
McFarlands legt Tony Williams Studie "Larry Cohen - The Radical Allegories of an Independent Filmmaker" als handlichen Paperback neu auf. Das erste Mal in den neunziger Jahren erschienen hat Larry Cohen seit "Orginal Gangstas" (1996) sowie seinen nicht unumstrittenen Beitrag "Pick me Up" zur "Masters of Horror" Fernsehserie (2006) bis auf den Bieterkrieg um sein Drehbuch "Cellular" nur noch wenig Spuren in der Filmszene hinterlassen. Daher bedarf es weniger einer Ergänzung der lesenswerten, aber teilweise auch zu positiv proklamatischen Studie, sondern einer inhaltlichen Überarbeitung des Textes, da inzwischen einige von Larry Cohens Arbeiten wieder zugänglicher sind. Diese erfolgt zwar nicht an allen Stellen, aber Tony Williams ist bemüht, einige Passagen aus seiner ersten Arbeit zufriedenstellend zu extrapolieren und bedingt die Allegorien an eine sich stetig verändernde amerikanische Politiklandschaft anzupassen. Unabhängig davon ist es empfehlenswert, der Karriere eines talentierten Drehbuchautoren, eines findigen Produzenten und eines Regisseurs zu folgen, der von der Kritik irgendwo zwischen Handwerker - vielen seiner Arbeiten werden die rudimentären Grundgerüste der Filmschule abgesprochen, während Williams eher argumentiert, dass Oberflächliches in Wirklichkeit Absicht ist, um seine Botschaften von der brüchigen Illusion des Kinos und dem Eindringen der Realität besser präsentieren zu können - und Künstler - obwohl seine Werke auch inhaltlich eher klassischen Spannungsgenres wie Krimi, Horror oder Politthriller zu geordnet werden können - eingeordnet worden ist.
Tony Williams beginnt seine kritische Analyse Larry Cohens mit dem provokanten Essay "What makes Cohen Unique", in dem er auf die Breite des Werkes Larry Cohens nicht ausführlich, sondern absichtlich breit gemalt eingeht. Dabei ignoriert Tony Williams eine Reihe von Fakten. So schreibt er, dass Larry Cohen sich immer treu geblieben ist, in dem er Low Budget Projekte - von ihm selbst geschrieben, inszeniert und vor allem produziert - einer Karriere in Hollywood vorgezogen hat. Rückblickend ist Larry Cohen wie mancher Filmemacher öfter bei von ihm geschriebenen Filmen wie "I the Jury" entlassen worden, weil die Geldgeber mit seiner Arbeit nicht einverstanden gewesen sind. Kein Wort über die Versuche, mit hochklassigen Rewrites von ambitionierten Projekten aufzurücken. Da Cohen nicht selten dazu gezwungen worden ist, seine eigenen Ideen zurückzufahren,. zu improvisieren und vor allem starke Kompromisse eingehen konnte und musste, wird nicht erwähnt. Je länger man diese einführende Essay liest, desto stärker ist der Eindruck, als wenn alles an Larry Cohens Karriere gewollt, während alles Improvisierte, inhaltlich auch Uneinheitliche beabsichtigt gewesen ist. Die fehlenden Graustufen fordern ohne Fragen Reaktionen heraus, die in diesem Fall der kritische Analyst und weniger der Leser präsentieren muss. In den folgenden Abschnitten beginnend mit den ersten Erfahrungen in der New Yorker Fernsehszene - eine Stadt, die Larry Cohen im Grunde in keinem seiner Filme wirklich verlassen hat - baut Tony Williams seine Thesen zufriedenstellend weiter aus, aber die ersten Eindrücke stehen in einem sehr starken Kontrast zu einigen Filmen, die man von dem talentierten, aber auch exzentrischen Amerikaner gesehen hat. Positiv ist an diesem einleitenden Essay, dass Williams Cohens Misstrauen gegenüber Ordnungsinstanzen genauso herausarbeitet wie das Herausfordern seiner "Helden", das selten zu einem gänzlich positiven Ende führt. Die Ignoranz klassischer sozialer Strukturen und die Manifestierung des "Nerd" als Helden, der aus seiner langweiligen und eindimensionalen Welt ausbrechend nur "überleben" kann, wenn er nicht nur über sich hinauswächst, sondern "erwachsen" wird. Dabei spielt es keine Rolle, wie bizarr oder unrealistisch - siehe "The Stuff" - das Geschehen um ihn herum ist.
