Die von Klaus Farin und Gabriele Haefs zusammengestellte Essay Sammlung hat den Untertitel „Karl May in kritischen Zeiten“. Mit dem Beginn der zweiten Amtszeit sind die Zeiten nicht für Karl May, sondern insbesondere für die Mitglieder amerikanischer Minderheiten – damit sind alle Menschen gemeint, die nicht weiß und reich sind – noch härter geworden.
Daher ist die Rückbesinnung auf den Inhalt von Karl Mays Märchen und Gleichnissen – Eigeneinschätzung des Sachsen – noch wichtiger geworden. Auch wenn die ersten Seiten von „Winnetou 1“ die Sammlung einleiten, ist es Klaus Farins Essay „Als Kind wäre ich gerne Indianerhäuptling geworden“ - statt Berufspolitiker wie die hier zitierte Bettina Jarasch, die sich für diese Aussage wegen Verunglimpfung der Native Indians entschuldigen musste -, das viele zeitkritische Punkte aufführt; viel Polemik aus den Diskussionen nimmt, einige falsche Argumente entkräftet und viele Schlagwörter erdet. Klaus Farin reist aus der Gegenwart in Karl Mays und damit die Vergangenheit des Deutschen Reiches zurück.
Kritisch geht der Autor mit dem falschen Verhalten des Ravensburger Verlag hinsichtlich des Verkaufsstopps ihrer Filmadaption – kein eigenständiges Werk – von „Der junge Häuptling Winnetou“ aufgrund des öffentlich proklamierten Drucks von Minderheiten ein. Auf der einen Seite fordern diese Minderheiten eine faire Behandlung – es handelt sich nicht um betroffene amerikanische Ureinwohner – und eine Stimme; auf der anderen Seite versuchen sie aus der Position der Minderheit die Mehrheit zu manipulieren, zu unterdrücken und ihr mittels Polemik und falschen Argumenten ein schlechtes Gewissen zu machen, auf dessen Keimung sie weitere Argumente aufbauen.
„Der junge Häuptling Winnetou“ ist eine gute Basis für eine Diskussion mit der Aufgabe von literarischen Werken. Jules Verne ist nicht zum Mond oder unter den Meeren gereist. Liebesromane spiegeln nicht die Wirklichkeit wider. Von Märchen ganz zu schweigen. Jede literarische Bewegung beansprucht für sich die Notwendigkeit, fantasievoll zu erzählen. Die Alternative wäre die realistische Literatur vor allem der ehemaligen kommunistischen Staaten, welche auch verklärend – hier ist es erlaubt – den Alltag der Arbeiter und Bauern bei der Erfüllung ihrer 5 Jahres Pläne zeigen. Dann lieber Farbe an der Wand trocknen sehen.
Selbst Fachjournalismus krankt an Recherchefähigkeiten. Nicht selten wird insbesondere in der Sekundärliteratur manipuliert, falsch zitiert und schließlich sogar faktisch widersprüchlich deduziert. Da war Karl May mit seiner umfangreichen Bibliothek den heutigen Schreiberlingen mit Grundschulkenntnissen, aber hohen Zugriffszahlen im Netz deutlich überlegen. Schnell wird der Begriff der kulturellen Aneignung wie beim Ravensburger Verlag hervorgeholt, ohne dass dessen grundlegende Bedeutung im konkreten Fall geprüft wird. Plattitüden, Meinungsmache und Diskussionen auf dem Niveau einer bekannten Boulevardzeitung, ausgetragen im Netz und von der Scheu der Verlage angefeuert, irgendwo eine kleine Randgruppe als potentielle (und selten konkrete) Kunden verlieren zu können. Die Angst vor der eigenen Courage, welche von Möchtegernpolitikern wie Trump gegenwärtig in den USA durch ständiges Fordern und Provozieren auf die Spitze getrieben wird. Von Gegenwart und Orientierung an Karl May, vor allem auch im historischen Kontext anderer Unterhaltungsschriftsteller dieser Zeit, keine Spur.
