zauber des weißen Wolfes“, die dritte Sammlung. Die darin enthaltene Novelle „The Return of Melnibone“ verfasste Michael Moorcock zusammen mit Phillipe Druillet. Vier Jahre vorher begegnete der Albino in den Conan Comics Robert E. Howards Barbaren.
Da Michael Moorcock zu dieser Zeit noch mit „Hawkwind“ im Allgemeinen und Michael Butterworth zumindest indirekt in Kontakt stand und die Ablehnung von „Time of the Hawklords“ sich zumindest in Publikationen erst später manifestierte, ist es keine gewagte Spekulation, das der Auftritt Elrich von Melnibones im vorliegenden Buch nicht nur mit der Zustimmung Moorcocks erfolgte, sondern vielleicht auch die Gruppe zu dem 1985 veröffentlichten Album „The Chronicle of the Black Sword“ inspirierte. Die bislang von Michael Moorcock für die Gruppe verfassten Lieder wie „Warriors“ und „Sonic Attack“ beinhalten keinen Hinweis auf Elric von Melnibone, der sich auch erst über die Zeit zu einer der markantesten Schöpfungen Moorcocks neben Jerry Cornelius entwickeln sollte.
Auffällig ist, das Michael Butterworth nicht nur im Titel von “Queens of Deliria“ schreibt, obwohl der neue „Erzfeind“ der Hawklords die rote Königin, the Red Queen ist. Der Titel könnte eine Anspielung auf die verschiedenen Universen sein, in denen die nach der verlorenen Patti suchenden Musiker auf Inkarnationen ihrer Gegnerin stoßen, auf wie das später von Michael Moorcock extrapolierte Multiversumkonzept – es wird in dem abschließenden als Comic veröffentlichten dritten Teil deutlich umfangreicher herausgearbeitet als die Zeitzonen im vorliegenden „Queens of Deliria“ – Variationen des Originals. Aber rückblickend verwirrt der Titel mehr als das er Sinn macht. Da hilft auch keine abschließende Exkursion in den Bereich des die Menschen beeinflussenden und von “Göttern” gespielten Kartenspiels.
Zwischen „Time of the Hawklords“ und „Queens of Deliria” können, müssen aber nicht mehr als einhundert Jahre vergangen sein. Zeit ist nicht nur in den verschiedenen Zonen relativ, auch zwischen den großen, die wenigen „Kinder“ in ihren armseligen Hütten neben der Bühne hausend beruhigen und schützenden Konzerten kann in der ursprünglichen Zeitzone auch wenig effektive Zeit vergangen sein. Darauf geht Michael Butterworth genauso wenig ein wie auf den ursprünglichen Grund des sozialen wie ökologischen Desasters.
Der Zusammenbruch der Zivilisation vor allem in Großbritannien durch die sozialen von den jungen Menschen ausgelösten bürgerkriegsähnlichen Unruhen sind im ersten Buch impliziert worden.
Als weiterer Aspekt wird fallen gelassen, das die Hawklords vielleicht außerirdischen Ursprungs sind. Der nur still gelegte Todesgenerator aus dem ersten Roman schwebt weiterhin im Hintergrund, die Idee wird aber erst wieder im langen Epilog aufgegriffen und diente wahrscheinlich als Überleitung zu einem weiteren, nur rudimentär als Comic veröffentlichten Roman.
