
Jerry Vermilye nennt seine schon 2008 veröffentlichte und 2014 nachgedruckte Arbeit über Buster „Flash Gordon“ Crabbe eine Biofilmopgraphy. Dieser anscheinend selbst kreierte Ausdruck ist nicht einmal falsch, denn auf knappe fünfzig Seiten wird Crabbes Leben und seine Karriere ein wenig zu unkritisch, aber durch einige Zitaten aus bekannten Interviews lebendig begleitet vorgestellt, während auf den nächsten einhundertzwanzig ebenfalls reich bebilderten Seiten seine Filme und Serials – immerhin einhundertdrei Auftritte – ausführlich mit umfangreichen Credits, Inhaltsangaben und einigen kritischen Anmerkungen aus fremden Quellen ausführlichst vorgestellt werden. Insbesondere in der Auseinandersetzung mit seinen zahlreichen Filmen fehlt die persönliche Note, der Versuch, Buster Crabbes quantitative qualitativ einzuordnen und zu kommentieren.
Dabei dreht sich vieles in dieser zweigeteilten Sammlung um die eine Frage, die sich auch Buster Crabbe immer wieder im Laufe seiner Karriere gestellt hat. Warum hat er – wie sein großer Rivale Johnny Weissmuller – niemals den Sprung zu den A Produktionen geschafft? Ehrliche Antworten sucht der Leser vergeblich. Es finden sich verschiedene Ansätze wie in seiner Zusammenarbeit mit Ido Lupino in „Search for Beauty“, dem Streifen, mit dem Buster Crabbe wahrscheinlich der A Produktion am nächsten gekommen ist. Sein Leben zeigt vielleicht auch, woran es gelegen hat. Auf Hawai aufgewachsen mit einem Talent fürs Schwimmen gesegnet gewann Buster Crabbe bei den olympischen Spielen 1928 für die USA als im Land geborener Amerikaner – im Gegensatz zu Weissmuller, der ja eingebürgert worden ist - die erste Goldmedaille im Schwimmen. Obwohl es seine Eltern und Großeltern nicht leicht hatten, schickten sie ihn ein kurze Zeit auf College, wobei der später aufgrund seiner Schwimmerfolge ein Stipendium erhielt. Während er im Sport lange Zeit überdurchschnittlich ehrgeizig erschienen ist und Jura studieren wollte, kam er zur Schauspielerei über eine Freundin und spätere Ehefrau. Nach einigen kleineren Rollen übernahm er nicht zuletzt aufgrund seiner körperlichen Physis eine Rolle in der offensichtlichen Tarzan Konkurrenz Produktion „King of the Jungle“. Später sollte er in einem heute noch verschollenen Serial den Affenmenschen spielen. Auch mit seinem sportlichen Rivalen, der angeblich vor dem aufstrebenden Buster Crabbe sportlich „gekniffen“ hat, trat er in zwei Filmen auf. Jerry Vermilye bemüht sich, über Crabbes unbestrittene körperliche Präsenz hinaus in dieser frühen Phase auch seine intellektuellen, damit aber nicht einhergehend auch schauspielerischen Vorzüge herauszuarbeiten. Das wirkt ein wenig bemüht. Auch Crabbe kann in den hier veröffentlichten Interviewpassagen nicht verstehen, warum er nicht erfolgreicher als Schauspieler gewesen ist, obwohl ihn die Fans für „Flash Gordon“ und teilweise auch „Buck Rogers“ noch lieben. Selbst heute wird sein Name immer wieder mit „Tarzan“ in Verbindung gebracht, auch wenn dieses Serial kaum noch jemand gesehen haben dürfte. Wie Weißmüller erfüllt Crabbe aber die körperlichen Ansprüche an die „normalen“ Schauspieler nicht, welche die Studios suchten. Die seltenen abgedruckten Fotos beweisen, das seine körperliche Präsenz auf die Frauen erdrückend erscheinen könnte und ihm niemand wie später auch Schwarzenegger trotz aller Bemühen einen verwundbaren Charakter abgenommen hätte. Crabbe fehlt auf diesen Bilder das Momentum der körperlichen Schwäche und dabei sei nicht einmal auf seine vielleicht vorhandenen schauspielerischen Defizite als Darsteller eingegangen. Crabbe trat in unzähligen B- Western und den populären „Flash Gordon“ Serials auf, die ihn erster Linie wie Crabbe und der Autor des Essays beide zugeben auf Action basierten. Keine gute Voraussetzung für einen ambivalenten Schauspieler. Vergleicht man Crabbes Bilder und darüber hinaus auch seine Filme mit den frühen, ohne Frage auch teilweise billig entstandenen John Wayne Western vor dessen Durchbruch, denn fehlt Crabbe die feminine, verletzliche Note Waynes, der sich erst später zu der typisch bulligen amerikanischen Ikone entwickeln sollte. Dieser Vergleich hinkt ohne Frage, aber Vermilye arbeitet unbewusst die Schwierigkeiten heraus, die Crabbe auch in seiner vertragsfreien Zeit als Schauspieler insbesondere im Vergleich zu seiner sympathisch pragmatischen Einstellung fordern und frustrieren sollten.