Klaus Farin will aber noch mehr mit seinem Artikel erreichen. Karl May hat nicht nur die Indianer als zu edel beschrieben und sich in seinen Büchern gegen den in die USA und den Nahen Osten übertragenen europäischen Kolonialismus gewährt. Auch wenn es bizarr erscheint, hat Karl May auch das Bild des Deutschen in der Welt über seine Helden wie Old Shatterhand oder Old Firehand hinaus verklärt. Wenn sich insbesondere Landsmänner aus Sachsen in den Weiten des Orients oder dem Wilden Westen Nordamerikas begegnen, dann treten sie entgegen der Realität mit deutschen Siedlungen voller Gartenzaun umgebenen Häusern; deutschen Schulen und dem belehrenden Hang, im Ausland Deutscher zu sein als in der Heimat der Auswandererwelle in Karl Mays Bücher auf. Bis auf die Schurken haben sie sich mit ehrlicher Hände Arbeit ein neues Leben erschaffen und streben im Einklang mit den Mitmenschen, auch den Indianern zu leben. Es sind die bösen Schurken als griffige Abziehbilder des globalen Kolonialismus, die auf schnellen Reichtum schielend, Völkermord begehen. Und das ist ein Thema, das Karl May in seinen Romanen immer wieder anspricht und damit die Realität in die deutschen Wohnstuben zurückholt. Literarisch verklärt, aber auf keinen Fall völkisch verzehrt.
Damit ist Karl May aktueller denn je. Klaus Farin geht auch auf den Begriff der Indianer ein. In den USA lässt sich zwischen Indianern und Indern nicht wirklich unterscheiden. Im Deutschen ja. Aber das reicht vielen belehrungswütigen Politikern – insbesondere Minderheitenvertreter einer grundlegend ökologischen Ausrichtung seien hier angesprochen – nicht. Der Begriff des Indianers soll verschwinden, auch wenn er insbesondere in Zeiten der Internetrecherche wichtiger denn je ist. Und es gibt Organisationen, die wissen, von was sie schreiben bzw. sprechen.
Klaus Farins Einführung ist viel mehr als eine Einleitung. Es ist eine interessante Erdung verschiedener, aus dem Ruder gelaufener Diskussionen mit klar präsentierten Fakten und Vergleichen. Ganz bewusst geht der Autor gegen die Scheuklappendiskussion vor und erreicht vielleicht, dass sich einige der propagierenden Besserwissermenschen mal mit dem Thema und nicht mehr nur mit einem Schlagwort befassen.
Bertha von Suttner, Carl Zuckmayer, Erich Mühsam und immer wieder Karl May liefern mit den hier zusammengestellten ausführlichen Zitaten oder humorvollen Anekdoten einen entsprechenden Rahmen. Hinzu kommt, dass Klaus Farins Einführung die Tore zu den nachfolgenden vier Essays mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten öffnet.
„Kulturelle Aneignung“ ist über die literarischen Extrapolationen hinaus keine Einbahnstraße, wie Christian Feest in seinem aus zwei ursprünglich separaten Artikeln bestehendem Essay „Gibt es viele Indianer in Europa?“ unterstreicht. Nach der Lektüre des mit zahlreichen historischen Bildern, Fotos und schließlich auch Werbematerial illustrierten Artikel kann die Antwort auf diese Frage nur „jein“ lauten. Nein, im Vergleich zu den in die USA ausgewanderten Europäern sind es wenige. Ja, über viele Jahrhunderte gab es immer wieder teilweise spektakuläre Beispiele für Indianer in Europa, welcher das Leben an den Königshöfen; die Kunst, die Forschung und schließlich auch mit Buffalo Bills Wild West Show die Phantasie der Zuschauer im Allgemeinen und vielen Frauen im Besonderen beflügelt haben. Christian Feests Bogen reicht aber weit über die ersten Besuche von Indianern in Europa als Gast; als Vorführmodell und teilweise als eine Art von Sklave hinaus. Sein Essay beginnt mit den verzerrten Eindrücken von Reisenden oder Schriftstellern, welche in Richtung Westen gleich das Tor zur Hölle, zu Kannibalen und kopflosen wie gottlosen Geschöpfen sahen. Durch die Besuche von zahlreichen Indianern relativierte sich im Einklang mit der nach Europa durchsickernden eher abenteuerlichen Literatur das Bild von Wesen direkt aus der Hölle. Vorurteile blieben auf beiden Seiten bestehen. Und einige der wieder nach Amerika zurückreisenden Indianer haben ein ebenso verzerrtes Bild mitgenommen wie es Karl May, Robert Kraft in seinen im Wilden Westen spielenden Episoden der Kolportageromane oder die zahllosen Pulpautoren weiterhin gegen alle Realität präsentiert haben. Karl May ist in diesem Essay direkt nur eine Randerscheinung; indirekt durch die Übernahme zahlreicher Quellen allgegenwärtig.
