Mit dem neunten Band des „ Lovecraft Bibliothek des Schreckens“ präsentiert der Festa Verlag eine Zusammenstellung zweier Novellen und einer humorigen Kurzgeschichte aus der Feder Fritz Leibers, der zu Beginn seiner Karriere kurz, aber intensiv mit Lovecraft korrespondierte.
Joachim Körber leitet den Band mit einem kurzen Überblick über das Genre beginnend mit den Schauerromanen ein. Er stellt die exzentrischen Einzigartigkeiten eines H. P. Lovecraft und später Fritz Leibers gegenüber, die auf ihre Art lange positive Schatten im Genre hinterlassen haben.
Der Herausgeber der Edition Phantasia ist ein würdiger Vorwortautor, denn den ersten Beitrag „Die Umtriebe des Daniel Kesserich“ hat Joachim Körber nicht nur übersetzt, sondern in einer illustrierten limitierten Ausgabe vor vielen Jahren zum ersten Mal dem deutschen Publikum präsentiert.
Gegen Ende seiner Karriere – aufgrund seines frühen Todes – integrierte H.P. Lovecraft mehr und mehr Science Fiction Ideen in seine längeren Texte. Dabei kannte er sich aufgrund der Lektüre zahlreicher Pulpmagazine und dem kritischen Blick auf seine Mitautoren/ Freunde auch gut in dem Genre aus. Ganz bewusst verfremdete der Amerikaner einzelne Elemente, die aus heutiger Sicht wie ein Klischee wirken könnten.
Fritz Leiber ist in der ersten Novelle dieser Tradition gefolgt. Die grundlegende, im Grunde absurde Science Fiction Idee manifestiert sich erst spät in diesem aus mehreren integrierten Erzählungen bestehenden Text, der in Leibers Nachlass gefunden und zum ersten Mal erst 1997 im Tor Verlag publiziert worden ist. Der Erzähler ist ein Schriftsteller, der seine Texte vielleicht auch ein wenig sich für Geld verkauft. Trotzdem reizt ihn diese Geschichte, denn sie handelt von einem befreundeten Trio von sehr unterschiedlichen Männern. Einer ist der Ich- Erzähler. Nach einiger Zeit kehrt er in seine Heimatstadt zurück, um seinen Freund Kesserich zu besuchen. Steine scheinen sich plötzlich zu manifestieren und als er sich dem Haus seines Freundes nähert, explodiert dieses.
Nach dem knalligen Auftakt entwickelt sich die Handlung deutlich ruhiger, auch wenn Fritz Leiber ein sichtliches Vergnügen hat, nicht nur eine Hommage auf die teilweise distanziert komplizierten, aus inneren Ansichten bestehenden Texte Lovecrafts zu verfassen, sondern viel mehr Stimmungen vieler Gruselautoren in einem im Grunde tragische Science Fiction Geschichte zu kleiden. Die Szenen auf dem kleinen Friedhof könnten aus Edgar Allan Poes Feder stammen.
Ausgangspunkt ist der tragische Tod einer jungen Frau, die einen der beiden zurückgebliebenen Männer geheiratet hat. Kesserich hat sie ebenfalls geliebt. Angeblich wurde sie durch ein Pflanzenschutzmittel vergiftet, das sie unwissentlich mit einer auf der eigenen Plantage gepflückten Frucht zu sich genommen hat.
Daraus entwickelt sich eine tragische Story voller verpasster Chancen, denn der introvertierte Daniel Kesserich ist ein intelligenter, verschrobener Erfinder, der in seinem Kellerlabor – wahrscheinlich lag es im Keller, das Haus ist ja explodiert – eifrig experimentierte. Wozu seine Erfindung schließlich zu nutzen ist, soll nicht weiter extrapoliert werden. Für einen aus den siebziger Jahren stammenden Text hat sich Fritz Leiber überzeugend an H.P. Lovecrafts getragenen Stil orientiert, aber dem aus der Science Fiction bekannten Subgenre einige fatalistische, aber interessante Idee hinzugefügt. Gleichzeitig experimentiert er literarisch mit den bekannten Gesetzmäßigkeiten und kommt schließlich zu einem originellen Ergebnis.
