
"Objekt Lamba" bzw. im Original "Farthest Star" ist eine Kooperation Frederik Pohl und Jack Williamson, der acht Jahre später eine Fortsetzung "Wall around a Star" folgte. Der Roman der beiden Science Fiction Autoren ist inhaltlich ohne Frage abgeschlossen, wirft aber im komprimierten Handlungsverlauf mehr Fragen auf als die Handlung bereit ist, Antworten zu liefern.
In diesem Fall ist vor allem der deutsche Titel "Objekt Lamba" durch aus passend, den Pohl und Williamson schicken ihre Protagonisten nicht leibhaftig in die Tiefen des Alls, sondern erschaffen wie in Alfred Besters aus den fünfziger Jahren stammenden Romanen Duplikate, welche die Mission übernehmen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Ben Charles Pertin, der gerade geheiratet hat. Er ist Ingenieur und wird als menschliches Mitglied einer multikulturellen Crew ausgesucht. Obwohl der Roman wie schon angedeutet sehr kompakt verfasst worden ist, versuchen Williamson und Pohl den Hintergrund noch zu erläutern. Dabei wirkt insbesondere die irdische Gesellschaft nur vordergründig futuristisch oder ausgesprochen fremdartig. Ben Charles Pertin muss mit seiner neuen Frau streiten, obwohl er schon lange in dem ausgesuchten Kreis von Freiwilligen gewesen ist. Die Argumente sind wenig schlüssig und enden schließlich im erwarteten Nichts. Vor allem weil im Grunde nur ein "Teil" der Teilnehmer sich auf die Reise machen und ein anderer "Teil" quasi auf ihren Planeten zurückbleibt und weiterhin normal lebt. Danach schwenkt der Fokus auf das fremdartige Objekt, das sich der Galaxis mit einem Sechstel der Lichtgeschwindigkeit nähert. Da diese Entfernung für die normalen Lebensspannen der Menschen zu groß ist und die Technik noch nicht ausreicht, um mit konventionellen Raumschiffen erstens das Objekt von der Erde aus zu erreichen und zweitens verschiedene Rassen an der Erkundung teilnehmen, entschließt man sich, mittels Materieduplikation inklusiv des entsprechenden Transporters Kopien, aber keine Klone an Bord des Erkundungsschiffes Aurora zu "schießen", während die Original zu Hause bleiben.
Ab diesem Punkt könnte eine normale Erkundung erfolgen, allerdings haben die beiden Autoren noch eine weitere Schwierigkeit eingebaut, die eher erklärungsbedürftig ist. Ben James und sein Kollege Doc Chimp müssen mit den Fremden zusammen eine schnellere Drohne an Bord der Aurora konstruieren, die den Orbit des Objektes erreichen kann, weil die Strahlungen in den Tiefen des Alls sie ohne Frage bald töten werden.
Frederik Pohl und Jack Williamson haben sich sehr viel Mühe gegeben, bekannte Ideen zu variieren. Da wäre zum einen die "Transporter" Technik, welche die meisten Leser aus "Star Trek" kennt. Theoretisch funktioniert sie allerdings scheinbar grenzenlos als Kopie der bekannten Prämisse. Aber in "Farthest Star" schicken die Menschen und alle andere Rassen nur Duplikate an den jeweiligen Ort. Im Falle von Ben Charles Pertin können diese selbstständig agierenden Kopien durch den zweiten Vornamen unterschieden werden. Wobei es scheinbar keine sklavisch chronologische Reihenfolge gibt. Eine Kopie, deren Vornamen mit "L" beginnen, kann vor dem "E" erschaffen worden zu sein. Dieses kleine Chaos erleichtert nicht unbedingt die Lektüre. Ebenfalls nicht gänzlich ausgearbeitet ist die Rückholoption. An einigen Stellen wird nur impliziert, dass es eine Rückholoption gibt, wobei nicht feststeht, was bei einer direkten Begegnung zwischen Original und Kopie wirklich passiert. Die Kopien scheinen aber das ganze Wissen des Originals bis zum Zeitpunkt der Kopie in sich tragen, was insbesondere wissenschaftliche Arbeit in fremden Bereichen möglich macht. Pohl und Williamson bewegen sich dabei auf einem sehr schmalen Grad, denn neben dem Original, das den Zuschauer in diese futuristische Welt einführt, sollten die einzelnen Kopien Persönlichkeiten entwickeln. Im Rückschluss ohne dass diese Option wirklich zufriedenstellend extrapoliert wird, verlieben sich alle Kopien auch in die Ehefrau des Originals. In erster Linie aus subjektiver Perspektive mittels Aufzeichnungen oder Fotos, aber diese Rückkopplung hätte der zweiten, eher stereotyp verlaufenden Hälfte des Buches notwendige Originalität verleihen können.
