Katzenspiel

Alan Dean Foster

Der Originaltitel von Alan Dean Fosters „Katzenspiel“ enthält ein nicht zu übersetzendes Wortspiel. „Cat-a-lyst“ bezieht sich nicht nur auf zwei allerdings vom Autoren sehr ambivalent eingesetzte Samtpfoten, hinter denen mehr steckt als ein opportunistischer Begleiter, eine der beiden Katzen wird die Science Fiction Elemente des Romans auslösen. Der Kater dient quasi als Katalysator. Weiterhin haben die Wächter der Erde – im Original ein wenig einfallslos auch noch „Monitors“ genannt – sich entschieden, die äußere Form von Katzen auszuwählen, obwohl sie ihre grundlegenden Aufgaben hinsichtlich einer Überwachung der Erde und der Menschen seit Jahrhunderten vernachlässigt haben. Erst eine weitere in diesem Fall echte Katze macht sie auf ihre Versäumnisse aufmerksam, wobei sie abschließend nur bedingt helfen können.  

Der 1991 in den USA veröffentlichte Roman stellt wie sein cineastisches Vorbild- die Screwball Komödie – leichte Unterhaltung dar. Im Gegensatz zu Alan Dean Foster schließlich in den Klamauk abfallenden „Bannsänger“ Zyklus ist sich Alan Dean Foster der Verantwortung bewusst, eine stringente Handlung zu erzählen, die zwar keiner logischen Betrachtung standhält, aber vergleichbar solchen Filmen wie „Howard the Duck“ am Ende eine mittelbare Bedrohung erschafft, die eher durch einen Zufall und bissige Seitenhiebe auf die verschiedenen Medienindustrien buchstäblich aus dem Äther genommen werden kann.

Sowohl der Anfang als auch das Ende bestehen aus einer Abrechnung mit der Medienindustrie und den gigantischen monetären Summen, welche den Produzenten im Grunde für geistlosen Blödsinn bezahlt wird.

Jason Carter ist ein attraktiver junger Mann und Schauspieler. Allerdings in B Filmen. Auf dem Set einer Bürgerkriegsromanze kommt es zu einer emotionalen Eskalation zwischen dem natürliche farbigen Schauspieler, der sich opfert; der zickigen Hauptdarstellerin und schließlich dem überforderten Regisseur. Alan Dean Foster spielt in dieser Szene alle klischeehaften Karten aus, zeigt aber dem Leser gleichzeitig die Richtung. Durch einen Zufall findet er vor seinem Umkleidetrailer eine CD. 

Am Ende der Sequenz klagt Jason Carter der Maskenbildnerin sein Leid und berichtet von seinem Fund. Auf der codierten CD ist die Anschrift des Besitzer und ein Hinweis auf eine Belohnung. Gemeinsam bringen sie die CD zurück, kopieren aber den Inhalt vorher. Anscheinend geht es um einen „Schatz“, der in Peru versteckt sein soll. Natürlich macht der Fund neugierig und Jason Carter entschließt sich, die Maskenbildnerin zwischen zwei Filmen quasi nach Lateinamerika zu begleiten.

Im peruanischen Dschungel begegnen die beiden mit ihrem natürlich grundehrlichen Führer plötzlich einer Reihe von Menschen, die auch ein Interesse an der Fundstelle haben. Der Reigen beginnt natürlich beim Besitzer der CD über eine attraktive Frau, mit welcher Jason Carter in der Hotelbar ein unverfängliches Gespräch gesucht hat und endet bei zwei schwer bewaffneten Brüdern, die tagsüber Inka Cola herstellen und die Welt mit Freizeitpark im Stile von Disneyworld mit einem Inkaschwerpunkt überziehen wollen. Schon in den USA nervte Jason Carter eine Journalistin mit asiatischen Wurzeln, die für zahlreiche Schmierenblätter schreibt. Sie rundet die ungleiche Gruppe obligatorisch zuletzt eintreffend ab.

Der Wendepunkt vieler Screwballkomödien ist das fast zeitgleiche Aufeinandertreffen der relevanten Gruppen an einem für die Handlung wichtigen Ort. Alan Dean Foster nimmt es als Ausgangspunkt für die zahlreichen Science Fiction Ideen, die isoliert voneinander nicht unbedingt originell sind, aber in einer derartig übertriebenen und gutmütigen Art präsentiert werden, dass ein an intellektuellem Fast Food interessierter Leser ihm nicht einmal böse sein kann.

Das Spektrum reicht von einer Parallelwelt, in welche die Nachkommen der vertriebene Inkas geflohen sind über die angesprochenen Wächter bis zu den Göttern aus dem All, die von Däniken beschrieben hat. Insbesondere in diesem Punkt treibt Alan Dean Foster sein Spiel mit den Lesern, in dem er alle von Dänikens Theorien zu Beginn nicht unbedingt mit Argumenten, aber Floskeln unterminiert und deutlich macht, dass die Wächter ja aufgrund der vorhandenen und zurückgelassenen Transmittertechnologie gar keine Raumschiffe brauchen. Am Ende hat aber doch von Däniken recht, allerdings auf eine etwas andere Art als es vielleicht der Schweizer selbst erwartet hat.

