Planet der Hitzköpfe

David Wright O Brien

Mit „Planet der Hitzköpfe“ legt der Dornbrunnen Verlag nach dem Doppelgeschichtenband „Ein Sherlock des 25. Jahrhunderts“ sowie „Das Marsproblem“ in der Anthologie „Nachrichten vom Mars“ eine weitere auf dem roten und in diesem Fall auch hitzköpfigen Planeten spielende Geschichte aus der Feder David Wright O´Briens vor.

 Der 1918 geborene David Wright O´Brien ist der Neffe des „Weird Tales“ Herausgebers, wobei der Schwerpunkt von seinen mehr als einhundert veröffentlichten Kurzgeschichten eher dem Bereich der Science Fiction zuzuordnen ist. Seine erste Story „Truth is a Plague“ erschien im Februar 1940 in „Amazing Stories“. O`Brien nutzt eine Vielzahl von Pseudonymen wie John York Cabot, Duncan Farnswort – unter diesem Namen wurde die vorliegende Geschichte in der Juni 1941 Ausgabe von „Amazing Stories“ publiziert-, Clee Carson und Richard Vardon.

Neben wahrscheinlich mehr als siebzig phantastischen Kurzgeschichten hat O´Brien auch eine Reihe von Kriminovellen verfasst, von denen einige in den USA als Doppelbände in der Reihe Armchair Press erschienen sind. Auch eine Handvoll von Science Fiction Novellen ist gedruckt erhält. Dazu gibt es noch einen Megapack Storyband mit einem guten Dutzend utopischen Stoffen.

 Mit seinem Freund William P. McGivern schrieb er einige Geschichten, sie teilten sich ein Büro in Chicago. Er trat der U.A. Air Force bei und fügte von diesem Augenblick an den Titel Corporal seinen Pseudonymen hinzu.

Dadurch war er auch in einer besonderen „Weird Tales“ Ausgabe vertreten. Alle Autoren dienten zum Zeitpunkt der Veröffentlichungen ihrer Geschichten in der amerikanischen Armee. Nur wenige Monate nach dem Erscheinen dieser Ausgabe sollte O´Brien im Zweiten Weltkrieg sein Leben lassen. 1944 mit 26 Jahren kam er von einem Flug über Deutschland nicht zurück.  Die meisten Quellen sprechen davon, dass sein Bomber über Berlin abgeschossen worden ist. Laut den Recherchen des Zauberspiegels erreichte seine Maschine schwer beschädigt belgischen Luftraum. Die Besatzung musste das Flugzeug verlassen. Von den neun Besatzungsmitgliedern erreichten nur fünf das Gebiet der vorrückenden alliierten Truppen. Zu den vier verschollenen Soldaten gehört David Wright O´Brien. Sein Grab auf dem Soldatenfriedhof von Liege ist leer.

 In den wenigen Jahren hat O´Brien mit den angesprochenen fast einhundert Kurzgeschichtenveröffentlichungen in Magazinen wie „Amazing Stories“ oder „Fantastic Adventures“ bewiesen, dass er ein Autor ist, der mindestens routiniert unterhaltsam schreiben kann. Viele seiner schnell herunter geschriebenen Texte wirken aus der Distanz von mehr als achtzig Jahren ein wenig ungehobelt, zu stringent gestaltet und die Klischees des Genres nutzend. Sein kurzes Leben gab ihm nicht die Zeit, sich als Autor weiterzuentwickeln und vielleicht später wie zahlreiche andere Pulpautoren längere Texte oder gar Romane zu verfassen. Aber bei einigen seiner Geschichten kann der aufmerksame Leser erkennen, dass er es mit dem Genre nicht wirklich ernst gemeint hat und gerne die Klischees ein wenig verfremdet präsentierte.    