Im vorliegenden Band treffen die Musiker auf eine Parallelwelt, in welcher Nixon nicht über Watergate gestürzt und damit der Vietnamkrieg auch nicht vorzeitig beendet worden ist. Auch wenn Michael Butterworth mit diesen dem Geist der Jugend widersprechenden Aussagen eher provozieren wollte, ist es erstaunlich, dass der Autor abschließend diese Welt auf eine weitere isolierte Bühne mit Musikern reduziert, die sich verzweifelt gegen die schlechte Musik von außen wehren. Wie in einigen anderen Teilen des Buches wirft Michael Butterworth sprachlich extrovertiert den Lesern Ideen hin, die er abschliessend nicht umsetzen kann oder vielleicht eine Serie im Auge behaltend nicht umsetzen möchte. Rick Evans spricht in seinem Vorwort davon, dass Butterworth dem New Wave folgte und eine ökologische Katastrophe anstatt des klassischen atomaren Schlagabtauschs implizierte. Aber die Slums in einem Parallelwelt San Francisco Playland inklusiv eines durch den Vietnamkrieg gebrochenen Veteranen lassen keine Spekulation hinsichtlich der Weitsicht des Autoren zu. Zu viele New Wave Schriftsteller wie James Ballard haben vergleichbare Szenarien inklusiv einer Antikriegs und Antiatomstimmung in ihre zeitloseren Texte einfließen lassen.
„Queens of Deliria“ wirkt im direkten Vergleich deutlich kompakter als „Time of the Hawkworlds“. Rick Evans argumentiert, das Michael Butterworth den Hintergrund der Geschichte nicht neu entwerfen musste, sondern extrapolieren konnte. Diese Argumentationskette ist nur bedingt richtig. Handlungstechnisch lassen sich beide Romane auf den Kampf der guten Musik, der Helden gegen das Böse in verschiedenen Inkarnationen – Memphis im ersten Buch, die rote Königin im zweiten Roman – reduzieren. Dazu müssen sie ihre selbstgewählte Wohlfühlzone (die gigantische Bühne, wo im Auftaktkapitel endlose Hawkwind Konzerte stattgefunden haben, mit denen die armen Kinder seelisch beruhigt worden sind) in beiden Büchern verlassen und sich den Gegnern immer in deren Spielzonen stellen. Neu ist, dass die Hawkwind Mitglieder mit Patti ein Mitglied der eigenen Familie suchen gehen, auch wenn sie die ihnen anvertrauten Kinder wieder verlassen und damit dem Einfluss möglicherweise schädlicher Musik überlassen müssen.
Die Idee dieses endlos erscheinenden, beschwichtigenden Konzerts ragt aus dem ersten Buch heraus. In „Queens of Deliria“ beginnt die doppelte Reise ohne große Vorankündigung. Auf der einen Handlungsebene kämpft sich ein in mehrfacher Hinsicht bleicher Elric von Melnibone mit diesem gigantischen Schwert einem Ziel entgegen, das weder er noch der Leser kennen. Auf der anderen Seite bewaffnen sich die Hawkwind Mitglieder nicht nur mit ihren ambivalenten Musikwaffen, sondern nehmen Pattis Harfe mit, die ihnen den Weg durch die verschiedenen Zeitzonen und zu ihrem verlorenen Familienmitglied zeigen soll. Zeit und Raum spielen dabei keine besondere Rolle. Daher endet das erste Kapitel „Land of the Superstars“ auch relativ offen.
Der zweite Abschnitt „Queens of Deliria“ ist deutlich herausfordernder. Sie dringen nicht nur in eine Parallelwelt ein, sondern wechseln auch den Kontinent. Ein Teil der Handlung spielt in den ebenfalls wirtschaftlich und sozial zusammengebrochenen USA. In einer von Hawkwind in der Realität erst später aufgesuchten Konzerthalle finden sie alte Plakate von ihren Auftritten, an welche sie sich nicht erinnern können. Weiterhin werden Erinnerungen an eine Reihe anderer Größen erweckt. So scheint Jimmy Hendrix noch einige Jahre weitergelebt zu haben.
Im Keller dieser Konzerthalle werden die Hawklords zum ersten Mal fündig. Wie im ersten Buch erringen sie allerhöchstens Pyrrhussiege und müssen feststellen, dass sie in eine perfide Falle gelockt worden sind. Nur mit der Macht ihrer reinen Musik können sie sich nicht daraus befreien. Auch wenn der Hintergrund der Geschichte in vielen Details sich von „Time of the Hawklords“ unterscheidet, verfolgt Michael Butterworth erzähltechnisch das gleiche Konzept in dieser Fortsetzung oder vielleicht auch nur in diesem deutlich exzentrischeren Remake.