As Tempo der Novelle ist lange Zeit gemächlich. Erst mit den später – laut dem Ich- Erzähler später aufgefundenen Kapiteln – nimmt der Plot Tempo auf und ergib in seiner Fülle auch einen Sinn. Ob es die „Wahrheit“ ist, bleibt unaufgeklärt und so endet die Novelle auf einer zufrieden stellenden, aber nicht unbedingt abschließenden Note. Bis zum Finale Crescendo muss der Leser allerdings auch ein wenig Geduld mitbringen. Wichtig ist, die Novelle wirklich aufmerksam zu lesen, denn viele der anfänglich angesprochenen seltsamen Phänomene werden während der Anhänge auf eine interessante, originelle und vor allem auch leicht bizarre Art und Weise erläutert. Das gipfelt in der grotesken Situation, dass der Arzt den Patienten verarzten muss, den er selbst unwissentlich auf einer unbestimmbaren „Entfernung“ durch seine Unachtsamkeit verletzt hat. Was in der Zusammenfassung absurd erscheint, wird auf eine verblüffende Art und Weise erläutert. Mehr und mehr beginnt allerdings der Fritz Leiber aus „Die große Zeit“ die Handlung zu dominieren und sein Vorbild an die Seite zu drängen. Daher sollte „Die Umtriebe des Daniel Kesserich“ auch weniger als H.P. Lovecraft Hommage, sondern vor allem als ein originelles Spätwerk Fritz Leibers angesehen werden, das gänzlich auf eigenen Beinen steht.
„Nach Arkham und zu den Sternen“ ist eine Kurzgeschichte zwischen den beiden Novellen. Es ist auf der einen Seite die deutlichste Hommage an H.P. Lovecraft, da sie auf zahlreiche Protagonisten des Amerikaners zurückgreift, sie aber nicht aktiv in die Handlung einbindet. Aber mit der Erwähnung von Freunden Leibers wie Colin Wilson, Avram Davidson und Damon Knight zeigt der Autor, das er ein diebisches Vergnügen hatte, die Geschichte zu konzipieren. Allerdings leidet die Handlung auch unter den zahlreichen Anspielungen. Seit der Erstveröffentlichung 1966 in der Anthologie „The Dark Brotherhood and Other Pieces“ ist die Kurzgeschichte mehrmals nachgedruckt worden.
Der namenlose Erzähler reist nach Arkham und besucht dort die Miskatov Universität. Eigentlich will er auf dem Grab von Henry „Dunwich Horror“ Armitage ein Gesteck niederlegen. Sein Begleiter ist Albert „The Whisperer in Darkness“ Wilmarth. Auf dem Weg zum Friedhof begegnen sich die sechziger Jahre mit einer Anspielung auf Castro und die Vergangenheit, die Lovecraft so liebte und in seinen zahlreichen Briefen ausführlich beschrieben hat. Am Ende schließt sich sogar durch die Erfindung einer Droge ein Kreis. Wer sich nicht gut mit den verschiedenen Charakteren in Lovecrafts Werk auskennt, wird die zahlreichen Anspielungen nicht verstehen. Fußnoten wären in diesem Fall hilfreich gewesen und hätten die Hardcore Anhänger auch nicht von den Begegnungen mit weiteren Charakteren wie Daniel Upton, Professor Ellery oder William Dyer abgelenkt.
In erster Linie ist die Kurzgeschichte eine Aneinanderreihung von Anspielungen während eines Spaziergangs. Der Plot ist nur rudimentär entwickelt, eine überzeugende Spannungskurve wird nicht aufgebaut. Im Laufe der Kurzgeschichte verzichtet Fritz Leiber aber mehr und mehr auf das Namedropping in gibt den aus Lovecrafts Werk bekannten Figuren eine weiterführende persönliche Geschichte. Trotz dieser inhaltlichen „Schwäche“ mit dem fast erdrückenden Fokus auf eine Hommage liest sich der im Vergleich kurze Text ausgesprochen vergnüglich.