 „Planet der Hitzköpfe“ – im Original „Pepper Pot Planet“  lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten. Als geradlinige Geschichte, in welcher zwei im Grunde unbeteiligte Raumfahrer der Revolution gegen den örtlichen Tyrannen zum Sieg verhelfen – oder als Parodie auf diese Art von Geschichten, die es zu tausenden in den verschiedenen Pulp Magazinen der dreißiger und teilweise vierziger Jahre noch gegeben hat. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich David Wright O´Briens Story bewegt. Zu viele Klischees werden bemüht, was allerdings auch zur Satire auf ein Genres gehört. Daher lohnt es sich, die kurze Story zweimal zu lesen. Einmal um die erstaunlich geradlinige, fast simple Geschichte zu goutieren und ein zweites Mal, um die kleinen Hinweise zu finden, mit denen der Autor unterstreicht, dass alles nur eine großartige Farce, eine mit Augenzwinkern erzählte Parodie, vielleicht auch Satire ist.

 Der Ich- Erzähler Brad Skeene und sein bester Freund, Co- Pilot und Mitstreiter Wade Hawkins sind gerade entlassen worden. Anscheinend ist ein vorangegangener Auftrag ohne nähere Informationen außer Kontrolle geraten und es folgte die entsprechende Kündigung. Jetzt sind sie auf dem Mars gestrandet.

 Der Mars ist eine Mischung aus den Pulpabenteuern beginnend mit Edgar Rice Burroughs über Leigh Brackett oder Edmond Hamilton. Es ist ein alter Mars mit einem alten Volk, das sich dort etabliert hat. Es ist eine unwirtliche, heiße Welt. Nicht umsonst sind die auch die Bewohner dieses Planeten hitzköpfig. Zumindest einige Bewohner. Erdenmenschen werden eher geduldet.

 Der Mars wird von einem Tyrannen und seinen in lila Uniformen steckenden Garden beherrscht. An einer Stelle verweist David Wright O Brien auf die populären Comics des 20. Jahrhunderts und der von ihm allerdings schemenhaft, teilweise schematisch entworfene Planet erinnert tatsächlich beginnend mit einer Reihe von Klischees wie atemberaubenden leicht bekleideten Frauen, grobklötzigen Anatagonisten und gigantischen Strahlenkanonen basierend auf Atomtechnologie Raymonds „Flash Gordon“ Welten. Nur die Echsen vermisst der Leser.

 In einer Kneipe setzt sich eine wunderschöne Frau Tonya Noronha an ihren Tisch und beginnt ein Gespräch. Natürlich sind die beiden Freunde hin und weg. Ein interner Wettstreit um die Schöne beginnt. Als Wachen der örtlichen Herrscher auftauchen und anscheinend nach Tonya in der Kneipe suchen, steckt sie dem Ich- Erzähler Dokumente zu, welche er in seinem Stiefel versteckt.

 Das Ausgangsszenario erinnert dann mehr an die klischeehaften Kriminalgeschichten mit einem Hauch Film Noir. Schnell werden die beiden Männer und Tonya trotz aller überzogen beschriebenen Anstrengungen verhaftet, gefesselt, betäubt und verschleppt.

 Damit hört die passive Beteiligung der beiden Raumfahrer auf und der aktive Teil beginnt. Ihnen gelingt es, sich an Bord eines Raumschiffs irgendwo in der Marsnähe zu befreien. Der Ich- Erzähler will die Besatzung ausschalten, findet diese aber betrunken und schlafen vor. Zwar rühmt er sich der Tat, er ist aber nicht aktiv beteiligt. Eine erste Szene, in welcher an der imaginären Ehre der Raumfahrer gekratzt wird. Eine erste Sequenz, in welcher deutlich wird, dass auch Frauen aktiv sein können.

 Anschließend überschlagen sich die Ereignisse und der Leser hat das unbestimmte Gefühl, als wollte O`Brien eine deutlich längere Geschichte erzählen, fand aber weder die Zeit noch den Raum im Magazin.

