Three Hearts and three Lions

Poul Anderson

Poul Andersons Fantasy Roman "Three Hearts and Three Lions" ist trotz des fünfziger Jahre Flairs eine Homage an Mark Twains Klassiker "A Yankee in King Arthur´s Court" nur mit einem dänischen Hünen in der Hauptrolle, aber auch eine modernisierte Extrapolation der nordisch europäisch Heldensagen, von denen Poul Anderson in den fünfziger Jahren eine ganze Reihe verfasst hat. In Bezug auf Mark Twain spielt Poul Anderson mit offenen Karten, in dem er augenzwinkernd mehr als einen Hinweis auf den Klassiker in seine Handlung eingebaut hat.

 Der im Zweiten Weltkrieg spielende Rahmen inklusiv einer Vorstellung des später allgegenwärtigen Protagonisten durch den übergeordneten Erzähler entschädigt für das wirklich abrupte Ende des wichtigen Handlungsstranges. Der Held reitet quasi in die "Morgendämmerung" und Poul Anderson beginnt als eine Art Ausleitung die verschiedenen Legenden mit dem immer wieder in der Not zurückkehrenden Helden zusammenzufassen. Vorher beendet Poul Anderson eher die Story als das er sie zufriedenstellend abschließt, obwohl alle entsprechenden Versatzstücke platziert worden sind. Zumindest gibt der Autor dem Leser den Hinweis, dass sein Protagonist an der Befreiung Nils Bohrs teilgenommen hat, der später zusammen mit Oppenheimer die treibende Kraft beim Bau der Atombombe gewesen ist.

 Ursprünglich hat Poul Anderson die Geschichte als Novelle konzipiert und schon 1953 in "The Magazine of Fantasy & Science Fiction" publiziert. Acht Jahre später erweiterte er die Novelle zu dem hier vorliegenden Roman. Interessant ist, dass Poul Anderson Jahre später seinen Protagonisten Holger Carlsen einen Gastauftritt in "A Midsummer Tempest"geschenkt hat. Hier hält er sich in der Kneipe zwischen den Welten auf,, was zumindest impliziert, dass er einen Teil seines Wegs erfolgreich zurückgelegt hat.

 Die Grundidee des zweifelnden Helden, der aus seiner Zeit gerissen und auf eine andere Welt transportiert wird, erinnert weniger an Burroughs oder Leigh Brackett mit ihren jeweiligen Marsromanen, sondern nimmt Moorcocks Ideen des ewigen Helden vorweg. Während Burroughs oder auch Robert E. Howards Almuric Protagonisten der barbarischen Umwelt anpassen und vor allem Intelligenz mit körperlicher Stärke verbinden, geht Poul Anderson intellektueler und damit auch subtiler vor. Holger Carlsen ist ein in Amerika lebender Ingenieur, der aus Dänemark stammt und dort gegen den die Nazis im Widerstand gekämpft hat. Bei einem Einsatz wird er quasi aus nicht erklärten Gründen in eine Art Märchenwelt geschossen. Im Verlaufe des Romans spielt Holger Carlsen verschiedene Theorien durch. Er ist sich bewusst, dass eine zweite Erde nicht in Frage kommt. Eine klassische Zeitreise wider Willen kann auch ausgeschlossen worden, da einige Informationen nicht zu seinem eher rudimentären historischen Wissen passen. Bleibt nur die Möglichkeit, dass er aus nicht ersichtlichen Gründen in eine Parallelwelt versetzt worden ist. 

 In dieser archaisch historischen Welt des europäischen Mittelalters dominieren nicht nur die Ritter auf ihren stattlichen Kampfrössern, sondern auch die mehr oder minder heidnische Magie. Holger Carlson akzeptiert Magie genrell nicht. Viel mehr steht er verwundernd den verschiedenen Phänomen wie eine wunderschönen Gestaltwandlerin oder schließlich auch König Arthurs magisch begabter Schwester gegenüber. Auf der anderen Seite versucht der stattliche, aber auch pragmatische Holger Carlsen anstehende Probleme mit seinem technischen Wissen zu lösen. Er kommt beim interlektuelen Hinterfragen dieser magischen Welt nicht sonderlich weiter. L. Sprague de Camp und Harold Shea haben es in ihren Romanen um die Mathemagie in dieser Hinsicht besser gemacht.

