Transport

Phillip P. Peterson

Der „Indie- Autor mit einem Lektor“ – ein Slogan, der inzwischen auf einigen seiner Book-on- Demand Veröffentlichungen klebt – Peter Bourauel alias Phillip P. Peterson startete 2014 mit „Transport“ durch. Inzwischen liegen sechs Fortsetzungen vor, auch wenn der erste Teil in sich abgeschlossen ist. Ein Jahr später folgte mit „Paradox“ – auch hier gibt es zwei Fortsetzungen bislang – die erste Veröffentlichung außerhalb der Eigenverlagsszene.  Seit 2020 erscheinen vor allem seine wissenschaftlich- futuristischen Thriller bei Fischer Tor.

Bevor er sich 2014 als Schriftsteller selbständig machte, studierte der 1957 in Waldbröhl geborene Autor Luft-  und Raumfahrttechnbik in Aachen , arbeitete im Forschungsreaktor Jülich und als Ingenieur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Vor der Küste Kaliforniens wird ein außerirdisches Artefakt gefunden. Erste Untersuchungen in einer mit einer Atombombe gesicherten Anlage – Michael Crichtons „Andromeda“ lässt in diesem Punkt sicherlich grüßen – inmitten der Wüste zeigen, dass es sich möglicherweise um ein Transportsystem zu unbekannten, aber abseits der Erde liegenden Planeten handelt. Der erzkonservative amerikanische Präsident – jede Art von Kapitalverbrechen wird unabhängig von den Umständen mit der Todesstrafe geahndet – beschließt, dass zehn Freiwillige Kandidaten aus der Todeszelle jeweils zehn Reisen im Transport unternehmen. Sollten sie es überlegen, gewährt er ihnen Amnestie. Allerdings sind die Chancen relativ gering.

Phillip P. Peterson etabliert das Ausgangsszenario der Geschichte relativ zügig vor allem aus der Perspektive des ehemaligen amerikanischen Soldaten Russell. Die Hintergründe der zehn „Freiwilligen“ werden im Laufe der Geschichte etabliert, wobei die meisten zumindest Gründe für ihre Taten haben. Ein Mann kehrt zu früh  von der Front zurück und erschießt aus dem Affekt den Liebhaber seiner Frau. Russell selbst rächt sich am alkoholisierten Todesfahrer seiner Frau und seines Kindes; die einzige Frau in der Gruppe Elise hat ihren psychotischen/ paranoiden Mann in Selbstverteidigung getötet. Natürlich haben auch einige Mitglieder dieser Gruppe klassische Taten – Mord während ein Einbruchs – begangen, diese sortiert Peterson auf einer morbide Art und Weise relativ schnell aus.

Nach dem anstrengenden Training folgt die erste Runde von Reisen, wobei sich hier schon eine Quote von fünfzig Prozent Ausfällen zeigt. Mit dem Beginn der zweiten Runde beginnt sich das Blatt zu wenden.

Peterson erzählt die Geschichte relativ kompakt und geradlinig. Die Ausgangsprämisse ist faszinierend, fremdartig, extrapoliert einige bekannte Ideen des Genres auf eine ungewöhnliche, aber aus Sicht der Wissenschaft und des Militärs auch nachvollziehbare Art und Weise. Jede Reise ist der berühmte Schritt ins Unbekannte und die Todesfälle sind bizarr, aber naturwissenschaftlich nachvollziehbar.

Mit Russells erster Erkenntnis dreht sich das Blatt. Indirekt findet er einen Schlüssel zu den unbekannten, durch Einstellungen im Transport ohne Kenntnis der Koordinaten zu findenden Ziele. Es ist die erste von zwei großen Erkenntnissen, die Russel alleine macht. Die Konzentration auf einen Charakter – natürlich sympathisch und schnell das potentielle gegenseitige Liebesinteresse der einzigen frau im Team – hinsichtlich der großen Erkenntnisse unterstreicht die stringente Struktur der Handlung, wirkt aber angesichts eines einzigen, rund um die Uhr arbeitenden Wissenschaftlers auch ein wenig zu simpel.

Bei den verschiedenen Welten geht Peterson zweispurig vor. Bei der Hälfte der Reisen müssen die Menschen aus den zurückgekehrten Kadavern – in einigen Fällen ist wirklich nicht mehr viel von den Probanden übrig – die Umweltverhältnisse ablesen. Andere „Reisende“ berichten von verschiedenen Planeten oder nur Asteroiden mit extremen, aber nicht lebensgefährlichen Bedingungen bis zu menschenleeren paradiesischen Planeten. Alleine sie finden kein weiteres intelligentes Leben. Auch diesen Punkt greift Peterson am Ende der Geschichte noch einmal auf und mahnt vor grenzenlosem, bedingungslosem Fortschritt. Jedes Experiment birgt eine Art von Risiko.