In Bezug auf seine schauspielerischen Leistungen ist dieser erste Teil unkritisch. Im zweiten Teil werden unnötig einige wichtige Hinweise zu einzelnen Produktionen Wort wörtlich wiederholt. Interessanter ist die Kombination dieser schauspielerischen Herausforderungen wie Enttäuschungen mit seinem Leben, das lange Zeit einer scharfen Kurve nach oben glitt, bevor der auf vielen Hochzeiten tanzende Crabbe – in den fünfziger Jahren seines Lebens versucht er sich impliziert wahrscheinlich in erster Linie wegen seiner Popularität und seinen Kontakten als Broker – mit seiner eigenen Wassershow in Europa abstürzen sollte. Dieser Tragödie auf eine andere Art beschreibt in von Henry Hathaway inszenierte John Wayne Filme, wobei sich in Bezug auf den Regisseur für Crabbe ein kleiner Kreis schließt, denn Hathaway arbeitete mit Crabbe bei zwei Zane Grey Adaptionen zusammen.
Als Mensch hat Crabbe immer auf verschiedenen Hochzeiten getanzt und macht angesichts auch einiger persönlicher Schicksale – so starb seine Tochter an Magersucht und wenige Jahre vorher musste er wegen seiner Show Konkurs anmelden – den Eindruck eines Mannes, der niemals wirklich stehen bleiben sollte. Auch wenn dessen Perfektionismus vielleicht einmal zu oft betont worden ist, gehört Crabbe zu den Menschen, die aus ihrer Popularität als Sportler auch kommerzielle Vorteile unter anderem durch Partnerschaften an Schwimmschulen oder dem Verkauf von Pools gezogen haben. Das ist weder verwerflich noch wird es überbetont. Hinzu kommen Beteiligungen an verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen und schließlich wie schon angesprochen verschiedene Jobs gleichzeitig. Vielleicht hat das Fernsehen mit der „Buster Crabbe“ Show ihn auch gerettet. Finanziell Konkurs konnte er so auch Florida als Bundesstaat verlassen, in dem er pleite gegangen ist, um in New York weiter arbeiteten und zumindest einen Teil seiner Schulden abbezahlen zu können. Diesen Wegen folgt der Chronist wie bei den Filmbetrachtungen relativ kompakt und wenig in die Details gehen, so dass der erste Teil der Biofilmography eher wie eine Fingerübung erscheint. Es wird auf die Serials, in denen Buster Crabbe genau wie im Fernsehen immer seine Fans ansprechen konnte, ausführlich eingegangen und manchen Western mit ihm wird der Leser in „Western von gestern“ – insbesondere aus der „Fuzzy“ Reihe – wieder finden. Dabei schämt sich Crabbe weniger für die Fließbandware als das er sie als Möglichkeit des schnellen Geldverdienens pragmatisch betrachtet und ordnet sie teilweise überzeugend realistisch ein, während der Chronist noch gegen an zu argumentieren sucht. Die verschiedenen Versuche, sich im gehobenen Filmsegment zu etablieren, werden zu positiv dargestellt, während insbesondere die vier Science Fiction Serials zu negativ beschrieben werden. Auch wenn viel improvisiert und insbesondere Archivmaterial verwandt worden ist, unterhält insbesondere das erste „Flash Gordon“ Serial sehr gut. Schade und auffällig ist die fehlende Überarbeitung gegenüber der ersten Auflage, denn zumindest „Flash Gordon“ hat noch eine desaströse Fernsehserie bekommen, die im Anhang im Gegensatz zum Kinofilm oder anderen Fortsetzungen zu Crabbes Arbeiten nicht aufgeführt bzw. ergänzt worden ist.