Mit den beiden sehr ausführlichen Essays über Cohens Arbeiten fürs New Yorker Fernsehen und später die in Los Angeles produzierten Fernsehserien wie "The Invaders" leitet Tony Williams den interessantesten Abschnitt des Buches ein. Er dient als Basis für die Analyse der späteren Kinofilme und lässt den Leser verstehen, warum Williams wie vielleicht auch Larry Cohen sich konsequent weigert, einzelne Arbeiten wie "Black Caesar" und "Hell comes to Harlem" dem Blackploitationkino, die "Alive" Trilogie oder "Return to Salem Lot" dem Horrorgerne zuzuordnen. Vor allem in seinen ersten noch für das Live auf Sendung gegangene Fernsehen geschriebenen Drehbuch finden sich Themen wie der Antiheld mit nicht selten tragischem Ende; die Zerstörung der klassischen amerikanischen Familie; soziale wie politische Kritik als auch eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Beziehungen. Hinzu kommen neben den interessanten realistischen, von Cohen teilweise mit siebzehn Jahren geschriebenen Dramen wie "87th Precint" semiphantastische Themen, die Sterlings "The Twilight Zone" begleiten könnten. Dabei zeigt sich Cohen subversiver, teilweise zynischer Humor und seine Tendenz, die Realität absichtlich zu verzerren. Es ist wichtig, diese ausführliche Beschreibung der vor allem in der New Yorker Zeit geschriebenen Drehbücher - die Adaptionen scheinen mit sehr guten, am Beginn ihrer Karriere stehenden Schauspielern von fremden Regisseuren deutlich besser gelungen zu sein als die späteren drei Hollywooddrehbücher seiner ersten Phase - genauer zu studieren, um die von Larry Cohen entweder indikativen oder sehr konkret übernommenen Tendenzen in seinen Low Budget Produktionen der vor allem siebziger Jahre wieder zu erkennen. Mit den Drehbüchern für verschiedene in Hollywood produzierte Fernsehserien wie "Branded" oder "Invaders" geht Williams deutlich kritischer um. Dabei ähneln sich konträr "Branded" und "The Invaders". In beiden Serien mehr oder minder von Cohen mitgestaltet muss ein Mann alleine seinen Weg gehen. In "Branded" wird er um seinen väterlichen Vorgesetzten zu schützen, zu einem Verräter und Feigling. Der Antiheld versucht die Wahrheit unter den Tisch zu kehren, um anderen ihr Gesicht zu wahren, während in "The Invaders" der Held verzweifelt versucht, andere von der Wahrheit einer Invasion Außerirdischer zu überzeugen. Auch hier werden Grundlagen für andere von Larry Cohen alleine inszenierte Filme wie "God told me to" - ebenfalls eine Begegnung mit Außerirdischen dieses Mal im Moloch New York - gelegt. Auch in diesem Abschnitt sind die Details sehr viel wichtiger als das Ganze. Interessant wird es bei der Behandlung dreier von Cohen verfasster Drehbücher - eine Fortsetzung zu "Die glorreichen Sieben" und der Western "El Condor", dazu ein an Hitchcocks Werke angelehnter subtiler Thriller -, die von anderen Regisseuren umgesetzt worden sind. Tony Williams arbeitet akribisch heraus, warum diese Projekte im Gegensatz zu den großartigen Drehbüchern voller Allegorien scheitern mussten. Das zieht sich als roter Faden durch das ganze Projekt. Wenn Larry Cohen auf einem hohen Niveau scheitert, dann weil er entweder zu wenig Zeit - siehe "Hell comes to Harlem" - hatte oder das Budget nicht ausreichte oder seine Hauptdarstellerin wie Bette Davis einfach die Dreharbeiten abgebrochen hat. Es ist selten, dass insbesondere die eher ambivalenten, nicht genau einen Faden findenden Projekte wie "Full Moon High" oder "Deadly Illusion"/ "I the Jury" - bei beiden Filmen ist Cohen nach wenigen Tagen Dreharbeiten entlassen worden - ein Scheitern des Künstlers Cohen implizieren. Zu sehr hält Tony Williams in den durch die eingangs erwähnten Passagen untermauerten Eingangsthesen