Christian Feests Artikel ist eine Reise durch die Zeit und weniger eine in die Tiefe gehende Analyse des Fremden in einem fremden Land bzw. in diesen Fällen auf einem fremden Kontinent. Die zahllosen Beispielen, nicht immer chronologisch, sondern manchmal auch thematisch aufgelistet und von den angesprochenen Bildern begleitet, heben sich gut von den fiktiven und bekannteren Inkarnationen ab. Auf diesem Boden bauen auch die anderen Artikel auf. Christian Feest zeigt wie Klaus Farin allerdings nachdrücklich auf, dass die immer wieder propagierte Idee einer literarischen wie wissenschaftlichen „Zurück zu den Wurzeln“ Mentalität im Verhältnissen zur amerikanischen Urbevölkerung deutlich schwieriger ist als es viele Populisten gerade fordern.
„Karl May und die Indianer“ (Andreas Brenne) baut mit der Betrachtung des sächsischen Utopisten und seinen imaginären Möglichkeitsräumen auf Christian Feests Fundament auf. Geschickt fängt er in die Gegenwart ein. Neu heute wird das Bild der armen, in Reservaten lebenden Indianer, die durch den Schmuckverkauf von den Touristen leben, gerne genommen, um die weitere kontinuierliche Unterdrückung und Ausbeutung des roten Mannes zu beschreiben. Das Bild entspricht nicht mehr der prozentualen Bevölkerungsverteilung der Indianer. Karl May hat, basierend auf den Schriften Friedrich Gerstäckers, Balduin Möllhausens, aber auch James Fenimoore Cooper ein eigenes Indianergebild erschaffen. Christian Feest hat vorher argumentiert, dass die europäischen Feindschaften eine Grundlage für die Identifizierung mit einem Indianerstamm gewesen sein könnten, aber nicht müssen. Wer in den USA der Feind meines europäischen Feindes gewesen ist, muss mein Freund sein. Und da blieben für die Deutschen bzw. Sachsen die Apatschen irgendwie „übrig“. Andreas Brenne stellt die gegenseitige Abhängigkeit in den Mittelpunkt seiner These. Auch wenn die Indianer von (europäischen) Weißen bedroht, vertrieben, ausgeplündert und ermordet worden sind, biedern sich nicht selten die „bösen“ Indianer ausgerechnet den weißen Schurken an und paktieren mit ihnen. Dadurch stellen sie sich selbst gegen das eigene Volk und hoffen, dass sich die gemachten Erfahrungen im Windschatten der „Mächtigen“ nicht wiederholen. Eine steile These, die sich nicht nur auf das Verhältnis zwischen weiß und Rot bezieht, sondern erstaunlicherweise zutiefst „menschlich“ ist. Wie oft haben sich Menschen wieder unter die Knute eines Tyrannen begeben, in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden? Wie oft haben Menschen das Schicksal anderer „Opfer“ ignoriert und sich gesagt, bei mir werde er es nicht machen. Diese jeweils weichen, vielleicht auch verweichlichten Ansichten ziehen sich bis in die Gegenwart durch die Geschichte, wie die zahlreichen populistischen Politiker und ihre schwierigen Verhältnisse zur Demokratie, aber auch Helfern/ Freunden zeigen. Auf der Basis der damaligen Kolonialpolitik, der Karl May mindestens kritisch bis ablehnend gegenüberstand, hat der Sachse mit seinen Wunschgeschichten und dem kontinuierlichen Streben, das Gute im Menschen zu suchen/ zu finden sowie der finalen Entscheidung zu einem christlichen Gott – siehe Winnetous Tod – eine Art Blase erschaffen, welche die Realität der damaligen Zeit nicht ignoriert und durch die geschickte Positionierung von konträren Figuren im Spannungsfeld der Abenteuergeschichte belehrend extrapoliert. Dem Gegenüber steht das Ringen seiner Protagonisten um „Anerkennung und Partizipation“ (Seite 119), dem sich weder die Helden in Form eines fast belehrenden Sendungsbewusstsein wie auch die Schurken in ihrer Gier nach illegal erworbenen Reichtum entziehen können.