Zu den Höhepunkten dieser Sequenz gehört die Teilnahme an einem gigantischen Pinball Spiel. Michael Butterworth wird sich wahrscheinlich an der Rockoper „Tommy“ oder zumindest dem 1975 veröffentlichen Film von Ken Russell mit der Gruppe „The Who“ orientiert haben. Nur durch eiserne Disziplin und den entsprechenden Zusammenhalt können die Hawklords sich auch dieser perfiden, aber auch originellen Falle/ Spielhölle befreien. Die Auflösung dieser Bedrohung mit der Ignoranz der “Realität” nimmt viele spätere Science Fiction Filme per se, aber auch die Idee einer virtuellen auf Urängsten und Alpträumen basierenden Realität vorweg.
Das vorläufige Finale - Michael Butterworth muss weitere Fortsetzungen im Auge habt haben - ist passend “Music Planet” betitelt. Die Grundstruktur des einsamen Hawklord Mitglieds, dass sich schließlich dieses Mal nicht einer seelenlosen Maschine, sondern der roten Königin stellt, ist aus “Time of the Hawklords” bekannt. Dieses Schema erweitert Michael Butterworth um den tragischen Antihelden Elric, der aus seiner Apathie erwacht, Stormbringer in Stellung bringt und den finalen Streich fast widerwillig und impliziert unbewusst ausführt.
Bis dahin ist der letzte Abschnitt des Buches eine förmlich paranoide Achterbahnfahrt ausgestaltet mit eindrucksvollen Szenen. Michael Butterworth macht in einer in sich nicht abgeschlossenen Sequenz deutlich, dass die verschiedenen Queens Spielkartenfiguren sein könnten. Klein klassisches Tarot, sondern Skatkarten verziert mit den alten Bildern. Dazu gibt es “Götter”, die auch dieses Szenario nur als Teil eines ewigen Spiels ansehen. Aber diese Idee verfliegt wieder.
Die Hawklords müssen sich einer gigantischen Armee von reitenden Skeletten stehlen, gegen die ihre Musikwaffen fast wirkungslos sind. An einer anderen Stelle werden sie und die Kinder mit Elton Johns Songs bedroht. Das wird bizarr, funktioniert aber auch angesichts des hohen Tempos sehr gut.
Das Finale mit einer intelligenten Maschine - es ist viel mehr als ein Computer, es scheint die mechanisierte Seele nicht nur Delirias, sondern zahlreicher Welten zu sein - und pointierten Dialogen nimmt noch einmal die Erschaffung virtueller Welten mit schlafenden Menschen in der Realität und grenzenlosen Möglichkeiten in der Phantasie mit Einschränkung durch die Macht der roten Königin vorweg. Michael Butterworth nähert sich in diesen Sequenzen Michael Moorock und seinen Jerry Cornelius Chroniken wieder an.
So siegen und verlieren die Hawklords zugleich. Sie müssen die eigenen Schwächen überwinden und nicht nur die rote Königin wie in einem klassischen Märchen besiegen, sondern eine ganze Welt zerstören (lassen), um auf der ökologisch ausgebrannten Erde die wenigen verbliebenen Kinder weiterhin mit ihrer Musik füttern können. Die Zukunft wird aber grün sein, denn in den Oasen können die Kinder zukünftig in Häusern leben, die autark sind. Michael Butterworth geht auf keine Details ein und nicht selten hat der Leser das unbestimmte Gefühl, als greife der Autor eher verbal zu den Sternen als das er den Willen hat, seine Ansätze wirklich auszugestalten. Aber zurückblickend aus dem 21. Jahrhundert auf die wilden Sechziger und Siebziger Jahre lässt sich viel mehr in den Text hineininterpretieren als es vielleicht die Absicht des Autoren gewesen ist.