Die dritte und letzte Geschichte „Der Schrecken aus der Tiefe“ verbindet Fakten – Lovecraft wird mehrmals mit seinem Werk erwähnt und sein früher Tod löst das finale Experiment aus .- mit Fiktion, in dem Fritz Leiber einzelne Ideen aus Lovecrafts werk geschickt extrapoliert. Angeblich hat der Amerikaner schon 1937 mit den ersten Arbeiten an dem Text begonnen. Fertig gestellt und veröffentlicht wurde die Novelle erst 1975, ein Jahr später erschien sie in der Anthologie „The Disciples of Cthulhu“.
Wie bei H.P. Lovecraft ist die Haupthandlung ein aufgefundenes Manuskript, das zusammen mit zwei Gedichtbänden in einer eisernen Schatulle aufgefunden worden ist. Aber dieses Manuskript beinhaltet weitere Briefe und Erzählungen, so dass sich relevante Teile der Handlung über zwei Ebenen vom Lesern entfernen.
Der Autor ist George Reuter Fischer, der 1912 in Kentucky geborenen worden ist. Er ist das einzige Kind seiner Eltern. Einer seiner Füße ist verkrüppelt. Seine Familie ist nach dem Verkauf des Unternehmens nach Kalifornien gezogen, wo Fischers Vater mit eigenen Händen ein Steinhaus gebaut hat.
Bei einem Ausflug in die näheren Hügel bricht die Erde unter ihm zusammen und er wird verschüttet. Später wird Fischers Mutter an der gleichen Stelle von einer Klapperschlange gebissen. Gegen Ende der Novelle kommt es an der Unglücksstelle seines Vaters zu einer weiteren Begegnung.
Sein Studium an der Miskatonic University musste Fischer aufgrund eines nervlichen Zusammenbruchs und Heimweh abbrechen. Auch Lovecraft konnte nicht mehr zur Schule gehen und wurde zu Hause unterrichtet.
Allerdings schicke George Reuter Fischer im künstlerischen Übermut einen von ihm verfassten Gedichtband an die Universität und kommt so wieder in Kontakt mit einem seiner ehemaligen Lehrer, der ein besonderes Sonargerät entwickelt hat, mit dem er die Stärke der Erde messen kann. Albert Wilmarth könnte H.P. Lovecrafts Ebenbild sein. Die körperliche Verfall der beiden Männer schreitet fast parallel voran. Wilmarth weißt Fischer erst auf Lovecrafts Werk hin. Wie Lovecraft hat Wilmarth eine unfangreiche Korrespondenz und befindet sich auf verschiedenen Reisen durch die USA, in denen er mittel seines Geräts Studien unternimmt. Beide leben eher von der Hand in den Mund, wobei Wilmarth zumindest ein Auto und einen Führerschein hat.
Sie entscheiden sich schließlich, zu Ehren Lovecrafts gerade bekannt gewordenen Tod am 25. Geburtstag von Fischer nicht nur eine besondere Droge zu nehmen, sondern eine bestimmte Expedition zu beginnen.
Fritz Leiber hat in diese sich langsam entwickelnde Geschichte zahlreiche Hinweise auf Lovecraft, sein Leben, aber vor allem auch die verschiedenen Charaktere aus seinen Geschichten eingebaut. Das übernatürliche Element – Fischer träumt von geflügelten Würmern, welche unter der Erdoberfläche beginnend mit dem Pazifik leben und sich immer näher an die Menschen und deren Lebensraum von unten „heran fressen“ – wird vor allem in den Tröumen Fischer ausführlich beschrieben. Echte Beweise gibt es nicht. Selbst das ein wenig überstürzte Ende lässt sich in zwei Richtungen interpretieren.
Da der größte Teil der Geschichte bis auf den Prolog und den Epilog aus Fischers Bericht besteht, bleibt vieles aufgrund der rein subjektiven Perspektive fragwürdig. Die angesprochenen Ergänzungen unter anderem von Fischers Vater Jahre vor seinem Tod geschrieben helfen nicht wirklich. Mit seinem Abschiedsbrief an den Sohn rückt die Geschichte endgültig in den Bereich der Mythen ab.
