1940 erschien ursprünglich in zwei Teilen bei “Unknown Fantasy Fiction” mit “Typewriter in the Sky” eine der besten Science Fantasy Geschichten aus der Feder L. Rob Hubbards. Für die Neuausgabe im allerdings Scientology nahestehenden Bridgepoint Verlag spricht Kevin J. Anderson vom Einfluss, denn diese traumartige, für den fiktiven Antagonisten allerdings alptraumartige Geschichte nicht nur auf zahlreiche Autoren, sondern auch Filme haben sollte. Die Verbindung zwischen realen Figuren und Fiktionen in ihren von Schriftstellern erschaffenen Universen fand sicherlich ihren kommerziellsten Ausdruck in Gary Wolfes adaptierten Roman “Who framed Roger Rabbit?” oder Woody Allens “Purple Rose of Kairo”.
Jonathan Carroll hat in seinem Erstling “Das Land des Lachens” das Thema quasi auf den Kopf gestellt und im Off diskutiert, wie lange eine literarische Schöpfung quasi seinen Autoren überleben und vor allem stabil bleiben kann. Die Verschmelzung zweier Universen wird später auch das Thema von Philip K. Dick sein. Wahrscheinlich beeinflusste Hubbard zumindest die ersten Kurzgeschichten Dicks. Später kamen noch die Cyberpunks mit ihren virtuellen Spielwelten hinzu. Aber Hubbard betont immer wieder die Verbindung zwischen den ausgebeuteten und sich ausbeuten lassenden Pulpautoren und dem literarischen Zirkus in seiner Funktion als reine Fließbandproduktion und nicht künstlerische Wortschmiede.
So hat nicht unbedingt alles, aber wahrscheinlich vieles direkt oder auch manchmal nur indirekt als Geistesblitz seinen Ausgangspunkt in dieser selbstironischen Geschichte gefunden. Für L. Rob Hubbard war “Typewriter in the Sky” im Grunde nur ein Meilenstein in einem literarisch perfekten Jahr mit weiteren Veröffentlichungen seiner Romane “Fear”, “Final Blackout” und “Death´s Deputy”.
Für die englische Ausgabe fügte der Verlag noch den Untertitel “An Adventure in Time” hinzu und rückte damit den Plot auch in die Nähe von Tim Powers alternativen Piratengeschichten.
Inspiration für die phantastischen Teile der Geschichte könnte Luigi Pirandells “Six Characters in Search of an Author” ( Gary Westfahl) aus dem Jahr 1921 gewesen sein.
Horace Hackett ist ein Pulpschreiber. Ein wahrer Pulpschreiber, der nur mittels Masse seinen gehobenen Lebensstil weiter frönen kann. Zu Beginn der Geschichte hat er ein Problem. Er hat einen Vorschuss genommen und ausgegeben, aber kurz vor dem Abgabetermin kein Buch. Nicht einmal einen Plot. Um seinen erzürnten Verleger zu befriedigen, erfindet Hackett aus dem Stehgreif bei seinem Zusammentreffen in seiner Wohnung eine Piratengeschichte voller Abenteuer, Seeschlachten, Liebe und einem entsprechenden Helden. Dazu muss es einen Schurken geben. Mike de Wolf ist ein guter Freund Hacketts und bereitet sich in dessen Wohnung auf eine Probespiel vor. Er sucht als Musiker einen neuen Job. Der von Hackett vorgestellten Geschichte lauscht er nur mit einem Ohr, ein Fehler.
Kurze Zeit später wacht er in dessen fiktiver Welt auf. In der Karibik im 17. Jahrhundert als ein spanischer Admiral, dem die Gefangenschaft durch die Briten und die anschließende Hinrichtung droht. Desorientiert wird de Wolf kurzzeitig nach einer Auseinandersetzung mit einigen britischen Soldaten gerettet und wacht im Haus einer schönen Frau wieder auf. Er kann sich weder den Hintergrund noch die Tatsache erklären, dass er nicht nur spanisch kann; einen Namen hat, der einen ganzen Absatz füllt, mit dem Degen umgehen kann und nun einmal nicht mehr in New York des 20. Jahrhunderts ist. In seinem Kopf scheint immer jemand auf einer Schreibmaschine herumzuhämmern, Das Geräusch scheint aus dem Himmel zu kommen.