Die Idee, die Wunden der Welt durch gute Musik zu heilen, ist nicht alleine Michael Butterworths Verdienst. Richard Cowper wird wenige Jahre später mit den Chroniken um den Pfeifer ebenfalls eine Serie in ferner Zukunft spielend schreiben, in welcher ein Flötenspieler die politischen Gefüge erschüttern wird. In den beiden hier vorliegenden Romanen geht es allerdings mehr Michael Moorcocks im Buch zitierter Vorgabe folgend um “By means of our myths and legends we maintain a sense of what we are”. Die Hawklords sprich die Mitglieder der verschiedenen Hawkwind Bands sind in dieser fernen und doch so nahen Zukunft nicht nur eine Legende, sie sind der Heilsbringer einer nicht unbedingt glorreichen, aber besseren Zukunft. Ihre Musik ist ihre Waffe. Nicht umsonst beschreibt Michael Butterworth auch ausführlich, mit welchen Liedern sie ihre Waffen für den finalen Gang gegen die rote Königin “laden”. Es lohnt sich, die entsprechenden Lieder während der Lektüre im Hintergrund zu spielen. Aber Michael Butterworth macht getreu seinem Spiritus Rector auch klar, dass Helden Opfer bringen müssen. So gesteht Michael Butterworth seinen Musikern auch nur Pyrrhussiege zu.
Rick Evans hat in seinem Vorwort Unrecht. Die Verbindung von Buch und Musik ist nicht einzigartig. Vor allem nicht aus der Gegenwart zurückblickend. Aber Michael Butterworth hat zusammen mit Michael Moorcock ein interessantes Fundament gelegt, auf dem anderen Autoren wie George R.R. Martin mit “Armageddon Rock” - ein weiteres Buch, das mit lauter Musik geles
„Ledge of Darkness“ ist der dritte Teil der „Hawkworld“ Trilogie. Das Manuskript stammt wohl noch aus der Feder Michael Butterworth, den eigentlichen Plot und die Zeichnungen hat Bob Walker erschaffen. Das Comic wurde Robert Calvert gewidmet. Bob Walker ist ein englischer Künstler, der inzwischen in Australien lebt. Neben „Ledge of Darkness“ hat er die Innengestaltung des Hawkwind Albums „The Chronicle of the Black Sword“ verantwortet. Heute ist das Comic selbst antiquarisch kaum noch zu erhalten.
Zeichnerisch folgt Bob Walker dem heute eher krude und einfach gestalteten Stil der Underground Comics. Vergleicht man die Zeichnungen mit der „Kiss“ Comicserie, die in den neunziger Jahren bei MacFarlands veröffentlicht worden ist, erscheinen die Graphiken eindimensional und spröde.
Bob Walker entwickelt auch keinen eigentlichen Plot, sondern übernimmt eine Reihe von Elementen aus Michael Buttterworths erstem Buch. Wieder steht der Kampf gegen den Todesgenerator im Erdinneren im Mittelpunkt der Handlung. Im zweiten Buch hat Michael Butterworth diese Auseinandersetzung zu Gunsten der Suche nach Patti, aber auch der psychedelischen Konfrontation mit der roten Königin fallen gelassen.
Im Gegensatz zu Michael Butterworth konzentriert sich Bob Walker als Beilage zum Jubiläumsalbum auch mehr auf die Band per se. Die handlungstechnischen Fantasy Elemente dienen eher als lockere Verbindung zwischen den zahllosen Hawkwind Anspielungen, die ja immerhin fast ein Dutzend Alben und mehr als fünfundzwanzig Jahre in unterschiedlichen Konstellationen umfassen.
Um die Handlung nicht ausufern zu lassen, spielen nur Hawkwind Mitglieder eine Rolle, die Michael Butterworth schon in seinen beiden Romanen benutzt hat. Das wird bis auf den Leadsinger angesichts der auf dem Cover genannten Besetzung irritierend, zeigt aber, das Hawkwind nach den Exkursionen in die USA wieder zu ihrem alten, inzwischen allerdings auch von der Zeit überholten Stil der siebziger Jahre zurückkehren wollte.