Fritz Leiber imitiert H.P. Lovecrafts erstaunlich sachlichen Tonfall. Da er auch noch mit dem intelligenten wie introvertierten, körperlich behinderten Fischer und dem herumreisenden Wilbarth über zwei Protagonisten verfügt, die im metaphorischen Sinne zusammengeschmolzen das perfekte innere wie äußerliche Ebenbild Lovecrafts ergeben, ist selbst die Handlungsführung eine einzige Hommage an Fritz Leibers Vorbild. Die lange Entstehungszeit hat den Text wie einen guten Wein reifen lassen. Routiniert baut Fritz Leiber eine bedrohliche, aber nicht erdrückende Atmosphäre. Zu den Höhepunkten gehört der Besuch im Keller von Fischers Haus. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Erdschicht unter dem Haus nur noch hauchdünn ist. Noch wäre Flucht möglich, aber die morbide Neugierde der Protagonisten widerspricht diesem Ansinnen. Fritz Leiber greift auf diese Idee während des Finals noch einmal zurück, allerdings verschleppt der Autor bis dahin teilweise auch das Tempo und fordert erstaunlich viel Geduld von seinen Lesern.
Handlungstechnisch ist „Die Umtriebe des Daniel Kesserich“ die beste der drei Geschichten. Fritz Leiber gelingt es, auf der einen Seite eine perfekte Hommage zu erschaffen, auf der anderen Seite aber auch eine bekannte Science Fiction Idee auf eine bizarre, aber auch konsequente Art und Weise weiterzuentwickeln. Sowohl „Nach Arkham und zu den Sternen“ wie auch „Die Schrecken aus den Tiefen“ versuchen zu sehr dem Vorbild Ehre zu verweisen und verlieren sich teilweise in zu vielen Anspielungen auf zu wenig inhaltlichem Raum, so dass die jeweiligen Höhepunkte zu spät kommen. Wer allerdings ein Bewunderer von Lovecrafts Prosa ist und vor allem die zahllosen Anspielungen richtig einordnen kann, wird bei den letzten beiden Storys vielleicht noch mehr intellektuell befriedigt als bei der ersten Geschichte, die allein stehend ohne Hinweise auf den Einsiedler aus Providence auch sehr gut funktioniert.
Der mehr als einhundert Seiten umfassende sekundärliterarische Teil besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Arbeiten, beginnend bei der Replik/ Ergänzung auf einen Leserbrief über persönliche Erinnerungen bis zu Arbeiten, die sich intensiver mit einzelnen Aspekten in Lovecrafts Werk auseinandersetzen. Zwischen 1944 und 1976 erschienen die Arbeiten in verschiedenen Fanzines oder Magazinen. Dazu kommen Auszüge aus einem Symposium. Anfänglich wirkten Fritz Leibers Antworten aufgrund mangelnder Fragen oder der Äußerungen anderer Teilnehmer – nicht nachgedruckt – zusammenhanglos, obwohl sie umfangreich und detailliert erscheinen. Erst gegen Ende finden sich einige Fragen, die Fritz Leiber dann beantwortet. Die meisten Informationen wird der aufmerksame Leser auch den anderen, hier gesammelten Artikeln entnehmen können.
Es lohnt sich die hier präsentierte Reihenfolge der Artikel zu durchbrechen und vom Ende über die Mitte an den Anfang zu gehen. „Lovecraft in meinem Leben“ und „Meine Korrespondenz mit Lovecraft“ stellen einen guten Startpunkt da. In den hier gesammelten Arbeiten gibt es immer wieder inhaltliche Überschneidungen, aber aus einer persönlichen Pespektive beschreibt Fritz Leiber die ersten Begegnungen mit einem Autoren, der Leiber das Horrorgenre schmackhaft machte, in dem er selbst brillieren sollte. Lovecraft hat Fritz Leiber immer in Phasen ergriffen, obwohl er die Lektüre niemals eingestellt hat. Diese Wechselwirkung zeigt sich auch in seinem Werk. Seine damalige Frau hat Lovecraft über das „Weird Tales“ Magazin angeschrieben. Der Schriftwechsel ist durch Lovecrafts frühen Tod beendet worden, auch wenn die Rettungsaktion mit Vitaminen und einer gesunden Ernährung zeigt, wie nahe die Freunde an dem Autoren dran gewesen sind und doch wie fern.