Karl Mays „Die Sklavenkarawane“ und „Im Land des Mahdi“ stehen literarisch im Mittelpunkt von Johannes Zeilingers Artikel „Karl May kämpft gegen die Versklavung“. Schon der Titel räumt mit den Vorwürfen einzelner Forscher in Sachen Orientalismus auf. Dem Kunstbild des Westens über den Nahen Osten. Bezeichnend ist, dass dieser Begriff ursprünglich gar nicht auf Deutschland zugetroffen hat und das sich einzelne, auch namentliche erwähnte angebliche Literaturforscher dieser weißen Stelle in Deutschland dunkler Kolonialvergangenheit zusätzlich angenommen habe. So rutschte auch Karl May mit seiner protofaschistischen Gestalt Kara Ben Nemsi auf die rote Liste. Johannes Zeilinger legt dar, wie einzelne Fakten wie die Stiefel – hilfreich in der Gegend – und die Peitsche – Karl May lässt sie nur benutzen, um überführte Verbrecher zu bestrafen oder lässt mir ihr drohen, um relevante Aussagen zu erhalten – missbraucht und der literarischen Realität entzogen werden.
Johannes Zeilinger geht in seinem Artikel auf die verschiedenen Sklavenbewegungen im Nahen Osten ein und differenziert zwischen dem innerafrikanischen Sklavenhandel mit dem Schwerpunkt Frauen und zukünftige Eunuchen und der Verschleppung von Afrikanern auf die Plantagen in die USA. Gleichzeitig zeichnet er kurz die Geschichte der Deutsch Afrikanischen Handelgesellschaft nach und ihre Schwierigkeiten, die schließlich zu einem brachialen Eingreifen einer Handvoll deutscher Offiziere mit sudanischen Truppen führte.
Nach der geschichtlichen Einordnung zeigt der Autor sehr differenziert, vielleicht angesichts der Themenstellung im Titel hinsichtlich der Bezüge zu Karl May, wie sich die beiden angesprochenen Romane von der propagandistischen Literatur unterscheiden; auf welchen realen Wurzeln sie basieren und welche historischen Figuren sich Karl May bei diesen aus seinem Gesamtwerk herausragenden Büchern zum Vorbild genommen hat und wie verzerrt das Bild der angeblichen Orientalismus Forscher mit ihren unbewiesenen und literarische Unkenntnis ausstrahlenden Behauptungen ist.
Auch wenn Karl May vielleicht in der Betrachtung ein wenig zu kurz kommt, präsentiert der Autor übersichtlich, reichhaltig bebildert und fundiert mit Quellen unterlegt einen guten Überblick über das Thema Sklavenhandel in Kombination mit dem deutschen Kolonialismus.
Gunnar Sperveslages „Kara Ben Nemsi in Mekka“ konzentriert sich auf die knapp zwei Seiten in „Durch die Wüste“ sowie „Am Jenseits“. Texte aus Karl Mays Feder. „In Mekka“ – geschrieben von Franz Kandolf – bleibt komplett außen vor. Neben einem kurzen historischen Abriss zur Bedeutung der wichtigsten Wallfahrtsorte des Islams konzentriert sich der Autor auf verschiedene Kritikpunkte. So hat Karl May als Protestant vor allem im katholischen Hausschatz veröffentlicht. Kara Ben Nemsi fühlt sich zwar dem Islam und dem Nahen Orient verbunden, will aber nicht einmal zu Schein konvertieren. Hadschi Halef Omar geht eine Scheinehe ein, um Hannah bei der Pilgerfahrt zu helfen. Daraus wird später wahre Liebe. In der Mekka Episode in „Durch die Wüste“ hat Halem ein schlechtes Gewissen, den Ungläubigen Kara Ben Nemsi - es spielt keine Rolle, dass er nicht selten öfter aus dem Koran zitiert als alle wahre Gläubigen mit Ausnahme Hadschi Halef Omars zusammen in den Orientabenteuern – nach Mekka zu begleiten. Richtig stellt Gunnar Sperveslage fest, dass in „Am Jenseits“ fünfzig Gläubige Kara Ben Nemsi ein zweites Mal nach Mekka begleiten wollen. Die Zeiten haben sich zumindest für Kara Ben Nemsis Freunde geändert, aber nicht für den aufrechten Sachsen. Diesen Kontrast arbeitet der Autor nicht nur in den beiden angesprochenen Werken heraus, schon in „Winnetou 1“ zeigt sich der Apachenhäuptling erstaunlich langmütig, was die fehlende Bezahlung Old Shatterhands durch die Eisenbahn wegen seiner Arbeit angeht.