Interessant ist, daß auch die von Michael Moorcock inspirierte Zauberergestalt The Moorlock eine gewichtige Rolle spielt. The Moorlock ist für einige der inspiriert wirkenden, aber im Grunde nicht aussagenden Monologe zuständig, welche dieser kurzweiligen, aber auch sehr konfus erzählten Comicgeschichte, aus Versatzstücken zusammengesetzt und nur eine Art Beiwerk darstellenden Geschichte intellektuelle Tiefe geben soll.
Wie das den Comic begleitende Album – gerne auch anders herum – geht es vor allem um Erinnerungen. Bob Walker und Michael Butterworth als eine Art Exposeautor greifen hierzu vordergründig auf die Multiversumidee zurück. Hintergründig springt die Geschichte wie das Album zwischen den einzelnen Epochen der Band hin und her. Beide versuchen, die Stärken und weniger die Schwächen der lange Zeit erfolgreichen, aber niemals wirklich kommerziellen Hawkwind Musik herauszuarbeiten.
Beide Arbeiten - Album und Comic - wirken allerdings auch wie aus der Zeit gefallen, so dass ein interessierter Fan das Comic zwar zum Album lesen, vielleicht eher durchblättern kann, aber feststellen muss, das einige Geschichten besser nicht zu Ende erzählt werden sollten. In dieser Hinsicht wirken die beiden Hawlord /Hawkwind Romane „Time of the Hawklords“ und „Queens of Deliria“ nicht nur respektvoller, sondern fassen viele der frühen Themen der Band expressiv, provokativ und dem wilden Geist des New Wave entsprechend auf eine heute vielleicht antiquierte, damals aber brandaktuelle und den sozialen Widerspruch zwischen den Generationen besser herausarbeitende Art und Weise mit der psychedelischen Musik im Kopf der Leser besser zusammen.
Daher ist “Ledge of Darkness” auch nur bedingt zu beurteilen und in den Hawklords/ Hawkwinds Komos zu integrieren. Das Comicformat visualisiert die Geschichte anders. Der Stil ist notwendigerweise kompakter, die Dialoge knapper. Michael Butterworth hat mit seinen exzentrischen Beschreibungen, seinen vor allem in den Originalausgaben lesenswerten Wortspielereien, aber auch Anspielungen ein stilistisch herausforderndes vielleicht auch zu selbstverliebtes Buch in der Tradition des New Wave verfasst, das einige inhaltliche Schwächen und stereotype Muster alleine durch die Kraft einzelner Ideen, die bewegenden Beschreibungen der Auswirkungen “guter” Musik, aber auch Elton John Songs, sowie die dreidimensionale Zeichnung der Bandmitglieder als Menschen, als eine “Familie” beinhaltet. Beide Bücher und das Comic sind Kinder der siebziger Jahren mit der verständlichen Angst vor einer dunklen, inzwischen in Teilen eingetretenen Zukunft in Händen der bornierten alten Politiker und der Hoffnung, das die Kraft der Musik Veränderungen in die Wege leiten kann. Inzwischen ist auch die damals junge Generation alt geworden, vielleicht ein wenig weiser, aber auf jeden Fall deutlich ernüchtert. Michael Butterworths Geschichten stellen wie die Musik von Hawkwind ein Zeittor in die vielleicht auch eigene Vergangenheit dar, in die grellen siebziger Jahre, das ein Leser/ Zuhörer möglichst unvoreingenommen und vielleicht auch in Kombination mit Jens Balzers pointiert geschrieben Führer durch dieses Jahrzehnt in Gedanken wieder betreten sollte.

- Herausgeber : Apex Verlag
- Sprache : Englisch
- Taschenbuch : 252 Seiten
- ISBN-10 : 3754150529
- ISBN-13 : 978-3754150528
- Lesealter : Ab 18 Jahren
- Abmessungen : 12.5 x 1.4 x 1.4 cm
- UNSPSC-Code : 55101500