Langsam wird de Wolf klar, dass er aus unerklärlichen Gründen in Horace Hacketts Roman gelandet ist. Und nicht nur das. Er ist der Schurke und de Wolf weiß, was der Pulpschreiber am Ende der Geschichten selbst mit dem charismatischen Schurken anstellt… er lässt sie vom Helden besiegen und töten.
In der Gegenwartsebene macht sich L. Ron Hubbard einen Spaß draus, seinen Autoren als narzisstischen Egomanen zu beschreiben, der sich verzweifelt aus jeder schwierigen Situation zu befreien sucht. Mit Alkohol, mit Ausreden und auch mit stereotypen Geschichten. Sein Verleger entspricht noch nicht dem Bild, das sich Generationen von John W. Campbell- er war auch für “Unknown” zuständig - gemacht haben, aber dieser Inkarnation eines Verlegers will nicht jeden Mist pünktlich verlegen, sondern fordert im Rahmen der Pulpgesetze seinen Autoren auch. Das führt gegen Ende des Buches zu einem bizarren Bruch in der Handlung. Zumindest auf deWolfs Seite. In einer Bar beklagen die Autoren gegenseitig ihr Leid. Zu Hause läuft er in einem schmutzigen Bademantel herum, raucht Stange und schreibt die Seiten seines neuen Romans mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit schnell herunter.
Den Hauptteil der Geschichte nimmt allerdings das 17. Jahrhundert im Allgemeinen und de Wolfs verzweifelter Versuch, mehr als ein passiver, von Horace Hackett getriebener Charakter zu sein. Dabei reicht das Spektrum von sehr guten Ausreden - er ist kein Spanier, sondern ein 75 prozentiger Ire - über waghalsige Fluchten bis zu romantischen Szenen mit der gerade von der britischen Inquisition geretteten wunderschönen Frau seines zukünftigen fiktiven Lebens. de Wolf staunt immer wieder, wie schnell er sich in der Rolle des Anführers, aber auch des Helden wiederfindet. Obwohl er weiß, dass der britische Offizier Bristol eigentlich als strahlender Protagonist vorgesehen ist.
Mit dem Leser kommuniziert de Wolf indirekt. Da wird schon mal kommentiert, wenn einzelne Szenen oder beschriebene Hintergründe weder in die Zeit noch generell zusammenpassen. Es kommt zu unerklärlichen handlungstechnischen Brüchen und in einem einzigen Moment des stringenten, von einem hohen Tempo geprägten Buches erfährt der Leser die Zusammenhänge zwischen Realität und Fiktion. Mit fatalen Folgen für de Wolf, der nicht nur gegen alle Wahrscheinlichkeiten ankämpfen muss, sondern vor allem im Grunde eine Reihe von literarischen Pyrrhussiegen erringt, von deren Details in der “Realität” Hackett nichts weiß oder wissen kann.
Am Ende löst K. Ron Hubbard diese Fiktion auch nicht abschließend auf. Wie bei einem guten Roman Philip K. Dicks kann die “Realität” auch nur ein weiterer Teil einer Fiktion sein. Die Anspielung auf Gott ohne sein markantes Bekleidungsstück geht vielleicht einen Schritt zu weit, ist aber eine abschließende sehr ironische Anmerkung zum literarischen Zirkus, in welchem sich L. Ron Hubbard zu diesem Zeitpunkt sehr erfolgreich bewegte.
Pointierte Dialoge, spannende immer respektvoll an der Grenze zur Parodie gezeichnete umfangreiche Szenen aus der Piraten Literatur und schließlich mit Hackett und de Wolf auch zwei markante, nicht gleichwertig sympathische, aber mit viel teilweise zynischer Liebe zu Details gezeichnete Figuren machen aus “Typewriter in the Sky” einen auch heute über achtzig Jahre nach der Erstveröffentlichung lesenswerten Roman und unterstreichen, dass L. Ron Hubbard zumindest in den vierziger Jahren sich auf eine allerdings andere Art und Weise weder vor Borroughs, seinem Freund van Vogt, aber auch Fritz Leiber oder L. Sprague de Camp nicht verstecken musste.
- Herausgeber : Bridge Publications Inc (1. August 1995)
- Sprache : Englisch
- Gebundene Ausgabe : 197 Seiten
- ISBN-10 : 0884049337
- ISBN-13 : 978-0884049333