 Der Dreh- und Angelpunkt dieser mittelalterlichen Welt ist wie abschließend noch einmal deutlich betont die Legende um Charlemagne, des großen Kriegers dänischer Herkunft, der mehrmals in Zeiten größter Not Frankreich gerettet haben soll. Wie Kyffhäuser oder König Arthur hat er sich dazwischen zurückgezogen, um in der Not wiedererwacht und erstarkt seine zweite Heimat zu retten. Interessant ist, dass Poul Anderson mit dieser französischen Legende auch die Sage um König Arthur verbunden  und einzelne Anspielungen beginnend mit dem Tod des britischen Königs und endend auf dem Weg nach Camelot als eine weitere Zwischenwelt immer wieder pointiert und effektiv in den stringenten Handlungsverlauf eingebaut hat.

 Diese mittelalterliche Welt wird dominiert vom Konflikt zwischen der menschlichen Welt und den Kräften des Chaos, deren Mittelwelt allerdings auch das Feenreich umfasst. Die menschliche Welt ist eine Mischung aus dem römischen Reich und dem von den Sarazenen dominierten  ostmanischen Reich.

 Nackt wie ihn Gott erschaffen hat erwacht zwar Carlsen in einem Wald. In seiner Nähe liegt nicht nur eine Ritterrüstung inklusive Schild, Lanze und einem imposanten Kampfpferd. Auf dem Schild ist das Wappen mit drei Löwen und drei Herzen. Die Kleidung passt perfekt und Carlsen spricht sowie versteht die lokale Sprache, eine archaische Form des Französischen. 

 Der weitere Handlungsverlauf besteht aus einer Reihe unterschiedlicher Episoden, in deren Mittelpunkt Carlsen Intention steht, wieder in seine Welt zurückzukehren. Begleitet wird er auf der Suche nach einem möglichen Abreisepunkt von einem Zwerg namens Hugi, der gleichzeitig sein Wegweiser ist. Es gesellt sich mit Alianora eine Schwanfrau an ihre Seite.

 Die einzelnen Szenen sind von unterschiedlicher Qualität. Der Drache wird feuerspeiend mit dem Wissen über die Naturkräfte besiegt. In einer Elfenstadt soll er gefangen gesetzt werden, weil in einem entsprechenden Hügel die Zeit viel schneller vergeht und er quasi die potentiellen Gefahren für die menschliche Welt ausgehend von Morgan Le Fay nicht bekämpfen kann.  Sie müssen aus einer Gruppe von Menschen einen Werwolf quasi herausfiltern und sowohl ihn als auch die Mitmenschen vor sich selbst bzw. ihn schützen. Die Episoden sind unterhaltsam und kurzweilig, werden aber eher bemüht hinsichtlich einer zweiten sich abzeichnenden Mission miteinander verbunden. Der Leser hat das unbestimmte Gefühl, als wäre weniger an einzelnen Szenen in diesem Fall mehr für die grundlegende Struktur des Buches gewesen.

 Aus heutiger Sicht ist der Roman neben dem exotischen aus zahllosen Querverweisen von den nordischen Legenden über den angesprochenen Mark Twain bis zu Tolkiens „Hobbit“ oder Shakespeares „A Midsummer Night´s Dream“ bestehenden Anspielungen eine gänzlich andere wichtige Funktion. Es geht nicht nur um eine offene Auseinandersetzung zwischen den Mächten der Ordnung durch die Menschen symbolisiert und den Kräften des Chaos meistens in einer Zwischenwelt, die Moorcock mit seinem ewigen Helden auf ein perfektes Niveau gebracht hat, sondern die Idee eingeführt, dass der Held sich nicht an die ihm angedichteten Taten seiner Vergangenheit erinnern kann. Auch hier sei sowohl auf Moorcock, Gene Wolfe als auch Wagners „Kane“ Saga teilweise verwiesen.

 Hinzu kommt, dass Poul Anderson die Mythen- und Sagenwelt des Nordens bzw. in diesem Fall eines mittelalterlichen Frankreichs mit klassischen Heroic Fantasy Elementen und einem für sein umfangreiches Werk so typischen Helden verbunden hat.

 

Three Hearts and Three Lions

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Baen; Auflage: Reprint (1. August 1993)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0671721860
  • ISBN-13: 978-0671721862
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