fest, dass Cohen wie Cassavates im Grunde seinen künstlerischen Weg in den Low Budget Bereich absichtlich fortsetzte, um frei zu sein, während Regisseur wie George Romero oder John Carpenter durch die gegenläufige Bewegung einfach scheitern mussten. An keiner Stelle kommt Williams auf die Idee, dass auch ein „Auteur“ in Hollywood erfolgreich arbeiten und seine Vorstellungen umsetzen könnte. Sicherlich in den siebziger und achtziger Jahren eine schwierige Vorstellung, aber insbesondere Sam Fuller - sein Hauptdarsteller in "Return to Salem Lot" - hat es wie einige andere bewiesen, dass dieser steinige Weg geht. Bevor ausführlicher auf die in unterschiedlichen Phasen beginnend mit "Bone" ablaufende Kinokarriere Larry Cohens eingegangen wird, ist es wichtig, seine zahlreichen Fernseharbeiten neben einigen immer wieder geschriebenen, produzierten und inszenierten Fernsehfilmen thematisch zusammenzufassen. Das gelingt Tony Williams nur phasenweise. Zur sehr an der gesellschaftlichen Kritik klebend, zu sehr immer wieder ernste Hintergründe aus unterhaltsam produzierten Stoffen heraus suchend, wirken seine Thesen manchmal wie die eher verzweifelte Suche nach der allgegenwärtigen Allegorie im Fernsehdschungel.
Hinsichtlich Larry Cohens eigenen Film beginnend mit „Bone“ bringt sich Tony Williams aber auch argumentativ in eine schwierige Situation. Dabei teilt Williams Cohens Werk geschickt in Phasen auf. Beginnend mit dem angesprochenen „Bone“, „Black Caesar“ und „It´s Alive“ werden die entsprechenden Pfosten vorgestellt. Bis auf den teilweise Avantgarde Streifen „Bone“ wandelt Cohen innovativ auf ausgetretenen Pfaden mit der Hommage an den Gangsterfilm der dreißiger Jahre und seiner Paranoia Studie um die intakte Familie bzw. die Bedrohung der amerikanischen Gesellschaft durch die eigenen, untätigen und untauglichen Behörden. Den letzten Handlungsstrang wird er sowohl in der Mitte seiner Karriere mit der bizarren bitteren Komödie „The Stuff“ als auch im kleineren zugänglicheren Rahmen in „The Ambulance“ wieder aufnehmen. Williams versucht herauszuarbeiten, worin sich Cohens Werke vor allem von den Genres unterscheiden, in denen sie die Kritiker platziert haben. Während er diese Phase schon als provokant, aber technisch noch ausbaufähig ansieht, überzeugt ihn Cohen vor allem mit seinen jeweiligen sperrigen Meisterwerken „God told me to“, „The private Files of J. Edgar Hoover“ und „It lives again“ noch mehr. Das Angenehme an seiner Studie ist, dass die Inhaltsangaben der jeweiligen Filme sehr pragmatisch und auf den Punkt genau ausgerichtet worden sind, während ansonsten die Analyse beginnend auch mit Cohens Äußerungen im empfehlenswerten, sehr lebhaften aus langen Interviews bestehenden zweiten Teil des Buches dominiert. Dabei greift der Autor nicht nur bestehende durchlaufende Aspekte von Cohens Werk auf, er versucht den Inhalt der Filme sowohl hinsichtlich ihrer möglichen Vorbilder zu ordnen als auch viel wichtiger im Fazit zwischen dem Erreichten und dem Beabsichtigten zu unterscheiden. Natürlich reizt es, die Idee des gewollt aber nicht zufriedenstellend gekonnt, zu unterminieren, aber Williams argumentiert schlüssig und in einem Zusammenhang mit seinen Drehbüchern – Larry Cohen hat inzwischen späte Arbeiten auf einer Internetseite veröffentlicht, um zumindest das Lesen seiner nicht verfilmten Drehbücher zu ermöglichen – aus über dreißig Jahre lässt sich sogar dieser These folgen. Anscheinend ist Cohen trotz oder gerade wegen seines Comicartigen Ansatzes, der komplette Handlungsstränge zusammenfasst, harte Schnitte ermöglicht und absichtlich dem Publikum immer wieder zeigt, dass sie im Grunde eine fiktive Geschichte verfolgen, so einzigartig. Nicht