Aber Gunnar Serveslage klebt nicht an Karl Mays Texten, sondern beschreibt die verschiedenen Männer, welche in Verkleidungen nach Mekka gereist sind und die Heilige Städte je nach der Perspektive der Moslems nur besucht oder möglicherweise entweiht haben. Es ist eine Frage des Betrachters und in diesem Fall auch desjenigen, der die meisten Rechnungen für den Unterhalt der Heiligen Stätten bezahlt.
Mit einigen ausführlichen Zitaten, entsprechenden Querverweisen und einem stringenten Fazit geht es Gunnar Serveslage auch darum, das an einigen Stellen vorherrschende schwarzweiße Denken gegenüber Karl Mays Werk zu relativieren und die kolonialen Tendenzen ins richtige Licht zu rücken. Wenn Karl May Eurozentrische Ideen vorgeworfen werden, antwortet Gunnar Serveslage mit den entsprechenden, diesen Vorwurf negierenden Textbeispielen. Vor allem liest sich sein ausführliches Essay eines wichtigen Teilaspektes in Karl Mays Werk flott. Seine Thesen sind gut sowohl in Karl Mays Werk wie auch die entsprechenden historischen Hintergründe eingebunden.
Gabriele Haefs Nachwort greift noch einmal die wichtigsten Ideen aus den vier Essays – Klaus Farins Liebeserklärung an Karl May wird außen vor gelassen – auf. Dabei reicht das Spektrum von Wiederholungen inzwischen gelesener Ideen wie auch Extrapolation einzelner Facetten. So nehmen die Indianer des Nordens mit ihrer Hamburger Zeit in Hagenbeck stellvertretend einen breiten Raum ein. Da die Artikel alle argumentativ in sich geschlossen sind, wirkt das Nachwort ein wenig über das Ziel hinausschießend und die aufgeworfenen Thesen noch einmal betonend. Ein weiterer Artikel zu einem anderen Thema wäre Zielführender gewesen. So heißt der Romane „Winnetou- Karl May in kritischen Zeiten“. Zwei der langen Artikel handeln von Karl Mays Orientzyklus und damit nicht von Winnetou. Karl May als Autor wird nur bedingt und dann vor allem von Klaus Farin aus der Gegenwart heraus betrachtet. Die Auseinandersetzungen; die Kritik an seiner lange geheim gehaltenen Vergangenheit und schließlich die Identifikation mit den eigenen Helden erhalten keine neuen Facetten. Viel wichtiger wäre es, Karl May als Autor und seine Überhelden als Vorbilder in der Gegenwart zu betrachten, die von Fake News; Opportunisten und vor allem Narzissten dominiert wird. Lässt sich das natürlich auch christlich motivierte Heldenbild Karl Mays in der Gegenwart nicht vermarkten, sondern vorbildlich darstellen? Könnten Old Shatterhands, Winnetous, Kara Ben Nemsis und Hadschi Halef Omars kontinuierliches Wirken für das Gute, für Völkerverständigung und vor allem Frieden nicht auf einer Welt, die komplett aus den Fugen geraten ist, mindestens einen Leitfaden, wenn nicht ein Leitbild darstellen? Diese Themen werden nur bedingt gestreift und damit angesichts des Untertitels auch Potential verschenkt.
Auf der anderen Seite präsentiert dieses kleine Büchlein vier sehr gut recherchierte Essay zu Themen aus Karl Mays Werk – der Kampf gegen die Sklaverei und der Besuch in Mekka – sowie die Relativierung der Kritik an den Grundlagen seines Werkes – Karl May schrieb in imaginären Möglichkeitsräumen – und mit dem Blick auf die Indianer in Europa eine Gegenposition zu den meistens deutschen Helden Karl Mays in den unendlichen Weiten Nordamerikas. Damit wird die Zeitlosigkeit in Karl Mays Werk unterstrichen und die kritischen Zeiten treten – wie schon angesprochen – in den Hintergrund.
Herausgeber : Hirnkost; 1. Edition (28. März 2025)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 232 Seiten
- ISBN-10 : 3988570451
- ISBN-13 : 978-3988570451