Auch die Zeichnung Ben Charles Pertins – in diesem Fall des Originals – wirkt eindimensional und bemüht. Er ist zwar stolz, als einziger Mensch für diese Expedition ausgesucht worden zu sein, seine wissenschaftlichen Fähigkeiten sind aber zu wenig stark ausgeprägt, seine Emotionen wirken zu stereotyp und abschließend als Persönlichkeit ist der Charaktere zu wenig nachhaltig abgerundet.
Im Vergleich zu anderen Romanen mit „großen, dummen Objekten“ wie RAMA oder der Ringwelt oder in neueren Arbeiten von Benford/ Niven in „Himmelsjäger“ erwartet der Leser vom in die Galaxis eindringenden Objekt wahrscheinlich deutlich mehr als es die Autoren anbieten wollen oder angesichts der sehr viel später veröffentlichten Fortsetzung in Planung hatten. So implizieren sie, das das Objekt eine Gefahr für die bewohnte Galaxis darstellen könnte, ohne diese Bedrohung evtl. über eine zerstörerischen Flugbahn oder feindliche Eigenschaften zu definieren. So wird eine Gefahr manifestiert, die insbesondere im Vergleich zu den bisherigen Erkundungen nicht gerechtfertigt ist. Auch die Größe der Welt erscheint ambivalent. Was ist im Universum groß? So groß wie die Erde? Der Jupiter oder gar die Ringwelt, die ja von Larry Niven als endlich groß beschrieben worden ist.
Aber diese Ambivalenz geht bei den Bewohnern weiter. Anstatt wirklich eine fremdartige oder exotische Rasse zu erschaffen, vertrauen sie auf eher oberflächlich verfremdete Mutanten, bei denen sich auch Menschen ähnliche Wesen befinden. Zumindest wird die Idee einer intergalaktischen Zoos nicht weiter extrapoliert. Die Zivilisationen sind eher rudimentär in einer teilweise unwirtlichen Landschaft entwickelt. Störender ist anstelle der vertrauten Mechanismen der fehlende technische Überbau. Immerhin bewegt sich diese Arche - besser im Text beschrieben - dieses Kuckucksnest ohne begleitende Sonne durch die Tiefen des Alls. Ersatz scheint es nicht zu geben, so dass zumindest die Oberfläche eingefroren sein müsste. Auch die Idee, dass erstens der Körper nicht natürlich sein könnte und zweitens diese unfreiwillige Mission von anderen Mächten gesteuert werden könnte, hätte deutlich ausgedrückt werden können.
Ob Jack Williamson und Frederik Pohl von Beginn an die Geschichte in mindestens zwei Teilen erzählen wollten, steht nicht von Beginn an fest. Wie es sich für einen derartig komplex strukturierten, aber nicht erzählten Roman gehrt, wird in der ersten Hälfte die Neugierde der Leser zumindest hinsichtlich des Objekts geweckt. Die Andeutungen bleiben vage. Die Menschheit hat zwar Kontakt mit anderen Völkern in den Tiefen des Alls gehabt und die Wesen scheinen intergalaktisch in dieser Zukunft friedlich zusammenzuleben, aber alleine die Größe des Eindringlings erweckt überall Neugierde. In der zweiten Hälfte können die Autoren wie schon angesprochen die Antworten nicht liefern und im Vergleich zur Ringwelt bleiben die Ergebnisse der Untersuchungen ausgesprochen vage. Auch die Idee der Klone wird nicht weiter ausgebaut, so dass am Ende von „Operation Lambda“ viele gute Ansätze in einer eher distanzierten Ausführung und sehr viel verschenktem Potential zurück bleiben.
Das Titelbild des „Terra“ Taschenbuch ist zusätzlich eine Kuriosität. Der Roboter ist Robby aus „Forbidden Planet“, der einen Menschen angreift. Im ganzen Buch gibt es aber keine vergleichbare Szene, so dass selbst das Titelbild ausdrückt, was alles in diesem Buch schief gegangen ist.
Pabel Verlag, Terra Taschenbuch 308
160 Seiten
Erschienen 1978