jede Allegorie, nicht jeder Vergleich scheint mit dieser Tiefe wirklich gewollt, aber das hier präsentierte Bild eines sich treu bleibenden Künstlers in einer Unterhaltungsbranche erscheint schlüssig. Die sozialen Komödien der achtziger Jahre mit „The Stuff“, „Full Moon High“ oder „Q“ wirken dabei wie Gegenentwürfe. Im Gegensatz zu der teilweise brillanten Analyse des umstrittenen Hoover Films muss Williams zugeben, dass der Inhalt dieser Streifen manchmal sehr von den Hauptdarstellern wie Alan Arkin oder dem mehrfach wiederkehrenden Michael Moriarty überschattet wird. Der Ton ist unerklärlich und leider zu wenig analysiert nicht einheitlich genug und wie seine Filme der siebziger optisch teilweise pragmatisch zusammengesetzt erscheinen, lässt sich in den achtziger Jahren erkennen, dass auf Szenen von pointierter Ironie und Brillanz im kleineren Rahmen Chaos und teilweise Langeweile folgen. Oberflächlich versucht Williams diese künstlerischen Misserfolge wie bei den Drehbüchern zu relativieren. Im Notfall sind Cohens Ideen entweder nicht entsprechend umgesetzt worden oder der Künstler agierte zu überstürzt, um eine nicht fertige Komödie auf die Leinwand zu bringen. Auch dafür gibt es keine Erklärungen. In einem schwierigen Umfeld bewegt sich Williams bei den späteren Filmen wie „Deadly Illusion“ – hier wurde Cohen entlassen – oder „Special Effects“, die aus unterschiedlichen Gründen von der allgegenwärtigen Kritik geschmäht worden sind. Hier muss der Autor das Vertrauen zu seinen Lesern aufbauen, die teilweise vernichtende und bösartige Kritik erst auflösen, relativieren und aus der Position der Defensive heraus die Filme dann in das Oevre Cohens einbauen. Zweifel an der jeweiligen Qualität des Werkes als Ganzes hat Williams niemals, was einige Passagen bemüht und vor allem konstruiert erscheinen lässt. Immer wieder schlägt er den Bogen zu Cohens Hauptthemen wie zerrüttete Familie, die Bedrohung von innen heraus, das politische Klima oder schließlich auch der Außenseiterstatus, wobei es interessant erscheint, dass insbesondere „Island oft he Alive“ und „Return to Salem Lot“ s Fortsetzungen bekannter Werke in den Himmel gewürdigt werden. Keines dieser Low Budget Projekte hat Cohen aus monetären Gründen übernommen. Von Beginn an stand fest, dass er wieder die Grenzen des Genres austesten wollte, während „Hell comes to Harlem“ als erste Fortsetzungsarbeit nicht zufriedengestellt hat. Erstaunlich ist, wie viele Freiheiten inhaltlicher Art Cohen bei diesen Filmen gehabt hat. Während „Wicked Stepmother“ durch Bette Davis exzentrisches Verhalten zu einer Katastrophe geworden ist, überrascht Cohen auch in den langen Interviews, wie gut es sich bei „Orginal Gangstas“ angefühlt hat, ein fremdes Drehbuch zu verfilmen und im zynischen Ende zu verfeinern. Dabei finden sich viele Aspekte aus seinem eigenen Werk hinsichtlich der Geister, die gerufen worden sind, in dem von Fred Williamson produzierten Streifen wieder. In einem kurzen Exkurs geht Tony Williams im Kapitel „ Film and Television Work in the 1990s--and Beyond “ noch auf einige Drehbücher ein, die in unterschiedlichen Kooperationen mit Joel Schumacher – der auf Augenhöhe mit Larry Cohen zusammengearbeitet hat – oder Mark Lester – einmal sehr gut und einmal – auf die Leinwand gekommen sind. Dazu zwei Produktionen fürs Fernsehen. Richtig verstehen kann man nicht, warum Larry Cohen nicht auch als Auftragsregisseur genau das gemacht hat, was andere mit seinen Drehbüchern versucht haben. Sie auf den eigenen Stil umzuändern. Zumindest schließt sich ein Kreis, denn ein „Remake“ seines alten Live Drehbuchs zur Krimibuchserie „87th Precint“ stellt eine seiner letzten Arbeiten als Regisseur dar.