Zu den angesprochenen Aspekten kommt eine klassische Invasionsgeschichte. Die Inkas wollen Rache. Vor allem an den Spaniern, aber natürlich dann auch an allen Europäers. Unabhängig davon, dass sie gar nicht richtig wissen, was Europa ist. Gigantische Schiffe werden mit den Transmittern, deren Technik sie nicht verstehen, in die Ausgangswelt transportiert. Auch diese Handlungsebene endet mit einer Überraschung,  die lange Zeit offenbleibt, bis Alan Dean Foster im Epilog näher auf sie eingeht. Dabei bezieht sich der Autor impliziert auch auf seinen ein Jahr vorher entstandenen und nicht übersetzten historischen Roman „Maori“.

Nachdem der erste Plan „gescheitert“ ist, muss es mit modernen Mitteln gehen. Hier greift Alan Dean Foster vor allem die Fernsehindustrie an. Eine Tele Novela soll begleitet von subtilen Botschaften eine antispanische Atmosphäre in Europa erzeugen, an deren Höhepunkt das Fußballspiel Barcelona- Liverpool steht. Während Alan Dean Foster zumindest die Thesen von Däniken fehlerfrei rezitieren kann, ist der Amerikaner beim Fußball ein wenig unsicherer. Championleague an einem Sonnabend, dann wieder die Nationalmannschaften und nicht die Clubteam der beiden Ländern. Aber es ist auch der satirische Weg, der mehr zählt.

Die Anweisungen an die beiden ohne Frage gerne ein wenig schnupfenden Drehbuchautoren sind der Höhepunkt der Buches.  Während die Protagonisten den beiden Drehbuchautoren von ihren Plänen erzählen, sind die vom Fluss der Ideen begeistert, ohne auf die Idee zu kommen, das könnten echte Invasoren sein.

Hinzu kommt, dass die echten Außerirdischen auch gerne die Form von Pflanzen wählen, aber unbedingt Sardellen als Nährstoffe brauchen, Und es gibt nur einen Ort, an dem man diese zumindest in brauchbare Anzahl findet… es ist nicht mehr das Meer.

Der Roman sprudelt wie angesprochen von bizarren Ideen oder besser ausgedrückt, ins Bizarre verzerrten Ideen über. Die Dialoge sind teilweise ein wenig spröde. Es ist ohne Frage schwer, die Wortwitze der amerikanischen Komödien auf Papier zu bringen und dabei den Fluss des Buches aufrechtzuerhalten. Ab und zu gelingt es nicht nur bei den überdrehten Drehbuchautoren, sondern auch der Journalistin mit asiatischen Wurzeln und einer fatalistischen Lebenseinstellung oder der Maskenbildnerin mit einer sehr bewegten Vergangenheit. An anderen Stellen wie der kontinuierlichen Werbung für geschmacklose Inka Cola und den Freizeitparks überspannt Alan Dean Foster den Bogen.

Viele der Ideen wirken nicht abschließend ausgearbeitet. Das liegt aber an deren Vielzahl.  Dieser Schwäche scheint sich der Autor  auch ein wenig bewusst gewesen zu sein, als das Finale mit einer Mischung aus Improvisation und Mut zur Lücke abläuft, dem selbst die Protagonisten keine realistische Erfolgsaussicht zugestehen. Natürlich klappt es irgendwie, auch es kritisch gesprochen unabhängig vom stellvertretenden Eingeständnis einer Konstruktion ein wenig zu abrupt erscheint.

Es ist die „Reise“,  welchen den Reiz des Buches ausmacht. Alan Dean Foster ist ein weltgewandter Mann, der seine eigenen Erfahrungen unauffällig in den Text einfließen lässt. Insbesondere zwischen dem Auftakt am Filmset und der Begegnung aller Protagonisten natürlich im tiefsten wie grünen Dschungel gelingt es Alan Dean Foster, ein noch aufregendes, aber nicht touristisches Bild Lateinamerikas zu zeichnen, das den Einheimischen trotz ihrer Geschäftspraktiken zumindest Respekt zollt.

„Katzenspiel“ ist eine der besseren Komödien aus der Feder Alan Dean Fosters, die sich ihrer Science Fiction Elemente durchaus bewusst ist, aber deren Wirkungen und Auswirkungen plakativ verzerrt und übertrieben beschreibt, dass die Bedrohungen der Inka Nachkommen genauso wenig ernst genommen werden wie der Besuch außerirdischer intelligenter Pflanzen, die ihre eigentliche Aufgabe seit langem ignoriert haben.

 

Katzenspiel

  • Broschiert : 330 Seiten
  • ISBN-10 : 3453133293
  • ISBN-13 : 978-3453133297
  • Herausgeber : Heyne; o.A. Edition (1. Januar 1998)