Zurück zum Beginn: „Das Werk von H.P. Lovecraft- Vorschläge für eine kritische Würdigung“ ist schon 1944 veröffentlicht worden. Fritz Leiber stellt die Besonderheiten in Lovecrafts Werk heraus, der mit dem Fortschreiten seiner Karriere mehr und mehr Science Fiction Ideen verfremdet und präsentiert hat. Lovecraft ist ein Autor, der Pointen schreiben konnte. Nicht selten entwickelte sich das Übernatürliche erst langsam, manifestierte sich nicht nur in seinen seltsam distanzierten und doch bemitleidenswerten Charakteren, sondern auch im Leser, wobei H.P. Lovecraft immer ein fairer Autor gewesen ist. Die starken Enden seiner Geschichten bilden sich aus den vorangegangenen Texten und sind an keiner Stelle aus dem Nichts geholt.
In „Einige ungeordnete Gedanken zu Lovecrafts Schriften“ geht Fritz Leiber über die inhaltliche Struktur seiner Storys hinaus und konzentriert sich auf die bösen Mächte, denen durch ihren Materialismus die Menschheit egal ist. Beginnend mit Naturkatastrophen, welche Lovecraft als gesteuerte Schicksalsschläge in seinen Texten verwandte, entwickelte er ohne Bezug auf die alten Religionen das Bild seiner alten Götter exzentrisch und doch zugänglich, allerdings niemals klar weiter. In Fritz Leibers Replik auf den Leserbrief Onderdonks nimmt der Autor die Wandlung in dessen Werk vom Einsatz der schwarzen Magie in den ersten Texte zu einer grundsätzlich neuen Ausrichtung in seinen späten, teilweise erst posthum veröffentlichten Storys noch einmal auf und ergänzt seine bisherigen Positionen.
Mit dem Mythos Cthulhu rechnet Fritz Leiber auf zweierlei Weise an. Zu Beginn gibt er zu, dass er Lovecrafts Hinweise bei einer seiner Fantasy Geschichten um den Grauen Mausling schließlich ignoriert und die neu geschriebenen Absätze wieder gestrichen hat. Nicht in jede Geschichte passt ein Mythos, wie Fritz Leiber angesichts der mangelnden literarischen Qualität zahlreicher Epigonen; den Verwertungsstrategien eines August Derleth und schließlich auch der Quadratur des Kreises, um die nach Lovecrafts Tod gerufenen literarischen Geister wieder loszuwerden, beweisen. Ganz bewusst grenzt Fritz Leiber Lovecrafts spezielle Ansicht zu den alten Göttern von seinen Nachfolgern ab, zu denen neben Robert Bloch auf ein Fritz Leiber teilweise gezählt werden könnte.
Wer nur einen Aufsatz in diesem Anhang lesen möchte, sollte „Ein literarischer Kopernikus“ sich vornehmen. Das Themen strahlt in Gänze auf „Durch den Hyperraum mit Brown Jenkin“ sowie „Der Flüsterer neu beleuchtet“ aus. Aber in beiden Artikeln greift Fritz Leiber auf die in „Ein literarischer Kopernikus“ entwickeln Muster zurück, mit denen man sich Lovecrafts Werk aus der Perspektive eines Mannes nähern sollte, welcher das Grauen zu den Sternen geführt hat. Während bislang klassische Horrorautoren nicht selten unter der Erde, bei den Toten nach neuen Schrecken gegenüber den Menschen gesucht haben, eilte Lovecraft basierend auf den Grundlagen der Science Fiction mit den Werkzeugen der Horrorliteratur . Im Vergleich zu einigen anderen Mitstreitern oder Vorläufern ging Lovecraft bei dieser Art der Unterhaltungsliteratur sehr systematisch vor und erweiterte seinen Science Fiction Werkzeugkasten mit jeder seiner späteren Arbeiten, ohne diese literarischen Hilfsmittel entsprechend zu beziffern. Fritz Leiber zeigt an einigen Texten auf, wie H.P. Lovecraft mit seiner seltsamen Art der literarischen Bestätigung beängstigende Geschichten erschaffen hat, die von Beginn an dem Leser klar machen, was ihm am Ende „bewiesen“ werden soll. Alles aus der subjektiven Perspektive des Erzählers, der wiederum nicht selten auf literarische Testamente zurückgreifen sollte. Auch keine neue Ideen, wie einige von Fritz Leiber aufgeführte Werke beweisen und doch plötzlich modern, stringent, emotionslos sachlich und abgrundtief böse.... gegenüber seinen nicht selten bodenständigen Charakteren. Die Miskatonic University soll hier stellvertretend noch einmal aufgeführt werden. Seit dem ersten Meteoritenfund durch dort arbeitende Wissenschaftler hat sich über fast fünfzig Jahre ein Volk unter dem lehrenden Volk gebildet, das Lovecraft in zahlreichen Geschichten nur dem Leser entblößt hat, während sie für die Öffentlichkeit weiter die biederen Wissenschaftler darstellten.