Obwohl es nur eine Handvoll von Theaterproduktionen ist, ziehen sie sich von den siebziger bis in die neunziger Jahre. Dabei finden sich verschiedene Themen wieder, die er vor allem in seinen Fernsehdrehbüchern schon angegangen ist. Neben der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust immer wieder die Furcht vor dem Machtmissbrauch und die Zerrüttung der Familie meistens von innen heraus und weniger durch die üblichen Gefahren von psychopathischen Massenmördern oder Kriegen. Interessant und bemerkenswert sind dabei Cohens Äußerungen zum Holocaust in einem fast achtzig Seiten umfassenden, im Anhang befindlichen langen Interview, das die Grundlage dieser Studie darstellte. Cohen merkt an, dass der Antisemitismus vor Hitlers Machtergreifung in den USA und vielen anderen europäischen Ländern größer gewesen ist als in Deutschland. Er kann nicht ausschließen, dass eine Rezession und ein wirtschaftlicher Niedergang inklusiv eines verlorenen Krieges nicht ebenfalls drastische Folgen für die Minderheiten in den USA gehabt hätten. Damit spricht er die Deutschen nicht frei, aber er redet denen ins Gewissen, die vor dem Dritten Reich eine ähnliche Politik betrieben haben.
Im Interview geht Larry Cohen auch sehr kritisch nicht nur mit den eigenen Arbeiten um, sondern relativiert einige Thesen - kaum Einfluss bei "The Invaders" -, die Tony Williams in seinem langen Essay aufgestellt hat. Während sich der Autor bemüht, eine konsequente Umsetzung von Cohens Ideen zu erkennen, spricht dieser davon, im Grunde nur seinen Scheck erhalten zu haben. Gemeinsam gehen sie vor allem auf Cohens Regiearbeiten ein, wobei auch hier Cohen neben Selbstkritik auf die fehlende Vermarktung genauso eingeht wie den nicht seinen Erwartungen entsprechenden DVD oder Videomarkt. Interessant ist, dass vielen von Cohens Filmen zu den teuersten und am schwersten zu erhaltenden Produktionen am Markt gehören. Ergänzt wird dieses Interview durch ein zweites Gespräch zum Thema "Guerilla Film Making", in dem Cohen aus der Praxis plaudert. Mit Michael Moriarty - sein Hauptdarsteller in vier Filmen, auch wenn aus dem Text und den Anekdoten Cohens hervorgeht, dass dieser relativ eitel und auf seine Präsenz bedacht erscheint - und James Dixon sprechen zwei langjährige Wegbegleiter vor der Kamera über den Amerikaner, während seine langjährige Ehefrau Janelle Web Cohen insbesondere über die siebziger und achtziger Jahre aus einer intimen persönlichen Perspektive spricht, die gegenüber ihrem Mann als Kollege respektvoll ist. Gleichzeitig beleuchtet sie einige Aspekte in Cohens Werk und hinsichtlich der Entstehungsgeschichte einzelner Filme, die das lang domionierende Interview mit dem Regisseur nicht nur ergänzen, sondern viel wichtiger aus einer mehr oder minder neutralen Position vervollständigen.
Mit deutlich mehr teilweise seltenen hinter den Kulissen aufgenommenen Bilder gegenüber der Erstauflage ist diese leider nicht bis in die Gegenwart hinsichtlich der Vermarktung von Larry Cohens Werk überarbeitete Neuauflage ohne Frage lesenswert, auch wenn der Autor überambitioniert hinter jeder Szene eine Botschaft oder zumindest eine Allegorie vermutend übertreibt und vom Objekt seiner Begierde im besten Teil des Buches durch das lange Gespräch überraschend pragmatisch auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wird. Da viele Larry Cohen Streifen aber einer Wiederentdeckung harren, lohnt es sich, mit "The Radical Allegories of an Independent Filmmaker" zu beginnen. Zumindest der Anhang ist auf den neusten Stand gebracht worden und einige zum Zeitpunkt der Erstauflage nicht realisierte Projekte werden in einer Art Zeitraffer erwähnt
MacFarland
Print ISBN: 978-0-7864-7969-6
Ebook ISBN: 978-1-4766-1819-7
46 photos, filmography, appendices, notes, bibliography, index
380pp. softcover (7 x 10) 2015