Der Autor hat nicht den Anspruch, eine intime Biographie zu schreiben. Dazu wirken insbesondere die ersten Passagen fast zu märchenhaft. Die einzelnen Puzzelstücke passen zu gut zusammen, der sportliche Aufstieg erscheint zu elegant. So entwickelt sich Crabbe quasi an Hand eines amerikanisch- japanischen Schwimmeraustauschprogramm zu einem der besten Athleten der USA. Intime Details werden verschwiegen und die wenigen Niederlagen in erster Linie außerhalb des Pools sportlich genommen. Alles wirkt sehr komprimiert, als wenn Jerry Vermilye das Leben seines offensichtlichen Idols zusammenfassen, aber nicht wirklich erarbeiten will. Einige Stellen wirken ein wenig pathetisch, wenn Crabbe von den Dreharbeiten in Nordafrika für eine Fernsehserie in den fünfziger Jahren berichtet und sein Sohn auch aufgrund der erzieherischen Logistik der einzige in Frage kommende jugendliche Darsteller ist. Nicht nur, dass er schauspielerisch überzeugt – immerhin hat er als wenig ironisch gemeinte Nebenbemerkung einen guten Lehrer gehabt -, sondern auch als Mensch im Schatten Crabbe gereift wird. Hier fehlt der Schwenk auf das fertige Produkt, mit dem der Autor durch die ganze Sammlung relativ wenig anfangen kann. Die erfreuliche Kürze des Textes gleicht diese kontinuierliche, aber nicht kalte Oberflächlichkeit dieser Biofilmography zufrieden stellend aus.
Auch die technischen Details sind in Form von wirklich allen Kinofilmen und den neun Serials allerdings ohne Erwähnung der meistens Live Shows zufrieden stellend und streng chronologisch aus. Die Inhaltsangaben sind sehr ausführlich und sollten stellenweise umschifft werden, wenn der Leser noch an den Filmen Interesse hat. Nicht selten, aber auch leider nicht immer fügt Jerry Vermilye der Einleitung zu jedem Streifen noch wichtige Informationen über beteiligte Schauspieler, Regisseure oder Produzenten hinzu. Die größte Schwäche dieser Sammlung ist die fehlende kritische Auseinandersetzung mit den Streifen. Nicht selten fasst der Autor Zitate aus verschiedenen Rewiews zusammen oder zitiert wenn nichts anderes mehr hilft „Variety“, wobei Buster Crabbe im Allgemeinen ein zumindest solide erhält, aber auch nicht selten mit seiner schauspielerischen Leitung im Vergleich zu seinen körperlichen Fähigkeiten glänzt. Andere Fakten – so scheint Buster Crabbe im letzten Serial unter den Gewichtsveränderungen während der langen Dreharbeiten augenscheinlich zu leiden – werden erwähnt, aber weder überzeugend recherchiert noch kommentiert. Diese strickt neutrale Position erwartet der Leser nicht von einer derartigen Filmbiographie. Jerry Vermilye scheint sich eher der immer stärker vorherrschenden Vorgehensweise anzupassen, statt mit eigenen Argumenten und einer eigenen Meinung zu überzeugen lieber auf das simplere Zitat zurückzugreifen. Angesichts des Preisleistungsverhältnisses eine eher enttäuschende Vorgehensweise eines ansonsten reichhaltig und mit seinen Fotos bebilderten kurzweilig zu lesenden Buches über Buster „Flash Gordon“ Crabbe, dessen Serialschatten so lange angehalten hat.
Print ISBN: 978-0-7864-9570-2
76 photos, filmography, notes, bibliography, index
208pp. softcover (6 x 9) 2014 [2008]