Mit seiner ausführlichen Besprechung „Der Flüsterer“ geht Fritz Leiber ins Detail und stellt die Schwächen – es sind einige in dieser Novelle vorhanden – Lovecrafts Stärkern als visionärer Erzähler gegenüber. Mit dem letzten Artikel „Durch den Hyperraum mit Brown Jenkin“ macht Fritz Leiber deutlich, das H.P. Lovecraft in doppelter Hinsicht Pech gehabt hat. Ein Jahr nach seinem Tod wurde Providence von einer schlimmen Flutkatastrophe heimgesucht, ein perfektes Sujet für Lovecraft und als einer der ersten Autoren der „Speculative Fiction“ – irgendwo zwischen der Science Fiction und dem Horror angesiedelt – sollte er nicht mehr erfahren, welch großartige Autoren in den kommenden Jahren auf seinen Spuren gefolgt sind. Fritz Leiber präsentiert einige Beispiele. Der dritte Artikel schließt Fritz Leibers Gedanken- und vor allem auch seine schlüssige Beweiskette ausgesprochen überzeugend ab.
Die zehn sekundärliterarischen Beiträge geben trotz einiger Wiederholungen einen neuen, einen anderen Blick auf H.P. Lovecraft und sein Werk. Fritz Leiber hat mit Lovecraft korrespondiert; er hat seine Entwicklung als Autor, aber vor allem auch als geschätzter Kollege verfolgt. Fritz Leiber hat hinsichtlich der eigenen Arbeiten von Lovecraft einiges gelernt, aber bei weitem nicht alles übernommen. Vor allem ist ihm Lovecraft über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren immer wieder begegnet, so dass diese Essays geschrieben aus „jugendlicher Begeisterung“ bis zu einem fast melancholisch abgeklärten Rückblick auf längst vergangene Zeiten ein interessantes, wie bei der Biographie de Camps sogar ein teilweise sehr persönliches Bild Lovecrafts zeichnen. Fritz Leiber ist keiner der zahllosen Epigonen, die sich mit Imitationen ersten literarischen Ruhm erschrieben haben und sich später unabhängig entwickelten. Brian Lumely oder Ramsey Campbell wären hier zu nennen. Schon früh hat sich Fritz Leiber vom langen Schatten Lovecrafts emanzipiert und ist eigene Wege gegangen. Wenn Fritz Leiber – wie in den drei hier gesammelten Geschichten – zu seinem Idol zurückgekommen ist, hat er eigene, teilweise auch augenzwinkernde Wege beschritten und den Mythos Cthulhu nicht entehrt.
Der Leser kann selbst beurteilen, ob Fritz Leiber bei seinen Geschichten die Messlatten übersprungen hat, welche er sich selbst in seinen sekundärliterarischen Arbeiten gesetzt hat. Beide stehen sich in dieser Sammlung auf Augenhöhe gegenüber und machen „Locevraft und Ich“ vor allem durch die Seltenheit der Geschichten wie auch der Artikel zu einem existentiellen Baustein der Bibliothek des Schreckens im Frank Festa Verlag.

| Autor | Leiber, Fritz |
|---|---|
| Buchreihe | H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens - LIMITED |
| Auflage | Originalausgabe |
| Ausführung | Hardcover in der Festa-Lederoptik, mit Leseband |
| Format | 21 x 12,5 cm |
| ISBN | Vorzugsausgabe ohne ISBN |
| Übersetzung von | Frank Böhmert und Joachim Körber |
| Erscheinungsdatum | 20.01.2025 |