 Das Finale entpuppt sich als eine Mischung aus schematischem Kampf gegen die Übermacht inklusive des Sieges sowie der Idee, dass die Ereignisse in dieser Form eigentlich nie geplant worden sind. Die Papiere sollten ein Ablenkungsmanöver sein, das furchtbar schief und dann doch erfolgreich gewesen ist. Die „Deus Ex Machina“ Auflösung ist die Wandlung eines der Erdenmänner – es ist keine Überraschung, wer von den beiden Raumfahrer instinktiv die Initiative übernimmt, den Sieg bringt und die Frau erobert – zum Helden.

 Der Einsatz der Atomstrahler wirkt ein wenig übertrieben und unterstreicht den nicht ganz ernsten Charakter der Geschichte. Aber es ist eine saubere Methode, um seine Feinde zu beseitigen.

 Am Ende wird das erste Missverständnis aufgelöst und ein Happy End – auch hier muss ein Fragezeichen gesetzt werden – eingeläutet. Ende  Gut, Alles Gut und das sogar auf zwei Planeten. Was will man mehr ?  Vielleicht etwas mehr Logik, ein wenig mehr innere Spannung und vor allem einige wenige Erklärungen, warum plötzlich die Regierungstruppen im spannungstechnisch richtigen, logisch aber falschen Moment erscheinen und beinahe den Sieg davon tragen? Zumindest gibt es am Ende des Tages einen neuen Herrscher/ Anführer auf dem Mars und dessen Zukunft kann beginnen.

 Die Balance zwischen einzelnen Passagen, die parodistisch erscheinen könnten und einer im Grunde simplen, klischeehaften Handlung verschiebt sich gegen Ende mehr und mehr in den Bereich der Farce und damit auch der Parodie. Überlagert durch eine gigantische Actionszene, wie es sich für die Pulpgeschichten gehört. Rückblickend sind die beiden Helden anfänglich opportunistische Raumstrolche, die ihre Aufträge mehr schlecht als recht ausführen und deswegen auch entlassen worden sind. Die Diktatur auf dem Mars entspricht den Klischees der Flash Gordon Comics ohne einen charismatischen Ming. Aber gibt es wirklich eine Revolution? Das könnte der Knackpunkt bei der Betrachtung sein, denn Tonyas Vater ist mit einem sehr kurzen Auftritt alles andere als der klassische Revolutionär oder Anführer der Opposition. Das er am Ende diese Rolle übernehmen will, ohne allerdings familiären Sabotageaktionen ausgesetzt zu sein, ist auf der einen Seite dem Genre folgend konsequent, auf der anderen Seite wäre es ein perfekter Knalleffekt, wenn der General im Blut seiner Feinde stehend sagt, er hat keinen Bock der nächste Herrscher zu sein, gegen den aus welcher Ecke auch immer opponiert wird. Und Tonya ist eher ein Spielzeug, dessen impulsives Wesen befriedigt und abgelenkt werden soll. Anscheinend gibt es Frauen, die auf solche Situationen abfahren. Prinzessin Leia ist sicherlich die bekannteste Inkarnation dieser Reihe von Frauen, während Dale nur an der Seite Flash Gordons agierte. Diesen Punkt streift O´Brien am Ende der Geschichte zu wenig und schöpft unabhängig von der erotischen Seite das Potential seiner Tonya zu wenig aus. Zumindest kann sie die Charakterzüge ihrer beiden Retter/ Helfer gut durchschauen, auch wenn sie am Ende zumindest vorläufig und im Off in die Arme des Einen sinkt. Hier erfüllt O´Brien trotz des vielen Satzes wieder die Klischees des Subgenres.

 Zumindest sind die Helden bis auf das Finale – ist es wirklich in dieser Form notwendig ? – nicht cool, nicht heroisch und wegen ihrer Bemerkungen nicht mal sympathisch. Aber auch dieses negative Image reicht, um nach den eher fünfzehn Sekunden des Ruhm zu greifen. Und das auch nur in einem Moment, in dem der eigene Verstand ausgeschaltet worden war.  

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag Dornbrunnen
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. April 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 33 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3943275795
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3943275797
  • Originaltitel ‏ : ‎ Pepperpot Planet

 Planet der Hitzköpfe: Ein Marsabenteuer (Kleine Dornbrunnen Bibliothek)