Kritisch gesprochen wäre „Transport“ eine Mischung aus dem angesprochenen Michael Crichton Romans „Andromeda“ – eine kleine Gruppe von Menschen muss in einer unterirdischen isolierten Anlage, bewacht durch eine Atombombe zur Sicherheit, „forschen“ -; dem „Stargate“ Film  bzw. der Fernsehserie mit einem Kurt Russell, der ebenfalls durch ein Tor und nicht in eine Kapsel tritt, nachdem man diese in der Wüste und nicht unter Wasser gefunden hat. Symbole leiten in beiden Fällen den Transport zu unbekannten Welten ein und vor allem auch der „Gateway“ Serie von Frederik Pohl, in dem das „Gateway“ den Weg zu den Sternen ebnet. Bis auf Michael Crichton handelt es sich um Hinterlassenschaften unbekannter Erbauer, von denen es höchstens noch Spuren gibt.  Bei Stephen Robinetts „Das Sternentor“ haben die Menschen eine Technik entwickelt, um zu fremden Planeten zu reisen.  Hinsichtlich der technischen Hintergründe bleibt der Autor lange Zeit ambivalent. Erst am Ende öffnet sich – fast wieder durch einen Zufall in buchstäblich letzter Minute – die Büchse der Pandora und schenkt Russel stellvertretend für die Menschen den Schlüssel zum Geheimnis des Transports. Vielleicht eher zu einem Geheimnis, aber mit dieser nächtlichen Erkenntnis verschieben sich auch die Verantwortlichkeiten.

Neben dem roten Faden finden sich einige spannende Szenen. So kommt es zu anfänglichen Konflikten innerhalb der kleinen Gruppe. Eine Expedition zu einem erdähnlichen Planeten endet in einem Desaster, weil sich früher besonnene militärische Verantwortliche für das Projekt die eigene Weste reinwaschen will. Am Ende der Geschichte muss Russel – angeblich für die Menschheit – eine Entscheidung treffen und kann mit seinen verbliebenen Kameraden die bisherige Balance auf den Kopf stellen. Peterson geht während des Epilogs noch einen Schritt weiter und zeigt auf, wie effizient Russel den auf der Erde verbliebenen Menschen den Weg verstellt, gleichzeitig aber auch für die erste Kolonie verantwortlich ist. Ob ursprünglich eine Fortsetzung geplant worden ist, bleibt angesichts des in sich geschlossenen Endes der Geschichte offen. Peterson beginnt allerdings sehr hektisch zu agieren, zieht das Tempo plötzlich an und präsentiert aus dem Nichts die entsprechenden Lösungen. Mit einem Quersprung wird aus einer potentiellen Robinsonade sogar eine Frontier Geschichte.

Die Zeichnung der Figuren schwankt zwischen pragmatisch- eindimensional bei den Nebencharakteren wie einzelnen, schnell beseitigten Mitgliedern des Teams oder dem einzigen allgegenwärtigen betriebsblinden Forscher bis zu Nuancen bei den Hauptfiguren. Dabei bemüht Peterson allerdings auch eine Reihe von Klischees. Zumindest die Liebesgeschichte zwischen Elise und Russell entwickelt sich nicht überstürzt, sondern die beiden unabhängigen Menschen – Elisa war Astronautin und möchte gerne zurück ins All – bewegen sich vorsichtig aufeinander zu.  Die Handlungen überschatten die Charakterisierung, aber Phillip P. Peterson legt mehr auf eine stringente Handlungsführung wert.

Aus wissenschaftlich – technischer Sicht sowie hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Technik bewegt sich Phillip P. Peterson nicht nur auf Augenhöhe der Zeit. Immer wieder gelingt es dem Autoren, den Leser stellvertretend durch Russell hinsichtlich einzelner naturwissenschaftlicher Phänomene am Rande der Belehrung,  aber gut verständlich aufzuklären. Phillip P. Petersons beruflicher Hintergrund kommt ihm nicht nur in dieser Geschichte zu Gute.

Spannend, aber stilistisch nicht anspruchsvoll geschrieben; aufgeteilt in viele kurze Kapitel, um das Tempo hochzuhalten und mit einer aus dem Genre bekannten, aber interessant auch hinsichtlich der Freiwilligen und ihrer Motivation extrapolierte Geschichte unterhält „Transport“ kurzweilig und sollte nicht als klassisches „Book on Demand“ Buch angesehen werden. Ganz bewusst hat sich Phillip P. Peterson auf eigene Kosten einen Lektor genommen, der ihn bei der Strukturierung der Geschichte und in stilistischer Hinsicht geholfen hat. Für einen Erstling – das war „Transport“ ja   – eine überzeugende Arbeit, die sich kurzweilig, lange Zeit auch spannend lesen lässt.   

    

          



  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 4. Edition (18. Januar 2018)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3842330618
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3842330610

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